Thema des Monats: Ausbildungsabbrüche vermeiden

Ausbildungsabbruch: Diese Unterstützungsangebote helfen Ihnen weiter

Im vergangenen Jahr haben mehr als eine halbe Million Menschen eine duale Berufsausbildung in Deutschland begonnen. Mit einem Ausbildungsvertrag in der Tasche haben sie folgendes Ziel: Einen Abschluss als qualifizierte Fachkräfte in einem von 326 Ausbildungsberufen – von Hotelfachmann/-frau bis hin zu Zweiradmechaniker/-in. Die aktuellen Zahlen zeigen allerdings auch, dass gut ein Viertel aller Ausbildungen im vergangenen Jahr abgebrochen wurde. Gründe gibt es zahlreiche: Falsche Berufswahl, Überforderung oder private Probleme sind Beispiele. Und auch in vielen erfolgreichen Ausbildungen sind Herausforderungen zu bestehen, die sich nicht immer von alleine lösen. Zudem können junge Menschen in Deutschland in vielen Regionen heute aus mehreren beruflichen Alternativen auswählen: Das erhöht natürlich auch den Anspruch an die Qualität der eigenen Ausbildung

Wenn eine Ausbildung abgebrochen wird, ist dies für beide Seiten ärgerlich: Für die Unternehmen, die Zeit und Geld in die Nachwuchssicherung investiert haben. Und für die Auszubildenden, die sich beruflich oft neu orientieren müssen. Viele Abbrüche und Kündigungen lassen sich vermeiden. Voraussetzung dafür ist, dass Sie ein Vertrauensverhältnis zu Ihren Auszubildenden aufbauen und über regelmäßige Gespräche, die einen festen Platz in der Alltagsstruktur haben, in Kontakt zu den Bedürfnissen Ihrer jungen Kolleginnen und Kollegen bleiben.

Häufig können Sie präventiv handeln, bevor Konflikte aufkommen: Viele junge Menschen haben in ihrem Leben besondere Bedürfnisse, die sie in Einklang mit ihrer Ausbildung bringen müssen. Was Sie als Betrieb tun können und wo Sie Unterstützung finden, erfahren Sie im Folgenden.

Konflikte frühzeitig vermeiden

Ihr Auszubildender bzw. Ihre Auszubildende benötigt fachliche Nachhilfe, um dem Stoff in der Berufsschule folgen zu können? Die Deutschkenntnisse reichen nicht aus, um die Prüfungen an der Berufsschule und die beruflichen Begriffe im Job meistern zu können? Ihr Auszubildender bzw. Ihre Auszubildende hat Probleme im familiären Umfeld, im Freundeskreis oder mit Lehrkräften? Das alles ist menschlich und kein Grund aufzugeben! Doch auch als engagierter Ausbilder bzw. Ausbilderin können Sie nicht immer alles alleine stemmen. Öffentliche und kostenlose Förderangebote wie die Ausbildungsbegleitenden Hilfen (AbH) können dabei helfen, fachliche und persönliche Herausforderungen je nach Einzelfall zu bestehen. In der Assistierten Ausbildung (AsA)  sind viele Maßnahmen gebündelt und werden von Beginn einer Ausbildung an angeboten. Auch ein Praktikum vor einer Ausbildung ist möglich. Zudem werden Sie bei der AsA auch als Betrieb organisatorisch und administrativ unterstützt. Eine Gesamtübersicht über die verschiedenen Maßnahmen sowie passende Ansprechpartner finden Sie in unserer Online-Handlungsempfehlung „Öffentliche Fördermaßnahmen in der Ausbildung“.

Bei Konflikten schlichten

Konflikte während der Ausbildung können aus vielerlei Gründen entstehen: Schlechte Noten in der Berufsschule, Unzuverlässigkeit und Verspätungen der oder des Auszubildenden oder auch Klagen über unzureichende Betreuung durch den Betrieb. Nicht immer können die Konflikte zwischen Betrieb und Auszubildenden gelöst werden – manchmal kann eine dritte unabhängige Meinung helfen.

Dafür bieten sowohl die Industrie- und Handelskammern (IHK) als auch die Handwerkskammern (HWK) eine Ausbildungsberatung an. Die Experten und Expertinnen bei den Kammern kennen zum einen die rechtlichen Grundlagen, zum anderen haben sie Erfahrung im Umgang mit Ausbildungskonflikten. Mit ihrer fachlichen wie persönlichen Kompetenz können sie helfen, Probleme bei der Ausbildung zu lösen. Die Beratung ist für Arbeitgeber wie Auszubildende kostenlos, wenn Sie ein Mitgliedsunternehmen sind.

Mit Suchtproblemen umgehen

Nicht immer liegen die Gründe für Konflikte im beruflichen Alltag. Auch das Privatleben der Auszubildenden kann eine entscheidende Rolle spielen. Der Gebrauch von legalen Drogen im Rahmen des Jugendschutzgesetzes ist Privatsache. Wenn der Drogenkonsum aber Auswirkungen auf den Arbeitsalltag hat oder gar illegale Drogen ins Spiel kommen, sollten Sie handeln.

