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Hohe Vertragslösungen, fehlende Fachkräfte? Wo die Bindung von Azubis besonders gut funktioniert

KOFA Kompakt 02/2026

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Jahr 2024 war die Bindung von Auszubildenden für Unternehmen besonders herausfordernd: Fast jedes dritte Ausbildungsverhältnis wurde vorzeitig beendet.
  • Bei den zehn Berufen mit den höchsten und niedrigsten Lösungsquoten fällt auf: Besonders oft wurden Ausbildungsverträge in Dienstleistungsberufen wie bei Friseur:innen oder Berufskraftfahrer:innen vorzeitig aufgelöst, besonders selten in gewerblich-technischen Berufen wie beispielsweise bei Industriekaufleuten oder Elektroniker:innen für Automatisierungstechnik.
  • In den zehn Berufen mit den niedrigsten Vertragslösungsquoten sind die meisten stark von Fachkräfteengpässen betroffen. Die Bindung von Auszubildenden könnte hier besonders gut gelingen, weil Jugendliche in diesen Berufen frühzeitig eine Perspektive für sich sehen.

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Fast jedes dritte Ausbildungsverhältnis wurde in 2024 vorzeitig beendet

Die Nachwuchsgewinnung ist eine zentrale Säule für die Fachkräftesicherung. Doch die passende Besetzung von Ausbildungsstellen bleibt für Unternehmen herausfordernd. Neben dem Finden wurde in den vergangenen Jahren auch das Binden von Auszubildenden für viele Unternehmen deutlich schwieriger. Im Jahr 2024 erreichte die vorzeitige Auflösung von Ausbildungsverhältnissen einen Höchststand: fast jedes dritte Ausbildungsverhältnis (29,7 Prozent) wurde nicht planmäßig beendet. Das entsprach bundesweit rund 159.000 Ausbildungsverhältnissen. Allerdings bedeutet nicht jede Auflösung eines Ausbildungsvertrags auch einen vollständigen Ausbildungsabbruch.  In vielen Fällen bleiben die betroffenen Personen nach der Auflösung ihres Vertrages in Ausbildung, aber in einem anderen Beruf oder Betrieb.

Warum Ausbildungsverhältnisse vorzeitig aufgelöst werden

Ein wichtiger Grund für vorzeitige Vertragslösungen ist eine mangelhafte Berufsorientierung – sowohl für Auszubildende als auch für Unternehmen. Besonders junge Leute auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sehen hier Herausforderungen. Gut ein Drittel wünscht sich bei der Berufsorientierung mehr Unterstützung oder weiß nicht genau, was oder in welchem Bereich sie arbeiten möchten. Auch die Informationslage zur Berufswahl ist für viele Suchende unübersichtlich.

Für Unternehmen ist auch fehlende Leistungsbereitschaft oder eine unzureichende Leistungsfähigkeit von Auszubildenden ein wichtiger Grund für vorzeitige Vertragslösungen. Für Auszubildende hingegen spielt die Qualität der Ausbildung hier eine wichtige Rolle. Das betrifft beispielsweise die Einhaltung von strukturellen Vorgaben, hohen Zeit- und Leistungsdruck oder mangelnde Kommunikation zwischen Azubis und Ausbilder:innen.

Hohe Vertragslösungsquoten in Dienstleistungsberufen

Bei den zehn Erhebungsberufen mit den höchsten Vertragslösungsquoten zeigt sich, dass Ausbildungsverhältnisse insbesondere in Dienstleistungsberufen überdurchschnittlich häufig vorzeitig aufgelöst wurden. Die höchsten Lösungsquoten gab es bei Fachkräften für Schutz und Sicherheit und bei Friseur:innen. Hier wurde im Jahr 2024 fast jedes zweite Ausbildungsverhältnis (49,5 bzw. 49,0 Prozent) vorzeitig aufgelöst. Auch bei Berufskraftfahrer:innen in Ausbildung wurden mehr als vier von zehn (44,8 Prozent) Ausbildungsverträge vorzeitig aufgelöst. Dabei sind Verkehrs- und Logistikbetriebe dringend auf Nachwuchs angewiesen, denn zuletzt gab es große Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung in diesen Berufen. Ein Grund für die hohen Vertragslösungsquoten in den betrachteten Berufen dürften die Arbeitsbedingungen sein. Alle betrachteten Berufe sind körperlich anstrengend, oder sie bringen unregelmäßige Arbeitszeiten und Wochenendarbeit mit sich. Aber auch das gesellschaftliche Image der Berufe kann die vorzeitige Vertragslösung begünstigen.

