
Transkript: Folge 25
KOFA auf dem Sofa: Wie Arbeitgeber berufstätigen Eltern jetzt den Rücken stärken können
Jens:
KOFA auf dem Sofa, der Podcast mit Sibylle Stippler und Jens Breuer.
Hallo zusammen, das ist Folge Nummer 25 von KOFA auf dem Sofa. Wir freuen uns, dass Sie wieder mit dabei sind. Und wir, das sind Sibylle Stippler und ich.
Sibylle:
Hallo Jens, schön, dass du da bist. Ich freue mich auch.
Jens:
In der letzten Folge haben wir hier im Podcast darüber gesprochen, wie Unternehmen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch in schwierigen Zeiten motivieren können. Und diese Motivation können wirklich viele brauchen.
Seit fast einem Jahr arbeiten die meisten von uns aus dem Homeoffice. Ständig klingelt das Handy, alle paar Minuten schlagen neue E-Mails auf und zwischendrin stehen die Kinder auf der Matte und haben entweder Hausaufgaben oder Hunger oder im schlimmsten Fall beides.
Schön wäre es natürlich, wenn man Oma und Opa zu Hilfe holen und die Kinder zumindest ab und zu ein bisschen outsourcen könnte. Jetzt muss aber natürlich Abstand gehalten werden und das macht die Organisation nicht unbedingt leichter.
Kurz gesagt: Die Nerven liegen immer noch blank und den Job so ganz nebenbei auch noch irgendwie zu meistern, ist keine leichte Aufgabe.
Deswegen wollen wir heute einmal darüber sprechen, wie Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber jetzt für berufstätige Eltern da sein und ihnen den Rücken stärken können.
Sibylle, ich weiß, dass du einen kleinen Sohn und eine kleine Tochter hast, im Kita- beziehungsweise Grundschulalter. Wie erlebst du denn gerade die Situation? Wie kommt ihr damit klar?
Sibylle:
Bei uns geht es schon echt hoch her. Das kann man sich ja vorstellen mit diesen unterschiedlichen Tagesabläufen, die wir da haben.
Die Kleine will spielen, der Große muss Hausaufgaben machen. Zum Glück fühle ich mich in meiner Social-Media-Blase ganz gut aufgehoben und habe das Gefühl, nicht ganz allein zu sein. Da begegnen wir dem Thema mit viel, ja, manchmal auch Galgenhumor.
Ich glaube, die größte Herausforderung für mich ist, meine Ansprüche nicht zu hoch zu schrauben. Also: Ich muss meine To-do-Liste fertig bekommen, der Kleine muss seine Hausaufgaben alle zur richtigen Zeit fertig haben, das Essen soll super schmecken und dann sollen auch noch alle gute Laune haben.
Das klappt meistens nicht ganz so, wie ich mir das vorgestellt habe.
Und bei dir, Jens? Du hast ja auch einen Sohn. Wie bringst du Arbeit und das Kümmern um das Kind unter einen Hut?
Jens:
Die Schule habe ich natürlich auch mit ihm. Da habe ich aber das große Glück, dass er schon ein bisschen älter ist. Er ist jetzt fast zwölf Jahre alt.
Da hat man eine andere Aufgabe. Man muss so ein bisschen darauf achten, dass es nicht jeden Tag ausgerechnet Tiefkühlpizza gibt. Wobei sich das wiederholt: Heute Mittag gab es gerade Piccolinis, also eine Abwandlung von Tiefkühlpizza sozusagen.
Oder er fängt jetzt auch an, selbst in der Küche zu experimentieren. Es gibt jetzt regelmäßig Pommes aus der Bratpfanne. Auch das kann man machen, hinterlässt aber in der Regel eine riesige Sauerei in der Küche.
Ansonsten muss ich sagen: Homeschooling läuft nach wie vor nicht so, dass ich wirklich zufrieden damit bin. Auch das ist eine Sache, die nebenbei läuft.
