Inklusion in der Ausbildung

Wie Unternehmen Auszubildende an Förderschulen finden

Von rund 50.000 Schulabsolventen mit Förderbedarf finden nur 3.500 einen Ausbildungsplatz, zeigt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahr 2014. Für Unternehmer heißt das: Wer die übrigen Absolventinnen und Absolventen motivieren und an seinen Betrieb binden kann, gewinnt loyale Mitarbeiter für die Zukunft. Dabei sollten Sie sich als Arbeitgeber an den Chancen orientieren und nicht an den Defiziten. 

Die am meisten nachgefragten Berufe für Menschen mit Behinderung gibt es im Bereich Hauswirtschaft, Gartenbau, und im Verkauf. Aber auch im Bereich Holzverarbeitung, Maler und Lackierer und im Metallbau. Wenn Sie Auszubildende in diesen Bereichen suchen oder Ihr Unternehmen in diesen Bereichen aktiv ist, empfiehlt es sich, mit Förderschulen zu kooperieren. Aber generell kann, je nach Behinderung, auch jede andere Ausbildung in Frage kommen. 

Im Zuge der Inklusion an Schulen besuchen auch immer mehr Förderschüler eine Regelschule. Wenn Sie also nach Auszubildenden mit Behinderung oder Förderbedarf suchen so finden Sie diese auch an Regelschulen. Der Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit hat spezielle Rehateams, die Sie bei dieser Fragestellung unterstützen können. Kontakt hierzu bekommen Sie über eine kostenlose Hotline: 0800 4 55 55 00. 

Die Mehrzahl von Schülerinnen und Schüler, die zeitweise oder längerfristig einen Förderbedarf haben, besuchen Förderschulen, wo sie ihre Stärken optimal ausbilden können und in ihren Schwächen unterstützt werden. Förderschwerpunkte sind zum Beispiel „Sprache“, „Emotionale und soziale Entwicklung“ oder auch „Körperliche und motorische Entwicklung“. Wer aber in einer Hinsicht Förderbedarf hat, kann in vielen anderen Hinsichten durchaus leistungsstark sein. Es lohnt sich also zur Rekrutierung von Auszubildendem mit Förderschulen zu kooperieren. Dafür empfehlen wir Ihnen folgende Schritte:

Wie können Sie den Kontakt zu Förderschulen aufbauen?

Grundsätzlich sind Schulkooperationen eine sinnvolle Möglichkeit, um in Kontakt zu kommen. Der Betrieb hat die Möglichkeit, unterschiedliche potenzielle Auszubildende kennenzulernen, sich in der Berufsorientierung zu engagieren und gleichzeitig die Bekanntheit des Betriebs in der Region zu erhöhen. Wie eine gute Zusammenarbeit zwischen Schule und Unternehmen gelingen kann, erfahren Sie in der Handlungsempfehlung „Schulkooperation“ des KOFA.

Viele Förderschulen, aber natürlich auch inklusiv arbeitende allgemeinbildende Schulen, begrüßen es ausdrücklich, wenn Unternehmen Kontakt mit ihnen aufnehmen und ihre Tore für Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf öffnen. Durch Praktika oder auch tageweise Firmenbesuche können Schüler und Unternehmer testen, inwieweit sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen können. So entstehen Bindung und Vertrauen.

An den Förderschulen gibt es meist schuleigene Werkstätten, die verschiedenen Berufsgruppen zugeordnet sind (Garten, Handwerk, Hauswirtschaft). Es lohnt sich, den Kontakt zum jeweils leitenden Lehrer oder Sozialpädagogen aufzubauen und zu halten. Sie können sich aber auch vorab bei den Integrationsfachdiensten in ihrer Umgebung melden. Diese stehen mit den Förderschulen im Kontakt und können bei Bedarf die passende Schule vermitteln.

Um das bisherige Umfeld der potenziellen Azubis kennenzulernen, können Arbeitgeber nach Absprache die Förderschulen besuchen. Dort sind Schulleiter und Lehrer erfahrungsgemäß sehr offen, sie zu empfangen und ihnen Beratungen und Unterrichts-Hospitationen anzubieten.

Was sollten Sie bei der Formulierung von Stellenanzeigen für Förderschüler beachten?

Auf eine Förderschule gehen Jugendliche mit verschiedenen Förderschwerpunkten. Knapp 30 Prozent haben Lernschwierigkeiten (KMK 2019). Etwa 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler haben andere Förderschwerpunkte, wie Sehen, Hören, Sprache sowie körperliche/motorische Entwicklung. Stellenausschreibungen und Ansprache in einfacher Sprache helfen Jugendlichen mit Lernschwierigkeiten. Sinnvoll ist es, Bilder mitzuliefern, damit die Bewerber und Bewerberinnen sich ihren zukünftigen Arbeitsplatz besser vorstellen können. Auch viele Hinweise aus unserer Checkliste zur inklusiven Stellenausschreibung können Ihnen bei der Gestaltung helfen.

