Eigene Videos erstellen

Tipps für die Eigenproduktion

Sie wollen potenzielle Fachkräfte von sich begeistern? Dann zeigen Sie sich als attraktiver Arbeitgeber und geben Sie Einblicke ins Unternehmen und den Arbeitsalltag – per Video.

Die Aufmerksamkeitsspanne von Menschen ist sehr kurz. Das zwingt Sie als Unternehmen dazu, eine Botschaft auf den ersten Blick erkennbar zu machen: Ein Video schafft es, Themen emotional zu vermitteln und komplexe Inhalte einfach und verständlich darzustellen. Außerdem nimmt das Gehirn 60.000-mal schneller visuelle Inhalte auf als textliche! Dazu kommt, dass sich unser Gehirn viel länger und leichter an visuelle Inhalte erinnern kann. Und das ist, was Unternehmen wollen: Wahrgenommen werden und im Gedächtnis bleiben. Videos sind daher in der Unternehmenskommunikation ein absolutes Muss. Eine Checkliste für Ihren Videodreh finden Sie hier:

Download Checkliste Videodreh

Extern einkaufen oder selber drehen?

Nicht jedes Unternehmen kann sich externe Video-Agenturen leisten und das ist auch nicht immer nötig. Gerade, wenn es darum geht, kurze Videos für die sozialen Medien zu drehen, sind gute selbstproduzierte Videos wunderbar authentisch.

Und mit ein wenig Übung können Sie das Format „Video“ neben Kurz-Videos für Social-Media-Kanäle oder Ihre Webseite auch an aufwendigeren Formaten versuchen: Erklär- oder Animationsvideos, Webinare, Tutorials oder gar einem Imagefilm.

Tipp „Azubiprojekt“: Oft sind es die jungen Kolleginnen und Kollegen, die mit dem Smartphone groß geworden sind, und sich deshalb mit Videoproduktion sehr leichttun. Warum ihnen nicht diese Aufgabe übergeben? Vielleicht machen Sie sogar ein Azubiprojekt daraus – so nutzen Sie die Kenntnisse Ihrer Auszubildenden und geben ihnen Projektverantwortung. Was für Schüler/-innen gut erklärt ist, ist für alle Anfänger/-innen im Bereich Videoproduktion hilfreich: Das Video-Tutorial in 7 Teilen: Videos drehen wie ein Medienprofi | Selber machen! | so geht MEDIEN (br.de)

Vor dem Videodreh

Je besser Sie sich vorbereitet haben, desto einfacher und reibungsloser wird die Videoproduktion ablaufen.

Inhaltliche Vorbereitung

Klären Sie folgende Fragen: Was wollen Sie mit dem Video erreichen? Wer ist Ihre Zielgruppe? Wie muss das Video aussehen, damit es diese Zielgruppe anspricht? Wollen Sie beispielsweise Azubis für sich gewinnen (Tipps gibt es hier: Azubimarketing: Video-Content für die Azubisuche). Auf welchen Kanälen können sie diese Gruppe mit Ihrem Video erreichen?

Mit einem Video wollen Sie Aufmerksamkeit bekommen. Grundsätzlich gilt: Eine gute Geschichte zeichnet sich durch einen Spannungsaufbau und eine emotionale Vermittlung der Botschaften aus.

Beispiele, was Sie zeigen können:

  • Testimonials: Mitarbeitende berichten über ihre Erfahrungen im Unternehmen. Tipp: Lassen Sie Ihre Mitarbeitenden möglichst frei sprechen. Legen Sie nur die Rahmenbedingungen fest: wo, wer, was?
  • Interview: Im Gegensatz zu Testimonials werden im Interview Fragen festgelegt, auf die die/der Befragte reagiert. Interview-Partner/-in kann jede/-r sein, die/der für die Zuschauenden interessant ist: Geschäftsführer/-in, Meister/-in, direkte/-r Kollege/-in, Azubi etc.
  • Arbeitsalltag: Geben Sie Einblicke in den Arbeitsalltag und ein erstes Gefühl für die Arbeitsatmosphäre in Ihrem Unternehmen. Sie können beispielsweise Ihre Beschäftigten einen Tag lang begleiten.
  • Räumlichkeiten: Sie haben eine besonders moderne Werkstatt oder einen schönen Aufenthaltsraum? Zeigen Sie diese im Video.

