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Transkript: Folge 15

KOFA auf dem Sofa: Ausbildung in Teilzeit

Jürgen: 
KOFA auf dem Sofa – der Podcast des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung. Personalerwissen zum Hören – auf dem Sofa, unterwegs, im Büro, wo immer Sie mögen. 

Hallo liebe Hörerinnen und Hörer, herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts KOFA auf dem Sofa. Wir, das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung – oder kurz KOFA – sind Ansprechpartner für KMU bei Fragen rund um die Personalarbeit. Mehr dazu finden Sie auf www.kofa.de. 

Heute geht es bei uns um eine Form der Teilzeit, die bisher ein Nischendasein führt: die Teilzeitausbildung. Mein Name ist Jürgen Gehr. 

Wiebke: 
Und ich bin Wiebke Brommer. 

0,4 % – so hoch war der Anteil der Azubis in Teilzeitausbildung an allen, die 2016 ihre Ausbildung gestartet haben. Das klingt verschwindend gering. 

Jürgen: 
Und das ist es auch. Aber dieses Ausbildungsmodell kann ein Weg sein, neue Mitarbeitende zu gewinnen – Alleinerziehende zum Beispiel, bei denen eine Vollzeitausbildung so gut wie unmöglich ist und die damit oft von vornherein vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind. 

So waren 52,8 % aller Mütter und 44,1 % aller Väter zwischen 16 und 24 Jahren 2016 ohne Berufsabschluss, besuchten weder eine Schule noch absolvierten sie eine Berufsausbildung oder ein Studium. 

Doch funktioniert das Modell überhaupt? Wenn der Teilzeit-Azubi nur wenige Stunden im Unternehmen ist – zahlt der Ausbildungsbetrieb am Ende drauf, weil die Ausbildung länger dauert? Oder sind Teilzeit-Azubis die besseren Azubis, weil sie die Ausbildung viel stärker als Chance sehen und schon gelernt haben, sich selbst zu organisieren? 

Zu diesen und weiteren Fragen rund um die Teilzeitausbildung begrüßen wir Dirk Werner auf unserem Studiosofa. Der Leiter des KOFA ist Experte für Berufsbildung und hat sicher viele hilfreiche Antworten mitgebracht. Herzlich willkommen, Herr Werner. 

Dirk: 
Ja, vielen Dank. Es ist schön, hier auf dem KOFA-Sofa zu sein. 

Wiebke: 
Willkommen auch von mir, Herr Werner. Für wen – außer den Alleinerziehenden, die wir gerade schon gehört haben – kommt denn die Teilzeitausbildung sonst noch so in Frage? 

Dirk: 
Ja, die Alleinerziehenden sind schon die Hauptzielgruppe. Aber es geht eben auch nicht nur um junge Mütter und Väter mit Kindern, sondern auch um diejenigen, die vielleicht Familienangehörige pflegen. 

Es ist übrigens auch ein tolles Instrument, um Ausbildungsabbrüche zu verhindern, weil es ja schon vorkommt, dass Auszubildende während der Ausbildungszeit schwanger werden oder ein Pflegefall in der Familie spontan eintritt. Und da ist es eine Möglichkeit, die Ausbildung mit reduziertem Stundenbudget weiterzuführen und Leute im Betrieb zu halten. 

Neben diesen Gruppen gibt es aber auch noch andere – so wie es in der Regelung heißt – die ein „vergleichbares berechtigtes Interesse“ haben. 

Wiebke: 
Ein vergleichbares berechtigtes Interesse? 

Dirk: 
Genau. Das ist wieder so eine juristische Formulierung. Das kann heißen: bestimmte Menschen mit Behinderungen, die also eingeschränkt sind und ein anderes Zeitbudget zur Verfügung haben. 

Es kann aber auch sein, dass es sportlich ganz tolle Leute sind. Also wir haben auch Leistungssportler darunter, die stark gefordert sind durch Training und Wettkämpfe – und das eben über eine Teilzeitausbildung parallel machen können. Also die dann zumindest sportlich ganz vorne mit dabei sind. 

Jürgen: 
Und wo heißt es das? 

