Fachkräftesicherung durch flexible Arbeitszeiten

Mit Teilzeit attraktiv für Frauen und Männer

Passend qualifizierte Fachkräfte gibt es für immer weniger offene Stellen. Einige Unternehmen müssen bereits Aufträge ablehnen, da ihnen das dafür nötige Personal fehlt. Daher wird es für Ihr Unternehmen immer wichtiger, alle vorhandenen Fachkräftepotenziale auch zu erschließen. Dabei kann es Ihnen helfen, Teilzeitjobs und flexible Arbeitszeiten anzubieten. Die meisten Fachkräfteengpässe liegen in männertypischen Berufen vor, also in Berufen in denen überwiegend Männer arbeiten. Oftmals gehören flexible Arbeitszeiten wie beispielsweise Teilzeit hier (noch) nicht zum Standard.

Erschließen Sie das Fachkräftepotenzial der Frauen

Die gestiegene Arbeitsmarktbeteiligung von Frauen hat in den letzten Jahren bereits dazu beigetragen, Fachkräfteengpässe zu lindern. Denn ohne die gestiegene Erwerbstätigkeit der Frauen hätte sich die Fachkräftesituation in einigen Bereichen noch deutlich stärker verschlechtert. Dennoch bieten Frauen auch heute noch ungenutzte Fachkräftepotenziale, die Sie für Ihrem Unternehmen erschließen können, indem Sie eine optimale Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen. Denn Frauen leisten in den meisten Familien immer noch den größten Teil der Kinderbetreuung und Pflegearbeit. Mit flexiblen Arbeitszeitmodellen wie beispielsweise Teilzeitjobs mit variablem Stundenumfang, können Sie weibliche Fachkräfte (noch) besser für sich gewinnen für sich gewinnen.

Nutzen Sie die Vielfalt flexibler Arbeitszeitmodelle...

Unter dem Begriff der flexiblen Arbeitszeit wird eine ganze Reihe verschiedener Arbeitszeitmodelle zusammengefasst. Die am weitesten verbreiteten sind dabei verschiedene Varianten von Teilzeit, Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit, Telearbeit und Homeoffice. Dagegen sind Arbeitszeitkonten, Jobsharing oder das mobile Arbeiten bislang überwiegend in großen Unternehmen zu finden. Doch allein die Beschäftigung in Teilzeit bietet Ihnen vielfältige Optionen, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Ihrem Unternehmen – nicht nur für Frauen – zu verbessern.

Generell gilt eine Beschäftigung als „Teilzeitarbeit“, wenn Arbeitnehmerinnen oder Arbeitnehmer vereinbarungsgemäß nicht die normalerweise übliche bzw. tarifvertraglich festgelegte volle Arbeitszeit in Anspruch nehmen. Das bedeutet, wenn Ihr Unternehmen üblicherweise eine 38-Stunden-Woche vorsieht, gilt eine Beschäftigung mit 35 Stunden wöchentlicher Arbeitszeit in Ihrem Unternehmen ebenso als Teilzeitarbeit, wie eine Beschäftigung, die lediglich fünf Wochenstunden umfasst.
Neben der Flexibilität des Stundenumfangs, muss auch die Verteilung der zu leistenden Arbeitsstunden nicht gleichmäßig auf alle Tage der Woche erfolgen. Alternative Formen sind beispielsweise:

  • Feste ganze Wochentage, z. B. ausschließlich montags und mittwochs in Vollzeit
  • Turnusteilzeit, z. B. eine freie Woche folgt auf eine Woche Vollzeitarbeit
  • Individuelle Teilzeitarbeit durch Arbeitszeitkonten: Trotz vertraglich reduzierter Arbeitszeit wird weiterhin Vollzeit gearbeitet. Die „Überstunden“ werden auf einem Zeitkonto angespart und können beispielsweise für ein Sabbatical genutzt werden.
  • Team-Teilzeit: Die Beschäftigten stimmen im Team die jeweilige persönliche Arbeitszeit ab, während Sie als Arbeitgeber nur die Anzahl der Personen vorgeben, die in einem bestimmten Zeitabschnitt anwesend sein müssen.

