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Unternehmensnachfolge: Wie KMU den Generationenwechsel erfolgreich gestalten

Unternehmensnachfolge: Wie KMU den Generationenwechsel erfolgreich gestalten

Die Auftragsbücher sind gut gefüllt, die Teams eingespielt und die Beziehungen zu Kunden und Lieferanten sind über lange Zeit gewachsen. Eigentlich könnte der Betrieb noch viele Jahre erfolgreich weiterlaufen. Doch irgendwann stellt sich eine entscheidende Frage: Wer übernimmt das Unternehmen? In diesem Artikel erhalten Sie praxisnahe Tipps für eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stehen vor der Herausforderung, ihre Unternehmensnachfolge zu regeln. Ohne rechtzeitige Planung kann selbst ein wirtschaftlich erfolgreicher Betrieb Schwierigkeiten haben, eine geeignete Nachfolgerin oder einen geeigneten Nachfolger zu finden.
  • Eine ungeklärte Nachfolge betrifft nicht nur die Unternehmensleitung. Sie kann auch Arbeitsplätze, Kundenbeziehungen und wertvolles Erfahrungswissen im Unternehmen gefährden.
  • Wenn Sie frühzeitig mit der Nachfolgeplanung beginnen, können Sie Wissen sichern, mögliche Nachfolger intern entwickeln oder extern finden und den Generationswechsel Schritt für Schritt vorbereiten.

Warum Unternehmensnachfolge im Mittelstand zur Herausforderung wird

Unternehmensübergaben sind schwierig, weil sie ein komplexes Zusammenspiel aus persönlichen, wirtschaftlichen und organisatorischen Faktoren sind und von Altinhaberin oder -inhaber, der Nachfolgerin oder dem Nachfolger sowie dem Umfeld gleichermaßen abhängen. Der Bedarf an Unternehmensnachfolgen wächst vor allem durch den demografischen Wandel. Viele Inhaberinnen und Inhaber im Mittelstand stehen kurz vor dem Ruhestand. Entsprechend steigt die Zahl der Betriebe, die eine Nachfolge regeln müssen. 

Gleichzeitig gibt es weniger Menschen, die ein bestehendes Unternehmen übernehmen möchten. Zwar werden weiterhin Unternehmen gegründet, doch nur ein Teil der Gründerinnen und Gründer entscheidet sich für die Übernahme eines bestehenden Betriebs („Übernahmegründung“). Während es früher oft selbstverständlich war, dass ein Familienunternehmen an die nächste Generation weitergegeben wird, entscheiden sich heute viele Kinder von Unternehmerinnen und Unternehmern für andere berufliche Wege. Familieninterne Lösungen bleiben zwar weiterhin die häufigste Form der Unternehmensnachfolge, sind aber längst nicht mehr die Regel. Für viele Betriebe bedeutet das: Die Suche nach einer geeigneten Nachfolge wird aufwendiger und dauert länger als früher.

Säulendiagramm: Planungsstand bei der Unternehmensnachfolge.

Unternehmensnachfolge als Teil der Fachkräftesicherung

Eine ungeklärte Unternehmensnachfolge betrifft nicht nur die Inhaberin oder den Inhaber eines Betriebs. Sie hat auch Auswirkungen auf Beschäftigte, Kunden und Lieferanten.

Wenn ein Unternehmen geschlossen wird, gehen Arbeitsplätze verloren und wertvolles Erfahrungswissen verschwindet. Gerade in kleinen und mittleren Betrieben ist dieses Wissen oft eng mit einzelnen Personen verbunden und ein großer Teil davon nicht dokumentiert. Es umfasst zum Beispiel Erfahrungen mit Kunden und Lieferanten, Kenntnisse über betriebliche Abläufe oder das Verständnis für spezifische Produkte und Dienstleistungen. Dieses sogenannte implizite Wissen wird häufig erst im täglichen Austausch im Betrieb weitergegeben. Ohne eine geplante Übergabe besteht daher die Gefahr, dass dieses Wissen verloren geht. Für Unternehmen ist die Nachfolgeplanung daher auch ein Thema der Fachkräftesicherung. Sie bietet die Chance, Wissen im Unternehmen zu halten, Nachwuchskräfte aufzubauen und Verantwortung schrittweise zu übergeben.

Porträt von Lisa Marie Höcker

Kommunikation auf Augenhöhe, Ehrlichkeit, Verbindlichkeit und dass man ein Team ist – das sind für mich die entscheidenden Faktoren für eine erfolgreiche Nachfolge.

Lisa Marie HöckerHöcker Polytechnik GmbH

Vier Erfolgsfaktoren für eine gelungene Unternehmensnachfolge – aus der Praxis

Welche Formen der Unternehmensnachfolge gibt es?