Dirk: 
Geregelt ist die Teilzeitausbildung im Berufsbildungsgesetz, im § 8. Und es gibt dazu eine Empfehlung vom Hauptausschuss des Bundesinstituts für Berufsbildung. Dort sind diese Formulierungen und Zielgruppen aufgeführt. 

Jürgen: 
Das ist ja schon ein ziemlich weites Feld, ne? Wenn ich vom Sportler bis zur Person mit Behinderung denke… 

Dirk: 
Das stimmt. Man könnte das Feld durchaus noch weiter nehmen und es einfach noch flexibler handhaben. 

Im Moment ist auch die Frage in der Diskussion, ob das nicht auch für Geflüchtete ein guter Ansatz sein könnte – in Teilzeit die Ausbildung zu machen, um mehr Zeitbudget für Deutschkurse zu haben. Das ist ja etwas, das viele ohnehin intensiv brauchen während der Ausbildungszeit. 

Und für Betriebe könnte es attraktiver sein, über eine Teilzeitausbildung die Ausbildung zum Erfolg zu führen. Es gibt ja auch Modelle, wo man die Ausbildungszeit direkt am Anfang verlängert. 

Wiebke: 
Also das heißt, man nimmt den Sprachkurs quasi mit in die Ausbildungszeit rein? 

Dirk: 
Genau. Das ist de facto jetzt schon möglich, aber der Betrieb muss dann auf diese Zeit verzichten. Und in der Teilzeitausbildung wäre es möglich, Urlaubsanspruch und Vergütung entsprechend anzupassen. 

Jürgen: 
Was braucht ein Unternehmen denn überhaupt, um Teilzeitausbildung anbieten zu können? Gerade in kleineren Unternehmen stelle ich mir vor, dass es ziemlich schwierig zu organisieren ist, wenn der Azubi nur die Hälfte der Zeit da ist. 

Dirk: 
Ja, grundsätzlich braucht es erstmal alles, was ein Ausbildungsbetrieb ohnehin braucht. Also er muss als Ausbildungsbetrieb geeignet sein, es braucht einen Ausbilder, es braucht einen betrieblichen Ausbildungsplan. Da fängt es natürlich an, flexibler zu werden, weil der eben angepasst werden muss an die reduzierte Ausbildungszeit. 

Ansonsten braucht es ganz klar den erklärten Willen der Geschäftsleitung, des Inhabers oder der Inhaberin – und dann eben die Flexibilität, das umzusetzen. Und dann geht schon unglaublich viel. Und das ist gerade die ganz große Stärke von kleinen und mittleren Unternehmen, dass sie, wenn sie Menschen kennengelernt haben, die sie in ihren Reihen haben wollen, unglaublich viel für diese tun. 

Wiebke: 
Ja. 

Dirk: 
Und auch bereit sind, mit denen flexible Lösungen zu finden. 

Jürgen: 
Und auch mal aus dem Rahmen rauszudenken. 

Dirk: 
Ja, also wenn der Wille da ist, dann wird sich auch ein Weg finden, eine Teilzeitausbildung im Betrieb umzusetzen. Aber sie fordert natürlich alle, Rücksicht zu nehmen und sich in Absprachen flexibel im Team immer wieder abzustimmen: Was geht an welchem Tag – und was geht eben auch mal nicht? 

Wiebke: 
Und praktisch gesehen: Geht das in allen Berufen? Es gibt ja Berufe, wo wirklich Präsenz gefragt ist – man ist den ganzen Tag beim Kunden und repariert irgendwas. 

Dirk: 
Ja, grundsätzlich geht das in allen Berufen, die laut Berufsbildungsgesetz oder Handwerksordnung anerkannte Ausbildungsberufe in Deutschland sind. Denn das Berufsbildungsgesetz trifft die alle. 

Der Großteil der Teilzeitausbildungen findet in den regulären drei- bis dreieinhalbjährigen Ausbildungsberufen statt. Es gibt aber auch einige, die Teilzeitausbildung in zweijährigen – also theoriegeminderten – Berufen machen, beispielsweise Verkäuferinnen oder Verkäufer, die dann ein Jahr dranhängen können, um Einzelhandelskauffrau oder Einzelhandelskaufmann zu werden. 

