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Transkript: Folge 1

Intro: 
KOFA auf dem Sofa – der Podcast des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung. Personalerwissen zum Hören: auf dem Sofa, unterwegs, im Büro – wo immer Sie mögen. 

Wiebke Bomers: 
Herzlich willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer, zu unserer ersten Folge „KOFA auf dem Sofa“, dem Podcast des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung, kurz KOFA. Das KOFA unterstützt kleine und mittlere Unternehmen bei der Fachkräftesicherung und bei der Gestaltung ihrer Personalarbeit. Mehr dazu lesen Sie auf unserer Website www.kofa.de

Wir wollen in unserem Podcast darüber sprechen: Wie findet man als Mittelständler Fachkräfte? Wie bindet man sie? Und wie qualifiziert man sie weiter? Ich bin Wiebke Bomers. 

Jürgen Gehr: 
Und mein Name ist Jürgen Gehr. Herzlich willkommen auch von mir. 

Heute sprechen wir beim KOFA über das Thema Ausbildungsabbruch. Zuletzt hat die Bundesregierung in ihrem Bildungsbericht bestätigt: Knapp ein Viertel der Auszubildenden beendet den Ausbildungsvertrag vorzeitig. 

Dabei muss man direkt ergänzen, dass eine Vertragsauflösung nicht unbedingt mit einem Ausbildungsabbruch gleichzusetzen ist. Viele Auszubildende suchen sich möglicherweise einen anderen Beruf, wechseln von einer außerbetrieblichen in eine betriebliche Ausbildung oder verändern sich auf andere Weise beruflich. 

Hinzu kommt: In Zeiten, in denen Betriebe Schwierigkeiten haben, Auszubildende zu finden, fällt es diesen leichter, einen anderen Ausbildungsbetrieb zu finden. Deshalb wechseln sie möglicherweise bereits bei kleineren Schwierigkeiten oder grundsätzlich schneller den Betrieb. 

Vertragsauflösungen können sich also durchaus als notwendig und sinnvoll erweisen. Dennoch sind sie sowohl für die Betriebe als auch für die Jugendlichen mit Unsicherheiten verbunden und bedeuten zumindest einen deutlichen Zeitverlust. 

Wir haben vor der Sendung telefonisch bei jemandem nachgefragt, der weiß, wie die Situation in der Praxis aussieht: Ralf Winter ist Inhaber des Werbetechnikunternehmens Sign & Service. 

Ralf Winter: 
Wir sind ein kleiner Handwerksbetrieb – und das Handwerk hat ein Imageproblem. Generell ist es schwierig, junge Menschen für das Handwerk zu begeistern. Diejenigen, die sich begeistern lassen, bringen möglicherweise andere Defizite mit, die es ihnen erschweren, die Ausbildung bis zum Schluss durchzuziehen. 

Jürgen Gehr: 
Was sind die häufigsten Defizite, die Sie bei Auszubildenden feststellen? 

Ralf Winter: 
Auszubildende müssen eine gewisse Sozialkompetenz und Reife mitbringen. Bei uns werden Kundinnen und Kunden beraten. Die dafür notwendige Sozialkompetenz, also auch die Interaktion mit den Kundinnen und Kunden, ist teilweise noch nicht vorhanden. 

Das führt auf beiden Seiten zu Frust. Dieser äußert sich beispielsweise darin, dass die Berufsschule nicht mehr besucht wird. Oder wir bekommen Rückmeldungen von Kundinnen und Kunden wie: „Hören Sie mal, was hat der denn hier gemacht?“ 

Hinzu kommt möglicherweise, dass im Arbeitsalltag nicht genügend Zeit für die Auszubildenden vorhanden ist. Das ist gerade in Handwerksbetrieben ein Thema. Diese gesamte Konstellation kann zu Frust und schließlich zu Ausbildungsabbrüchen führen. 

Jürgen Gehr: 
Haben Sie konkrete Beispiele für Ausbildungsabbrüche? 