Darüber hinaus sollte in einer Stellenausschreibung immer stehen, dass Sie sich über Bewerbungen von Menschen mit Behinderung freuen oder, dass Bewerbungen von Menschen mit Behinderung gewünscht sind.

Unternehmer können ihre Gesuche auch direkt an die Schulen richten. So können die Lehrer oder Sozialarbeiter geeignete Schülerinnen und Schüler ansprechen und in der ersten Phase begleiten.

Welche besonderen Bedürfnisse haben Auszubildende mit Behinderung? 

Jede Behinderung ist anders und bringt dementsprechend individuelle Bedürfnisse mit sich. Meist kann diesen mit kleinen Hilfsmitteln oder Gesprächen entsprochen werden. So spielt die Behinderung in der alltäglichen Arbeit oft kaum noch eine Rolle. Wichtig ist: Finden Sie den passenden Platz für den Menschen im Unternehmen. Vielleicht gibt es Tätigkeiten, an die Sie noch nicht gedacht haben.

Sollte der Azubi die inhaltlichen Anforderungen nicht bewältigen, gibt es die Möglichkeit einer theoriereduzierten Ausbildung, die sogenannten Fachpraktiker- und Werkerberufe. Fragen Sie hierzu am besten Ihre Industrie- und Handelskammer oder die Handwerkskammer. Diese legen die Ausbildungsinhalte in den entsprechenden Kammerregelungen fest. Auszubildende mit Lernschwierigkeiten brauchen eine klare Aufgabenstellung und Anleitung. Daher sollte die Ausbildung kleinschrittig organisiert sein. Im schulischen Teil könnte Nachhilfe notwendig werden. Dies sollten Sie im Auge behalten. Regelmäßige Gespräche helfen, im Bedarfsfall rechtzeitig reagieren zu können. Fachpraktikerausbildungen dauern in der Regel zwei Jahre. Im Anschluss kann auch noch eine Vollausbildung angestrebt werden. Wenn Sie sich in der pädagogischen Umsetzung noch unsicher fühlen, können Sie auch mit einer außerbetrieblichen Bildungsstätte, wie einem Berufsbildungswerk, zusammenarbeiten. Unser Praxisbeispiel zum Gastronomieunternehmen Früh Kölsch bietet einen Einblick in die Ausbildung von jungen Fachkpraktikern Küche.

Gerade für den Anfang ist es sinnvoll, dem Mitarbeiter oder der Mitarbeiterin mit Behinderung einen festen Ansprechpartner innerhalb der Firma zuzuordnen. Insgesamt sollten sich die Jugendlichen so angenommen fühlen wie sie sind. Es kann vorkommen, dass Jugendliche mit Behinderung auch neben der Arbeit Hilfe für ihren Alltag und ihr Leben benötigen. Falls solche Fragen aufkommen und Sie oder besonders auch die Jugendlichen selbst weitere Unterstützung und Beratung benötigen, z.B. auch zum Thema Wohnen, Assistenz etc. können Sie sich an externe Beratungsstellen wie Lebenshilfe, Caritas, Diakonie oder die unabhängige Teilhabeberatung (euTb) wenden. Viele der Beratungsstellen sind kostenlos. Sinnvollerweise sollte weiterhin Kontakt mit dem Umfeld des Azubis bestehen: etwa mit Jugendhilfe, Einzelfallhilfe, Berufseinstiegsbegleiter und Lehrern.

Welche Unterstützungsmöglichkeiten gibt es für die Unternehmen? 

Es gibt viele Möglichkeiten der personellen oder finanziellen Unterstützung, wenn Sie Azubis mit Förderbedarf einstellen. Zum Beispiel die ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH)

eine Art Nachhilfeunterricht für die Auszubildenden. In kleinen Gruppen wird der Schulstoff bearbeitet, der den Azubis Schwierigkeiten in der Schule bereitet. Falls es Probleme zwischen Betrieb und Azubi gibt, kann der Auszubildende auch eine „sozialpädagogische Hilfe“ in Anspruch nehmen. Beide Förderungen werden von der Agentur für Arbeit genehmigt und bezahlt.

Darüber hinaus gibt es von der Arbeitsagentur oder den Rehabilitationsträgern je nach Schwere der Behinderung Zuschüsse zur Ausbildungsvergütung. In Einzelfällen kann sogar 100 Prozent erstattet werden.

Wenn Sie es bereits vor der Ausbildung schaffen, mit Ihrem Azubi im Gespräch zu bleiben, bestehen gute Chancen, dass dieser die Ausbildung nicht abbricht. Regelmäßige Gespräche und Unterstützung helfen dabei, schnell auf Unmut oder Unzufriedenheit reagieren zu können.

Über einen Jobcoach, der vom persönlichen Budget für Arbeit bezahlt wird, kann der Azubi darüber hinaus bis zu zwei Jahre lang Unterstützung bekommen. Wenn sie einen neuen Ausbildungsplatz schaffen, bekommen Sie ebenfalls Unterstützung von der Bundesagentur für Arbeit.

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