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KOFA-Studie 3/2020: Kulturelle Vielfalt in Unternehmen

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Wie sind Unternehmen bei der Förderung kultureller Vielfalt bereits aufgestellt? Welche Erfahrungen haben sie mit der Beschäftigung von Menschen mit Migrationshintergrund gemacht und wie reagieren sie auf besondere Unterstützungsbedarfe dieser Menschen? Antworten auf diese Fragen liefert die neue KOFA-Studie 3/2020.

Aktuell leben mehr als 21 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Menschen also, die nicht in Deutschland geboren sind bzw. keine deutsche Staatsangehörigkeit besitzen oder von denen mindestens ein Elternteil eine dieser Bedingungen erfüllt. Wegen des demographischen Wandels zeichnen sich Fachkräfteengpässe in vielen Bereichen ab. Deutschland ist damit mehr denn je darauf angewiesen, dass die Integration von Menschen mit ausländischen Wurzeln gelingt. Unternehmen können dazu beitragen und kulturelle Vielfalt in ihrem Unternehmen fördern bzw. systematisch gestalten. Ziel sollte es sein, gute Arbeitsbedingungen gleichsam für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund zu schaffen.

Wie weit Unternehmen hier bereits sind und kulturelle Vielfalt in ihrem Unternehmen aktiv fördern, wurde in der vorliegenden KOFA-Studie untersucht. Zudem gibt die Studie Einblicke in die Erfahrungen, die Unternehmen mit der Beschäftigung von Menschen mit Migrationshintergrund gesammelt haben. Grundlage hierfür war eine repräsentative Unternehmensbefragung aus dem Sommer 2019. Im Rahmen des IW-Personalpanels wurden 1.259 Unternehmen online zu ihren Erfahrungen mit kultureller Vielfalt in ihren Unternehmen befragt.

Zentrale Ergebnisse der Unternehmensbefragung zur kulturellen Vielfalt in Unternehmen

Die Mehrheit der Unternehmen in Deutschland beschäftigt Menschen mit Migrationshintergrund

Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen mit Migrationshintergrund sind in deutschen Unternehmen eher die Regel als die Ausnahme. Mehr als jedes zweite Unternehmen beschäftigt aktuell Menschen mit Migrationshintergrund oder hat sie in den letzten drei Jahren beschäftigt.

Vom Fachkräftemangel betroffene Unternehmen beschäftigen häufiger Menschen mit Migrationshintergrund

Unternehmen mit Schwierigkeiten bei der Personalbeschaffung beschäftigen häufiger Menschen mit Migrationshintergrund als nicht vom Fachkräftemangel betroffene Unternehmen. Mehr als jedes dritte Unternehmen profitiert zudem davon, freie Stellen oder Ausbildungsplätze mit Menschen mit Migrationshintergrund besetzen zu können.

Vielfalt zahlt auf eine starke Arbeitgebermarke ein

Unternehmen geben als Vorteil der Beschäftigung von Menschen mit Migrationshintergrund am häufigsten an, dass sie dadurch auch gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und sich als attraktiver Arbeitgeber positionieren können. Rund jedes zweite Unternehmen bejaht diese Motive. Knapp jedes dritte Unternehmen gibt zudem an, durch die Beschäftigung von Menschen mit Migrationshintergrund bei der Ansprache von internationalen Kunden erfolgreicher zu sein. Somit gehen soziale und ökonomische Vorteile der Vielfalt Hand in Hand.

Unternehmen wünschen sich mehr Bewerbungen von Menschen mit Migrationshintergrund

Viele Unternehmen würden gerne mehr Menschen mit Migrationshintergrund einstellen, erhalten aber oftmals nicht genügend Bewerbungen. Auffällig hierbei ist: Unternehmen, die bereits Erfahrung mit der Beschäftigung von Menschen mit Migrationshintergrund haben, berichten seltener von Schwierigkeiten geeignete Kandidatinnen und Kandidaten zu finden.

Betriebliche Maßnahmen zur Förderung kultureller Vielfalt ist Thema in vielen Unternehmen

Zwei von fünf Unternehmen haben bereits eine durch kulturelle Vielfalt geprägte Unternehmenskultur etabliert. Demnach haben sich bereits viele Unternehmen mit dem Thema auseinandergesetzt und stehen einer kulturell vielfältigen Belegschaft offen gegenüber. Zudem fördert mehr als jedes dritte Unternehmen die kulturelle Vielfalt über die Bildung kulturell gemischter Arbeitsteams. Viele Unternehmen sind bereit, ihren Mitarbeitenden mit Migrationshintergrund Zugeständnisse zu machen, sie z. B. für religiöse Feierlichkeiten freizustellen, Gebetsräume einzurichten oder ein fleischloses Kantinenessen anzubieten.

Bürokratische Hemmnisse und Unsicherheit beim Integrationserfolg schrecken ab

Aufenthaltsrechtliche Restriktionen und das fehlende Wissen der Unternehmen, wie Menschen mit Migrationshintergrund gezielt in die Unternehmen integriert werden können, sind ein zentrales Einstellungs- und Beschäftigungshemmnis. Mehr als jedes zweite Unternehmen scheint unsicher, inwieweit Menschen mit Migrationshintergrund beschäftigt werden dürfen und drei von zehn fehlen Kenntnisse, wie eine erfolgreiche Integration in das Unternehmen gelingt.

Erfahrungen mit der Beschäftigung reduzieren erwartete Herausforderungen

Insgesamt sehen Unternehmen, die bereits Erfahrungen mit der Zielgruppe gesammelt haben, weniger Herausforderungen bei der Beschäftigung von Menschen mit Migrationshintergrund als Unternehmen ohne Erfahrung. So geben Unternehmen, die bereits Menschen mit Migrationshintergrund beschäftigen, deutlich seltener an, dass fehlendes Integrationswissen für sie ein Einstellungs- und Beschäftigungshemmnis darstellt. Dies lässt darauf schließen, dass die erwarteten Beschäftigungshemmnisse die tatsächlichen übersteigen und eine Beschäftigung erwartete Hemmnisse ausräumt und den Blick stärker auf die Potenziale und positiven Ergebnisse lenkt.

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