Auf der einen Seite ist er schon so alt, dass man sich natürlich irgendwie darauf verlassen möchte, dass es läuft. Auf der anderen Seite bekomme ich immer wieder ermahnende E-Mails von Lehrern: Wo bleibt dies, wo bleibt das?
Da den Überblick zu behalten, ist wirklich nicht ganz einfach. Und am Ende dazustehen und zu sagen: Okay, das ist jetzt doch ganz gut gelaufen, er hat seinen Teil gut gemacht, ich habe meinen Teil gut gemacht, das finde ich nicht immer einfach. Ganz ehrlich.
Sibylle:
Ja, da bin ich voll bei dir.
Jens:
Bei uns beiden kommt zu diesem ganzen Hickhack ja noch erschwerend hinzu, dass wir nicht nur Mutter oder Vater sind oder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern außerdem auch noch Führungskräfte. Wir tragen also auch Verantwortung.
Wie bekommst du beides unter einen Hut? Also dass du abends zum Feierabend wirklich dastehst und sagst: Jawohl, ich bin jetzt allen gerecht geworden.
Sibylle:
Ich glaube, da ist dieses Sprichwort „Not macht erfinderisch“ bei mir zu Hause ganz wegweisend.
Ich versuche schon, meine Tagesabläufe noch einmal anders zu planen. Manchmal muss ich mir etwas mehr Zeit nehmen, um zum Beispiel Musterschreiben zu erstellen. Die machen es mir dann nachher aber auch einfacher, meine ganzen Sachen unter einen Hut zu bringen.
Ich habe dazu einen Beitrag von Annabel Ternès gelesen. Sie ist Mutter, Unternehmerin und Expertin für Digitalisierung. Sie schreibt auch über diesen Zwiespalt, den wir haben.
Einerseits haben wir als Eltern natürlich ein großes Verständnis dafür, dass Eltern, die in unseren Teams arbeiten, gerade nicht so leistungsfähig sind wie immer. Andererseits hat dieses Verständnis auch Grenzen, weil einige Aufgaben rechtzeitig erledigt werden müssen und man in einem Team kein völliges Ungleichgewicht entstehen lassen kann.
Ich glaube, da ist es total wichtig, im Gespräch zu bleiben, Aufgaben umzuverteilen und sich gegenseitig aufeinander verlassen zu können.
Also: Wenn wir gesagt haben, das und das schaffe ich bis dahin, dann muss das auch geliefert werden. Oder ich bekomme frühzeitig eine Meldung: „Hör mal, Sibylle, aus diesen Gründen klappt es jetzt doch nicht.“
Jens:
Aber das kann natürlich nur funktionieren, wenn der Arbeitgeber seine Mitarbeitenden unterstützt und Rahmenbedingungen schafft, mit denen das alles geschafft werden kann.
Was rätst du kleinen und mittleren Unternehmen? Wie können sie Eltern jetzt besonders unterstützen?
Sibylle:
Als Arbeitgeber sollte ich grundsätzlich die Belastung und Herausforderungen aller Mitarbeitergruppen im Blick haben.
Das ist gerade in Corona-Zeiten zentral, um die Leistungsfähigkeit und damit auch den Geschäftserfolg des Unternehmens sicherzustellen.
Während der Corona-Pandemie gibt es aber Gruppen, die besonders belastet sind.
Ich möchte da eine Befragung von Randstad und dem ifo Institut anführen. Die legt den Fokus darauf, dass auch viele junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer darunter leiden, im Corona-Homeoffice von heute auf morgen völlig auf sich allein gestellt zu sein. Ihnen fehlen Anleitung, Support und Austausch mit dem Team. Deshalb fällt es ihnen besonders schwer, die Herausforderungen im Alltag zu meistern.
Nichtsdestotrotz ist unbestritten, dass gerade alleinerziehende Erwerbstätige – davon gibt es in Deutschland 581.000 – und Familien mit kleineren Kindern, in denen beide Elternteile berufstätig sind – das sind 3,2 Millionen Familien in Deutschland, sagt das Statistische Bundesamt –, besonders belastet sind, wenn Homeschooling und Homeoffice parallel laufen.
