
Von Helfer:in zu Fachkraft: Fachkräftepotenziale der Höherqualifizierung
KOFA Kompakt 08/2026Viele kleine und mittlere Unternehmen suchen ausgebildete Fachkräfte, finden jedoch oft aufgrund von Fachkräfteengpässen keine. Gleichzeitig sind viele Menschen ohne Berufsabschluss arbeitslos oder arbeiten in Helfertätigkeiten, obwohl sie Erfahrung mitbringen. Die KOFA-Studie „Von Helfer:in zu Fachkraft: Fachkräftepotenziale der Höherqualifizierung“ untersucht, welchen Beitrag die Qualifizierung von Menschen ohne Berufsabschluss zur Fachkräftesicherung leisten kann und worauf Betriebe bei der Umsetzung achten sollten.
Das Wichtigste in Kürze
- Rechnerisch ließe sich rund jede sechste nicht besetzbare Fachkraftstelle durch die Qualifizierung arbeitsloser Helferinnen und Helfer besetzen.
- Auch bereits beschäftigte An- und Ungelernte können qualifiziert werden: Sie kennen den Betrieb häufig gut und bringen wertvolle Berufserfahrung mit.
- Ob Qualifizierung gelingt, hängt weniger am Angebot als an Perspektive, Begleitung und betrieblicher Organisation.
Die Studie weist aus, in welchen Engpassberufen das Qualifizierungspotenzial von arbeitslosen und beschäftigten Helferinnen und Helfern besonders groß ist und wo es an Grenzen stößt.
Fachkräftemangel ist vor allem ein Qualifikationsproblem
Bundesweit stehen genug Menschen zur Verfügung, um rechnerisch alle offenen Stellen besetzen zu können. Was jedoch fehlt oft fehlt, ist die berufliche und qualifikatorische Passung: Ein großer Teil der Arbeitslosen sucht eine Helfertätigkeit, für die es weniger Stellen als Bewerber gibt, während Betriebe qualifiziertes Personal nicht finden. Höherqualifizierung setzt genau an dieser Lücke an.
Für Unternehmen bedeutet das einen Perspektivwechsel: Statt zu fragen, wo sich bereits qualifizierte Fachkräfte finden lassen, lohnt der Blick darauf, wen der Betrieb selbst dorthin entwickeln kann. Das erweitert den Bewerberkreis und macht den Personalbedarf planbarer.
Wo Qualifizierung ansetzen kann
Zwei Gruppen kommen infrage. Beschäftigte Helferinnen und Helfer kennen Abläufe, Kolleginnen und Kunden bereits – für sie ist die Hürde zum nächsten Schritt oft niedrig. Arbeitslose Helferinnen und Helfer bringen häufig Erfahrung aus früheren Beschäftigungen mit, an die eine Qualifizierung anknüpfen kann.
Entscheidend ist die berufliche Nähe. Wo Vorerfahrung und Zielberuf zusammenpassen, ist der Weg kürzer. Allerdings unterscheiden sich die Anforderungen erheblich: In reglementierten Berufen wie der Pflege ist ein formaler Abschluss nötig, in vielen anderen Feldern reichen Arbeitgebern auch Teilqualifikationen. Welche Berufsfelder besonders tragfähig sind, zeigt die Studie im Detail.

Durch die Qualifizierung arbeitsloser Helfer im passenden Berufsfeld ließe sich rechnerisch rund jede sechste derzeit nicht besetzbare Stelle für Fachkräfte besetzen. Das entspricht mehr als 38.000 Stellen.
Jurek TiedemannStudienautorQualifizierung im Betriebsalltag verankern
Qualifizierung scheitert selten am Willen, sondern an ungeklärten Fragen: Wer übernimmt die Aufgaben während der Lernzeit? Was folgt nach dem Abschluss? Gerade in KMU mit knapper Personaldecke fallen Abwesenheiten ins Gewicht. Zugleich haben kleinere Betriebe einen Vorteil, den große schwer nachbilden: persönliche Begleitung im Arbeitsalltag. Mentoring und arbeitsplatznahes Lernen binden neue Kompetenzen direkt an konkrete Aufgaben – für Geringqualifizierte oft der wirksamste Weg.
Empfehlungen für KMU
Wer Qualifizierung erst startet, wenn eine Stelle unbesetzt bleibt, beginnt zu spät. Sinnvoll ist eine vorausschauende Planung entlang absehbarer Kompetenzbedarfe. Diese Schritte helfen beim Einstieg:
- Prüfen Sie, welche beschäftigten Helferinnen und Helfer für eine Höherqualifizierung infrage kommen und suchen Sie früh das Gespräch.
- Benennen Sie konkret, welche Aufgaben, Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten nach der Qualifizierung folgen können.
- Sprechen Sie individuelle Hürden offen an, etwa Einkommenseinbußen während der Lernphase oder familiäre Verpflichtungen.
- Machen Sie Entwicklungswege sichtbar – auch in Stellenanzeigen.