Eine optimale Vereinbarkeit von Familie und Beruf erreichen Sie, indem Sie das größtmögliche Maß an Flexibilität gewähren. Das bedeutet beispielsweise, Beschäftigungsverhältnisse in Teilzeit – sprich einem reduzierten Stundenumfang – die je nach Bedarf auch in Form von Telearbeit bzw. Homeoffice abgeleistet werden können. Vertrauensarbeitszeit ermöglicht ihren Beschäftigten zudem das größtmögliche Maß an Autonomie bei der Arbeitszeitgestaltung, da sowohl die formale Zeiterfassung als auch die Anwesenheitskontrolle entfallen.
Insbesondere für Fach- und Führungskräfte bietet sich zudem das Jobsharing an, bei dem sich zwei Beschäftigte zeitlich und/oder inhaltlich einen Arbeitsplatz teilen. Voraussetzung hierfür ist eine regelmäßige Abstimmung und Informationsaustausch, also ein hohes Maß an Kommunikation. Für Ihr Unternehmen kann Jobsharing besonders dann von Vorteil sein, wenn Sie für eine bessere Kundenorientierung lange Servicezeiten anbieten möchten, die mit diesem Teilzeitmodell gut realisierbar sind.

…und werden Sie attraktiv für Frauen und Männer

Der größte Vorteil, den Sie von der Einführung flexibler Arbeitszeiten haben, ist, dass Sie nicht nur Frauen damit ansprechen, sondern auch Männer. Denn verschiedene Studien zeigen, dass sich auch Männer flexiblere Arbeitszeiten wünschen. Es ist zu beobachten, dass sich die Arbeitszeitwünsche von Frauen und Männern seit einigen Jahren annähern. Insbesondere das Modell der sogenannten „großen Teilzeit“ wird von beiden Geschlechtern präferiert (DIW 2018). Das bedeutet, viele Männer und Frauen wünschen sich einen Beschäftigungsumfang, der zwar geringer ist, als bei einer regulären Vollzeitbeschäftigung, aber über 20 Stunden pro Woche liegt. Dies ermöglicht ein höheres Maß an Flexibilität und somit eine bessere Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben.

Quelle: Eigene Darstellung nach Bernhard/Hipp/Allmendinger 2016.

Insbesondere bei den jüngeren Generationen gewinnen flexible Arbeitszeitmodelle immer mehr an Bedeutung. Befragungen von Hochschulabsolventen zeigen beispielsweise, dass das Angebot einer flexiblen Arbeitszeitgestaltung bei der Jobwahl für viele bereits wichtiger ist als das Gehalt, die Karrieremöglichkeiten oder der klassische Dienstwagen. Ohne flexible Arbeitszeitmodelle werden Unternehmen im Wettbewerb um passend qualifizierte Fachkräfte langfristig nicht bestehen können.

Wo erhalten Sie weitere Informationen?

Wie Sie flexible Arbeitszeitmodelle auch in Ihrem Unternehmen erfolgreich etablieren können und was bei der Einführung zu beachten ist, erfahren Sie in unserer KOFA-Handlungsempfehlung „Flexible Arbeitszeitmodelle“. In der KOFA-Handlungsempfehlung „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ finden Sie weitere Optionen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Ihrem Unternehmen zu optimieren.
Wie Sie mit der richtigen Stellenanzeige nicht nur männliche, sondern gezielt auch weibliche Fachkräfte gewinnen, erfahren Sie in der KOFA-Handlungsempfehlung „Rekrutierung von Frauen“.

Flexible Arbeitszeitmodelle in der Praxis

Das KOFA bietet Ihnen zudem Beispiele guter Praxis und Experteninterviews zum Thema. Hier berichten kleine und mittlere Unternehmen wie sie flexiblen Arbeitszeiten erfolgreich in ihrem Unternehmen etabliert haben.

  • Ein Beispiel für ein gelungenes Jobsharing-Modell in der Unternehmensführung eines KMU hören Sie in unserem Podcast Folge 8: „Jobsharing“.
  • Lesen Sie hier, wie das Software- und Hardware-Unternehmen ise GmbH flexible Arbeitszeiten etabliert hat.
  • Im Praxisbeispiel Homeoffice zeigt das Unternehmen CTM wie es IT-Experten die Arbeit von zuhause ermöglicht.
  • Im Interview mit Ulrike Kenkenberg erfahren Sie, wie Vertrauensarbeitszeit im Institut der deutschen Wirtschaft umgesetzt wird.
  • Interview mit Prof. Dr. Dominik Enste: Flexible Arbeitszeiten und Vertrauenskultur lohnen sich!
  • Einen Überblick über alle Inhalte zum Thema auf KOFA finden Sie hier.

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