Niedrige Vertragslösungsquoten in Berufen mit technischem Schwerpunkt

Die zehn Berufe mit den bundesweit niedrigsten Lösungsquoten im Jahr 2024 kommen überwiegend aus dem technisch-gewerblichen Bereich. Hier finden Auszubildende häufig gute Übernahmechancen und attraktive Entwicklungsperspektiven. Am niedrigsten waren die Lösungsquoten bei Industrie- und bei Bankkaufleuten. Besonders wenige vorzeitige Vertragslösungen gab es auch bei mehreren Engpassberufen mit technischem Schwerpunkt wie bei Elektroniker:innen für Automatisierungstechnik oder Mechatroniker:innen. Zuletzt gab es in diesen Berufen große Stellenbesetzungsschwierigkeiten.

Junger Mann lächelt in die Kamera

Die Ausbildung des eigenen Nachwuchses ist einer der zentralen Schlüssel für gelingende Fachkräftesicherung in KMU. Darum ist es alarmierend, dass die Zahl der vorzeitigen Vertragslösungen in der Ausbildung auf einem Höchststand verbleibt. Unternehmen sollten hier aktiv werden. Wichtig sind dabei die Kommunikation mit Azubis im Arbeitsalltag, gelingende Berufsorientierung, aber auch das Stärken der eigenen Arbeitgebermarke.

Philip HerzerStudienautor

Wie KMU Auszubildende erfolgreich binden können

Die Bindung zum Arbeitgeber wird bereits im Bewerbungsprozess geprägt. Transparente und einfache Prozesse und ein hohes Maß an Wertschätzung sind entscheidend. Ist ein Ausbildungsvertrag geschlossen, müssen Unternehmen im Pre- und Onboarding engagiert bleiben, um junge Menschen nachhaltig zu binden. Wie sie das Onboarding insbesondere von Auszubildenden gut gestalten können, stellt das KOFA auf seiner Themenseite dar.

Auch die Kommunikation zwischen Ausbilder:innen und Auszubildenden ist ein Schlüsselfaktor – gerade in KMU. Die KOFA-Themenseite Konflikte in der Ausbildung erkennen und lösen bietet Praxistipps, die sie dabei unterstützen. Das Projekt Netzwerk Q 4.0 bietet im gleichen Themenfeld kostenlose Workshopformate an, die sich direkt an das Ausbildungspersonal richten.

Für die Unterstützung von leistungsschwächeren Auszubildenden können beispielsweise die Assistierte Ausbildung (AsA) von der Bundesagentur für Arbeit oder auch die ehrenamtliche Initiative VERAplus genutzt werden. Diese Angebote entlasten nicht nur die Unternehmen, sondern helfen auch den Auszubildenden dabei, Frustrationen zu vermeiden und Ausbildungserfolge sammeln zu können. Vorzeitige Vertragslösungen können so besser vermieden werden. 

Aufbau und Pflege einer eigenen Arbeitgebermarke helfen ebenfalls bei der Fachkräftesicherung und bei der Bindung von Auszubildenden. Das KOFA bietet auch hier umfangreiche Praxistipps, mit denen KMU einen vollständigen Employer-Branding-Prozess gestalten können. 

Auch die berufliche Orientierung spielt eine entscheidende Rolle. Hier sind zunächst Bildungseinrichtungen, Politik und Verwaltung gefragt, doch auch Unternehmen sollten ihre Möglichkeiten ausschöpfen. Ein möglichst früher, praxisnaher Kontakt zu jungen Menschen, beispielweise im Rahmen von Schulkooperationen oder Praktika, ist die beste Basis für eine gute Berufsorientierung und eine starke Bindung zwischen Auszubildenden und Unternehmen.

 

 

 

Philip Herzer

Über den KOFA-Experten

Philip Herzer

Philip Herzer ist Referent im Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA). Als Arbeitspsychologe hat er in Analysen und Studien stets den Menschen als komplexes Individuum im Blick. Vor seiner aktuellen Tätigkeit arbeitete er als Sozialforscher am Bundesinstitut für Berufsbildung (bibb), als Netzwerkmanager in der MINT Bildung und als Ingenieur im Bereich Bildverarbeitung.

Diese vielfältigen Perspektiven prägen seine Sicht auf de Arbeitswelt und die Haltung, dass man die meisten Phänomene verstehen kann, wenn man sich unvoreingenommen und geduldig mit ihnen auseinandersetzt. Seine Schwerpunktthemen umfassen die berufliche Orientierung junger Menschen, Employer Branding, Kommunikation und regionale Arbeitsmarktanalysen. 

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