Übergabe innerhalb der Familie

Die familieninterne Nachfolge ist weiterhin verbreitet. Viele mittelständische Unternehmerinnen und Unternehmer wünschen sich, dass ihr Betrieb in der Familie weitergeführt wird. Dies bietet Kontinuität: Die Nachfolgerinnen oder Nachfolger kennen das Unternehmen oft schon seit vielen Jahren und sind mit seinen Strukturen und Werten vertraut. 

Allerdings ist eine familieninterne Übergabe heute nicht mehr selbstverständlich. Viele Kinder von Unternehmerinnen und Unternehmern entscheiden sich (manchmal auch erstmal) für andere berufliche Wege. 

Unternehmensübergabe an Mitarbeitende (Management-Buy-Out oder Employee-Buy-Out)

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, das Unternehmen an Beschäftigte zu übergeben. Dabei übernehmen Führungskräfte oder andere erfahrene Mitarbeitende schrittweise die Verantwortung für den Betrieb. Ein Vorteil dieser Lösung ist, dass die Nachfolgerinnen und Nachfolger das Unternehmen bereits gut kennen. 

Sie sind mit den betrieblichen Abläufen, den Produkten sowie den Kundenbeziehungen vertraut. Gleichzeitig kann der Rollenwechsel innerhalb des Unternehmens auch Herausforderungen mit sich bringen, etwa wenn ehemalige Kolleginnen und Kollegen plötzlich Führungsverantwortung übernehmen.

Verkauf an externe Nachfolger

Wenn weder innerhalb der Familie noch im Unternehmen eine geeignete Nachfolge gefunden wird, kann auch eine externe Übernahme in Betracht kommen. Dabei wird das Unternehmen an eine Unternehmerin oder einen Unternehmer verkauft, der bisher nicht im Betrieb tätig war. Für externe Käuferinnen oder Käufer kann die Übernahme eines bestehenden Unternehmens attraktiv sein, weil sie auf einem bereits etablierten Geschäftsmodell aufbauen können. 

Gleichzeitig ist dieser Weg häufig mit einem größeren organisatorischen Aufwand verbunden, etwa bei der Suche nach geeigneten Interessentinnen und Interessenten oder bei der Unternehmensbewertung und Finanzierung. Welche Option am besten passt, hängt von der Situation des Unternehmens und den verfügbaren Nachfolgeinteressierten ab.

Porträt von Sibylle Stippler

Unternehmensnachfolge ist auch eine Frage der Fachkräftesicherung. Viele Unternehmen beginnen zu spät mit der Planung. Sie verlieren dadurch wertvolle Zeit für eine tragfähige Lösung.

Sibylle StipplerLeiterin des Themenclusters Berufliche Qualifizierung und Fachkräfte am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) und des KOFA

Unternehmensnachfolge frühzeitig planen

Eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge benötigt Zeit. Fachleute empfehlen, sich mehrere Jahre vor dem geplanten Rückzug aus dem Unternehmen mit der Nachfolgeplanung zu beschäftigen.

Wichtige Fragen sind dabei:

  • Wann soll die Übergabe stattfinden?
  • Wer übernimmt künftig Verantwortung im Unternehmen?
  • Welche Rolle spielt die bisherige Unternehmensleitung nach der Übergabe?
  • Wie wird der Unternehmenswert bestimmt?

Ein klarer Übergabefahrplan hilft, den Prozess transparent zu gestalten und Konflikte zu vermeiden. Auch die Beschäftigten sollten frühzeitig informiert werden. Eine offene Kommunikation schafft Vertrauen und erleichtert den Übergang.

Zeitpunkt und Ablauf der Unternehmensübergabe festlegen

In vielen Unternehmen bewährt sich ein schrittweiser Übergang: Die Nachfolgerin oder der Nachfolger übernimmt nach und nach mehr Verantwortung, während die bisherige Unternehmensleitung weiterhin beratend zur Seite steht.

Neben organisatorischen Fragen spielen auch persönliche Erwartungen eine wichtige Rolle. Besonders bei familieninternen Nachfolgen kann es unterschiedliche Vorstellungen darüber geben, wie das Unternehmen künftig geführt werden soll. Es ist daher sinnvoll, frühzeitig über Rollen, Verantwortlichkeiten und Entscheidungsbefugnisse zu sprechen. Auch die zukünftige Rolle der bisherigen Unternehmerin oder des bisherigen Unternehmers sollte klar geregelt werden.

Unternehmenswert realistisch einschätzen

Für viele Unternehmerinnen und Unternehmer ist ihr Betrieb ein Lebenswerk, das sie über viele Jahre aufgebaut haben. Entsprechend hoch können die Erwartungen an einen Verkaufspreis sein.

Für potenzielle Nachfolgerinnen und Nachfolger steht dagegen häufig die zukünftige Ertragskraft des Unternehmens im Vordergrund. Um unrealistische Erwartungen zu vermeiden, kann es hilfreich sein, eine professionelle Unternehmensbewertung durchführen zu lassen.

