
Transkript: Folge 27
KOFA auf dem Sofa: Handwerk statt Hörsaal – Frauen starten durch
Jens:
KOFA auf dem Sofa, der Podcast mit Sibylle Stippler und Jens Breuer. Da sind wir wieder, herzlich willkommen.
Sibylle:
Hallo Jens und herzlich willkommen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer.
Jens:
Wie Sie vielleicht schon gemerkt haben: Wir sind terminlich ein bisschen anders unterwegs als sonst. Sonst gab es KOFA auf dem Sofa alle zwei Wochen montags. Jetzt ist es der Mittwoch geworden. Warum ist das so?
Sibylle:
Weil wir jetzt noch etwas ganz Neues in unserem Angebot haben, nämlich unseren Shortcast, das KOFA konkret, das montags kommt.
Jens:
Genau. Da gibt es Personalwissen zum Durchstarten und zwar mit konkreten Tipps für die ganze Woche.
Wenn Sie also montags bei uns reinhören, bekommen Sie immer KOFA konkret, so zwei, drei Minuten, und eben Dinge an die Hand gegeben, die Sie direkt im Laufe der Woche umsetzen oder zumindest einmal ausprobieren können.
Berichten Sie auch gerne von Ihren Erfahrungen. Es wäre sehr spannend, inwiefern Sie das weitergebracht hat.
Also noch einmal: KOFA konkret jeden Montag und KOFA auf dem Sofa alle zwei Wochen mittwochs.
Sibylle, hast du, sage ich jetzt einmal, handwerkliche Talente?
Sibylle:
Also, ich bin ja offizielle IKEA-Beauftragte bei uns zu Hause. Wenn da so ein Karton auszupacken ist, dann bin ich sofort dabei und liebe es einfach, die Dinge zusammenzuschrauben.
Jens:
Okay, du hast also dieses IKEA-Prinzip verinnerlicht. Sobald so ein Karton aufgeht, weißt du direkt, wo der Inbusschlüssel angesetzt werden muss und wie du das Billy-Regal zusammengebaut bekommst.
Sibylle:
Genau. Und wenn alle dann schreien: „Hier fehlt doch was, hier fehlt doch die eine Schraube“, dann bin ich garantiert diejenige, die sie findet und das Problem löst. Das macht mir richtig Spaß.
Jens:
Ich sage immer: Das kann gar nicht sein. Das wird von einer Maschine zusammengestellt, da kann keine Schraube fehlen.
Was hat dich damals davon abgehalten, um einmal zu unserem heutigen Thema zu kommen? Heute geht es um Frauen im Handwerk. Warum hast du damals, als das für dich zur Debatte stand, nicht entschieden, vielleicht einen handwerklichen Beruf zu ergreifen?
Sibylle:
Das ist echt so eine Frage. Ich kannte damals kaum Handwerkerinnen und hatte gar keine Vorstellung davon, wie das eigentlich aussehen soll: eine Frau, die ein Waschbecken installiert oder eine Heizung repariert.
Das waren bei uns immer Männer, die da ein- und ausgingen. Keine einzige Frau.
Jens:
Montag war ja Weltfrauentag. Da haben wir uns gedacht: Sprechen wir doch einfach einmal über Frauen im Handwerk.
Es gibt ja immer noch ganz viele Berufe, und du hast es gerade angesprochen, bei denen man gar nicht erst auf die Idee kommt, dass das vielleicht auch ein Beruf für Frauen sein könnte. Zum Beispiel Dachdeckerin. Malerin vielleicht noch eher oder Mechatronikerin.
Dabei hat sich gezeigt, dass Frauen fast alle Berufe genauso gut und teilweise sogar besser machen können.
Sibylle:
Auf jeden Fall. Ich glaube tatsächlich, was ich eben schon beschrieben habe, erleben viele junge Frauen: Man hat einfach gar keine genaue Vorstellung davon.
Und ich glaube, eine Sache ist auch diese ganze Vielfalt an Handwerksberufen, die es gibt. Von Weintechnologin über Holzspielzeugmacherin bis Chirurgiemechanikerin. Es sind über 130 Berufe, die man im Handwerk lernen kann, und nur ein Bruchteil davon ist wirklich bekannt.