Jens:
Das ist ja auch ganz klar. Unser Berufsleben ist normalerweise gar nicht darauf ausgelegt, dass Kinder die ganze Zeit zu Hause sind.
Als Paar, wenn beide Vollzeit arbeiten, oder erst recht als Alleinerziehende oder Alleinerziehender, gleichzeitig kleine Kinder im Haus zu haben und 40 Stunden zu arbeiten, ist so gar nicht möglich.
Wenn die Kinder da sind, würde man normalerweise keinen Job mit so vielen Stunden annehmen. Durch Corona wurden wir alle in diese Situation hineingeschubst.
Sibylle:
Zum Glück hat die Politik da eingegriffen und neue rechtliche Rahmenbedingungen während der Corona-Pandemie geschaffen.
Der Anspruch auf Entschädigung, wenn man wegen der Betreuung eines Kindes nicht arbeiten kann, wurde erhöht. Außerdem gibt es mehr Kinderkrankentage. Da wurde schon einiges getan.
Jens:
Auf jeden Fall.
Auf der anderen Seite gibt es finanzielle Entlastungen. Und Homeoffice ist keine Option mehr, wie es vielleicht vor anderthalb Jahren noch der Fall gewesen wäre, sondern im Prinzip ein Muss, das jeder Arbeitgeber ermöglichen muss, soweit das eben möglich ist.
Es ist ja auch so, dass Überbrückungsstrategien wie der Abbau von Überstunden oder Urlaub den Leuten langfristig nicht wirklich weiterhelfen.
Und die Verlagerung der Arbeit nach Hause ins Homeoffice allein ist noch nicht wirklich die Lösung, um Beruf und Familie gerecht zu werden.
Sibylle:
Ja, da können wir beide wirklich ein Lied von singen. Homeoffice ist nicht das alleinige Heilmittel, total richtig.
Die momentane Situation ist wirklich eine der größten Herausforderungen, vor der Unternehmen in der letzten Zeit gestanden haben.
Ich würde sagen, zwei Dinge spielen eine große Rolle. Das eine sind Instrumente wie Homeoffice oder Arbeitsorganisation. Das andere ist aber auch die Unternehmenskultur, die man braucht, damit diese Instrumente sinnvoll greifen können.
Wenn man schaut, was man konkret tun kann, ist es ganz wichtig, bestimmte Fragen offen in den Teams zu besprechen, die arbeitsfähig bleiben müssen.
Zum Beispiel: Wer ist in welchem Umfang unverzichtbar? Wie kann man Arbeit vielleicht umverteilen? Wie kann man kritische Bereiche entlasten? Können Aufgaben, für die man hoch konzentriert sein muss, vielleicht eher von Eltern zu anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegeben werden?
Welche Homeoffice-Optionen wurden vielleicht noch nicht vollständig ausgeschöpft? Kann man Arbeit so umverteilen, dass auch Personen, die sonst eher in Präsenz im Betrieb sein müssen, Aufgaben übernehmen, die sie von zu Hause erledigen können?
Das Gebot der Stunde ist: flexibel bleiben, immer wieder nach gemeinsamen Lösungen suchen und Leistungsvermögen sowie Erwartungen gut klären.
Und noch ein Gedanke: Wenn man sagt, Homeoffice sei die Lösung, dann gilt das nicht für alle Eltern gleichermaßen. In meinem Team habe ich erlebt, dass es für manche Eltern total hilfreich ist, ab und zu ins Büro gehen zu können, um einmal ganz in Ruhe zu arbeiten und nicht zu Hause im Tohuwabohu alles unter einen Hut bringen zu müssen.
Jens:
Da hat man auch mal einen kleinen Fluchtpunkt. Und im Zweifel einfach die Möglichkeit, konzentriert zu arbeiten.
Das heißt natürlich auch: Priorisieren ist angesagt. Anders geht es im Moment gar nicht mehr.
Sibylle:
Ja, ganz genau.