Ralf Winter: 
In einem Fall ist der Auszubildende gar nicht mehr zur Berufsschule gegangen. Da haben wir von uns aus gesagt: „Hör mal, das hat keinen Zweck.“ 

Dann hatten wir einen weiteren Auszubildenden, der ein Alkohol- und Drogenproblem hatte und auf dem Weg zur Ausbildungsstelle am Bahnsteig zusammengebrochen ist. 

Bei einer dritten Auszubildenden fehlten nur noch drei praktische Monate, damit der praktische Teil ihres Fachabiturs anerkannt werden konnte. Sie hat sich sehr darüber gefreut, dass sie die Ausbildung anschließend beenden konnte. 

Jürgen Gehr: 
Und was tun Sie, um solche Abbrüche zu vermeiden? 

Ralf Winter: 
Auch im Handwerk ist man sehr daran interessiert, beispielsweise jemanden mit Fachabitur oder Abitur zu finden. Allein aufgrund der längeren Schulzeit sind häufig bereits mehr Sozialkompetenz und Reife vorhanden. Das ist dann oftmals einfacher. 

Jürgen Gehr: 
Gibt es noch weitere Gruppen, die ihre Ausbildung besonders selten abbrechen? 

Ralf Winter: 
Erstaunlicherweise waren es bei uns häufig Frauen, die sehr ehrgeizig waren und ihren Weg konsequent durchgezogen haben. 

Jürgen Gehr: 
Soweit Ralf Winter. Wir sprechen heute über Ausbildungsabbrüche und ihre Ursachen. Dazu haben wir Christoph Metzler auf unser Studiosofa eingeladen. Er ist Bildungswissenschaftler am Institut der deutschen Wirtschaft und hat sich intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, wie es zu Ausbildungsabbrüchen kommt. Außerdem hat er Empfehlungen speziell für Ausbilderinnen und Ausbilder im Mittelstand mitgebracht. 

Herzlich willkommen, Herr Metzler. 

Christoph Metzler: 
Ich freue mich, hier zu sein. 

Wiebke Bomers: 
Vielleicht möchten Sie zu Beginn noch ein wenig über sich erzählen. Sie haben sich intensiv mit dem Thema Ausbildungsabbrüche auseinandergesetzt. Wie sind Sie zu diesem Thema gekommen? 

Christoph Metzler: 
Zunächst einmal herzlichen Dank für die Einladung. Als Akademiker über das Thema Ausbildung zu sprechen, wirkt auf den ersten Blick vielleicht etwas merkwürdig: Selbst keine Ausbildung gemacht und jetzt groß darüber reden. 

Tatsächlich komme ich aus dem Odenwald, einer sehr ländlichen Region zwischen Frankfurt und Mannheim, und war selbst auf einer Realschule. Anschließend habe ich mein Abitur über den zweiten Bildungsweg an einem beruflichen Gymnasium nachgeholt. 

Der Grund, weshalb ich keine Ausbildung gemacht, sondern mich schulisch weitergebildet habe, ist tatsächlich, dass ich schlicht und einfach zwei linke Hände habe. 

Danach habe ich in Mannheim Wirtschaftspädagogik studiert. Seit knapp zehn Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema betriebliche Ausbildung und mit angewandter Forschung. Angewandte Forschung bedeutet, dass ich auch mit Unternehmen vor Ort spreche – sowohl direkt in den Betrieben als auch in Ausbildungsleiterkreisen. Denn Forschung kommt an der Praxis schlicht und einfach nicht vorbei. 

Wiebke Bomers: 
Wunderbar, dann haben Sie sicherlich eine Menge Empfehlungen für Ausbilderinnen und Ausbilder im Mittelstand mitgebracht. Wir haben zu Beginn Herrn Winter gehört. Wenn Sie ihm zuhören: Welche Empfehlungen würden Sie ihm zunächst geben? 

Christoph Metzler: 
Ich habe Empfehlungen für zwei Phasen. Die erste Phase liegt vor der Ausbildung. Herr Winter hat erwähnt, dass er nicht mehr so viele Bewerberinnen und Bewerber bekommt und dass es für das Handwerk schwierig ist, junge Menschen zu begeistern. 