Da komme ich als Frau vielleicht auch gar nicht darauf, dass ich mit meinen kreativeren Interessen oder mit meinem Interesse an Menschen im Handwerk ganz gut aufgehoben sein könnte.
Jens:
Könntest du aber definitiv.
Wir haben dazu einmal mit Julius Capune gesprochen. Er ist Chef von Julius Möbel, der Tischlerei Capune in Overath. Und er ist wirklich vollkommen begeistert von seinen Mitarbeiterinnen, zumal sie ihren männlichen Kollegen in vielen Punkten offenbar tatsächlich voraus sind.
Julius Capune:
Es ist ein unheimlich präzises Arbeiten, sehr genaues Arbeiten, ein gutes Auftreten bei den Kunden, Ehrgeiz in der Arbeitsvorbereitung als auch in der Ausführung, eine Genauigkeit.
Ich persönlich bin begeistert, Frauen hier mit in der Tischlerei zu haben, und daran werde ich auch festhalten.
Jens:
Was er auch noch gesagt hat: Frauen wollen schon sehr viel früher als Männer ganz genau wissen, was sie in diesem Job erwartet. Sie fordern konkrete Ansagen ein und wollen genau wissen, wie man sich den Job später vorstellen kann.
Auch dazu hat er uns noch etwas verraten.
Julius Capune:
Wenn ich Praktikantinnen hier im Betrieb habe oder auch Lehrmädchen oder später Gesellinnen oder natürlich jetzt auch in der Position hier in der Projektebene als Meisterin, ist es so, dass die Frauen meiner Meinung nach eher genau wissen, was sie tun und was sie wollen.
Auch schon beim Einstellungsgespräch merke ich, dass ich den Frauen die Arbeitsplatzbeschreibung viel genauer erklären muss: was hier passiert, wo sie arbeiten. Die wollen auch viel mehr wissen.
Jens:
Woran liegt das, Sibylle?
Sibylle:
Ich könnte jetzt sagen: Das ist halt typisch für uns Frauen, dass wir einfach so sind.
Aber ich glaube tatsächlich, wir wollen wissen, woran wir sind. Es gibt ja nicht nur Klischees über Frauen im Handwerk, sondern auch Klischees über Handwerksbetriebe.
Meine Vermutung ist dann immer eher: Da geht es vielleicht etwas derber zu. Da bin ich als Frau vielleicht nicht direkt so gut angesehen, wenn ich dort starte. Und deshalb möchte ich genau wissen: Kann ich das auch, was die da von mir verlangen?
Das ist ja grundsätzlich auch ein Thema von uns Frauen, dass wir uns am Anfang manchmal nicht unbedingt alles übermäßig zutrauen, sondern erst einmal Unterstützung und Einordnung brauchen, was zu tun ist.
Um einmal kurz auf die Zahlen zu schauen: Jede fünfte Auszubildende im Handwerk ist eine Frau und ein Drittel der Beschäftigten. Was man auch sieht: Weibliche Auszubildende haben eine höhere Erfolgsquote bei den Prüfungen als Männer.
Das ist vielleicht auch das, was Herr Capune anspricht: dass Frauen interessierter sind und es genauer wissen und genauer machen wollen.
Jens:
Wenn wir uns die Klischees anschauen, ist es trotzdem immer noch so: Männer sieht man eher in technischen und gewerblichen Berufen. Frauen machen eher alles, was in Richtung Dienstleistung geht.
Es gibt aber auch Zahlen, und die habt ihr beim KOFA ja auch, die zeigen: Je einseitiger die Verteilung der Geschlechter in einem Beruf aussieht, desto größer ist der Fachkräftemangel.
Und genau den gilt es ja zu beseitigen. Das liegt ja auch auf der Hand. Wenn man von vornherein die Hälfte der Bevölkerung ausschließt, dann muss ja irgendwer fehlen.
Sibylle:
Ganz genau. Frauen gezielt anzusprechen, ist für Betriebe ein großer Schlüssel, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
Gerade das Handwerk hat ja einen riesigen Bedarf. Das sagt auch der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer. Die Betriebe haben Nachwuchsprobleme, die durch den demografischen Wandel und durch eine andere Orientierung in der Gesellschaft verstärkt werden.