Jürgen: 
Jetzt haben wir ja gerade schon gehört, dass das eine ganze Menge Vorteile für die Auszubildenden hat. Mal umgekehrt gefragt: Welche Vorteile gibt es denn für die Ausbilder oder die Ausbildungsbetriebe? 

Dirk: 
Ja, zum einen: Die Zielgruppe wird dadurch größer. Für die Betriebe ist es möglich, gerade gut qualifizierte junge Frauen oder auch junge Väter für eine Ausbildung zu gewinnen, die das sonst zeitlich vielleicht nicht stemmen könnten. 

Und dazu kommt auch, dass diese Zielgruppe sich in der Regel echt gut organisieren kann. Also wer diese jungen Mütter und Väter schon mal im Team hatte, der weiß: Gerade junge Mütter sind gut organisiert, sehr effizient in der Arbeitsleistung. Junge Väter auch, ne – aber in der Regel sind es doch noch die alleinerziehenden Mütter im Schwerpunkt. 

Wiebke: 
Somit bleibt noch… 

Dirk: 
Ja, und wenn man diesen Personen diese Chance bietet – die ja manchmal die zweite oder dritte Chance im Leben ist, weil sie schon ein bisschen älter sind als andere Auszubildende – dann bekommt man auch unglaublich viel zurück: an Betriebsbindung, an loyalen Mitarbeitenden, die gerne lange bleiben, weil sie wissen: „Die haben etwas für mich getan – das gebe ich jetzt auch gern zurück.“ 

Und von daher kann das ein Erfolgsmodell sein. Nach außen hin trägt es sicher zum Image als moderner Arbeitgeber bei – deutlich zu machen: Wir machen flexible Lösungen für unsere Belegschaft, und je nachdem, was gebraucht wird, machen wir das möglich. 

Jürgen: 
Ganz toll! Also das ist ja in Zeiten, wo Azubis ohnehin gesucht sind, dann noch ein zusätzlicher Pluspunkt, sag ich mal. 

Dirk: 
Genau, Pluspunkt. Ja. Von daher – Sie haben die Zahlen vorhin genannt – die Quote ist noch nicht besonders hoch, aber es sind schon über 2.200 im letzten Jahr, die begonnen haben. Es wächst von Jahr zu Jahr kontinuierlich. 

Es muss sich auch erstmal verbreiten, Betriebe müssen davon erfahren, müssen die Möglichkeiten einschätzen können. 

Wiebke: 
Und auf die Idee kommen, ne? 

Dirk: 
Auf die Idee kommen. Aber es ist eben – das habe ich vorhin schon gesagt – ein gutes Instrument, um drohenden Abbruch in der Ausbildung zu verhindern. Das Leben verändert sich, es kommt eine Schwangerschaft, es kommt Nachwuchs oder ein Pflegefall in der Familie. Und dann kann man eben auch gute Leute halten. 

Jürgen: 
Und da kann man dann auch relativ spontan umplanen, dass man sagt: „Okay, wir münzen die Ausbildung um auf eine Teilzeitausbildung.“ Wie funktioniert das denn genau? Also nehmen wir jetzt mal an, man hat so einen Teilzeit-Azubi – wie legt man fest, wie viel arbeitet der dann? 

Dirk: 
Ja, das muss man natürlich dann bilateral miteinander besprechen: Was kann sich die Person vorstellen? Was ist an betrieblichen Erfordernissen möglich? Theoretisch ist alles ab 20 Stunden aufwärts denkbar – also 20 bis 35 Stunden. 

Und da gibt es grob zwei Modelle: 
Das eine Modell sind mindestens 25 bis 35 Stunden. Da reduziert man einfach die wöchentliche Arbeitszeit. 

Wiebke: 
Und die Berufsschule dann entsprechend auch? 

Dirk: 
Die Berufsschule nicht. Die steht fest. Die muss auf jeden Fall absolviert werden. Das sind in der Regel anderthalb Tage die Woche oder – wenn es Blockunterricht gibt – eben die Blockphasen. Da kann man leider nicht kürzen als Betrieb, sondern man muss schon an die eigene Zeit gehen. 

Jürgen: 
Das ist aber dann schwierig, wenn ich anderthalb Tage Berufsschule habe und praktisch nur noch anderthalb Tage im Betrieb bin – wenn ich das richtig sehe? 

