Rekrutierung von Studienabbrecherinnen und Studienabbrechern

Studienabbrecher, junger Mann mit Büchern

Fast ein Drittel der Studierenden in Deutschland bricht das Studium ab. Auch leistungsstarke Studierende beenden ihr Studium vorzeitig, weil: 

  • sie anderen Interessen nachgehen wollen, 
  • die theoretische Ausrichtung der Studiengänge nicht ihren Erwartungen entspricht oder 
  • praktische Tätigkeiten bevorzugt werden. 

Ein Abbruch des Studiums sagt wenig über Fähigkeit und Leistungsbereitschaft einer Person aus. Im Gegenteil – häufig sind Studienabbrecherinnen und -abbrecher hoch motiviert und haben bereits vielfältige Fähigkeiten und Qualifikationen erworben. Bei der Suche nach passenden Fachkräften sind sie daher eine interessante und qualifizierte Zielgruppe.  

4 Gründe, weshalb es sich lohnt, gezielt Studienabbrecherinnen und -abbrecher zu rekrutieren:   

  1. Sicherung zukünftiger Fachkräfte: Mit der Rekrutierung von Studienabbrecherinnen und -abbrechern erweitern Sie Ihren Suchradius und erhöhen die Chance, die für Ihr Unternehmen passenden Bewerberinnen und Bewerber zu finden. Zudem wertschätzt diese Zielgruppe oft die Chance, die Unternehmen ihnen geben: Sie fühlen sich stark verbunden und zeigen eine geringe Wechselbereitschaft. Dies wirkt sich langfristig positiv auf die Fachkräftesicherung aus. 
     
  2. Hohe Motivations- und Arbeitsbereitschaft: Indem Sie Personen mit abgebrochenem Studium Ihr Vertrauen schenken und einen beruflichen Neustart ermöglichen, erhalten Sie im Gegenzug dankbare und dadurch hoch motivierte Arbeitskräfte. 
     
  3. Kurzfristig einsetzbar: Ehemalige Studierende sind häufig direkt verfügbar. Dies ist besonders interessant, wenn Sie freie Stellen schnell neu besetzen wollen. Zudem stehen die Personen häufig bereits vor Beginn der Ausbildung für berufsvorbereitende Maßnahmen zur Verfügung.
     
  4. Einsparmöglichkeiten durch Verkürzung der Ausbildungsdauer: Durch die gute Vorbildung aus dem Studium fällt es ehemaligen Studierenden häufig leicht, sich in komplexe Sachverhalte einzuarbeiten. Der hohe Grad an Selbstständigkeit und die bereits im Studium erlernten Fähigkeiten führen häufig zu einer Verkürzung der (dualen) Ausbildungsdauer. Damit können Ihre Ausbildungskosten deutlich gesenkt werden. 

3 Schritte zu einer erfolgreichen Ansprache der Zielgruppe 

Schritt 1: Die Zielgruppe direkt in der Stellenausschreibung ansprechen: Bereits bei der Formulierung der Stellenausschreibung sollte erkennbar sein, dass (auch) Bewerberinnen und Bewerber ohne Hochschulabschluss gesucht werden. Dies könnte folgendermaßen aussehen:

  • Studienabbrecher (m/w/d) gesucht – Wir schaffen Perspektiven! 
  • Unternehmen für Studienabbrecher (m/w/d) – Wir bilden aus!

Alternativ können Sie auch angeben, dass man in Ihrem Unternehmen an Bewerberinnen und Bewerbern mit „Umwegen im Lebenslauf“ interessiert ist. Auch dies ermutigt Personen mit abgebrochenem Studium, sich bei Ihrem Unternehmen zu bewerben. 

