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KOFA-Studie 2/2019: Fachkräfteengpässe in Unternehmen

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Fachkräftesicherung in Deutschland - diese Potenziale gibt es noch

Fachkräfteengpässe nehmen weiter zu

Im Jahr 2018 gab es in 391 von 753 betrachteten Berufen Fachkräfteengpässe. Dadurch waren insgesamt acht von zehn der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Stellen (79 Prozent) in Engpassberufen ausgeschrieben.

In welchen Berufen sind qualifizierte Fachkräfte besonders knapp?

Die meisten Top-10-Engpassberufe für Fachkräfte und Akademiker sind gewerblich-technische oder naturwissenschaftliche Berufe. Zu den Top-10-Engpassberufen für Spezialisten mit Fortbildungsabschluss (beispielsweise Meister und Techniker) zählen insbesondere männertypische Berufe in der Ver- und Entsorgung, im Tiefbau sowie der spanenden Metallbearbeitung.

Die Top-10-Engpassberufe für Spezialisten mit Fortbildungsabschluss sind überwiegend frauentypische (Gesundheits-)Berufe. Auch Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung zum Beispiel in der Altenpflege fehlen. Die Altenpflegefachkraft gehört zudem schon sehr lange zu den Engpassberufen und weist einen flächendeckenden Fachkräftemangel auf.

Welche inländischen Potenziale gibt es noch, um Fachkräfteengpässen entgegenzuwirken?

Arbeitslose Frauen und Männer haben im Durschnitt den gleichen Bildungsstand. Frauen neigen jedoch häufiger als Männer dazu, sich für Tätigkeiten unterhalb ihres formalen Qualifikationsniveaus zu bewerben. Dies gilt für Frauen mit Berufsabschluss ebenso wie für Akademikerinnen. Männer hingegen bewerben sich öfter für Tätigkeiten, die über ihrem formalen Qualifikationsniveaus liegen.

In einigen Engpassberufen für Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung bietet die Qualifizierung von arbeitslosen An- und Ungelernten ein großes Potenzial für die Fachkräftesicherung. Denn, es gibt deutlich mehr arbeitslose Helferinnen und Helfer als nachgefragt werden. In insgesamt 30 der 204 Engpassberufen für Personen mit Berufsabschluss ließe sich so die Fachkräftelücke stark verringern oder sogar schließen. 

Unter den Engpassberufen für Spezialisten mit Fortbildungsabschluss befinden sich viele frauentypische (Gesundheits-)Berufe. Frauen nehmen jedoch seltener an Fortbildungsprüfungen teil als Männer. (Berufsbegleitende) Weiterbildungsmöglichkeiten können daher zur Fachkräftesicherung beitragen. Insbesondere Müttern hilft es, wenn sie für die Teilnahme freigestellt werden. Denn so kann die Qualifizierung ohne zusätzliche Belastung in den Arbeitsalltag integriert werden.

Insbesondere in Berufen, in denen viele Frauen arbeiten, ist der Anteil der Teilzeitbeschäftigten sehr hoch. Doch auch bei Beschäftigten, die keine Vollzeitbeschäftigung wünschen, können flexible Arbeitszeiten zu einem größeren Arbeitszeitvolumen, d.h. zu einer Erhöhung des Stundenumfangs beitragen. In männertypischen Berufen, in denen Teilzeitbeschäftigung vergleichsweise wenig verbreitet ist, können zusätzliche Teilzeitstellen genutzt werden, um neue Zielgruppen zu gewinnen.

Bedarfsgerechte Berufsorientierung für die langfristige Fachkräftesicherung

Viele Jugendliche orientieren sich bei der Berufswahl an späteren Beschäftigungschancen. Daher ist es wichtig, die optimalen Beschäftigungsperspektiven und das geringe Arbeitslosigkeitsrisiko in Engpassberufen, deutlich zu machen. 

Fachkräfteengpässe sind fast ausschließlich in geschlechtertypischen Berufen zu finden, das heißt in Berufen, die mehrheitlich von Frauen oder Männern ausgeübt werden. In Berufen in denen Jungen und Mädchen gleichermaßen ausgebildet werden, bestehen dagegen keine Engpässe. Daher ist es wichtig, bereit im Rahmen der Berufsorientierung Geschlechterklischees zu überwinden.

Tipp:
Die wichtigsten Ergebnisse der Studie präsentiert Dr. Lydia Malin (Autorin der Studie) in diesem Video-Interview.

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