Dirk: 
Ja. Der halbe Tag nach dem zweiten Berufsschultag wäre dann der, an dem man reduzierte Arbeitszeit legt, weil die Auszubildenden dann nicht mehr in den Betrieb kommen – und manchmal ohnehin Wegezeiten anfallen und die Einsatzzeit im Betrieb nicht mehr so umfangreich wäre. 

Und dann könnte es sein, dass man noch zwei Vollzeittage hat – oder man nimmt drei Tage und hat dann ein reduziertes Zeitbudget. Das kommt ganz darauf an, was besser passt. 

Ist ein Vollzeittag auf der Baustelle in einem kleinen Handwerksbetrieb wichtig? Oder ist es eher die kontinuierliche Kundenbetreuung an drei Tagen? 

Klar, für viele Betriebe ist das Azubi-Team extrem wichtig, um Baustellen zu bedienen oder mit anzupacken. Aber es ist eben auch viel im Team möglich, gerade weil wir heutzutage insgesamt viel flexibler mit der Belegschaft umgehen. 

Man kann sowas auch ins Team delegieren – dass sich die Mitarbeitenden selbst überlegen: Was ist sinnvoll? Wann passt es, wann passt es nicht? Wie können andere das auffangen? Wie kann man sich gut abstimmen? 

Da ist eine ganze Menge möglich. 

Wiebke: 
Es ist praktisch noch ein zusätzlicher Ausbildungsaspekt: sich selbst zu organisieren und das flexibel zu halten. 

Dirk: 
Auch noch. Und das wird dann festgehalten, wenn man sich einmal geeinigt hat. 

Wiebke: 
Das legt man dann schriftlich nieder? 

Dirk: 
Genau. Das legt man schriftlich nieder, und das wird dann auch bei der Kammer eingetragen, wie die wöchentliche Ausbildungszeit ist. 

Und das zweite Modell – das hatten wir eben noch nicht – sind 20 bis 25 Stunden. Also wirklich halbe Zeit. Das ist in der Regel damit verbunden, dass man die Ausbildung um ein Jahr verlängert. Das kann man direkt so eintragen. 

Dann verteilt man die Inhalte auf einen längeren Zeitraum und kann sie strecken – und damit wieder flexibel umgehen. 

Jürgen: 
Also das klingt paradiesisch, muss ich mal sagen. Deswegen vorsichtshalber gefragt: Gibt es denn auch Nachteile, die man als Ausbildungssuchende bedenken sollte, bevor man sich auf so ein Modell einlässt? 

Dirk: 
Ja. Für die, die die Ausbildung in Teilzeit machen wollen, muss man klar sagen: Es ist zwar eine reduzierte Zeit – aber natürlich wird die volle Kraft gefordert. 

Das Ausbildungsziel bleibt ja gleich. Ich muss am Ende die Abschlussprüfung, die Zwischenprüfung oder die gestreckte Zwischenprüfung bestehen. Ich habe genau die gleichen Anforderungen wie alle anderen Auszubildenden auch. 

Das heißt: Ich muss mir in kürzerer Zeit genauso viel aneignen, wie ich für den Beruf brauche. Es muss dann vielleicht nicht unbedingt die Eins in allen Fächern sein, und ich kann meine Schwerpunkte setzen – aber den Mindeststandard muss ich erfüllen. 

Wiebke: 
Also in kürzerer Zeit – während man nebenbei noch das Kind betreut oder pflegende Angehörige versorgt. 

Dirk: 
Genau. Aber da kommt vielleicht zum Tragen, dass es in der Regel Personen sind, die sich selbst sehr gut organisieren können, die sehr effizient sind. Viele sind hoch motiviert und schaffen das mit guter Koordinierung und Unterstützung in der Regel auch. 

Es ist natürlich so, dass das Abbruchrisiko im Raum steht. Wenn es zu eng wird und die Person merkt: „Ich bin überfordert“, dann sollte man wirklich frühzeitig Signale geben und überlegen, welche Hilfe man sich holen kann. 

Denn letzten Endes ist es in kürzerer Zeit eine größere Anstrengung, um die Inhalte zu schaffen. 