Hier bieten sich zunächst die klassischen Wege an: Welche Schulen gibt es in der Region und wie kann ich mit den jungen Menschen dort in Kontakt kommen – beispielsweise über Betriebspraktika? Kann ich die Schule besuchen? Gibt es Messen, an denen ich teilnehmen kann? Ziel ist es, einer möglichst großen Zahl junger Menschen das eigene Produkt – nämlich das Unternehmen – näherzubringen. 

Die zweite wichtige Frage lautet: Was kann ich tun, wenn jemand grundsätzlich Interesse daran hat, bei mir anzufangen, ich mir aber noch nicht ganz sicher bin? Dann kann vor der eigentlichen Ausbildung eine Praktikumsphase stattfinden. 

Eine Möglichkeit ist die Einstiegsqualifizierung. Sie dauert sechs bis zwölf Monate – je nachdem, wie lange Betrieb und junger Mensch benötigen, um zusammenzufinden. Bevor man drei bis dreieinhalb Jahre gemeinsam arbeitet, ist es sinnvoll festzustellen, ob die Zusammenarbeit funktioniert. So lässt sich auch herausfinden, ob die von Herrn Winter angesprochenen sozialen Kompetenzen bereits vorhanden sind oder an welchen Punkten man ansetzen kann. 

Wiebke Bomers: 
Wir haben von Herrn Winter gehört, dass einerseits die sozialen Kompetenzen nicht ausreichend ausgeprägt waren. Andererseits können die Ursachen auch im persönlichen Bereich liegen. Er sprach beispielsweise von Alkoholproblemen. Sind das typische Ursachen für Ausbildungsabbrüche? 

Christoph Metzler: 
In den ersten sechs Monaten kommt es tatsächlich häufig zu zwischenmenschlichen Problemen. Oftmals fehlt die Chemie oder das passende Verhältnis zwischen dem oder der Auszubildenden und dem Ausbilder beziehungsweise der Ausbilderin. 

Dann braucht es insbesondere vonseiten der Ausbilderin oder des Ausbilders viel Fingerspitzengefühl, um den jungen Menschen dabei zu unterstützen, gemeinsam eine passende Rolle und ein gegenseitiges Verständnis zu entwickeln. 

Das bedeutet allerdings nicht, dass sich der Betrieb alles gefallen lassen muss. Es muss klare Ansagen, aber auch ein gemeinsames Verständnis geben. 

Wenn jemand beispielsweise wiederholt zu spät kommt, kann man fragen: „Wie würdest du es finden, wenn wir einen Termin vereinbaren, ich zu spät komme und du hier sitzt und auf mich wartest?“ 

Wiebke Bomers: 
Das sind einige mögliche Abbruchursachen. Welche typischen Gründe gibt es noch dafür, dass Auszubildende ihre Ausbildung vorzeitig beenden? 

Christoph Metzler: 
In den ersten sechs Monaten stellt sich häufig die Frage: Habe ich tatsächlich die richtige Ausbildung gewählt? 

In Deutschland gibt es mehr als 300 Ausbildungsberufe. Auch ich kann Ihnen ehrlich gesagt nicht in jeder Hinsicht erklären, worin genau die Unterschiede zwischen einem Konstruktionsmechaniker, einem Mechatroniker und einem Feinmechaniker bestehen. 

Diese Unterschiede sind vorhanden. Sie werden in den Schulen und von den jungen Menschen jedoch häufig nicht ausreichend wahrgenommen. Dann stellt sich die Frage: Stimmen meine Vorstellungen mit dem überein, was mich in der betrieblichen Realität tatsächlich erwartet? 

Wiebke Bomers: 
Eine Ursache kann also sein, dass sich junge Menschen im Vorfeld nicht ausreichend informiert haben und nicht genau wissen, worauf sie sich einlassen. Welche weiteren Ursachen gibt es? 

Christoph Metzler: 
In der zweiten Phase der Ausbildung steht häufig die Zwischenprüfung an. Dann stellt sich die Frage, ob die Ausbildungsqualität des Betriebs wirklich passt. 

