Altersstrukturanalyse bei der Wicke GmbH + Co. KG

Die Folgen: Maßnahmen zum Gesundheitsmanagement, zum Wissenstransfer und zur Nachwuchssicherung

Welche personalpolitischen Maßnahmen sind sinnvoll, wenn die Belegschaft immer älter wird? – Mit dieser Frage beschäftigt sich Denis Glowicki, Personalchef des Rollenherstellers Wicke GmbH + Co. KG.
Seit einigen Jahren analysiert er regelmäßig die Altersstruktur des Familienunternehmens in Sprockhövel. Er schaut sich an, wie der Altersdurchschnitt in den einzelnen Unternehmensbereichen verteilt ist – und wie sich diese Verteilung aller Voraussicht nach entwickeln wird.

Das Ergebnis: In den nächsten Jahren werden die Hälfte der 250 Beschäftigten im Produktionsbereich 50 Jahre und älter sein. Vor allem im Zentrallager steht ein Generationenwechsel bevor.

„Wenn wir zukunftsfähig sein wollen, müssen wir die Herausforderungen einer alternden Belegschaft ernst nehmen“, sagt Glowicki. „Genau deshalb beschäftigen wir uns schon heute mit Maßnahmen zum Gesundheitsmanagement, zum Wissenstransfer und zur Nachwuchssicherung.“

Branche: Produktion industrieller Räder und Reifen | Standort: Hauptsitz in Sprockhövel, 11 Standorte weltweit | Beschäftigte: ca. 900

Stand: 2017

Gesundheitsmanagement und technische Hilfsmittel für Ältere

Ohne körperliche Arbeit ist die Produktion bei Wicke nicht vorstellbar. Industriemechanikerinnen und -mechaniker, Schweißerinnen und Schweißer, Gießer – sie alle arbeiten vor allem mit dem Einsatz ihrer Muskeln. „Präventive Maßnahmen zum Schutz vor Rückenleiden sind für diese Mitarbeiter absolut essentiell“, sagt Glowicki.

Die Firma Wicke hat deshalb in technische Hilfsmittel investiert: Kräne und Hubhilfen entlasten die Mitarbeiter körperlich. An vielen Maschinen können sie sitzend oder stehend arbeiten. Außerdem bietet die Firma regelmäßig Gesundheitsschulungen an. „Wir haben sehr gute Erfahrungen mit der Kooperation mit Krankenkassen gemacht“, sagt Glowicki. „Sie verfügen über ein Netzwerk guter Referenten. Wir hatten schon Vorträge zur Gesundheitsprävention, bei denen 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anwesend waren.“

© KOFA
Denis Glowicki, Personalchef des Rollenherstellers Wicke GmbH + Co. KG

Im letzten Jahr haben wir unser Schichtsystem auf den Nachtbetrieb ausgeweitet. Wir haben dann Coachings zum Thema „Schlafen und Ernährung bei Schichtarbeit“ angeboten. Das Feedback der Mitarbeiter war sehr positiv.

Wissenstransfer und Übergabemanagement

Wer eine Altersstrukturanalyse durchführt, braucht keine Glaskugel, um in die Zukunft zu schauen. Die Zahlen des Personalchefs sprechen eine klare Sprache: In etwa zehn Jahren beginnt die Zeit der großen Austritte. Es gehen Menschen, die das Unternehmen jahrzehntelang geprägt haben. Es gehen Führungskräfte mit einer Menge Erfahrung.

„Wir wollten nicht erst anfangen, Lösungen für ein Übergangsmanagement zu suchen, wenn die ‚heiße Phase’ da ist“, sagt Glowicki. Das Unternehmen war deshalb sehr offen, als die Uni Bochum ein Programm für einen systematischen Übergang vorstellte.

Über ein halbes Jahr arbeiten die alt gedienten Fachkräfte ihre Nachfolger nun ein. Alle zwei Wochen findet gemeinsam mit der  Personalabteilung ein moderiertes Gespräch statt. Harte Fakten werden aufgeschrieben, aber auch scheinbar Banales, was sich später häufig als wichtiges Hintergrundrauschen für die Bewertung von Arbeitssituationen entpuppt. „Die letzten Übergaben waren alle problemlos“, urteilt Glowicki. „Das Verfahren funktioniert für uns.“

Rekrutierung von Nachwuchs

Die Alten gehen – und wer kommt? „In den letzten Jahren war es für uns immer schwieriger geeigneten Nachwuchs zu finden“, erzählt Glowicki. Bei den Ausbildungsplätzen sind die Bewerberzahlen deutlich zurückgegangen.“ Die Nachwuchswerbung hat deshalb für Glowicki zurzeit höchste Priorität. Im letzten Jahr hat er mehrere Schulkooperationen gestartet. „An einem Standort wie Sprockhövel bleibt es am einfachsten, den Nachwuchs direkt vor Ort anzuwerben“, meint er. Auch mit der ca. 30 km entfernten Fachhochschule in Bochum / Heiligenhaus plant er, bei der Anwerbung von Studienabbrechern zusammenzuarbeiten.

zur Unternehmenswebseite

Mehr zu diesem Thema auf KOFA.de:

Ältere

Personalplanung strategisch angehen: Nutzen Sie die Berufserfahrung der Generation 50plus und rekrutieren Sie gezielt Ältere. Ältere Fachkräfte sind leistungsfähig und gut ausgebildet. mehr

Wissens- und Erfahrungstransfer

Wissen ist eine wichtige Ressource. Maßnahmen für den Wissensaustausch sind Lerntandems oder interne Datenbanken. mehr

Umfeldanalyse

Bei der Umfeldanalyse werden Daten aus der Unternehmensumwelt ausgewertet, die für die Fachkräftesicherung von Bedeutung sind. mehr

60plus und voller Energie

"Ich bin zwar über 60. Zum Club der alten Schachteln gehöre ich aber noch lange nicht". Mit diesen Worten eröffnete ein Bewerbungsschreiben. Eine Werbeagentur hat die Kandidatin eingestellt. Ein Gespräch über ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. mehr

Qualifizierung für Flüchtling im Stahlbau

Warum nicht mal neue Wege gehen, dachte man sich bei der Firma Wurst Stahlbau, als ein nigerianischer Flüchtling um ein Praktikum bat. Inzwischen hat sie zwei nigerianische Flüchtlinge zu Schweißern ausgebildet. mehr

Flüchtlinge suchen Praktikumsplätze

Die Teilnehmer von „Integrationskursen“ absolvieren auch ein Betriebspraktikums. Eine gute Möglichkeit für Sprachschüler und Unternehmen, um sich kennenzulernen. mehr

KOFA-Studie 1/2015: Fachkräfteengpässe in Unternehmen

KOFA-Studie Fachkräfteengpässe in Unternehmen 1/2015: Altersstruktur in Engpassberufen. Viele ältere Arbeitskräfte sind bald zu ersetzen. Das kann Engpässe verschärfen. mehr

Benchmark Personal

Sie möchten Ihre Stärken und Schwächen ausloten, um Ihre Personalpolitik weiterzuentwickeln? Nutzen Sie den interaktiven Unternehmensvergleich. mehr

Dezember 2017 - Unternehmensnetzwerke

In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Arten von Unternehmensnetzwerken es gibt, wie Sie Mitglied eines Netzwerks werden können und was Sie tun müssen, um davon zu profitieren. mehr

Feedback geben