Storyboard erstellen

Ein Storyboard ist eine visualisierte Kurzversion eines Drehbuchs. Es erleichtert Ihnen, während der Videoproduktion den roten Faden zu behalten. Man kann zur Erstellung eines Storyboards eine Software nutzen, aber eine Skizze ist auch vollkommen ausreichend. Eine Vorlage für Ihr Storyboard finden Sie hier zum Download:

Download Storyboard-Vorlage 

Auswahl der Protagonisten

In einem Video wird offensichtlich, ob die Beteiligten wirklich mit Freude bei der Sache sind, was den Erfolg des Videos ausmacht. Holen Sie nur Mitarbeitende ins Boot, die auch glaubwürdig sind und Lust dazu haben. Und seien Sie geduldig – es ist noch kein „Hollywood“-Meister vom Himmel gefallen.

Auftaktgespräch

Jede Person, die am Film beteiligt sein wird (Darstellende, Helfende oder Technik-Verantwortliche), sollte möglichst früh in den Prozess involviert sein. Treffen Sie sich alle zu einem Auftaktgespräch und nutzen sie dieses, um den Beteiligten die Angst zu nehmen. Niemand macht gern Neues, ohne gut vorbereitet zu sein.

  • Besprechen Sie gemeinsam, welches Ziel das Video hat. Und schaffen Sie eine möglichst entspannte Atmosphäre.
  • Klären Sie grundlegende Fragen vorab: Soll die/der Interviewende zu sehen sein? Sollen die Fragen zu hören, eingeblendet sein oder in der Antwort vorkommen?
  • Sprechen Sie den Zeitplan in jedem Fall mit allen Beteiligten ab und notieren Sie das Timing schriftlich, zum Beispiel im Storyboard. Tipp: Es ist immer sinnvoll, genug Zeit-Puffer einzuplanen.

Einverständniserklärungen einholen

Lassen Sie sich von den Darstellern und Darstellerinnen im Vorfeld eine Einverständniserklärung unterzeichnen. Wie diese ausgestaltet ist, hängt davon ab, wofür alles Sie das Video nutzen wollen. Am besten lassen Sie das einmal rechtlich für sich prüfen.

Kleidung

Klären Sie das Thema Kleidung im Vorfeld ab. Grundsätzlich gilt: Die Darstellenden müssen sich wohl fühlen und authentisch rüberkommen. In der Regel macht es Sinn, auf schrille Muster oder bestimmte Farben zu verzichten. Haben Sie Nahaufnahmen geplant? Dann achten Sie auf gepflegte Touchscreens, Tastaturen, Maschinen oder Hände.

Technische Vorbereitung

Benötigtes Equipment

Als Grundausstattung reicht folgendes:

KameraMikrofonLichtSonstiges
 
  • Smartphone ab 2017, Pixel ab 1334x750
  • je neuer das Smartphone, desto besser die Kamera
  • je mehr Linsen, desto mehr Flexibilität
  • viel Speicherplatz notwendig
 
 
  • externes Mikrofon ist unbedingt notwendig
  • ein günstiges Ansteckmikrofon ist ausreichend
 
 
  • Klemmleuchte
  • Softbox oder Faltreflektoren
  • bei guten Lichtverhältnissen reicht Letzteres
 
 
  • Stative und Halterung sind immer zu empfehlen
  • Gaffer Tape, falls Sie mal was ab-, festkleben müssen
 

Bevor Sie mit dem Dreh loslegen, machen Sie sich mit der Technik, insbesondere mit der Kamera, vertraut. Stellen Sie Ihr Smartphone/Ihre Kamera richtig ein. Probieren Sie vorher unterschiedliche Lichteinstellungen und -verhältnisse aus. Wie bei allem gilt: Übung macht den Meister. Die Videoproduktion wird von Mal zu Mal einfacher. Die technischen Grundlagen stellt Ihnen eine Projektgruppe der Universität Hamburg hier vor.