Wiebke: 
Ja, ich hab… 

Dirk: 
Genau. Ich habe natürlich die Familienpflichten weiterhin. Ich muss schauen, dass das mit der Pflege und der Kinderbetreuung gut läuft. Und da sind wir bei den Kita-Öffnungszeiten – nach wie vor ein Riesenthema. 

Eventuell muss ich auch mit einer niedrigeren Vergütung klarkommen. Wenn ich nur 20 Stunden im Vertrag stehen habe, darf der Betrieb in der Regel die Vergütung halbieren. 

Da gibt es eine Menge an Fördermöglichkeiten. Der Lebensunterhalt ist also gesichert. 

Jürgen: 
Welche gibt es dort? 

Dirk: 
Da gibt es eine unglaubliche Palette an Möglichkeiten. Es gibt Berufsausbildungsbeihilfe, es gibt Schüler-BAföG, es gibt natürlich für Eltern das Kindergeld, das Elterngeld, ElterngeldPlus. Es gibt das Wohngeld, das Sozialgeld, das Arbeitslosengeld II, ergänzende Hilfen und, und, und. 

Das ist sehr individuell, das heißt: Da muss man sich schon beraten lassen. 

Wiebke: 
Und gibt es da auch Einbußen beim Urlaub? Also kürzere Zeit und weniger Erholung für den Azubi? 

Dirk: 
Ja, der Urlaub ist ja gesetzlich geregelt im Bundesurlaubsgesetz. Natürlich ist klar: Wenn ich vereinbare, dass ich nur vier Tage die Woche arbeite, bekomme ich anteilig ein Fünftel – also 20 % – weniger Urlaubstage. 

Aber anteilig ist der Urlaub genauso groß wie bei den anderen auch. Wenn ich meine Arbeitszeit auf fünf Tage verteile, habe ich meinen gesetzlichen Urlaubsanspruch wie alle anderen. Nur die Urlaubstage sind kürzer – sie sind nicht acht Stunden lang, sondern dann eben sechs, beispielsweise. 

Jürgen: 
Wie sieht es denn aus mit der Akzeptanz – also sowohl bei Kunden, wenn der Azubi, der vielleicht mal da war, nicht immer kommt, als auch bei den Kollegen? Wenn der Azubi oft nicht da ist, haben die den vielleicht gar nicht mehr auf dem Schirm oder denken sogar: „Ach, da kommt nicht so viel, weil die Person ja nur Teilzeit macht.“ Wie beugt man dem vor? 

Dirk: 
Bei Kunden sehe ich eigentlich kein großes Problem, weil Auszubildende ja Lernende sind. Und das muss dem Kunden klar sein – dass da nicht eine ausgelernte Fachkraft kommt oder der Meister oder wer auch immer, sondern jemand, der noch nicht alles perfekt kann. 

Und das muss ich dem Kunden gegenüber kommunizieren. Ich sollte auch durchaus sagen, dass jemand in Teilzeit kommt, wenn die Person auf einem Baustelleneinsatz ist – damit der Kunde das weiß. Kommunikation ist wirklich alles bei diesem Thema. 

Da sind wir auch bei der internen Botschaft: Der Inhaber, die Inhaberin, der Geschäftsführer, der Ausbilder, der Meister – sie alle müssen dahinterstehen und der Belegschaft von Anfang an erklären, warum man das macht, warum das gut ist und dass man das gut findet. 

Und dann im Prozess immer wieder kommunizieren. Das heißt nicht, dass die weniger leistungsfähig sind – sie sind einfach weniger da. Sie müssen aber in dieser Zeit mehr leisten als andere, weil sie das gleiche Ziel erreichen. 

Und da um Unterstützung und Verständnis zu werben – und klarzustellen, dass das nicht auf Kosten der anderen geht – ist vollkommen wichtig. Aber das bekommt man im Alltag, glaube ich, gut organisiert. 

Wiebke: 
Genau, das wird sich dann auch zeigen – in den meisten Fällen, denke ich mal. 

