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KOFA-Kompakt: Fachkräftereport für Juli 2020 – Corona-Spezial

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Der Fachkräftereport Juli 2020 analysiert kurzfristige Arbeitsmarkttrends auf der Ebene von Berufsbereichen und Berufen. So können Handlungsfelder identifiziert werden, die durch die Corona-Krise im Bereich der Fachkräftesicherung für Unternehmen entstehen.

Im Vergleich zum Vorjahr gibt es weniger Stellen und mehr Arbeitslose

Im Juli 2020 waren bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) deutlich mehr Arbeitslose und weniger Stellen registriert als im Vorjahresmonat. Dennoch ist die Lücke zwischen Arbeitslosen und gemeldeten offenen Stellen (noch) nicht wieder so groß wie sie zu Beginn des Beobachtungszeitraumes im Juli 2010 war. Insbesondere die Zahl der gemeldeten offenen Stellen liegt mit 573.159 noch deutlich über dem Wert aus dem Juli 2010 (391.102).

Die Arbeitskräftenachfrage entwickelt sich in den verschiedenen Berufsbereichen sehr unterschiedlich

Im Vergleich zum Krisenbeginn im März 2020 ist die Arbeitskräftenachfrage im Berufsbereich „Kaufmännische Dienstleistungen, Warenhandel, Vertrieb, Hotel und Tourismus“ am stärksten zurückgegangen. Wird jedoch die Veränderung zum Vormonat (Juni 2020) betrachtet, betrifft der Rückgang insbesondere die Bereiche „Rohstoffgewinnung, Produktion und Fertigung“ sowie „Naturwissenschaft, Geografie und Informatik“. Es sei jedoch darauf verwiesen, dass innerhalb dieser Berufsbereiche deutliche Unterschiede auf Berufsebene bestehen. Während beispielsweise bei Experten der Chemie- und Pharmatechnik ein deutlicher Stellenrückgang zu verzeichnen ist, nimmt die Nachfrage nach Chemie-Experten weiter zu. Nach wie vor deutlich weniger von der Corona-Krise betroffen ist der Bereich „Bau, Architektur, Vermessung und Gebäudetechnik“. Hier war im Juli sogar ein Stellenzuwachs von 1,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat zu beobachten. Detailierte Informationen zu Corona-bedingten Veränderungen in Bauberufen finden Sie im KOFA-Kompakt: Bauberufe im Juli 2020 – Corona-Spezial.

Die Arbeitskräftenachfrage steigt insbesondere in versorgungsrelevanten Berufen in denen nach wie vor Fachkräfteengpässe bestehen

Unter den Berufen, in denen die Arbeitskräftenachfrage (wieder) steigt, sind viele Berufe, die zu den sogenannten versorgungsrelevanten Berufen (vgl. KOFA-Studie 1/2020) zählen und in denen passend qualifizierte Arbeitskräfte knapp sind. Beispiele hierfür sind die Altenpflege und die öffentliche Verwaltung, aber auch Fachkräfte der Ver- und Entsorgung sowie Triebfahrzeugführer und Trieb-fahrzeugführerinnen im Eisenbahnverkehr. Sogar bei Gastronomie-Fachkräften scheint sich die Arbeitskräftenachfrage langsam zu erholen. Zwar ist die aktuelle Nachfrage nach Gastronomie-Fachkräften immer noch deutlich geringer als zu Krisenbeginn im März dieses Jahres, dennoch zeigt sich im Vergleich zum Vormonat Juni 2020 saisonbereinigt ein moderater Stellenzuwachs. Fachkräfteengpässe lassen sich hier jedoch aktuell noch nicht wieder beobachten.

Die Arbeitskräftenachfrage sinkt im technischen Luftverkehrsbetrieb Corona-bedingt, bei Fachkräften für Post- und Zustelldienste schon länger

Neben den Berufen, in denen die Nachfrage bereits wieder steigt, gibt es auch Berufe, in denen die Zahl der gemeldeten Stellen weiter rückläufig ist. Dabei ist zu unterscheiden zwischen Berufen, die erst seit dem Beginn der Corona-Krise eine sinkende Arbeitskräftenachfrage verzeichnen und solchen, in denen bereits vor der Krise die Zahl der gemeldeten Stellen rückläufig war. Zu den von der Corona-Krise betroffenen Berufen zählen beispielsweise Fachkräfte des technischen Luftverkehrsbetriebes, aber auch Spezialistinnen und Spezialisten der IT-Anwendungsberatung sowie Expertinnen und Experten der Chemie- und Pharmatechnik, die beide zum Berufsbereich „Naturwissenschaft, Geografie und Informatik“ zählen. Zu den Berufen, in denen die Arbeitskräftenachfrage bereits vor der Corona-Krise nachgelassen hat, gehören dagegen Berufe für Post- und Zustelldienste, der spanenden Metallbearbeitung und der technischen Forschung und Entwicklung.

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