Immer mehr Menschen wollen lieber studieren, als ein Handwerk zu erlernen. Frauen können da eine große Lücke schließen. Aber sie können natürlich noch viel mehr als das.
Jens:
Was ich nicht ganz verstehe: Diese Entscheidung geht immer noch eher in Richtung Studium, sowohl bei Frauen als auch bei Männern.
Man verspricht sich davon bessere Aufstiegschancen und bessere Verdienstmöglichkeiten. Wenn wir jetzt aber auf die Coronapandemie schauen, ist das eigentlich widersprüchlich.
Handwerk ist so gefragt wie selten zuvor. Die Branche ist absolut krisenfest. Es gibt ganz bestimmt Aufstiegschancen. Das läuft der ganzen Sache doch eigentlich entgegen.
Sibylle:
Stimmt. Das erlebt man ja auch im Alltag. Wenn man einmal einen Handwerker braucht, hat man teilweise unglaublich lange Wartezeiten, bis jemand kommt.
Da hat man schon den Eindruck: Hier könnten noch drei weitere Sanitär- und Heizungsbauer in der Region beschäftigt sein und hätten locker genug zu tun.
Ich glaube, vielen ist gar nicht bewusst, welche tollen Wege man im Handwerk gehen kann und welche Chancen eine Selbstständigkeit im Handwerk später mit sich bringt.
Auch das ist interessant: Jede fünfte erfolgreiche Meisterprüfung wurde 2019 im Handwerk von einer Frau absolviert. Und jede vierte Gründung im Handwerk erfolgt ebenfalls durch Frauen.
Wenn man Lust hat, eigenständig und selbstständig zu arbeiten und interessante, kreative Tätigkeiten, oft auch im Kontakt mit Menschen, auszuführen, dann ist das Handwerk genau das Richtige.
Jens:
Ich glaube ja auch, dass das Handwerk eine Besonderheit hat.
Wenn ich an einem Schreibtisch arbeite und ausschließlich dort arbeite, Sachen abarbeite und mich mit Bürokratie beschäftige, dann erfüllt das in vielen Fällen nicht besonders.
Auf der anderen Seite ist auch häufig ein Tag wie der andere. Die kreativen Herausforderungen sind nicht unbedingt da.
Viele, die im Handwerk tätig sind, sagen ja: Ich möchte etwas schaffen, das mich selbst überdauert. Auch wenn ich irgendwann nicht mehr bin, steht dieses Haus, das ich gebaut habe, oder dieser Schrank, den ich geschreinert habe, immer noch.
Das ist ja fast schon romantisch.
Sibylle:
Ja, und ich glaube, das darf man gar nicht unterschätzen.
Ich erinnere mich gut an meinen Deutsch-Leistungskurs damals am Gymnasium. Da hatte ich eine gute Freundin, die unheimlich begabt war, Gedichte zu schreiben, und wirklich ein Händchen dafür hatte.
Als es dann aufs Abi zuging und wir uns darüber unterhielten, was wir machen wollten, sagte sie: „Ich möchte Tischlerin werden.“
Das hat mich damals total umgehauen. Sie war die Einzige in meiner Altersgruppe, die ich kannte, die vom Gymnasium kam und wirklich ein Handwerk lernen wollte.
Diese Frau, eine feingeistige Person unter der Sonne, hat sich dann auf den Weg gemacht, einen Ausbildungsbetrieb zu finden.
Jens:
War das bei ihr familiär bedingt? Häufig ist es ja so, dass man das Gleiche wird wie die Eltern.
Sibylle:
Ganz wichtiger Punkt. Eltern und Freunde sind ja einer der wichtigsten Kompasse bei der Berufswahl.
Aber das kam ganz allein aus ihr heraus. Sie hatte genau das, was du eben gesagt hast: Sie wollte etwas erschaffen und gestalten.
Dann hat sie ganz viele Ausbildungsbetriebe abgeklappert und war danach erst einmal ziemlich ernüchtert.
Jens:
Warum?
Sibylle:
Ich glaube, sie hat die Erfahrung gemacht, die viele Frauen machen: Sie wurde total als exotisches Wesen angesehen.
