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Soziale Kompetenz: Schlüsselqualifikation

Soziale Kompetenz: Schlüsselqualifikation


Zuletzt aktualisiert: 01. Juli 2021

Modellprojekte zeigen, wie soziale Kompetenzen in der Ausbildung gefördert werden können.

Soziale Kompetenzen und das persönliche Miteinander sind gerade in kleinen und mittleren Unternehmen von zentraler Bedeutung. Während in größeren Unternehmen Fachkräfte häufig spezialisierter in Teams zusammenarbeiten, kennt Mann und Frau sich im Arbeitsalltag von KMU und arbeitet in verschiedensten Konstellationen zusammen. Das kann ein Vorteil sein: Nämlich dann, wenn starke Bande zu einem Gemeinschaftsgefühl werden und Menschen gerne und engagiert zur Arbeit kommen. Ein enges Miteinander ist gleichzeitig auch herausfordernd – gerade, wenn unterschiedliche Erwartungen und Charaktere aufeinandertreffen.

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Soziale Kompetenz – im Beruf unerlässlich 

Soziale Kompetenzen, oft auch Social-Skills oder Soft-Skills genannt, sind im Berufsalltag der Kitt, der Teams zusammenhält. Sie sind dabei häufig schwer greifbar und nicht mal eben durch einen Test abzuprüfen oder aus einem Lebenslauf herauszulesen. Aber ohne soziale Kompetenzen geht es nicht. Soziale Kompetenzen sind jene Fähigkeiten und Fertigkeiten, die den zwischenmenschlichen Umgang fördern. Dazu gehört u. a.:

  • Unterschiedliche Ansichten zu respektieren und verschiedene Perspektiven einnehmen zu können
  • Die Bedürfnisse anderer Menschen zu erkennen und eigene Bedürfnisse zu äußern
  • Rollen in einem Team einzunehmen und situationsangemessen zu handeln
  • Einen bewussten Umgang mit sich selbst zu pflegen, zum Beispiel bei Enttäuschungen und Herausforderungen

Bausteine sozialer Kompetenz

Sozialkompetenz: Azubis mit Soft Skills

Bereits in der dualen Berufsausbildung brauchen die zukünftigen Fachkräfte die Fähigkeit, mit sich selbst und anderen Menschen zurechtkommen zu können. Darüber hinaus gehört die Stärkung sozialer Kompetenzen zu den Pflichtausbildungsinhalten der modernen dualen Ausbildungsberufe. Die Förderung von sozialen Kompetenzen kann auch dazu beitragen Ausbildungsabbrüche zu vermeiden. In jedem Beruf werden andere Verhaltensweisen gefragt. Was in dem einen Kontext als durchsetzungsstark gilt, wird in einem anderen Kontext als unkooperativ angesehen. Deswegen reicht es nicht sich die Bewerberinnen und Bewerber auszusuchen, die bereits soziale Kompetenzen mitbringen, sondern diese Fähigkeiten müssen je nach Beruf im betrieblichen Alltag erst entwickelt werden. Der folgende Text möchte anhand von konkreten Beispielen betriebliche Handlungsoptionen aufzeigen, wie Sie als Ausbilderin oder Ausbilder vorgehen können.

Soziale Kompetenzen fördern: Ein Vorbild für Auszubildende sein

Alle Ausbildenden im Unternehmen haben eine hohe Verantwortung, und zwar nicht fachlich, sondern vor allem menschlich. Es gibt viele Wege wie Sie als Ausbilderin oder Ausbilder jungen Menschen Orientierung geben und Soft-Skills fördern können, z. B.:

1. Verlangen Sie von den Auszubildenden nichts, was Sie nicht selbst erfüllen können
Zum Beispiel: Leben Sie vor, was Sie sich beim Miteinander wünschen. Achten Sie für ein gutes Teamklima darauf die Leistungen aller Teammitglieder anzuerkennen. Vermeiden Sie es hinter dem Rücken anderer Kolleginnen oder Kollegen über diese in Gegenwart ihrer Auszubildenden zu lästern. Eine wertschätzende Kommunikation fängt bei Ihnen an.  

