Skip to content
Wenn Sie hier klicken, kommen sie zur StarteiteHome Icon
Home
KOFA Logo als Hintergrundbild

Fachkräftemangel im Gartenbau – mehr als ein Saisonproblem

KOFA Kompakt 06/2026

Der Gartenbau ist stark von saisonalen Arbeitsspitzen geprägt. Der KOFA Kompakt „Fachkräftemangel im Gartenbau – mehr als ein Saisonproblem“ zeigt jedoch, dass Engpässe bei qualifizierten Arbeitskräften nicht nur in den Frühjahrs- und Sommermonaten auftreten. Für kleine und mittlere Unternehmen ist das relevant, weil Personalplanung, Ausbildung und Fachkräftebindung längerfristig gedacht werden müssen. Die Ergebnisse ordnen ein, welche Gartenbaubereiche besonders betroffen sind und welche Zielgruppen für die Fachkräftesicherung stärker in den Blick rücken.

Das Wichtigste in Kürze

• Im Jahresdurchschnitt 2025 gab es im Gartenbau 12.146 offene Stellen für qualifizierte Arbeitskräfte; die Fachkräftelücke lag bei 4.818 Stellen.

• Der Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (GaLaBau) prägt die Engpasslage besonders stark: 75,9 Prozent der Fachkräftelücke im Gartenbau entfallen auf den GaLaBau.

• Ausbildung, ältere Beschäftigte, Frauen und internationale Fachkräfte sind zentrale Ansatzpunkte, unterscheiden sich aber je nach Beruf und Qualifikationsniveau deutlich.

Beitrag teilen:

Fachkräfteengpässe bestehen auch außerhalb der Hochsaison

Im Gartenbau steigt die Nachfrage nach Arbeitskräften in den Frühjahrs- und Sommermonaten deutlich. Im Juni 2025 standen knapp 12.600 offenen Stellen rund 7.600 Arbeitslose in Gartenbauberufen gegenüber. Die Fachkräftelücke fällt in diesen Monaten entsprechend höher aus.

Für KMU ist vor allem der Blick auf die schwächeren Monate relevant. Selbst im Februar 2026 waren annähernd 3.300 offene Stellen rechnerisch nicht passend zu besetzen. Der Fachkräftemangel ist damit kein reines Saisonphänomen. Betriebe, die qualifizierte Fachkräfte benötigen, stehen auch außerhalb der Hochsaison vor Besetzungsproblemen.

Einzelne Gartenbaubereiche gehen unterschiedlich mit Saisonalität um. Im Obst- und Gemüsebau spielt kurzfristige Beschäftigung eine größere Rolle. Andere Bereiche, darunter der GaLaBau, sind stärker auf qualifizierte und ganzjährig verfügbare Fachkräfte angewiesen.

Portrait von Philip Herzer

Der Fachkräftemangel im Gartenbau ist kein Saisonphänomen. Zwar sind die Engpässe im Sommer besonders groß, doch selbst im Februar 2026 waren rechnerisch 3.289 offene Stellen für qualifizierte Fachkräfte nicht passend zu besetzen.

Philip HerzerStudienautor

Der GaLaBau prägt die Fachkräftesituation im Gartenbau

Der Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau ist nicht gleichbedeutend mit dem gesamten Gartenbau, prägt die Engpasslage aber besonders stark. Auf Fachkräfteniveau entfielen 2025 im GaLaBau 7.153 offene Stellen und eine Fachkräftelücke von 3.658 Stellen. Mehr als jede zweite offene Stelle auf Fachkräfteniveau konnte rechnerisch nicht passend besetzt werden.

Auch bei Spezialist:innen zeigen sich Engpässe, aber an anderer Stelle. Im Bereich Aufsicht und Führung im Gartenbau lag die Fachkräftelücke bei 547 Stellen. Dort blieben annähernd drei Viertel der offenen Stellen rechnerisch unbesetzt.

Für KMU heißt das: Die Fachkräftesituation sollte nicht pauschal für „den Gartenbau“ bewertet werden. Ein GaLaBau-Betrieb hat andere Personalengpässe als eine Baumschule, ein Betrieb der Friedhofsgärtnerei oder ein Unternehmen im allgemeinen Gartenbau. Personalplanung sollte daher nach Tätigkeit und Qualifikationsniveau ansetzen.

Altersstruktur, Frauenanteil und internationale Beschäftigte unterscheiden sich stark

In mehreren Gartenbauberufen ist ein hoher Anteil der Beschäftigten 55 Jahre oder älter. Besonders auffällig sind Aufsichtsfunktionen im Gartenbau mit 39,2 Prozent sowie Expert:innen im Gartenbau mit 38,1 Prozent. In Bereichen, die aktuell rechnerisch weniger stark betroffen sind, können altersbedingte Abgänge deshalb künftig stärker ins Gewicht fallen.