Dann hieß es: „Nein, wir haben hier keine Toilette für Frauen.“ Oder: „Das ist körperlich zu anstrengend. Das schaffst du sowieso nicht. Das hältst du eh nicht durch.“
Ich glaube, in manchen Betrieben fürchtete man auch, das ganze Betriebsklima könnte kippen, wenn eine Frau dazukommt.
Offenbar dachten sie eher negativ darüber, wenn dann einmal eine Frau hineinkommt und der Ton vielleicht ein anderer wird.
Sie hat wirklich viele Betriebe abgeklappert, bis sie schließlich an einem Schauspielhaus im Bereich Bühnenbildgestaltung einen Ausbildungsplatz gefunden hat. Dort hat sie ihre Lehre als Tischlerin abgeschlossen.
Jens:
Was macht sie heute?
Sibylle:
Sie hat sich selbstständig gemacht, schreibt immer noch Gedichte und tritt auch als Kabarettistin auf. Parallel baut sie aber auch noch Möbel und übernimmt kleinere Aufträge.
Jens:
Also auf jeden Fall der Leidenschaft treu geblieben und den Weg verfolgt. Klasse.
Aber sag mal: Wenn wir jetzt wissen, dass Frauen für Handwerksbetriebe so wichtig sind, wie schafft man es denn als KMU, Frauen für diese Handwerksberufe und für eine Ausbildung im Handwerk zu begeistern?
Sibylle:
Ein Weg ist natürlich, sich erst einmal an bestehende Initiativen anzukoppeln.
Es gibt zum Beispiel den Girls’Day, der dieses Jahr am 22. April trotz Corona stattfindet. Dort kann man sich als Unternehmen beteiligen, um zu zeigen: Wir sind offen für Frauen. Wir möchten über die Berufe informieren, in denen wir ausbilden.
Die Initiatorinnen und Initiatoren dieser Initiative sagen, dass 38 Prozent derjenigen, die am Girls’Day teilnehmen, später eine Bewerbung von einer Frau bekommen, die dort teilgenommen hat.
Das ist also eine Möglichkeit, um überhaupt auf sich aufmerksam zu machen.
Es geht auch darum, mit Vorurteilen zu brechen und zu signalisieren: Wir sind ein Betrieb, wir mögen Vielfalt und wollen Frauen wie Männer aus unterschiedlichen Hintergründen beschäftigen.
Dabei kann so eine Initiative helfen.
Jens:
Ich glaube, was auch toll ist: Wenn du als junge Frau oder Mädchen zu so einem Girls’Day in eine Firma gehst, erlebst du erst einmal: Ich bin erwünscht. Man interessiert sich ernsthaft für mich.
Und vielleicht ist dort sogar eine Meisterin, die dir als Vorbild zeigt, wohin du es schaffen kannst.
Wenn du vorher denkst: Tischlerin, ich weiß nicht, ob ich mir das zutraue, und dann ist da eine Meisterin, die sagt: „Komm mal her, ich zeige dir das. So bin ich damals angetreten und das mache ich jetzt. Du hast folgende Möglichkeiten, dich hier weiterzuentwickeln. Übrigens, wir sind auch familienfreundlich.“
Da kann ich mir gut vorstellen, dass es nicht nur 38 Prozent sind, die sagen: „Ich kann mir vorstellen, hier zu arbeiten.“
Sibylle:
Absolut. Ich glaube, wir Frauen wollen sehen: Wie geht das denn? Wie sieht eine Frau aus, die in so einem Betrieb arbeitet?
Muss sie, ganz platt gesagt, kurze Haare haben und total männlich auftreten? Oder kann das auch einfach eine Frau sein wie meine Freundinnen und ich?
Fragen stellen können, sehen können: Da arbeiten Leute wie du und ich. Das ist total wichtig.
Dann ist es natürlich auch ein Weg, immer die Eltern anzusprechen und die vielfältigen Einsatzgebiete aufzuzeigen.
Ich glaube, es geht darum, wegzukommen von der Botschaft: Handwerk ist schwere körperliche Arbeit, das können eigentlich nur Männer.