2. Vermitteln Sie Empathie und aktives Zuhören
Zum Beispiel: Um die Sichtweise anderer Menschen ernst zu nehmen, ist es wichtig, die Geduld und Offenheit zu besitzen, anderen Menschen zuzuhören. Nicht jeder junge Mensch kennt dies aus dem eigenen Elternhaus. Haben Sie daher ein offenes Ohr für Probleme und nehmen Sie junge Menschen und ihre Lebensweise ernst.

3. Kritisieren Sie das Verhalten und nicht vermeintliche Charaktereigenschaften. Zeigen Sie jungen Menschen Wege auf, wie Sie ihr Verhalten ändern können
Zum Beispiel: Vermeiden Sie bei wiederholten Fehlzeiten der Auszubildenden negative Begriffe wie „faul“, sondern beschreiben Sie das Verhalten neutral und fragen Sie nach den Gründen. Suchen Sie gemeinsam mit den Auszubildenden nach Möglichkeiten das Verhalten zu ändern und treffen Sie gemeinsam eine Vereinbarung. Loben Sie bei einer Änderung des Verhaltens den Auszubildenden und bestärken Sie so Verhaltensänderungen.

Personalführung mit Wertschätzung

Mehr zum Thema Personalführung mit Wertschätzung erfahren Sie im Interview mit Bodo Janssen, Geschäftsführer der Hotelgruppe Upstalsboom.

Interview lesen

Soft skills trainieren:Bei der Vermittlung betrieblicher Prozesse auf das „Wir“ schauen

Zahlreiche Tätigkeiten im Betrieb erfordern das Zusammenspiel mit Kolleginnen und Kollegen oder Kundinnen und Kunden. In den einzelnen Stufen des betrieblichen Ausbildungsplans sollten Ausbilderinnen und Ausbilder daher genau darauf achten nicht nur den fachlichen Ablauf zu vermitteln, sondern auch den menschlichen Teil und somit die dazugehörigen Sozialkompetenzen berücksichtigen.

Das ist mitunter eine Herausforderung, denn viele betriebliche Prozesse werden in der Ausbildung zu Beginn erst einmal simuliert und nicht im tatsächlichen Arbeitsprozess durchgeführt. Bereits beim ersten Einüben des Prozesses sollte aber darauf geachtet werden, wo Schnittstellen zu anderen Menschen sind. Hilfreich dafür sind:

  • In Rollenspielen können Auszubildende sowie beteiligte Kolleginnen und Kollegen den betrieblichen Prozess und verschiedene Herausforderungen nachstellen. Dabei können die Auszubildenden verschiedene Rollen einnehmen und jeweils beschreiben, was ihre Aufgabe ist und was sie dafür benötigen. So können Auszubildende auch die betriebliche Kommunikation trainieren.
  • Auszubildende können betriebliche Prozesse im Alltag von Kolleginnen und Kollegen passiv begleiten und unterschiedliche Vorgehensweise kennenlernen. Solche Beobachtungen bieten sich z. B. dann an, wenn ein Gespräch mit einem wichtigen Kunden ansteht.
  • In gemeinsamen Reflektionen können Ausbilder und Auszubildende auf herausfordernde Situationen noch einmal zurückblicken. Wie hat sich der bzw. die Auszubildende gefühlt? Was hätte ihm oder ihr dabei geholfen seine bzw. ihre Emotionen besser unter Kontrolle zu haben?

Auch viele betriebliche Zusatzqualifikationen widmen sich sozialen Kompetenzen. Dieses Soft-Skills-Training kann zusätzlich zu den bestehenden Ausbildungsinhalten angeboten werden. Überprüfen Sie anhand der Checkliste Zusatzqualifikationen, ob diese das richtige für Ihren Betrieb sind, und was bei internen und externen Maßnahmen bei der Planung zu berücksichtigen ist. 

