
Fachkräftereport März 2026
KOFA Kompakt 05/2026Weniger Engpässe in Sozialberufen, mehr bei Infrastruktur und Verteidigung
Das Wichtigste in Kürze
- Im März 2026 blieben bundesweit rund 357.000 offene Stellen rechnerisch unbesetzbar, obwohl es mehr qualifizierte Arbeitslose und weniger offene Stellen gab als im Vorjahr.
- Bei Spezialist:innen in der Kinderbetreuung und bei Expert:innen in der Sozialarbeit und Sozialpädagogik gingen die Engpässe deutlich zurück, die Besetzung blieb aber in beiden Berufsgattungen schwierig.
- In mehreren Metall- und Elektroberufen stiegen die Engpässe entgegen dem allgemeinen Arbeitsmarkttrend, besonders bei Fachkräften für Schweiß- und Verbindungstechnik, Metallbearbeitung, Metallbau sowie Maschinenbau- und Betriebstechnik.
Fachkräftereport März 2026
Weniger Engpässe in Sozialberufen, mehr bei Infrastruktur und Verteidigung
Fachkräfteengpässe bleiben trotz schwacher Konjunktur bestehen
Im März 2026 waren bundesweit rund 1,3 Millionen qualifizierte Arbeitskräfte arbeitslos. Gleichzeitig gab es knapp 1,1 Millionen offene Stellen. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der qualifizierten Arbeitslosen, während die Zahl der offenen Stellen sank.
Dennoch blieb die Stellenbesetzung für Unternehmen ähnlich schwierig wie im Vorjahr: Etwa jede dritte offene Stelle war rechnerisch nicht passend besetzbar. Das entsprach bundesweit rund 357.000 rechnerisch nicht besetzbaren Stellen.
Sozialberufe: weniger Engpässe, aber weiter schwierige Besetzung
Besonders stark gingen die Engpässe in klassischen sozialen Engpassberufen zurück. Bei Spezialist:innen in der Kinderbetreuung und - erziehung sank die Fachkräftelücke zwischen März 2025 und März 2026 deutlich auf zuletzt rund 12.200 rechnerisch nicht besetzbare Stellen. Das entsprach fast jeder zweiten offenen Stelle in dieser Berufsgattung. Ein Grund für den Rückgang der Fachkräftelücke dürfte die demografische Entwicklung insbesondere in ostdeutschen Bundesländern sein. Durch die niedrigen Geburtenraten der letzten Jahre sank auch die Zahl zu betreuender Kinder.
Auch bei Expert:innen in Sozialarbeit und Sozialpädagogik nahm die Fachkräftelücke ab. Gleichzeitig standen für mehr als 10.900 offene Stellen bundesweit keine passend qualifizierten Arbeitslosen zur Verfügung. Rund sechs von zehn offenen Stellen konnten rechnerisch nicht besetzt werden. Der Rückgang der Fachkräftelücke dürfte unter anderem mit zuletzt deutlich gesunkenen Migrationszahlen sowie damit verbundenen Kürzungen der Finanzierung verschiedener beratender, integrativer und psychosozialer Angebote für Zugewanderte zusammenhängen. Ein weiterer wichtiger Grund für diese Kürzungen dürfte die angespannte finanzielle Situation vieler öffentlicher Haushalte in Deutschland sein.
Soziale Berufe spielen auch bei der Fachkräftesicherung eine entscheidende Rolle. Kinderbetreuung und soziale Unterstützung beeinflussen, ob Beschäftigte arbeiten können, ob Ausbildung gelingt und ob Standorte für Fachkräfte attraktiv sind. Besonders im ländlichen Raum kann eine schwächere soziale Infrastruktur die Fachkräftesicherung erschweren.
M+E-Berufe: steigende Engpässe trotz Konjunkturflaute
In mehreren Metall- und Elektroberufen stiegen die Engpässe, obwohl die M+E-Branche insgesamt unter konjunkturellem Druck steht. Unter den Berufen mit den größten Zuwächsen der Fachkräftelücke finden sich Fachkräfte für Schweiß- und Verbindungstechnik, für spanende Metallbearbeitung, für Metallbau sowie für Maschinenbau- und Betriebstechnik. Der steigende Personalbedarf in diesen Berufen dürfte im Zusammenhang mit den Sondervermögen für Verteidigung und Infrastruktur sowie mit der fortschreitenden ökologischen Transformation stehen.

Die Infrastrukturmodernisierung und Verteidigungsinvestitionen treiben die Fachkräftenachfrage in M+E-Berufen – trotz schwacher Konjunktur in der Industrie. M+E-Fachkräfte bleiben damit für die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland unerlässlich.
Gero KunathStudienautorPassung bleibt für Fachkräftesicherung entscheidend
Der Arbeitsmarkt war im ersten Quartal 2026 von vielen gegenläufigen Entwicklungen geprägt. In manchen Berufen sinken Engpässe, in anderen nehmen sie zu. Für KMU zählt deshalb vor allem, ob verfügbare Arbeitskräfte zur konkreten Stelle passen.
Diese Passung ist beruflich und regional unterschiedlich. Technische Fachkräfte aus der Automobilindustrie oder der Metall- und Elektroindustrie können je nach Qualifikation auch für andere Branchen interessant sein. Für Unternehmen mit Engpässen kann das neue Rekrutierungschancen eröffnen, wenn Stellenprofile nicht zu eng formuliert sind.
Auch Quereinstiege werden wichtiger. KOFA-Informationen zum Einstellen von Quereinsteiger:innenund zur Teilqualifizierung für KMU können helfen, passende Einsatzbereiche zu prüfen und Einarbeitung gezielt zu planen. Die vollständige Studie bietet dafür zusätzliche Detailergebnisse und berufliche Differenzierungen.
Empfehlungen für KMU
KMU sollten offene Stellenprofile prüfen und Muss-Anforderungen von Qualifikationen trennen, die auch durch Einarbeitung oder Weiterbildung aufgebaut werden können. Das ist besonders relevant, wenn technische Fachkräfte in M+E-Berufen gesucht werden.
Bei schwer besetzbaren Stellen lohnt sich der Blick auf verwandte Berufsfelder. Fachkräfte aus angrenzenden technischen Berufen können für Aufgaben in Schweißtechnik, Metallbearbeitung, Metallbau oder Maschinenbau- und Betriebstechnik infrage kommen, wenn Betriebe Einarbeitung und Qualifizierung einplanen.
Unternehmen im ländlichen Raum sollten bei überregionaler Rekrutierung praktische Hürden mitdenken. Dazu gehören Unterstützung bei Wohnungssuche, Kinderbetreuung oder Ankommen am Standort.
Für Berufe mit anhaltend hohen Engpässen sollten KMU frühzeitig Nachwuchswege sichern. Dazu zählen Ausbildung, Teilqualifizierung, strukturierte Einarbeitung von Quereinsteiger:innen und Kooperationen mit regionalen Partnern.