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Transkript: Folge 21

KOFA auf dem Sofa: Führen in Teilzeit

Jens: 
KOFA auf dem Sofa, der Podcast mit Sibylle Stippler und Jens Breuer. 

Ja, da sind wir wieder. Hallo Sibylle. 

Sibylle: 
Hallo lieber Jens. 

Jens: 
Es ist Folge Nummer 21 von KOFA auf dem Sofa. Das ist der Podcast für alle, die in kleinen und mittleren Unternehmen richtig etwas bewegen wollen – unterstützt übrigens, wir haben es in der letzten Folge schon kurz gesagt und tun es wieder, vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Herzlichen Dank dafür. 

Ja, willkommen. Schön, dass Sie wieder mit dabei sind. 

Sibylle, wir haben nach der letzten Folge ganz viel tolles Feedback bekommen. Erzähl mal kurz, wer hat uns geschrieben? 

Sibylle: 
Ja, zum Beispiel hat sich die SSC Service GmbH noch mal gemeldet. Da hatten wir ja über das Schlüsselerlebnis berichtet, das sie sich einfallen lassen haben, um noch mal andere Kanäle fürs Recruiting aufzumachen. 

Die haben sich total gefreut, dass sie eben auch bei uns eine kleine Bühne gefunden haben, genau um das noch mal bekannter zu machen, und haben auch gesagt, sie wollen jetzt mal öfter reinhören. 

Und dann hat sich noch Annina Hering von Indeed gemeldet und noch mal auf unsere gemeinsame Studie hingewiesen. Das hat mich total gefreut, weil so oft hören wir uns sonst im Alltag auch nicht. 

Jens: 
Prima, darüber haben wir uns tatsächlich sehr gefreut. 

Und wenn Sie Lust haben, sich auch zu beteiligen, mal Feedback zu geben, tun Sie das bitte in den sozialen Medien. Einfach mal schreiben. Wir lesen das alles und freuen uns wahnsinnig – und schreiben natürlich auch zurück. 

So, donnerstags, 22:50 Uhr, ist bei mir zu Hause Fernsehzeit angesagt. Da läuft immer der ganz groß geballte Irrsinn einer ganzen Woche in einer einzigen Sendung, denn da ist Extra 3 im NDR. 

Und es ist noch gar nicht so lange her, da ging es dort um das Thema Frauen in Führungspositionen beziehungsweise im Grunde genommen nicht mehr in Führungspositionen. Denn zum ersten Mal ist es jetzt wieder so, dass die Anzahl der Frauen in DAX-Vorständen rückläufig ist. 

Ich glaube, es sind noch 12,8 Prozent oder so etwas in dem Dreh. Es ist ja nicht so, dass es vorher wahnsinnig viele gewesen wären, da waren es 14 Komma irgendwas. 

Wir hören noch mal ganz kurz in die Sendung rein: 

„Eine neue Studie sagt, die Gleichheit zwischen Männern und Frauen, also die Parität in Vorständen, die Geschlechterparität, wird womöglich erst im Jahr 2053 erreicht sein. Das macht doch Mut, oder? Noch 12.054 Tage bis zur Gleichberechtigung. Das ist ja quasi morgen.“ 

Ja, also wirklich ein überschaubarer Zeitraum. 

Es ist wirklich ganz, ganz hart. 

Christian Ehring spielt damit auf eine Studie der Albright Stiftung an. 

Sibylle, kannst du einschätzen, woran es liegt, dass die Anzahl der Frauen jetzt sogar wieder zurückgegangen ist? 

Sibylle: 
Ja, das liegt vermutlich an zwei Mechanismen. 

Einmal ist es so, dass wir gerade in Krisenzeiten dazu neigen, eher auf das Gewohnte zurückzugreifen, das Altbewährte herzunehmen. Und na ja, da ist es nun mal so, dass Männer als Führungskräfte in Deutschland schon sehr etabliert sind. Frauen sind da eher noch ein rares Gut. 

Der zweite Grund ist vermutlich, dass die Vorstände grundsätzlich verkleinert wurden. Oftmals ist eben dieser Verkleinerung gerade die einzige Frau, die da mal mit an die Spitze gekommen war, zum Opfer gefallen. 

Jens: 
In anderen Industrieländern, auch in Europa, die ja durchaus mit Deutschland vergleichbar sind, sieht die Entwicklung ganz anders aus. 

Warum fahren die Konzerne bei uns einen so krass anderen Kurs? Im Prinzip müsste es doch international ganz ähnlich aussehen. 

Sibylle: 
Ja, sollte man meinen. 