Jens:
Die Investitionsbank Schleswig-Holstein hat aus meiner Sicht einen coolen Weg gefunden, ihren Mitarbeitenden den Weg freizumachen.
Auf der einen Seite haben sie die Arbeitszeit verändert, nämlich auf den Zeitraum von 6:00 Uhr bis 22:00 Uhr. Da könnte man erst sagen: Um Gottes willen, was haben die da getan?
Aber nein, das heißt, dass man in diesem Zeit Korridor flexibel und eigenverantwortlich aus dem Homeoffice arbeiten kann.
Die Bank hat ihre Mitarbeitenden mit mobilen Devices ausgestattet, damit das überhaupt in dieser Form möglich ist.
Lina Buttgereit, Personalreferentin bei der Investitionsbank Schleswig-Holstein, hat dazu gesagt, dass sie den Eltern das Vertrauen schenken, ihren Job auch von zu Hause aus so gut wie möglich zu machen.
Hundertprozentig wie im Büro geht es natürlich nicht. Aber man kann zumindest versuchen, sich so zu organisieren, dass es bestmöglich funktioniert.
Trotzdem kann die Arbeitszeit ganz regulär erfasst werden, auch wenn es zwischendrin Unterbrechungen gibt. Die Kinder sitzen ja nicht acht Stunden lang in ihrem Kinderzimmer und geben keinen Mucks von sich, sondern stehen natürlich regelmäßig auf der Matte. Das ist nun einmal so. Das sind Kinder.
Außerdem, und das finde ich wirklich toll, gibt es dort auch interaktive Kinderbetreuung über den PC. Ich stelle mir das ein bisschen wie einen Online-Kindergarten vor.
Sibylle:
Toll. Ich mag solche Beispiele total gerne, weil man daran sieht, dass man mit Fantasie, Kreativität, Offenheit und meistens auch Vertrauen ganz tolle individuelle Lösungen finden kann.
Das gefällt mir total gut.
Jens:
Jetzt hat so eine Bank natürlich, wenn wir ehrlich sind, den großen Vorteil, dass man von zu Hause aus arbeiten kann. Das ist nicht in jedem Job möglich, zum Beispiel wenn in Schichten gearbeitet wird.
Was können Unternehmen tun, bei denen das der Fall ist?
Sibylle:
Das ist natürlich herausfordernd.
Die Empfehlung ist im Grunde, Dienstpläne sehr frühzeitig zu erstellen, sodass man auch im Privatbereich alles organisieren kann, soweit es gerade möglich ist.
Außerdem sollte man den Beschäftigten ermöglichen, eigenständig Schichten untereinander zu tauschen. Man gibt damit Verantwortung teilweise auch wieder in die Teams zurück.
Es gibt noch viele differenzierte Empfehlungen, wie man Schichtarbeit gut gestalten kann, zum Beispiel von der Initiative Neue Qualität der Arbeit, INQA, und vom Institut für angewandte Arbeitswissenschaft. Die haben sich viele Schichtpläne angeschaut und daraus Top-Empfehlungen entwickelt. Das verlinken wir nachher auch beim KOFA to go.
Der Erfolgsfaktor Familie, eine Initiative des Bundesfamilienministeriums, ist ebenfalls super. Dort gibt es neben Listen auch Praxisbeispiele, an denen man sehen kann, wie das funktionieren kann.
Und dann muss man natürlich auch sagen: Unternehmen haben Grenzen.
Es kann Situationen geben, in denen in Familien Konflikte auftauchen, die man als Führungskraft oder Unternehmen nicht mehr auffangen kann.
Dann kann man aber zumindest über ein Mitarbeiterportal oder über Aushänge professionelle Anlaufstellen, Expertinnen und Experten oder Telefonnummern zur Verfügung stellen.
Zum Beispiel gibt es konkrete Angebote des schulpsychologischen Dienstes, bei denen man anrufen kann, wenn man mit seinem Kind im Homeschooling nicht mehr zurechtkommt.
Es gibt auch eine ganz tolle Infoseite des Familienministeriums, auf der unterschiedliche Ansprechpartner benannt sind, die helfen können, wenn man von Unternehmensseite zunächst nichts mehr tun kann.