Stattdessen sollte man zeigen: Wir sind hier alle ganz unterschiedlich. Wir haben vielfältige Berufe, in denen wir ausbilden. Digitalisierung hilft vielleicht auch in unserem Betrieb dabei, schwere körperliche Arbeit abzunehmen, sodass diese gar nicht mehr unbedingt von den einzelnen Auszubildenden oder Gesellinnen und Gesellen geleistet werden muss.
Jens:
Gut, das ist natürlich nachvollziehbar. Als Landwirt muss ich heute auch nicht mehr mit dem Ochsen und dem Pflug über den Acker. Es gibt Technik, die das übernimmt, und häufig kann man so einen Hof auch allein führen.
Insofern ist es bei anderen Gewerken natürlich auch so, dass es mittlerweile gute Unterstützung gibt.
Ich glaube, es ist wichtig, allen begreiflich zu machen, dass das durchaus eine Lösung ist.
Ein weiterer Punkt ist: Natürlich kann es sein, dass der Chef eines solchen Unternehmens möchte, dass mehr Frauen in seinem Unternehmen arbeiten.
Auf der anderen Seite muss es aber auch so sein, dass die Mitarbeitenden mitgenommen werden. Es muss Teil der Unternehmenskultur sein, dass Vielfalt gewünscht ist.
Es darf nicht nur verordnet werden, sondern alle müssen das als wertvoll und sinnvoll empfinden und zu schätzen wissen, wenn eine neue Kollegin dazukommt und nicht immer nur der neue Kollege oder Auszubildende, der dort über Jahrzehnte erwartet wurde.
Sibylle:
Erst einmal muss natürlich der Chef oder die Chefin vollkommen dahinterstehen, dass man das angeht.
Man muss sich auch bewusst machen, dass das ein Einschnitt in die Unternehmenskultur ist, und sich auf die Fahne schreiben, diesen Wandel zu begleiten.
Man kann nicht eine Auszubildende einstellen und dann erwarten, dass man sich da jemanden ganz Toughes ausgesucht hat, die sich die ganze Zeit allein durchsetzt. Das ermüdet irgendwann.
Man muss klare Grenzen ziehen und sagen: Diese Poster kommen jetzt einmal vom Spind runter. Und: Ich stehe dir zur Seite, wenn du Fragen hast oder komische Sprüche bekommst.
Das muss ganz klar sein.
Wenn der Chef oder die Chefin das nicht allein machen möchte, kann man auch eine Mentorin oder einen Mentor suchen, an den sich die Auszubildende wenden kann.
Man sollte nicht kleinreden, dass das gerade in Betrieben, in denen bisher noch keine Frauen beschäftigt waren, ein Weg ist, den man gehen muss.
Aber auch hier gibt es tolle Netzwerke, in denen Handwerkerinnen unterwegs sind. Junge Auszubildende dort einzubinden, damit sie sich mit Gleichgesinnten austauschen und Vorbilder finden können, ist ebenfalls wichtig.
Es gibt manchmal auch Weiterbildungen. Diesen Vernetzungsgedanken finde ich sehr wichtig.
Jens:
Da kann es natürlich immer helfen, wenn man Vorbilder hat, an denen man sich orientieren kann. Wenn man sieht: Das sind Frauen, die es im Handwerk schon zu etwas geschafft haben.
Sibylle:
Ja. Und da gibt es Frauen, die mich wahnsinnig begeistern. Sie sind auf den Kanälen unterwegs, auf denen junge Leute unterwegs sind, also bei Instagram oder Facebook, und beschreiben dort ihren Arbeitsalltag, ihren Weg und warum sie sich für einen Handwerksberuf entschieden haben.
Da halten wir es einmal wie Tijen Onaran, die sagt: Nur wer sichtbar ist, findet auch statt.
Es gibt sehr sichtbare Handwerkerinnen, die überzeugende Beispiele sind. Sich an ihnen zu orientieren und sich etwas abzuschauen, macht einfach Lust auf Handwerk.
Jens:
KOFA to go: Wissen zum Mitnehmen.
Mehr Frauen in Handwerksberufen, das sollte unser gemeinsames Ziel sein.
Jetzt ist natürlich die Frage: Wie bekommt man das hin? Was können KMU tun, um in Zukunft mehr Frauen für eine Arbeit in ihrem Unternehmen zu begeistern?
