
Wertvolle Erfahrung sichern: Ältere Beschäftigte im Unternehmen halten
KOFA-Studie 04/2026Der demografische Wandel verändert die Personalplanung in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Die KOFA-Studie „Wertvolle Erfahrung sichern: Ältere Beschäftigte im Unternehmen halten“ zeigt, in welchen Berufen besonders viele Beschäftigte vor dem Renteneintritt stehen. Für KMU geht es dabei nicht nur um Nachbesetzung, sondern auch um Wissen, Erfahrung und betriebliche Kontinuität. Die Studienergebnisse helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen und Personalmaßnahmen gezielter auszurichten.
Das Wichtigste in Kürze
Mehr als 8,5 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte sind 55 Jahre oder älter. Damit wird rund ein Viertel (25,4 Prozent) aller Beschäftigten den Arbeitsmarkt voraussichtlich innerhalb der nächsten zehn bis fünfzehn Jahre altersbedingt verlassen.
Besonders betroffen sind ausgebildete Fachkräfte: Über 4,6 Millionen Beschäftigte ab 55 Jahren arbeiten auf Fachkraftniveau, also in der Regel mit abgeschlossener Berufsausbildung.
In Engpassberufen arbeiten rund 3,6 Millionen Beschäftigte ab 55 Jahren. Dort trifft bestehender Fachkräftebedarf auf zusätzlichen Ersatzbedarf durch Renteneintritte.
Warum ältere Beschäftigte für KMU immer wichtiger werden
Mehr als 8,5 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Deutschland sind 55 Jahre oder älter. Das entspricht 25,4 Prozent aller Beschäftigten. Für KMU bedeutet das: In vielen Betrieben wird in den nächsten Jahren ein erheblicher Teil der Belegschaft altersbedingt ausscheiden.
Das betrifft nicht nur Stellen, sondern auch Erfahrung. Gerade kleinere Unternehmen können Wissen oft nicht kurzfristig ersetzen, wenn erfahrene Beschäftigte gehen. Übergaben, Vertretungen und Nachfolge im Team brauchen deshalb mehr Vorlauf.
Besonders relevant ist die Altersstruktur bei ausgebildeten Fachkräften. Über 4,6 Millionen Beschäftigte ab 55 Jahren arbeiten auf Fachkraftniveau. Viele KMU sind genau auf diese Qualifikationen angewiesen, etwa im Handwerk, in technischen Berufen, im Verkehr, in der Pflege oder in produktionsnahen Tätigkeiten.
Welche Berufe besonders betroffen sind
In Engpassberufen sind rund 3,6 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte 55 Jahre oder älter. Für Unternehmen entsteht damit doppelter Druck: Offene Stellen sind bereits schwer zu besetzen, gleichzeitig rücken altersbedingte Abgänge näher.
Besonders sichtbar wird das in Bau- und Verkehrsberufen. Bei Spezialist:innen in der Aufsicht im Hochbau sind 41,2 Prozent der Beschäftigten 55 Jahre oder älter. Bei Bus- und Straßenbahnfahrer:innen liegt der Anteil bei 40,0 Prozent. Auch Berufe in Gesundheit, Pflege und im sozialen Bereich tauchen unter den besonders betroffenen Engpassberufen auf.
Für Betriebe in diesen Bereichen ist es riskant, erst bei einer Kündigung oder beim Rentenantrag zu reagieren. Wer früh erkennt, welche Funktionen stark von älteren Beschäftigten getragen werden, kann Wissenstransfer und Nachbesetzung gezielter vorbereiten.
Warum Nachwuchs und Erfahrung zusammen gedacht werden müssen
Es gibt auch Berufe, die aktuell keine große Fachkräftelücke aufweisen, aber durch Renteneintritte und unbesetzte Ausbildungsplätze unter Druck geraten können. Im Ofen- und Luftheizungsbau blieben 2025 knapp drei von zehn angebotenen Ausbildungsplätzen unbesetzt. Gleichzeitig waren 29,4 Prozent der Beschäftigten in diesem Beruf 55 Jahre oder älter. Ähnliche Muster zeigen sich unter anderem in der Steinmetztechnik, bei Stuckateurarbeiten, in der Glasveredelung sowie im Beton- und Stahlbetonbau.
Ausbildung bleibt deshalb ein zentraler Hebel. Betriebe sollten Ausbildungsmarketing, Schulkooperationen und die Ansprache neuer Zielgruppen nicht nur dort einsetzen, wo der Mangel bereits akut ist. Entscheidend ist, früh zu prüfen, welche Stellen in den nächsten Jahren altersbedingt neu besetzt werden müssen.

Unternehmen sollten nicht erst reagieren, wenn der Renteneintritt kurz bevorsteht. Wer früh über Arbeitszeit, Aufgaben, Wissenstransfer und Weiterbeschäftigung spricht, gewinnt Zeit für eine geordnete Nachfolge.
Jurek TiedemannStudienautorEmpfehlungen für KMU
Die KOFA-Studie zeigt, wo KMU konkret ansetzen können, wenn viele erfahrene Beschäftigte in den nächsten Jahren in Rente gehen.
Altersstruktur im Betrieb prüfen: Erfassen Sie, welche Beschäftigten in den nächsten fünf bis zehn Jahren voraussichtlich in Rente gehen und welche Aufgaben, Kundenkontakte oder Spezialkenntnisse daran hängen.
Frühzeitig Gespräche führen: Sprechen Sie ältere Beschäftigte rechtzeitig auf Arbeitszeitwünsche, Übergänge in den Ruhestand und mögliche Weiterbeschäftigung an, etwa mit reduzierten Stunden oder angepassten Aufgaben.
Wissenstransfer fest einplanen: Nutzen Sie Tandems, Mentoring oder strukturierte Übergaben, damit Erfahrungswissen nicht erst kurz vor dem Renteneintritt weitergegeben wird.
Ausbildung gezielt auf Ersatzbedarf ausrichten: Prüfen Sie, in welchen Berufen ältere Beschäftigte dominieren, und richten Sie Ausbildungsplätze, Praktika oder Schulkooperationen stärker auf diese Bereiche aus.
Weiterbildung auch für Ältere öffnen: Bieten Sie praxisnahe Lernformate an, damit erfahrene Beschäftigte neue Aufgaben übernehmen oder ihr Wissen in veränderten Rollen einbringen können.