Wenn bei der Zwischen- oder Abschlussprüfung Probleme auftreten, muss geprüft werden: Hat der Betrieb den betrieblichen Ausbildungsplan bis zu diesem Zeitpunkt richtig umgesetzt? Hatte die oder der Auszubildende ausreichend Zeit? Wurde darauf geachtet, dass Probleme in der Berufsschule oder bei einzelnen Tätigkeiten aufgearbeitet werden? 

Hier trägt das Unternehmen eine große fachliche Verantwortung. 

Wiebke Bomers: 
An dieser Stelle ist also tatsächlich der Betrieb gefordert. Nehmen wir ein sehr kleines Handwerksunternehmen: Woher nimmt man im betrieblichen Alltag die Zeit, um sich neben der eigentlichen Arbeit und Ausbildung auch um all diese Dinge zu kümmern? 

Christoph Metzler: 
Unternehmen haben die Möglichkeit, ausbildungsbegleitende Hilfen zu beantragen. Dabei handelt es sich um ein Regelinstrument der Bundesagentur für Arbeit. Darüber können Auszubildende unter anderem sozialpädagogische Betreuung oder Nachhilfe in einzelnen Bereichen erhalten. 

Wenn der Unterstützungsbedarf überschaubar ist und ein junger Mensch beispielsweise lediglich Probleme mit dem Dreisatz hat, kann man auch eine private Nachhilfe organisieren. 

Als Ausbilderin oder Ausbilder sind Sie zwar für das Ergebnis verantwortlich. Sie sollten sich aber immer fragen: An welcher Stelle kann ich die Expertise anderer hinzuziehen? 

Wiebke Bomers: 
Damit sind wir mitten in der Ausbildung. Wie können Ausbilderinnen und Ausbilder von Anfang an dafür sorgen, das Abbruchrisiko so gering wie möglich zu halten? 

Empfehlen Sie feste Strukturen, beispielsweise ein wöchentliches Treffen und regelmäßige Gespräche? Wäre das ein geeignetes Mittel? 

Christoph Metzler: 
Das wäre bereits ein guter Anfang. Gerade zu Beginn gibt es auf beiden Seiten viele Fragezeichen: Was erwartet mich? Wer kommt auf mich zu? Was mache ich richtig und was mache ich falsch? 

Deshalb ist Feedback in den ersten Wochen das A und O. Dabei spielt auch eine Rolle, wie mit dem jungen Menschen während der ersten Wochen umgegangen wird: Werden alle Personen vorgestellt? Gibt es eine feste Ansprechperson? Läuft in der Berufsschule alles gut? 

Bis zu einem gewissen Grad gilt hier dasselbe wie bei allen anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: Man sollte ein offenes Ohr für Probleme haben und menschlich miteinander umgehen. 

Wiebke Bomers: 
Es gibt auch Probleme, die etwas subtiler sind und im persönlichen Bereich liegen. Auf www.kofa.de erwähnen Sie in unserem Thema des Monats zu Ausbildungsabbrüchen beispielsweise Suchtprobleme. Eine Auszubildende wird möglicherweise ungeplant schwanger oder jemand erlebt eine familiäre Krise. 

Wie sollten Ausbilderinnen und Ausbilder damit umgehen? 

Christoph Metzler: 
Das sind Themen, über die wir nicht gerne sprechen. Als Ausbilderin oder Ausbilder haben Sie bis zu einem gewissen Grad auch eine erzieherische Verantwortung. Gerade in solchen Lebenskrisen ist persönlicher Zuspruch enorm wichtig. 

Wenn es Probleme in der Familie gibt, eine ungeplante Schwangerschaft vorliegt oder jemand eine Sucht überwinden möchte und ansonsten nur wenige oder gar keine Ansprechpersonen hat, können Sie einen Unterschied machen: zunächst, indem Sie ein offenes Ohr haben, und im zweiten Schritt, indem Sie die richtigen Beratungsstellen vermitteln. 

Natürlich müssen Sie niemandem allein aus einer Sucht heraushelfen. Aber Sie können die Person sein, die den entscheidenden Unterschied macht. 

Wiebke Bomers: 
Daneben können natürlich auch Konflikte im Betrieb auftreten. Was kann man tun, wenn sich Ausbilder und Auszubildende nicht mehr einigen können? Wo gibt es Hilfe von außen? 