Sibylle fasst Ihnen das noch einmal kurz und knapp zusammen.
Sibylle:
Tipp Nummer eins: Kulturwandel ist wichtig.
Frauen können Handwerk und Handwerk hat Zukunft. Seien Sie offen für weibliche Fachkräfte und bieten Sie Frauen im Handwerk Anreize wie flexible Arbeitszeiten oder spezifische Förder- und Weiterbildungsmöglichkeiten an.
Jens:
Unser zweiter Tipp.
Sibylle:
Räumen Sie mit Geschlechterklischees auf.
Eine Fachkraft ist nicht immer nur ein Mann. Handwerksunternehmen sollten ihre Haltung kritisch auf Klischees betrachten und umdenken.
Formulieren Sie Stellenausschreibungen so, dass sich auch Frauen angesprochen fühlen.
Jens:
Und hier kommt der dritte Tipp.
Sibylle:
Bauen Sie Netzwerke auf.
Wichtig ist, dass sich Frauen im Handwerk untereinander austauschen können. Nutzen Sie bestehende Angebote und gründen Sie neue Formate für Ihre Region.
Wenn Frauen in ihrer Branche sichtbarer werden, werden sie zu Vorbildern und motivieren jüngere Frauen ebenfalls für diesen Beruf.
Jens:
KOFA to go: Wissen zum Mitnehmen.
Also wieder jede Menge Input zum Mitnehmen für Sie. Falls Ihnen das zu schnell ging: Ein Podcast hat den großen Vorteil, Sie können einfach zurückspulen und noch einmal ein paar Sekunden vorher ansetzen. Dann hören Sie Sibylle noch einmal mit den drei Tipps, die Sie direkt in Ihre Woche mitnehmen können.
Wir sind mit Julius Capune in diese Folge eingestiegen und mit ihm gehen wir auch wieder raus. Denn er hat auch etwas aus der Krise mitgenommen und lässt uns daran teilhaben.
Einspieler:
Mein Learning aus der Krise.
Julius Capune:
Auf uns sind viele Menschen zugekommen, die neugierig wurden und gefragt haben: Die Tischlerei Julius Möbel teilt den Betrieb in zwei Schichtsysteme?
Wir haben sehr flexibel auf diese Corona-Krise reagiert.
Zwei-Schicht-System heißt: Wir haben morgens von 6:00 Uhr bis 13:30 Uhr gearbeitet. Danach wurde desinfiziert. Im Anschluss wurde von 14:00 Uhr bis 21:30 Uhr weitergearbeitet.
Samstagvormittags immer im Zwei-Wochen-Wechsel, um sicher weiterarbeiten zu können.
Auch wir im Handwerk haben ganz schnell sechs Homeoffice-Arbeitsplätze eingerichtet. Diese nutzen wir auch in Zukunft weiter.
Ich persönlich gebe meinen führenden Mitarbeitenden immer wieder gerne die Info, bitte mindestens einmal im Monat auch weiterhin Homeoffice zu machen, um ein attraktiver Arbeitgeber zu sein.
Jens:
Auch wir danken aus dem Homeoffice. Schön, dass Sie wieder reingehört haben.
Am 24. März gibt es die nächste Folge KOFA auf dem Sofa. Dann sprechen wir darüber, wie offen deutsche Unternehmen für Neues sind.
Wer wird denn dann unser Gast sein? Wir haben ja endlich mal wieder jemanden hier bei uns auf dem Sofa sitzen.
Sibylle:
Ja, wir freuen uns auf Thomas Jarzombek. Er ist der Beauftragte des Bundeswirtschaftsministeriums für die digitale Wirtschaft und Start-ups und koordiniert zugleich die Luft- und Raumfahrt für die Bundesregierung.
Jens:
Donnerwetter, da liegt Innovation in der Luft, im wahrsten Sinne des Wortes. Darauf freuen wir uns sehr.
Für heute sagen wir Tschüss und bis zum nächsten Mal. Am 24. März hören wir uns wieder.
Sibylle:
Wir freuen uns auf Sie. Tschüss.
Outro:
Fachleute für Fachkräfte. KOFA auf dem Sofa, der Podcast.