Zumal, wenn man auf die Studienlage schaut, gibt es so viele gute Argumente, die für diverse Führungsteams sprechen. 

Zum Beispiel sind diese Teams erfolgreicher, sie sind profitabler, sie sollen auch innovativer sein. Die Datenlage ist da eigentlich schon recht überzeugend. 

Unter anderem setzt sich ja auch die Charta der Vielfalt dafür ein, das sichtbarer zu machen und zu zeigen, wie diverse Teams zusammenarbeiten können. 

Jens: 
Erklär mal bitte ganz kurz für alle, die das nicht kennen: Was ist denn genau die Charta der Vielfalt? 

Sibylle: 
Die Charta der Vielfalt ist eine freiwillige Selbstverpflichtung von Unternehmen, die sich auf die Fahne schreiben, sich für Diversität einzusetzen und das auch in der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft sichtbar machen möchten. 

Jens: 
Ja, die Frage ist heute – und jetzt in der Krise natürlich erst recht –, wie bringt man die größtmögliche Power auf die Schiene, wenn man so möchte? 

Die Antwort kann eigentlich nur heißen: mit den richtigen qualifizierten Leuten. 

Viele Unternehmen sagen allerdings – und das haben wir ja in der letzten Folge schon besprochen –, dass sie keine Fachkräfte finden oder Stellen gar nicht erst besetzen können. 

Dabei kann Führung in Teilzeit hier oft eine Lösung sein, wird aber von vielen Unternehmen noch gar nicht so gedacht. 

Sibylle: 
Ja, absolut. 

Die Hälfte der Erwerbstätigen in Deutschland sind nun mal Frauen. Wenn wir gleichberechtigt Berufstätigkeit von Frauen und Männern denken würden, dann hätte das wahrscheinlich sogar ein enormes Steigerungspotenzial für unser Bruttoinlandsprodukt. 

McKinsey hat mal ausgerechnet, dass das 422 Milliarden Euro wären, die wir wirtschaftlich stärker darstellen könnten. 

Das haben sie im Auftrag der Initiative Chefsache untersucht. Das ist ein Zusammenschluss von 21 Organisationen aus Wirtschaft, öffentlichem Sektor, Wissenschaft und Medien, die sich dafür einsetzen, dass mehr Frauen in Führungspositionen kommen. 

Sibylle: 
Genau, also ich denke, dafür muss ich aber eben auch kulturell in den Betrieben noch etwas tun. 

Denn wenn wir mal ehrlich sind und heute so hingucken, oft ist es doch noch so, dass Leistungsbereitschaft irgendwie gleichgesetzt wird mit einem hohen Arbeitspensum, mit langen Präsenzzeiten, mit einer hohen Mobilität und Flexibilität. 

Und das ist eben auch in unseren Führungskräftebewertungssystemen so hinterlegt, dass das irgendwie besonders belohnt wird. 

Solange das so ist, wird es halt immer schwierig sein, weil man dann oft auch als Teilzeitführungskraft vielleicht das Feedback bekommt: „Na ja, du hast ja gar nicht die Zeit, irgendwie die Extrameile zu gehen oder dich besonders zu engagieren.“ 

Das noch mal zu hinterfragen, ist, glaube ich, eine wichtige Aufgabe, die sich Betriebe stellen sollten. 

Jens: 
Aber ich glaube, das ist einer der wesentlichen Punkte, wo Corona uns jetzt – so schlimm das alles ist und vor allem für die Wirtschaft und die Unternehmen schlimm ist – auch zu einem aktiven Umdenken zwingt. 

Wir werden gezwungen, neue Wege zu gehen und neue Ideen auszuprobieren. 

Diese Arbeitszeitmodelle, Homeoffice – das ist heutzutage gelebter Alltag. Oder auch Reisen. Du hast gerade gemeint, dass viele Firmenreisen mit Führungskräften verbunden sind. Das ist ja gar nicht mehr notwendig. 

Ich glaube, dass sich insgesamt im Markt ganz, ganz viel tut, was Dienstreisen angeht. Vieles lässt sich – das stellt man jetzt fest – ganz wunderbar über Microsoft Teams und andere Videokonferenzen klären. 

Und das ist gar nicht unpersönlich. Vor ein paar Jahren wäre das noch undenkbar gewesen. Da hätte man gesagt: „Nee, also ich möchte den zumindest einmal bei mir sitzen gehabt haben.“ 

Mittlerweile kannst du das alles ganz wunderbar auch online lösen. 

Sibylle: 
Genau. Und das ist natürlich auch eine total wichtige Voraussetzung für mich gewesen, dass ich überhaupt vor mehreren Jahren diesen Job angenommen habe. 

