Ein Betrieb bewirbt sich bei Schülern

Veltum erreicht Ausbildungsnachwuchs über Schulkooperationen 

Wer Jannik nach seinem Berufswunsch fragt, bekommt gleich mehrere Antworten: „Kfz-Mechaniker, Landwirt oder Straßenbau. Sowas finde ich ganz interessant.“ Damit weiß er schon mehr als viele seiner Mitschüler. Allerdings ist das Berufsleben für sie auch noch ein bisschen hin: Sie gehen in die achte Hauptschulklasse der Ederseeschule im hessischen Herzhausen.

Außer heute: Es ist Schülerrallye-Tag bei der Handwerksfirma Veltum in Waldeck, und die sieben Mädchen und zehn Jungs sind eingeladen, alle Ausbildungsberufe des Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnikers auszuprobieren. Juliane Veltum, die Tochter des Geschäftsführers, und Ausbildungsleiter Thomas Relke haben Mappen mit Aufgaben und Wegweisern zu den Stationen vorbereitet, an denen sich die Schülergruppen in den Ausbildungsberufen ausprobieren können: Straßenbau oder Landwirtschaft sind zwar nicht dabei, dafür aber der Anlagenmechaniker, technischer Systemplaner, Groß- und Außenhandelskaufmann, Elektroniker oder der Mechatroniker Kältetechnik.

Branche: Sanitär-, Heiz- und Klimatechnik | Standort: Waldeck-Sachsenhausen | Beschäftigte: 92

Stand: Februar 2018

Die Auszubildenden zeigen Schülern den Betrieb

„Der Fachkräftemangel und der Bedarf an Azubis ist der Grund, warum wir uns mittlerweile als Betriebe bei den Schülern bewerben müssen“, sagt Ausbildungsleiter Thomas Relke. Seit Jahren hat Veltum daher Kooperationen mit Schulen in der Region. „Wir sind in die Schulen gegangen und haben unseren Betrieb vorgestellt, dann kamen die Schüler zur Betriebsbesichtigung zu uns.“ Das war die klassische Variante der Schulkooperation. „Dabei bekommt aber immer nur ein Teil der Schüler wirklich etwas vom Betrieb mit, der Rest hört nicht richtig zu.“

Also hat man sich bei Veltum überlegt, wie die Informationen zum Betrieb und seinen Berufen so interessant vermittelt werden können, dass die Schüler sie auch wirklich mit nach Hause nehmen. „Wir sind dann auf diese sieben Stationen gekommen, an denen die Schüler etwas erleben oder machen, mit dem sie vorher vielleicht gar nicht gerechnet haben.“ Dabei leiten die Veltum-Azubis die Schüler an – und zeigen damit am lebendigen Beispiel, was sie in der Ausbildung erwarten würde. Kundentelefonate zum Beispiel, das Bearbeiten von Werkstücken oder das Biomasseheizwerk, das am Laufen gehalten werden muss.

Schülerrallye sorgt für Bewerber

Auch die Heizzentrale ist eine Station der Rallye. Es rauscht und surrt – und es ist warm. Die Anlagenmechanikerin-Auszubildende Sina Willer hat eine Tafel mit Kabeln und Schaltern präpariert. Um sie herum steht eine kleine Gruppe von Schülern und hört ihr gespannt zu. „Hier haben wir unseren Schaltplan, unsere Stromzufuhr, die geht in den Schalter rein, kommt wieder raus und steuert die Lampe. Jetzt habe ich das Problem: Ich hab den Stecker drinnen“, sagt sie und knipst den Schalter an und aus, „aber es funktioniert nicht. Habt Ihr eine Idee, wie man das jetzt behebt?“ Die Schüler überlegen. Hend Albakkour zeigt auf ein Kästchen mit Kabeln und Verbindungen: „Da könnten wir nachsehen.“ Willer nickt leicht und fragt: „Was machen wir vorher?“ Natürlich, Strom ausschalten. Dann steckt die Schülerin eine Leitung mit losem Ende wieder in die Verbindung, Willer schaltet den Strom ein. Das Spannungsprüfgerät zeigt: Alles richtig gemacht, die Leitungen stehen wieder unter Strom.

Trotzdem: „Ich würde gerne etwas mit Medizin machen“, sagt die Schülerin. Doch selbst, wenn sich trotz Rallye immer noch viele Schüler für andere Berufe interessieren und der Trend zum Studium in den Kooperationsschulen immer noch ungebrochen ist: Für den Heizungs-, Sanitär- und Klimatechnikbetrieb mit seinen 92 Mitarbeitern ist das inzwischen kein großes Problem mehr. Denn die Schülerrallye für siebte und achte Klassen ist ein echter Erfolg: „Seit wir die Rallye machen, bekommen wir von den Schülern, die dabei waren, sehr viele Bewerbungen“, sagt Relke. Im vergangenen Jahr sind 170 Bewerbungen für sieben Ausbildungsplätze und Langzeitpraktika eingegangen. „Es gibt Handwerkskollegen, die sagen: Die zwei Auszubildenden, die ich eingestellt habe, sind die einzigen, die sich beworben haben. Bei uns sind die Bewerberzahlen trotz der sinkenden Schülerzahlen kontinuierlich bis steigend“, sagt der Ausbildungsleiter.

„Unternehmen müssen auf sich aufmerksam machen“

Sein Rat: „Wir können anderen Unternehmen nur empfehlen, überall dabei zu sein, um bekannt zu werden. Man muss heute Wirbel machen. Wir machen auch selbst Aktionen, zum Beispiel die Quad-Touren und andere Sportveranstaltungen. Das wird von den Azubis natürlich auch weitergetragen.“ Zum Beispiel zu Luisa Schmal. Die Auszubildende zur Groß- und Außenhandelskauffrau ist selbst über die Schülerrallye zu Veltum gekommen. „Ich finde es auch deshalb toll, weil man hier auch die Leute kennenlernt. Für mich hat es die Entscheidung leichter gemacht, sich hier zu bewerben.“

© KOFA
Luisa Schmal, Auszubildende zur Groß- und Außenhandelskauffrau bei Veltum

Ich fand gut, dass ich über die Schülerrallye bei Veltum verschiedene Ausbildungsmöglichkeiten kennengelernt habe. Das war auch deshalb toll, weil ich direkt meine Fragen zu den Berufen stellen konnte.

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