Was Sie sonst noch bei Stellenanzeigen beachten sollten, finden Sie in unserer Checkliste: 

Download Checkliste Stellenausschreibungen (PDF)

Schritt 2: Den richtigen Rekrutierungsweg wählen: Um Studienabbrecherinnen und -abbrecher mit Ihrem Stellenangebot zu erreichen, sollten Sie Rekrutierungskanäle nutzen, die besonders häufig von Studienabbrecherinnen und -abbrechern nachgefragt werden. Hierzu zählen: 

  • JOBSTARTER plus: Projekte im Programm JOBSTARTER plus (eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung) bringen ehemalige Studierende und Arbeitgeber zusammen und zielen so auf eine Fachkräftesicherung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) ab. Informationen dazu finden Sie unter www.jobstarter.de.
  • Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit: Die Bundesagentur für Arbeit bietet sowohl Studien- als auch Berufsberatung an und ist somit ein häufig genutzter Anlaufpunkt für Studienabbrecherinnen und -abbrecher. Informationen dazu finden Sie unter https://jobboerse.arbeitsagentur.de.
  • Career-Center an Hochschulen: Viele Hochschulen richten sich mit ihrem Veranstaltungs- und Beratungsangebot an Studierende, die an ihrem Studium zweifeln. Gemeinsam mit weiteren lokalen Initiativen werden mit den (ehemaligen) Studierenden neue Zukunftsoptionen diskutiert und Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern hergestellt.
  • Informationstafeln der Hochschule: Warum nicht auch analog? (Informations-)Tafeln sind nach wie vor an Hochschulen verbreitet. Neben Veranstaltungshinweisen und Wohnungsanzeigen sind dort häufig auch Stellenangebote zu finden. Die Vielzahl an unterschiedlichen Angeboten macht ein Blick auf die schwarzen Bretter für Studierende interessant. Nutzen Sie die Alternative, um auf Ihre offenen Stellen aufmerksam zu machen.
  • Job- und Karriereportale: Es gibt eine Vielzahl an Internet-Jobbörsen, die zur Suche des passenden Jobs herangezogen werden. Zudem haben sich bereits einige Karriereportale auf Studienabbrecherinnen und -abbrecher spezialisiert. 
  • Eigener Online-Auftritt: Junge Erwachsene verbringen viel Zeit im Internet. Seien Sie deshalb auf Social-Media-Plattformen wie Instagram präsent. Auch Ihre eigene Karrierewebseite ist ein erfolgversprechender und kostengünstiger Weg, um die Zielgruppe anzusprechen und von Ihrem Unternehmen zu überzeugen.
  • Stellenangebote auf Ihrer Karriereseite: Stellenangebote sollten immer auch auf Ihrer Unternehmenshomepage veröffentlicht werden. Nutzen Sie diese schnelle und kostengünstige Möglichkeit, um auf Ihre Ausbildungsangebote aufmerksam zu machen.

Schritt 3: Bewerbungsgespräch und Einstieg optimal gestalten: Studienabbrecherinnen und
-abbrecher bevorzugen Arbeitgeber, die 

  • ihren bereits erworbenen Fähigkeiten und Qualifikationen Wertschätzung entgegenbringen. Besonders wichtig hierbei ist, den Studienabbruch nicht als Stigma für Faulheit oder schwache Leistungen zu deuten, sondern sich mit Offenheit auf die neue Kollegin oder den neuen Kollegen zu freuen.
  • ihnen berufliche Aufstiegschancen ermöglichen. Durch ein duales Studium oder eine (verkürzte) duale Ausbildung erhalten ehemalige Studierende die Chance, sich beruflich neu aufzustellen und bereits vorhandene Fähigkeiten zu vertiefen. Karriere- und Laufbahngespräche zeigen zudem neue Entwicklungsmöglichkeiten auf.
  • mit ihnen offen in Austausch treten. Manche Studienabbrecherinnen und -abbrecher müssen sich nach dem Abbruch ihres Studiums zunächst neu sortieren. Orientierungspraktika können helfen, um neue passende Ausbildungsoptionen kennenzulernen. Um die Bedürfnisse der ehemaligen Studierenden zu erkennen, bedarf es eines offenen Austauschs.

                                                                                                  zuletzt aktualisiert September 2021

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