Dass ich eben ein Smartphone habe, dass ich einen Laptop habe, dass ich mich auch virtuell in Besprechungen einklinken kann. 

Das stellt natürlich schon hohe Anforderungen an den Informationsfluss, die Kommunikationsfähigkeit und auch an mein Team, die sich darauf einstellen müssen. 

Ich bin nicht rund um die Uhr erreichbar, aber in meinem Kalender ist eben immer klar zu sehen, wann ich definitiv nicht erreichbar bin und wann ich da bin. 

Die wissen auch, wann sie mich anrufen können, mit welchen Fragen, und dass ich mich dann auch hundertprozentig auf sie einstelle und Antworten gebe. 

Insofern denke ich auch, dass Corona, was das betrifft, Fluch und Segen zugleich ist. 

Natürlich war es auch für mich als berufstätige Führungskraft in Teilzeit und Mutter mit einem Kind im Homeschooling echt herausfordernd. 

Ich konnte mich aber dafür wunderbar in mein Team hineinversetzen und wir haben priorisiert ohne Ende. 

Wir haben wirklich immer geguckt: Was ist jetzt das Wichtigste? Das machen wir zuerst. 

Das hat uns so diszipliniert und so gut durch diese Zeit gebracht. 

Und ich wage mal die Behauptung, dass gerade in dieser VUCA-Welt, von der wir heute oft sprechen – also diese volatile, unsichere, komplexe Welt mit ihren vielen Uneindeutigkeiten –, emotional stabile Führungskräfte besonders gefragt sind. 

Und das sind nun mal auch Mütter und Väter. Die müssen emotional stabil sein, sonst überleben sie den Alltag nicht. 

Jens: 
KOFA to go – Wissen zum Mitnehmen. 

Führung in Teilzeit ist heutzutage nicht nur möglich, sondern oft auch eine wirklich gute Idee mit ganz großen Vorteilen für alle Beteiligten, haben wir eben gehört. 

Damit das auch in Ihrem Unternehmen gut funktioniert, hat Sibylle wieder drei Ideen und Vorschläge zum Mitnehmen für Sie. 

Sibylle: 
Tipp Nummer 1: 

Flexible Arbeitszeitmodelle sind die Basis. 

Denken Sie dabei an mehr als an klassische Teilzeit, zum Beispiel auch an Jobsharing, an reduzierte Vollzeit und an mobiles Arbeiten. 

Falls dies ganz neu für Ihr Unternehmen ist, sammeln Sie Erfahrungen in einem Pilotbereich. 

Tipp Nummer 2: 

Entwickeln Sie Ihre Unternehmenskultur weiter. 

Kommen Sie weg von einer Präsenzkultur und hin zu mehr Ergebnisorientierung. 

Dabei wird nicht die Arbeitszeit oder gar die Anwesenheitszeit bewertet, sondern die Ergebnisse. 

Lassen Sie Ihren Worten Taten folgen, zum Beispiel indem Sie Anreiz- und Bewertungssysteme anpassen und mehr Teilzeitführung belohnen. 

Und aller guten Dinge sind drei: 

Befähigen Sie Ihre Führungskräfte, zum Beispiel mit Seminaren zum Selbstmanagement oder mit Unterstützungsangeboten, wie Führungskräfte das Zusammenspiel im Team optimieren können. 

Tools wie Vereinbarkeitskalender helfen im Alltag. 

Darüber hinaus gilt: Vertrauen ist das A und O. 

Und bestärken Sie Frauen, sich auf Führungspositionen zu bewerben. 

Jens: 
KOFA to go – Wissen zum Mitnehmen. 

Im nächsten KOFA auf dem Sofa werden wir hier das erste Mal etwas näher zusammenrutschen. Rein virtuell natürlich. 

Denn wir freuen uns auf unseren ersten Gast. 

Wir begrüßen bei uns Tijen Onaran von Global Digital Women. 

Sibylle: 
Ja, wir sprechen mit ihr über Sichtbarkeit in der Arbeitswelt. 

Ich freue mich schon riesig, sie mit ganz vielen Fragen zu löchern – zu ihrem neuen Buch und zu all dem, wofür sie sich in den sozialen Medien so stark macht. 

In zwei Wochen ist es soweit. 

Jens: 
Für heute sagen wir Tschüss. 

Herzlichen Dank fürs Reinhören und wir hoffen, dass wir Ihnen auch diesmal wieder ein paar frische Impulse mit an die Hand geben konnten. 

Bis zum nächsten Mal. 

Sibylle: 
Bis dann. Tschüss. 

Fachleute für Fachkräfte. 

KOFA auf dem Sofa – der Podcast.