Dirk: 
Ja. Ich meine: Wenn es nicht funktioniert, dann muss man es anders angehen. Wir haben ja gesellschaftliche Umwälzungen – gerade mit der Berufstätigkeit von Frauen, Alleinerziehenden und so weiter. Das hört sich für mich tatsächlich nach einer Lösung vieler Probleme an. 

Wiebke: 
Hm. 

Dirk: 
Ja, für die Zielgruppe ist das, glaube ich, eine ganz tolle Chance. Ich habe ja schon gesagt, dass es häufig die zweite oder dritte Chance ist. 

Im Durchschnitt sind sie auch älter als typische Auszubildende. Der Azubi, der heute anfängt, ist im Schnitt 19,7 Jahre alt – viele in der Teilzeitausbildung sind schon 25 oder Ende 20. Die haben schon einiges an Lebenserfahrung, was in der Arbeit oft sehr hilfreich ist – auch im Kundenkontakt. 

Jürgen: 
Lebenserfahrung, ja. 

Dirk: 
Für den Betrieb heißt es natürlich auch: Ich brauche flexible Lösungen, ich muss mein Standardmodell ein bisschen anpassen. Auch Ausbilder sind noch einmal anders gefordert – als Lernbegleiter, als Coach, als Lebenshelfer. 

Aber auch da sind wir wieder bei der Stärke kleiner und mittlerer Unternehmen – den einzelnen Mitarbeitenden im Blick zu haben und etwas für die zu tun, die man gerne bei sich hat. 

Wiebke: 
Sind Sie denn da auch in Kontakt mit solchen Ausbildern, Teilzeit-Ausbildern quasi? Und was sind da so die Rückmeldungen? 

Dirk: 
Die sind sehr unterschiedlich. Es gibt totale Überzeugungstäter, die davon berichten und auch bei anderen dafür werben. 

Es gibt aber auch welche, die sagen: Im Betrieb war es nicht das Problem – aber die Bürokratie hat den Betrieb ganz schön gefordert. 

Hilfen zu beantragen – sei es ausbildungsbegleitende Hilfen, sei es finanzielle Hilfen –, die junge Mutter dabei zu begleiten, ihren eigenen Finanzierungsmix hinzubekommen, Schwierigkeiten bei der Arbeitsagentur, die schon mal auftreten: Begründungen für Wegegeld und viele Kleinigkeiten. 

Das beim ersten Mal allein hinzubekommen, ist manchmal eine Herausforderung. 

Ich würde nur raten: sich Hilfe zu holen – bei der Kammer, bei der Arbeitsagentur, beim Verband, vielleicht bei Kollegen, die das schon gemacht haben und wissen, wen man bei welcher Frage am besten anruft. 

Sich als kleines Unternehmen allein durch diesen – aus ihrer Sicht – Dschungel bei der Förderkulisse zu kämpfen, ist manchmal nicht so einfach. 

Jürgen: 
Kann ich mir gut vorstellen. Aber um ehrlich zu sein, das hört sich auch an wie eine Forderung an die Politik, wenn man das so sagen darf. 

Dirk: 
Ja, das haben wir in ganz vielen Themenfeldern. Hilfe aus einer Hand – das wäre ideal. Ein fester Ansprechpartner, der nach einer Lösung sucht und dann mit einer Lösung zurückkommt – und mich nicht mit der nächsten Telefonnummer allein lässt. 

Wiebke: 
Ja, genau. 

Dirk: 
Erste Anlaufstelle wären schon die Kammern. 

Jürgen: 
Ja, unbedingt. Die Kammern auf jeden Fall, weil sie da auch gerne beraten und für die Ausbildungsberatung zuständig sind. Sicher auch die Arbeitsagentur, wenn es um Hilfestellungen geht. Aber auch Austauschkreise, die von eigenen Erfahrungen berichten. Wenn andere Unternehmen schon wissen, wie es geht, ist das Gold wert. 

Wiebke: 
Vielleicht ein Blick in die Zukunft: Würden Sie sagen, das nimmt eher noch zu? Auch Thema Flüchtlinge vielleicht? 

Dirk: 
Ja. Offiziell sind sie ja noch nicht in dieser Zielgruppe aufgeführt. Ich könnte mir das aber sehr gut vorstellen – ich denke, das könnte ein gutes Modell sein. 