Teamfähigkeit: Aus ich mach wir – ein Team formen 

Gemeinsam geht vieles leichter, aber das Gemeinsame zu finden ist nicht immer leicht. Im Team zu arbeiten fordert und fördert soziale Kompetenzen. Die folgenden Punkte können Ihnen bei der Integration von Auszubildenden in bestehende Teams helfen:

1. Achten Sie auf Bedürfnisse!
Erfahrene Kolleginnen und Kollegen freuen sich häufig über neue Auszubildende, haben aber auch ihren eigenen herausfordernden Arbeitsalltag. Auszubildende kommen mit vielen Erwartungen aber auch Unsicherheit in ihren Betrieb. Schnell kann es daher zu Missverständnissen auf beiden Seiten kommen. Umso wichtiger ist es daher geschriebene wie ungeschriebene Regeln im Betrieb darzulegen und das Gespräch zwischen beiden Seiten zu fördern. 

2. Schaffen Sie verbindende Erlebnisse!
Stellen Sie sicher, dass die Auszubildenden in den Pausen in die Kantine mitgenommen werden und bei gemeinsamen Ritualen wie Geburtstags- oder Betriebsfeiern dabei sind. Teamevents, wie Bowling oder Hochseilgarten, sind bei mehreren Auszubildenden ebenfalls eine gute Möglichkeit für den sozialen Austausch.

3. Lassen Sie los!
Der Übergang vom Auszubildenden zur Fachkraft im Team geschieht in der Regel nicht von heute auf morgen nach der Abschlussprüfung, sondern ist ein Prozess. Unterstützen Sie diesen Prozess, indem Sie jungen Menschen Vertrauen schenken und die Selbstständigkeit fördern.

Verantwortung und Miteinander im Unternehmen aufbauen

Soziale Kompetenzen sind auch mit der Betriebskultur an sich verknüpft. Denn Auszubildende ahmen bewusst und unbewusst auch Verhaltensweisen nach, die auf den ersten Blick nicht direkt etwas mit dem Ausbildungsalltag zu tun haben. Ein gutes Beispiel ist der Umgang mit Fehlern im Betrieb: Wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei einem Fehler im Arbeitsprozess zu ihrer Führungsperson gehen können, um dann gemeinsam an einer Lösung arbeiten, ist das auch ein Signal an die Jungen: „Seid ehrlich und übernehmt Verantwortung für euer Handeln. Im Team schaffen wir das! “ Wenn Führungspersonen bei einem Fehler aber weniger auf Lösungen als auf das Zuschieben von Schuld schauen, sendet auch dies ein Signal an die Auszubildenden: „Gib deine Fehler nicht zu und suche dir keine Hilfe!“

Die Anforderungen für ein gutes Miteinander im Unternehmen können je nach Beruf und Branche ganz unterschiedlich ausfallen. Wie in fast allen Lebenslagen gilt jedoch die „Goldene Regel“: „Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.“

Sozial kompetent – dual ausgebildet:Ein Förderprogramm zeigt Möglichkeiten auf

Seit 2016 finanziert das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie das Programm „Förderung sozialer Kompetenz in der dualen Ausbildung, insbesondere zur Integration von Flüchtlingen“.

Die geförderten Modellprojekte beschäftigen sich u. a. mit der Steigerung der Qualität der dualen Berufsausbildung und der Entwicklung von interkulturellen Konzepten zur Integration von jungen Geflüchteten.

Eine Übersicht ausgewählter Modellprojekte finden Sie in der Broschüre „sozial kompetent – dual ausgebildet“  (Stand: März 2019).

Neben Kurzbeschreibungen der einzelnen Projekte, finden Sie auch die Kontaktadressen und können so bei Interesse mehr Informationen anfordern. Einzelne Projekte werden wir Ihnen auf dem KOFA in den nächsten Monaten ausführlicher darstellen.