Rechte und Pflichten in der Ausbildung

Wenn Sie Menschen mit Behinderung in Ihrem Unternehmen ausbilden, kann das für den weiteren gemeinsamen Weg von großem Vorteil sein: Sie gewinnen einen loyalen Mitarbeiter und benötigen nach der Ausbildung keine oder nur wenig Einarbeitungszeit. Die Wege und Abläufe im Unternehmen sind schon bekannt; die persönlichen Kontakte bestehen bereits; eventuell benötigte Hilfsmittel im Unternehmen sind vorhanden. 
Die Rechte und Pflichten einer bzw. eines Auszubildenden als auch die des ausbildenden Betriebes orientieren sich am Berufsbildungsgesetz (BBiG) bzw. der Handwerksordnung (HwO). Es gibt nur ein paar Rechte und Pflichten auf beiden Seiten, die sich von anderen Ausbildungsverhältnissen unterscheiden. Sie gelten, wenn der Auszubildende einen Grad der Behinderung (GdB) von mehr als 50 und somit eine Schwerbehinderung hat. Während einer Berufsausbildung können Jugendliche von der Agentur für Arbeit, unabhängig vom Grad der Behinderung Menschen mit einer Schwerbehinderung gleichgestellt werden, Sie haben damit in weiten Teilen vergleichbare Ansprüche.  

 Rechte und LeistungenPflichten
Unternehmer / Arbeitgeber  Kann finanzielle und sachgebundene Unterstützung erhalten, zum Beispiel von der Agentur für Arbeit, vom Integrationsamt oder von den Rentenversicherungsträgern. Möchte Sie einem Auszubildenden mit Schwerbehinderung kündigen, muss das Integrationsamt zustimmen. Das gilt selbstverständlich erst, wenn die Probezeit schon abgelaufen ist. In drei von vier Fällen stimmt das Integrationsamt erfahrungsgemäß der Kündigung zu. Allerdings nur, wenn sie nichts mit der Behinderung zu tun hat. Die Entscheidung fällt spätestens einen Monat nach Antragstellung.
 Kann kostenfreie Beratung einholen, zum Beispiel bei der Agentur für Arbeit oder den Integrationsfachdiensten. Auch verschiedene Vereine bieten Beratungen zu Inklusion und Barrierefreiheit an. 

Für minderjährige Auszubildende - ob mit oder ohne Behinderung - gilt das Jugendarbeitsschutzgesetz. Strikte Vorschriften schränken Mehrarbeit hier sehr stark ein. Auf Verlangen muss ein Unternehmer aber auch volljährige Auszubildende mit einer Schwerbehinderung von Mehrarbeit freistellen. Das betrifft auch Bereitschaftsdienste. Den entsprechenden Antrag muss der Arbeitnehmer frühzeitig stellen, damit der Arbeitgeber sich darauf einstellen kann. 

 Auszubildende mit einer Schwerbehinderung werden auf zwei Pflichtarbeitsplätze zur Bemessung der Ausgleichsabgabe angerechnet, die Unternehmen mit mindestens 20 Vollzeitarbeitsplätzen entrichten müssen.  
 Eine vorliegende Schwerbehinderung hat nicht zur Folge, dass ein Auszubildender nach Ende seiner Ausbildung übernommen werden muss.  
Auszubildender mit BehinderungHat Anspruch auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, das von den Rehabilitationsträgern bezahlt wird.
Das kann z. B. Leistungen für eine Arbeitsassistenz oder Hilfsmittel am Arbeitsplatz sein 
 
Muss Auskunft über seine Behinderung geben, wenn sie relevant für den Arbeitsplatz ist, wenn er zum Beispiel bestimmte Tätigkeiten nicht ausüben kann oder die Behinderung Einfluss auf das Arbeitsergebnis hat.
 Bekommt  fünf Tage Sonderurlaub (bei einer Vollzeitausbildung, ansonsten anteilig) Überstunden kann der Mitarbeiter nicht generell ablehnen. Bei einem sechsstündigen Arbeitstag sind bis zu zwei Überstunden zumutbar. 
 Kann einen Antrag auf Teilzeitbeschäftigung stellen, wenn dies durch Art und Schwere der Behinderung notwendig wird. Im Falle einer Berufsausbildung kann die reguläre Ausbildungszeit verlängert werden und auf eine Teilzeitausbildung gewechselt werden. Grundlage dafür ist ein ärztliches Attest und ein gemeinsamer Antrag von Ausbildungsbetrieb und Auszubildenden bei der zuständigen Kammer.  
 

Auszubildende mit Schwerbehinderung haben ein Recht auf Vertretung im Betrieb. Sind fünf oder mehr Mitarbeitende mit Schwerbehinderung in einem Unternehmen, haben diese das Recht ein Schwerbehindertenvertretung zu wählen. Sie steht den Mitarbeitern beratend und helfend zur Seite. Auszubildende mit Schwerbehinderung können sich auch regulär in einer Jugend- und Auszubildendenvertretung engagieren. 

 
 Kann unter Umständen kostenlos den öffentlichen Nahverkehr nutzen (Merkzeichen G für Gehbehindert oder aG für außergewöhnlich gehbehindert). 
 Kann in Abstimmung mit der zuständigen Kammer Nachteilsausgleiche bei der Prüfung nutzen.  
  • Wenn Sie weitere Informationen zur Ausbildung von Menschen mit Behinderung erhalten möchten, schauen Sie doch mal in unsere ausführliche Handlungsempfehlung zu diesem Thema. 
  • Eine Übersicht zu den verschiedenen Unterstützungsangeboten und Beratungsleistungen für Arbeitgeber, die Menschen mit Behinderung ausbilden, finden Sie außerdem hier.

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