Wir haben ja andere Förderprogramme der Bundesagentur wie „Commit“, wo genau das kombiniert wird – mit einer Teilzeittätigkeit. 

Das für die Teilzeitausbildung zu öffnen, fände ich eine gute Idee. Und ich denke, dass es zunehmen wird – weil wir mehr Menschen in dieser Lebenslage haben, weil wir ein großes Potenzial bei alleinerziehenden Müttern und Vätern haben, die ohne Ausbildung dastehen. 

Und für die ist das genau die Perspektive, mit einem Abschluss in die berufliche Karriere zu starten – die ja immer wichtiger wird. 

Von daher ist es auf jeden Fall etwas, das wir stärker verbreiten sollten, mit Informationen ausstatten sollten und noch mehr in die Fläche tragen müssen. 

Wiebke: 
Eben, ja. 

Jürgen: 
Was wir hiermit getan haben heute. Herr Werner, vielen Dank für das interessante Gespräch. 

Dirk: 
Sehr gerne. 

Wiebke: 
Danke auch von mir. 

Jürgen: 
Sie möchten noch mehr über das Thema Teilzeitausbildung wissen? Besuchen Sie unsere Website www.kofa.de. Hier finden Sie Handlungsempfehlungen, Studien und viele weitere Tipps und Beispiele aus der Praxis. 

Wiebke: 
Und wir möchten Ihnen jetzt noch mal einen Überblick über die Infos und Tipps zum Thema geben. 

Jürgen: 
Sie können sich vorstellen, in Teilzeit auszubilden? Schreiben Sie das explizit in die Stellenausschreibung für Ihre Azubi-Suche und erkundigen Sie sich bei Ihrer zuständigen Kammer. Oft gibt es hier spezielle Programme für Teilzeitausbildungen. 

Wiebke: 
Haben Sie eine Kandidatin oder einen Kandidaten gefunden, die oder den Sie gerne in Teilzeit ausbilden würden? Stellen Sie gemeinsam einen Antrag bei der zuständigen Handwerkskammer oder IHK. 

Jürgen: 
Vereinbaren Sie mit Ihrem Auszubildenden oder Ihrer Auszubildenden dazu eine Wochenarbeitszeit zwischen 20 und 35 Stunden inklusive Berufsschule, die Sie sich beide vorstellen können. Sie können sich beispielsweise auf eine Ganztagsausbildung mit vier Wochentagen einigen, wenn der Azubi ganztägig auf der Baustelle oder beim Kunden sein soll. Das Ergebnis halten Sie im Ausbildungsvertrag fest. 

Wiebke: 
Berufsschule und überbetriebliche Lehrgänge laufen in der Regel in Vollzeit. Wenn es einen zweiten Berufsschultag gibt, umfasst dieser jedoch meistens keinen ganzen Tag. Erkundigen Sie sich zusammen mit Ihrem Azubi, ob die Berufsschule E-Learning-Module anbietet, um auch hier die Vereinbarkeit mit den besonderen Anforderungen im Privatleben zu fördern. 

Jürgen: 
Informieren Sie Ihren Auszubildenden oder Ihre Auszubildende über Unterstützung wie Berufsausbildungsbeihilfe oder Kindergeld, die die Ausbildung erleichtern können. 

Wiebke: 
Das war’s für heute bei KOFA auf dem Sofa. Wir hoffen, es hat Ihnen Spaß gemacht und den ein oder anderen Tipp gebracht. 

Jürgen: 
Sind Sie wieder dabei, wenn wir das nächste Mal Fragen und Empfehlungen zur Fachkräftesicherung diskutieren? So lange finden Sie uns im Netz. 

Auf www.kofa.de gibt es nicht nur unseren Podcast – in zahlreichen Studien und Handlungsempfehlungen finden Sie wichtige Informationsgrundlagen sowie Praxisbeispiele zum Nachmachen: für den Mittelstand, aus dem Mittelstand. 

Wiebke: 
Bleiben Sie uns gewogen. Bei Fragen, Anregungen und Kritik sind wir unter fachkraefte@iwkoeln.de für Sie erreichbar. KOFA auf dem Sofa – sagen Sie es gerne weiter. Tschüss. 

Jürgen: 
Wir hören uns.