Jens:
Das Bundesfamilienministerium hatte auch schon vor Corona eine zentrale Plattform. Die wurde also nicht extra dafür aufgebaut.
Laut dem Ministerium ist jeder dritte Deutsche mit Kindern der Meinung, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf aktuell die größte Herausforderung ist.
Das bedeutet in der Konsequenz: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist eine zentrale Herausforderung und ein wichtiger Erfolgsfaktor für Unternehmen.
Sibylle:
Ja, absolut.
Gerade im Wettbewerb um begehrte Fachkräfte haben wir schon vor Corona gemerkt, dass Homeoffice und flexible Arbeitszeiten ein echtes Zugpferd sind.
Und zwar nicht nur für Mitarbeitende mit Kindern oder zu pflegenden Angehörigen, sondern auch für jüngere Menschen und viele andere Beschäftigtengruppen.
Was ich am Erfolgsfaktor Familie besonders gut finde: Einerseits bietet die Initiative sehr viele praktische Tipps und stellt verschiedene Modelle vor, die auch in kleinen Betrieben umsetzbar sind.
Andererseits zeigt sie auch, dass ein großer Baustein für gelebte Familienfreundlichkeit die Unternehmenskultur ist.
Zu einer solchen Kultur gehört die Haltung, dass Eltern in einer Lebensphase sind, in der sie vielleicht mehr Freiraum, Flexibilität und Unterstützung brauchen.
Das zahlt sich aber auch stark aus, nämlich durch große Loyalität.
Wenn ich weiß, dass ich in einer wichtigen Zeit wie einer Familiengründung von meinem Arbeitgeber unterstützt wurde, bin ich später auch bereit, etwas zurückzugeben.
Um diese Haltung glaubwürdig zu zeigen, ist es natürlich der Goldstandard, wenn Führungskräfte selbst Elternzeit in Anspruch nehmen oder Führungskräfte in Teilzeit arbeiten.
Auch dazu hatten wir ja schon eine Podcastfolge.
Dann kann ich Mitarbeitenden sehr glaubwürdig vermitteln: Bei uns kann man Familie und Karriere unter einen Hut bringen. Wir sehen, dass du ein Mensch bist, und nehmen dich in deiner Ganzheit wahr.
Jens:
Ich kann mir vorstellen, dass auch die Kommunikation mit Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in diesem Fall besonders wichtig ist.
Sibylle:
Kommunikation ist in Mitarbeiterbefragungen immer das Top-1-Thema, das gerne kritisiert wird.
Ich glaube, bei Kommunikation ist es oft so: Die eine Seite hat ein größeres Informationsbedürfnis und die andere denkt: „Na ja, ich habe doch schon alles gesagt.“
Das sollten sich Führungskräfte gerade in der Coronakrise besonders vor Augen führen.
Es ist sehr wertvoll, regelmäßig zu kommunizieren, klar und mit beruhigendem Ton. Als Unternehmensführung sollte man zeigen: Wir arbeiten an Lösungen.
Zu Kommunikation gehört aber auch, Unsicherheiten zuzulassen, Fragen zu erlauben und gemeinsam darüber zu sprechen, welche Zukunftsängste die Belegschaft jetzt hat.
Pragmatische Mittel sind zum Beispiel eine regelmäßige Videobotschaft der Geschäftsführung oder ein Kommunikationskanal, über den man alle Beschäftigten schnell erreichen kann.
Wichtig ist dabei auch der Rückweg: Beschäftigte sollten Fragen einspielen können. Allein schon, um Gerüchten und Mutmaßungen vorzubeugen.
Jens:
Ich habe ja eben schon gesagt, dass das Problem mit der Vereinbarkeit viele von uns betrifft.
Das KOFA wäre aber nicht das KOFA, wenn es dazu nicht auch ein paar greifbare Zahlen gäbe, habe ich recht?
Sibylle:
Ganz genau.