Christoph Metzler: 
Wenden Sie sich an Ihre zuständige Kammer. Die dortigen Ausbildungsberaterinnen und Ausbildungsberater verfügen über eine sehr große Erfahrung. 

Selbstverständlich wird dabei auf die notwendige Verschwiegenheit geachtet. Schließlich geht es nicht um Ihre zukünftigen Geschäftsstrategien, sondern um zwischenmenschliche Herausforderungen. 

Wiebke Bomers: 
Wir haben nun über verschiedene Ursachen von Ausbildungsabbrüchen und über mögliche Gegenmaßnahmen gesprochen. Zu Beginn haben wir bereits erwähnt, dass eine Vertragsauflösung nicht immer eine Katastrophe sein muss. 

Sie sagten, dass es sich lohnt, sich im Vorfeld gründlich über den Ausbildungsberuf zu informieren. Wenn jemand zu Beginn der Ausbildung feststellt, dass der gewählte Beruf nicht zu ihm passt: Kann es dann nicht für den jungen Menschen und den Betrieb das Beste sein, frühzeitig einen Schlussstrich zu ziehen? 

Christoph Metzler: 
Das kann durchaus das Beste sein. Dennoch geht immer etwas verloren. Das Unternehmen verliert Zeit und Geld – und möglicherweise eine zukünftige Fachkraft. 

Gerade in einem Handwerksunternehmen arbeiten Auszubildende, Gesellinnen und Gesellen sowie Meisterinnen und Meister Hand in Hand. Wenn die oder der Auszubildende plötzlich fehlt, wird es schwierig, denn die Arbeitsaufgaben bleiben bestehen. 

Für einen jungen Menschen kann ein Wechsel gut funktionieren. Das möchte ich keinesfalls schlechtreden. Natürlich gibt es Menschen, die erkennen: „Das war nicht das Richtige für mich“, und im zweiten Anlauf den passenden Weg finden. 

Aus Statistiken wissen wir allerdings, dass dies bei vielen nicht der Fall ist. Wenn jemand die Ausbildung beispielsweise ausschließlich aufgrund einer ungeplanten Schwangerschaft abbrechen muss, ist das zunächst keine neue Chance, sondern eine vergebene Chance, auf die hoffentlich eine neue Möglichkeit folgt. 

Wiebke Bomers: 
Ohne Frage. Ausbildungsabbrüche liegen allerdings nicht immer nur an den Auszubildenden. Ein heikles Thema sind auch mögliche Fehler der Ausbilderinnen und Ausbilder. 

Wie können diese vermieden und frühzeitig erkannt werden? Und wie können Ausbilderinnen und Ausbilder ihr eigenes Verhalten reflektieren? 

Christoph Metzler: 
Zunächst würde ich mich fragen: Hilft das, was ich mache, dem einzelnen Menschen tatsächlich? Oder mache ich es lediglich so, weil ich es schon immer so gemacht habe? 

Außerdem sollte ich meine eigenen Grenzen kennen: Habe ich tatsächlich genügend Zeit, um die Ziele zu erreichen, die ich mir für die Ausbildung vorgenommen habe? 

Die dritte Frage lautet: Habe ich wirklich ein offenes Ohr? Höre ich das, was mir meine Auszubildenden sagen möchten – oder höre ich lediglich das, was ich hören möchte? 

Wiebke Bomers: 
Wenn ich noch einmal zusammenfassen darf: Ausbilderinnen und Ausbilder brauchen Einfühlungsvermögen, um Probleme frühzeitig zu erkennen, über die vielleicht nicht jeder sofort spricht. Sie brauchen den Mut, diese Probleme anzusprechen. 

Gleichzeitig müssen sie erkennen, wo ihre eigenen Grenzen liegen, und gegebenenfalls Hilfe von außen annehmen. Diese Unterstützung gibt es. Und ganz zum Schluss braucht es auch die Einsicht, dass der Ausbildungsabschluss trotz aller Bemühungen möglicherweise nicht der richtige Weg ist. 