Wenn Sie auffälliges Verhalten bei Ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen oder bei den Auszubildenden bemerken, sollten Sie eingreifen und das Gespräch suchen. Doch wie geht man in so einem Gespräch am besten vor? Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V. hat in einer Liste Beratungsstellen und Einrichtungen zusammengetragen, die ein spezielles Angebot zum Thema "Sucht am Arbeitsplatz" bereitstellen:

Link: http://www.sucht-am-arbeitsplatz.de/themen/netzwerke-und-organisationen/beratungsstellen/adressen-von-beratungsstellen/#c965

Gemeinnützige kommunale Suchtberatungen, wie der AGJ-Fachverband in Baden-Württemberg, können Ihnen einerseits bei präventiven Maßnahmen helfen und andererseits bei der konkreten Lösung von Problemen. Diese Einrichtungen bieten häufig  auch Weiterbildung- in Form von Seminaren und Workshops- für Beschäftigte und Vorgesetzte zur Suchtprävention als auch Veranstaltungen für Auszubildende an.

Ausbildung mit Kind meistern

Kind oder Karriere? – Junge Frauen, die während der Ausbildung ungewollt schwanger werden oder bereits vor einer Ausbildung Mutter geworden sind, stellt sich diese Frage ganz besonders. Und nicht in allen Fällen ist die Unterstützung des Partners oder der Familie  vorhanden. Werdende Mütter sehen dann häufig keinen anderen Weg, als ihre Ausbildung zu beenden. Aber auch Männer, die während der Ausbildung Vater werden, tragen dann eine große persönliche wie finanzielle Verantwortung. Dieser erhöhte Druck kann den Ausbildungserfolg gefährden.

Als Arbeitgeber können Sie Ihren Auszubildenden Wege und Möglichkeiten aufzeigen, um die Ausbildung trotz der schwierigen Situation erfolgreich abzuschließen. Suchen Sie das Gespräch: Erklären Sie, dass das Ausbildungsverhältnis bestehen bleibt, wenn die Auszubildenden Elternzeit in Anspruch nehmen, und die Ausbildung im Anschluss fortgesetzt werden kann. Grundsätzlich ist es auch möglich, die Ausbildung in Teilzeit fortzusetzen oder gar von Anfang an in diesem Modell zu starten. Bei einer Teilzeitausbildung wird die Ausbildungszeit auf 20 bis 30 Stunden pro Woche reduziert. Die Ausbildung dauert dadurch gegebenenfalls etwas länger, ist aber ansonsten gleich. Dafür müssen sowohl Ausbildende als auch Auszubildende gemeinsam einen Antrag bei der zuständigen Kammer stellen.

  • Sie und Ihre Auszubildende suchen Unterstützung, um die neue Lebenssituation gut zu meistern? Für allgemeine Fragen zu Schwangerschaft und Unterstützungsmöglichkeiten können Sie zum Beispiel auf die kostenlosen Beratungsstellen von donum vitae, die in in 201 Orten in Deutschland aktiv sind, verweisen: www.donumvitae.org/208
  • Auch der Verband alleinerziehender Mütter und Väter berät ausführlich zu diesem Thema: https://www.vamv.de/vamv/landesverbaende/
  • Wer ein Kind hat, kann zudem bei der Arbeitsagentur die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) beantragen – eine finanzielle Unterstützung während der Ausbildung.

Ausbildung mit Behinderung ermöglichen

Gesundheitliche Einschränkungen können auch den Ausbildungsalltag betreffen – etwa wenn Maschinen in einem Arbeitsbereich nicht auf dieselbe Art und Weise bedient werden können, wie man das im Betrieb bisher gewohnt ist: Sei es weil eine Auszubildende farbenblind ist oder ein Auszubildender eine Hand nicht bewegen kann. Doch daraus müssen sich keine Einschränkungen im Beruf ergeben. In vielen Fällen kann mit den passenden Hilfsmitteln, wie zum Beispiel Griffhilfen oder akustischen Signalen, die betriebliche Tätigkeit genauso gut ausgeführt werden. Die örtlichen Integrationsämter können kostenlos beraten und im Bedarfsfall Hilfsmittel in der Regel kostenneutral zur Verfügung stellen. Ihr zuständiges Integrationsamt finden Sie hier: https://www.integrationsaemter.de. Eine Übersicht über die gängigen finanziellen Unterstützungsangebote – vom Zuschuss für Arbeitshilfen im Betrieb bis zur Übernahme von Prüfungsgebühren – haben wir für Sie hier zusammengestellt. Darüber hinaus steht Ihnen eine eigene Handlungsempfehlung zum Thema zur Verfügung.

Ein kompetenter Ansprechpartner sind auch die Berufsbildungswerke (BBW). Sie geben zum Beispiel Tipps zur technischen Ausstattung des Arbeitsplatzes oder zu Eingliederungshilfen:
http://www.bagbbw.de/qualifizierte-nachwuchskraefte/leistungen-fuer-unternehmen/

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