Als Wirtschaftsforscherin wünsche ich mir natürlich immer noch ein paar mehr Zahlen. Die Corona-Pandemie fühlt sich für uns zwar schon sehr lang an, ist aber noch nicht so lang, dass es dazu sehr viele gesicherte Erkenntnisse und Studien gibt.
Prognos hat im vergangenen Herbst eine Studie gemacht. Sie heißt „Neue Chancen für Vereinbarkeit? Wie Unternehmen und Familien der Corona-Krise erfolgreich begegnen“.
Dabei kamen sehr mutmachende Ergebnisse heraus.
Drei Viertel der befragten Eltern sagten, dass ihnen geholfen wird, wenn sie das Gespräch mit dem Arbeitgeber suchen.
Die Hauptaussage ist: Unternehmen beweisen sich während der Corona-Pandemie überwiegend als hilfsbereite Partner der Eltern.
Drei von vier Befragten sagen außerdem, dass betriebliche Familienpolitik auch nach der Krise eine große Rolle bei der Fachkräftesicherung spielen wird.
Das kann ich mit allem, was wir aus unseren Studien wissen, nur unterstreichen.
Die Hoffnung, die Prognos damit verbindet, ist sogar, dass die Krise wie ein Innovationslabor wirken kann.
Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen kann sich konkret vorstellen, vereinbarkeitsfördernde Ansätze, die in der Krise entstanden sind, auch weiterzuverfolgen.
Ich glaube, das können wir alle nur begrüßen.
Jens:
KOFA to go: Wissen zum Mitnehmen.
Wie können Unternehmen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern jetzt im Lockdown, in der Krise, im Homeoffice, in Kurzarbeit und in dieser besonderen Situation den Rücken stärken?
Sibylle hat drei Vorschläge zum Mitnehmen für Sie.
Sibylle:
Der erste Tipp: Bleiben Sie menschlich.
Eltern sind in der Corona-Pandemie doppelt belastet. Klären Sie Erwartungen und aktuelles Leistungsvermögen. Signalisieren Sie Solidarität und Verständnis.
In dieser besonderen Zeit ist gegenseitiges Vertrauen besonders wichtig.
Unser zweiter Tipp: Bleiben Sie kommunikativ.
Sprechen Sie mit Ihren Mitarbeitenden, die Kinder oder Angehörige zu Hause betreuen, und suchen Sie nach einer gemeinsamen Lösung, um Ihren Mitarbeitenden den Rücken zu stärken.
Zum Beispiel, indem Sie Aufgaben für die Dauer der Pandemie umverteilen.
Und hier kommt Tipp Nummer drei: Bleiben Sie veränderungsbereit.
Nutzen Sie die Anforderungen, die die Corona-Pandemie an die Zusammenarbeit stellt, um Ihre Arbeitsorganisation weiterzuentwickeln.
Wer die Krise zur Weiterentwicklung der eigenen Unternehmenskultur nutzt, ist im Wettbewerb um begehrte Fachkräfte einen Schritt voraus.
Jens:
KOFA to go: Wissen zum Mitnehmen.
Ich hoffe, Sie hatten auch diesmal wieder Spaß und wir konnten Ihnen außerdem ein paar konkrete Ideen für Ihre Arbeit und Ihr Unternehmen mitgeben.
Da war viel dabei. Jetzt müssen Sie eigentlich nur noch prüfen, was davon für Ihren Betrieb passt, was Sie anwenden können und anwenden möchten.
In der nächsten Folge wird es bei uns um Vorstellungsgespräche gehen. Der Titel lautet: „Über Volltreffer und Hochstapler: Erkennen Sie bereits im Bewerbungsgespräch, wer vor Ihnen sitzt.“
Da dürfen Sie gespannt sein. In zwei Wochen gibt es die nächste Folge.
Wir sagen Tschüss für heute und danke fürs Zuhören.
Sibylle:
Ja, und wir freuen uns auch über Ihr Feedback, zum Beispiel über LinkedIn oder Twitter.
Outro:
Fachleute für Fachkräfte. KOFA auf dem Sofa, der Podcast