Christoph Metzler: 
Ganz genau, Frau Bomers. Dieses Menschliche, das Vorbildsein und die Begleitung junger Menschen – auch dann, wenn Herausforderungen auftreten – sind enorm wichtig. Ebenso geht es darum, gemeinsam mit den jungen Menschen Lösungen zu finden. 

Ich habe großen Respekt vor den Ausbilderinnen und Ausbildern, die das jeden Tag leisten. Ich kann sie nur bestärken, auch wenn es einmal nicht gut läuft: Am Ende haben wir es alle irgendwie geschafft. Und Sie sorgen dafür, dass junge Menschen es auch heute noch schaffen können. 

Wiebke Bomers: 
Ein schönes Schlusswort, Herr Metzler. Vielen Dank für das Gespräch. 

Auf www.kofa.de können Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, alle Empfehlungen noch einmal in Ruhe nachlesen. Herr Metzler, vielleicht wären Sie so nett, Ihre Tipps an dieser Stelle noch einmal kurz zusammenzufassen. 

Christoph Metzler: 
Führen Sie regelmäßig Gespräche zwischen Ausbilderinnen beziehungsweise Ausbildern und Auszubildenden, um Probleme frühzeitig zu erkennen und gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. 

Nutzen Sie Unterstützungsangebote bei fachlichem oder sprachlichem Nachhilfebedarf. Nehmen Sie ausbildungsbegleitende Hilfen in Anspruch oder informieren Sie sich vorab über die Assistierte Ausbildung. 

Wenden Sie sich bei Konflikten an die Ausbildungsberatung Ihrer Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer oder Landwirtschaftskammer. 

Kontaktieren Sie bei Suchtproblemen die kommunale Suchtberatung. Nutzen Sie außerdem Weiterbildungen zur Suchtprävention für Beschäftigte, Vorgesetzte und Auszubildende. 

Wenn Auszubildende Eltern werden oder bereits Kinder haben, suchen Sie gemeinsam nach Lösungen – beispielsweise durch Elternzeit oder eine Ausbildung in Teilzeit. Die Teilzeitausbildung kann bei der zuständigen Kammer beantragt werden. 

Geben Sie den Auszubildenden bei Bedarf die Kontaktdaten geeigneter Beratungsstellen. Verweisen Sie außerdem auf die Berufsausbildungsbeihilfe und weitere Förderangebote der Bundesagentur für Arbeit. 

Beschäftigen Sie Auszubildende mit Behinderung, können Sie sich bei den örtlichen Integrationsämtern darüber informieren, welche konkreten Hilfsmittel – beispielsweise Stehhilfen – zur Verfügung stehen. Auf www.kofa.de haben wir die wichtigsten finanziellen Unterstützungsangebote in einer Übersicht zusammengefasst. 

Wenn Sie umfassendere externe Unterstützung benötigen, können Sie sich auch an Berufsbildungswerke wenden. Gemeinsam mit ihnen können Sie die Ausbildung von Menschen mit Behinderung gestalten und beispielsweise die technische Ausstattung des Arbeitsplatzes optimieren. 

All diese und viele weitere Informationen finden Sie auf www.kofa.de

Jürgen Gehr: 
Das war es fürs Erste von uns. Wir hoffen, dass Sie den einen oder anderen Tipp mitgenommen haben und auch beim nächsten Mal wieder bei „KOFA auf dem Sofa“ dabei sind, wenn wir mit unserem Sofagast über Fragen der Fachkräftesicherung sprechen. 

Schauen Sie bis dahin gerne auf unserer Website vorbei. 

Wiebke Bomers: 
Auf www.kofa.de finden Sie neben unserem Podcast eine Vielzahl von Studien, Handlungsempfehlungen und Beispielen aus der Praxis rund um das Thema Fachkräftesicherung – für den Mittelstand, aus dem Mittelstand. 

Machen Sie es gut und schicken Sie uns Ihre Fragen, Anregungen und Kritik gerne per E-Mail an fachkraefte@iwkoeln.de. Wenn Ihnen unsere Sendung gefallen hat, empfehlen Sie uns gerne weiter. 

Wiebke Bomers und Jürgen Gehr: 
Tschüss!