Kosten

Wie teuer eine Video-Eigenproduktion wird, lässt sich nicht pauschal beantworten. Das hängt insbesondere von der Ausgestaltung und dem gewählten Equipment ab. Starten kann man aber beim Equipment mit der günstigsten Anschaffung. Der Zeit- und Personalaufwand wird mit ein wenig Übung weniger. Aspekte, die bei der Kostenplanung eine Rolle spielen, sind:

  • Einarbeitungszeit
  • Zeitaufwand
  • Personal
  • Materialkosten

Während des Drehs

Nehmen Sie sich am Drehtag genug Zeit, die Bildszenen vorzubereiten. Bei einem Interview zum Beispiel, das in Ihren Räumen stattfindet, können Sie bereits am Abend vorher alles herrichten:

  • Nutzen Sie zur Stabilisierung ein Stativ.
  • Verzichten Sie auf die Option „Steadyshot“.
  • Filmen Sie – außer bei Instagram Stories – nur im Querformat.
  • Verzichten Sie auf den Zoom und gehen Sie sparsam mit Schwenks um.
  • Nutzen Sie das Bildverhältnis 3:4 oder 16:9.
  • Nutzen Sie zur Bildgestaltung das Prinzip des „Goldenen Schnitts“.
  • Bleiben Sie offen und flexibel, wenn etwas nicht klappt.

Hunger und Durst sind keine guten Dreh-Begleiter: Sorgen Sie dafür, dass es Speisen und Getränke für alle Teilnehmenden gibt. Und verlieren Sie bei einer Videoproduktion nie den Spaß aus den Augen, denn das ist es, was man im Ergebnis unweigerlich immer sieht.

Nach dem Dreh

Nun kommt die Nachbearbeitung: Das Video muss geschnitten, eventuell vertont und bearbeitet werden. Machen Sie sich bereits im Vorfeld mit der Schnittsoftware, die Sie verwenden möchten, vertraut. Nicht für jedes Videos benötigen Sie eine Schnittsoftware. Instagram Stories werden häufig ohne Schnitt veröffentlicht. Falls Sie Ihr Video jedoch schneiden wollen, suchen Sie sich eine Schnittsoftware, die Ihren Fähigkeiten und Ansprüchen entspricht. Es gibt auch kostenlose Schnittsoftware, die oft für die einfache Videoproduktion ausreichend ist: Zum Beispiel iMovie, VSDC Free Video Editor oder Shotcut. Vergessen Sie beim Schnitt nicht, dass die Aufmerksamkeitsdauer von Zuschauenden eher gering ist, also gilt für den Film: Lieber kurz als lang! Passen Sie die Länge des Videos vor allem dem Kanal an, auf dem Sie es ausspielen wollen.

Musik – ja oder nein? Hintergrundmusik spricht die Gefühlslage der Zuschauenden an und unterstützt die Wahrnehmung von Inhalten. Die Einbindung von Musik kann aber auch aufwändig sein und sollte daher gut überlegt werden. Bei kurzen Videos, wie in den Instagram Stories, kommen Sie gut ohne Musik aus. Die Musik sollte das Gesprochene nicht überdecken oder gar dominieren.

Hinweis: Wer legal Musik für seine Videos verwenden möchte, braucht immer eine Lizenz, und die der GEMA ist oft teuer. Beispiele für Anbieter, die GEMA-freie Musik in unterschiedlichen Lizenzpaketen oder kostenfrei anbieten, sind: audiohub, AudioJungle, dig.ccMixter, EverMusic, PremiumBeat, TerraSound.

                             

                                                                                                                                                                                                                                                                           zuletzt aktualisiert: August 2021

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