Rekrutierung ausländischer Pflegekräfte

Klinik sucht Personal im Ausland

Die MEDIAN-Kliniken sind in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Heute hat das Unternehmen rund 120 Reha-Einrichtungen in ganz Deutschland. Mitarbeiter-Nachwuchs für die neuen Standorte zu finden, ist oft schwierig. Deshalb rekrutiert der Klinik-Betreiber auch immer mehr Pflegekräfte aus dem Ausland.

Branche: Krankenhaus | Standort: Wiesbaden (Hessen) | Beschäftigte: 200

Stand: 2019

Auf Personalsuche im Ausland

Pflegekräfte bei der Einweisung MEDIAN Klinik
Pflegekräfte bei der Einweisung / © MEDIAN Klinik

Die MEDIAN-Kliniken trifft der Fachkräftemangel in Deutschland gleich doppelt. Zum einen ist der Nachwuchs im Pflegebereich ohnehin rar gesät. Die Arbeit ist hart, die Bezahlung oft nicht üppig – das schreckt junge Menschen bei ihren Überlegungen zur Berufswahl eher ab. Dazu kommt noch, dass die MEDIAN-Kliniken auf Reha spezialisiert sind. Sie befinden sich deshalb in der Regel eher im ländlichen Raum als in großen Städten, schließlich sollen sich die Menschen in den Einrichtungen erholen können. Diese Standorte sind allerdings nicht unbedingt fördernd zur Gewinnung junger Pflegekräfte, wie auch Sebastian Willkomm, Leiter Strategische Personalgewinnung bei den MEDIAN-Kliniken, weiß. „Junge Pflegekräfte und Ärzte findet man einfacher für Städte wie Berlin, Köln oder Hamburg als beispielsweise für Bernkastel-Kues an der Mosel.“

Die Suche nach Pflegefachkräften wird in Deutschland für ihn immer schwieriger. Das ist der Hauptgrund, warum die MEDIAN-Kliniken seit einigen Jahren verstärkt auch im Ausland nach Pflegern suchen. Zurzeit rekrutiert das Unternehmen vor allem in Ländern wie Albanien, dem Kosovo oder Serbien. „Dort finden wir viele Kandidaten, die Interesse haben, nach Deutschland zu kommen“, sagt Willkomm. Außerdem gebe es in diesen Ländern sehr viele arbeitssuchende Pflegekräfte mit absolviertem Studium. „Aber natürlich sind wir auch für andere Länder offen.“ So habe man beispielsweise auch Pflegekräfte in Ungarn, Rumänien und auf den Philippinen für MEDIAN gewinnen können. In rund einem Viertel der 120 MEDIAN-Einrichtungen arbeiten mittlerweile aus dem Ausland rekrutierte Fachkräfte – Tendenz steigend.

Projektpartner helfen bei der Fachkräftesuche

Bei der Fachkräftesuche kooperiert das Unternehmen mit Projektpartnern. Diesen privaten Dienstleistern kommt eine wichtige Rolle zu. „Die Projektpartner sind Vermittler und Ausbilder“, erklärt Willkomm. Sie haben in den jeweiligen Ländern Netzwerke aufgebaut, um passende Kandidaten zu finden und den Kontakt nach Deutschland herzustellen. Außerdem bereiten die Partner die ausländischen Pflegekräfte auf Arbeit und Leben in Deutschland vor. 

In Albanien beispielsweise betreibt unser Projektpartner eine Schule, wo die Fachkräfte 12 bis 15 Monate lang Kurse besuchen, bevor sie nach Deutschland kommen. Dabei liegt der Fokus vor allem auf dem Spracherwerb, aber auch fachlich und inhaltlich werden sie geschult. Sie können dann schon ihre hierzulande anerkannte Fachkenntnisprüfung ablegen, bevor sie überhaupt anfangen, in den Kliniken zu arbeiten. Generell gilt laut Willkomm: „Je besser die Vorbereitung der Fachkräfte bereits im Heimatland ist, desto besser gelingt auch die Integration.“

Hilfreich für die Integration ist es aus der Erfahrung des Personalentwicklers immer, wenn die Fachkräfte nicht einzeln kommen, sondern in kleineren Gruppen. Dann fühlen sie sich nicht komplett allein in der Fremde. Dabei müssen man aber auch darauf achten, dass sich diese Grüppchen nicht abkapseln und nur untereinander in ihrer Muttersprache reden.

Personal hilft mit gelebter Willkommenskultur

Allerdings braucht es für eine gelungene Integration natürlich immer zwei Seiten. Nicht nur die ausländischen Mitarbeiter müssen sich offen zeigen, auch das bereits in den Kliniken arbeitende Personal muss die neuen Kollegen gut aufnehmen und ihnen den Start im fremden Land erleichtern. „Wir haben dafür unter anderem einen Integrationsleitfaden entwickelt und tauschen regelmäßig die Erfahrungen aus, die unsere verschiedenen Einrichtungen bei der Integration machen“, sagt Willkomm. An einigen Einrichtungen wurden unter den Mitarbeitern außerdem verantwortliche Integrationsbeauftragte festgelegt, die neue Fachkräfte auch außerhalb des Arbeitsumfeldes unterstützen. Sie helfen beispielsweise neben der Einarbeitung im Job auch beim Einrichten eines Kontos oder beim weiteren Spracherwerb. An einigen Klinikstandorten engagiert das Unternehmen einen eigenen Sprachlehrer, an anderen unterstützt die Firma das selbstständige Besuchen eines Sprachkurses finanziell.

Keine Garantie für gelungene Integration

Ein großes Thema ist auch die Wohnungssuche. Sie ist nicht immer einfach, da Vermieter ausländischen Menschen mit geringen Deutschkenntnissen gegenüber oft skeptisch seien. „Wir als Klinik können dann stattdessen selbst eine Wohnung anmieten und diese an die Mitarbeiter untervermieten“, erklärt Willkomm, wie MEDIAN bei der Suche hilft.

Ein zu 100 Prozent sicheres Rezept für das Gelingen der Integration gibt es aber natürlich nicht. „Verallgemeinern kann man das nicht“, so Willkomm. Auch wenn die Vorbereitung gut lief und das Team vor Ort die neuen Mitarbeiter offen aufnimmt, kann es passieren, dass ausländische Pflegekräfte wieder abreisen. Das kommt auch bei den MEDIAN-Kliniken in Einzelfällen vor. „Manche Leute sind sprachaffin, können sich einfach zwischen den verschiedenen Kulturen bewegen, sind wissbegierig und offen“, sagt Willkomm. „Für andere sind die kulturellen Unterschiede dagegen zu groß oder sie haben einfach zu großes Heimweh und können sich deshalb nicht richtig einleben. Deshalb ist es wichtig, auf jeden Menschen individuell einzugehen und ihn bestmöglich vorzubereiten, denn jeder ist ein bisschen anders.“
 

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