Beschäftigte frühzeitig einbeziehen

Für die Beschäftigten ist ein Generationswechsel im Unternehmen eine bedeutende Veränderung. Wenn unklar ist, wie es nach dem Rückzug der bisherigen Unternehmensleitung weitergeht, kann das zu Unsicherheit führen. Eine offene Kommunikation hilft dabei, Vertrauen zu schaffen. Informieren Sie Ihre Beschäftigten daher rechtzeitig über geplante Schritte und binden Sie wichtige Führungskräfte in den Übergabeprozess ein.

Wissen sichern bei der Unternehmensnachfolge

Ein großer Teil des Wissens in Unternehmen steckt in den Köpfen der Beschäftigten. Dazu gehören Erfahrungen mit Kunden, Kenntnisse über betriebliche Abläufe oder das Verständnis für Produkte und Dienstleistungen. Dieses sogenannte implizite Wissen lässt sich nur schwer vollständig dokumentieren. Es wird im Alltag weitergegeben – durch Gespräche, gemeinsame Arbeit oder informelle Absprachen. Umso wichtiger ist es, den Wissenstransfer im Unternehmen aktiv zu gestalten.

Mögliche Maßnahmen sind zum Beispiel:

Mentoring

Erfahrene Beschäftigte geben ihr Wissen über einen längeren Zeitraum an jüngere Kolleginnen und Kollegen weiter. Dabei geht es nicht nur um fachliche Inhalte, sondern auch um Erfahrungen im Umgang mit Kunden, Lieferanten oder internen Abläufen.

Lerntandems

Eine erfahrene und eine weniger erfahrene Fachkraft arbeiten für eine bestimmte Zeit eng zusammen und übernehmen gemeinsame Aufgaben. Auf diese Weise kann Wissen Schritt für Schritt übertragen werden.

Moderierte Übergabegespräche

Strukturierte Gespräche zwischen ausscheidenden und nachfolgenden Personen helfen dabei, wichtiges Erfahrungswissen sichtbar zu machen. Eine Moderation kann dabei unterstützen, auch solche Aspekte anzusprechen, die im Arbeitsalltag oft als selbstverständlich gelten.

Dokumentation wichtiger Prozesse

Auch wenn nicht jedes Erfahrungswissen vollständig dokumentiert werden kann, lohnt es sich, zentrale Abläufe, Kontakte oder Entscheidungswege festzuhalten. Ein frühzeitig geplanter Wissenstransfer erleichtert nicht nur den Übergang zwischen zwei Unternehmergenerationen. Er trägt auch dazu bei, Kompetenzen im Unternehmen zu sichern und neue Führungskräfte systematisch aufzubauen.

Beratung und Unterstützung bei der Unternehmensnachfolge nutzen

Eine Unternehmensnachfolge bringt viele organisatorische, rechtliche und finanzielle Fragen mit sich. Externe Beratung kann helfen, den Prozess strukturiert zu gestalten. 

Unterstützung bieten beispielsweise die Industrie- und Handelskammern sowie die Handwerkskammern. Sie informieren über verschiedene Nachfolgewege, beraten bei der Vorbereitung einer Übergabe und vermitteln Kontakte zu potenziellen Nachfolgerinnen und Nachfolgern. Auch Banken, Steuerberaterinnen und Steuerberater sowie Rechtsberaterinnen und Rechtsberater können bei Fragen zur Finanzierung, Unternehmensbewertung oder Vertragsgestaltung unterstützen.

Eine wichtige Rolle spielt zudem die bundesweite Unternehmensbörse nexxt-change. Auf dieser Plattform können Unternehmerinnen und Unternehmer, die eine Nachfolge suchen, mit Interessierten in Kontakt treten, die ein Unternehmen übernehmen möchten. Die Plattform wird unter anderem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, der KfW sowie den Kammerorganisationen getragen und soll dazu beitragen, Angebot und Nachfrage im Bereich der Unternehmensnachfolge besser zusammenzubringen.

Fazit: Unternehmensnachfolge erfolgreich planen

Eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge entsteht selten von heute auf morgen. Sie ist ein Prozess, der Zeit, Vorbereitung und offene Gespräche erfordert. Wer sich frühzeitig mit dem Thema beschäftigt und vorhandene Unterstützungsangebote nutzt, erhöht die Chancen deutlich, eine tragfähige Lösung für die Zukunft des Unternehmens zu finden.

Mitarbeiterin: Sibylle Stippler

Sibylle Stippler

Sibylle Stippler leitet das Themencluster Berufliche Qualifizierung und Fachkräfte am Institut der deutschen Wirtschaft und ist verantwortlich für das am IW angesiedelte Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA). Ihr Fokus liegt auf dem Transfer von der Wissenschaft in die Praxis. Sie ist Gastgeberin des Podcasts „KOFA auf dem Sofa“ für bessere Personalarbeit im Mittelstand.

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