Der Frauenanteil unterscheidet sich deutlich nach Beruf und Qualifikationsniveau. Im GaLaBau liegt er auf Fachkräfteniveau bei 10,5 Prozent und auf Spezialistenniveau bei 9,9 Prozent. Auf Expertenniveau im GaLaBau liegt der Frauenanteil dagegen bei 58,3 Prozent. Für Betriebe mit Bedarf an Fachkräften kann eine gezieltere Ansprache von Frauen daher ein relevanter Ansatzpunkt sein. Vertiefende Hinweise bietet die KOFA-Themenseite Frauen rekrutieren: So finden KMU weibliche Fachkräfte.

Auch internationale Fachkräfte werden unterschiedlich erreicht. Im GaLaBau liegt ihr Anteil auf Fachkräfte- und Spezialistenniveau etwa im Durchschnitt oder leicht darüber. In der Aufsicht im Gartenbau liegt er dagegen bei 2,5 Prozent, im Gartenbau auf Expertenniveau bei 3,1 Prozent. Für KMU, die internationale Beschäftigte gewinnen, ist eine strukturierte Einarbeitung zentral; praktische Unterstützung bietet die KOFA-Themenseite Internationale Fachkräfte als neue Mitarbeiter gewinnen.

Ausbildung bleibt zentral, aber Passungsprobleme bestehen

Die duale Ausbildung ist im Gartenbau weiterhin ein wichtiger Zugang zu Fachkräften. 2025 wurden 5.136 neue Ausbildungsverträge in Gartenbauberufen abgeschlossen. Davon entfielen 3.867 auf den GaLaBau, also rund drei Viertel.

Gleichzeitig bleiben Ausbildungsstellen unbesetzt, während Bewerber:innen keine passende Stelle finden. Im Jahr 2025 standen 551 unbesetzte Ausbildungsstellen 1.131 unversorgten Bewerber:innen gegenüber. Für KMU ist dieser Befund relevant, weil die reine Zahl interessierter Jugendlicher nicht automatisch zu besetzten Ausbildungsplätzen führt.

Auch die Ausbildungsberufe unterscheiden sich deutlich. Im GaLaBau lag der Frauenanteil unter den neuen Auszubildenden 2024 bei 15,6 Prozent, in der Baumschule, Staudengärtnerei und im Zierpflanzenbau bei 50,4 Prozent. Tipps für eine bessere Zielgruppenansprache bietet das KOFA im Beitrag Ausbildungsmarketing: 10 Tipps zur Zielgruppenansprache - KOFA.

Empfehlungen für KMU

Die Ergebnisse zeigen unterschiedliche Ansatzpunkte je nach Beruf, Qualifikation und Zielgruppe. KMU können daraus konkrete Schritte für ihre Fachkräftesicherung ableiten:

Personalbedarf nach Funktion prüfen: Erfassen Sie getrennt, ob Engpässe bei Fachkräften, Aufsicht/Führung oder Expert:innen auftreten. Besonders im GaLaBau und bei Aufsichtsfunktionen fallen die Engpässe unterschiedlich aus.

Ältere Beschäftigte gezielt halten: Prüfen Sie Arbeitsorganisation, körperliche Belastung und Übergänge in den Ruhestand. Hinweise bietet die KOFA-Seite [Altersgerechte Arbeit in KMU].

Frauen gezielter ansprechen: Zeigen Sie auf Karriereseiten, in Stellenanzeigen und bei Praktika konkrete Tätigkeiten, Entwicklungsmöglichkeiten und weibliche Vorbilder, besonders für Fachkräfte im GaLaBau.

Ausbildungsmarketing konkreter ausrichten: Sprechen Sie Jugendliche mit realistischen Einblicken in Arbeitsalltag, Saisonverlauf und Entwicklungsmöglichkeiten an. Nutzen Sie dabei Kanäle, auf denen Ihre Zielgruppe tatsächlich erreichbar ist.

Internationale Beschäftigte strukturiert einarbeiten: Legen Sie Zuständigkeiten, Einarbeitungsplan und Unterstützung im Betrieb vor Arbeitsbeginn fest, besonders in Bereichen mit bislang niedrigen Anteilen ausländischer Fachkräfte.

Fazit

Der KOFA Kompakt zeichnet ein differenziertes Bild: Der Gartenbau hat Fachkräfteengpässe, aber sie treffen Berufe und Qualifikationsniveaus unterschiedlich stark. Für KMU ist deshalb entscheidend, nicht nur auf die nächste Saison zu blicken, sondern Fachkräftebedarf, Ausbildung und Zielgruppenansprache längerfristig zu planen.