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KOFA-Studie 2/2018: Fachkräfteengpässe in Unternehmen

Kleine und mittlere Unternehmen finden immer schwerer Fachkräfte und Auszubildende

Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung untersucht regelmäßig die Fachkräftesituation am deutschen Arbeitsmarkt. Die Kernfrage der Studien lautet: In welchen Berufen fehlt es an Fachkräften? Welche Regionen sind besonders betroffen? Die neueste KOFA-Studie „Fachkräfteengpässe in Unternehmen - Kleine und mittlere Unternehmen finden immer schwerer Fachkräfte und Auszubildende“ untersucht, wie sich die Fachkräftesituation in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) entwickelt. Die Fachkräfteengpässe nehmen weiter zu, dabei stehen insbesondere Ausbildungsberufe im Fokus. Das Ausbildungsangebot in den Berufen mit starken Fachkräfteengpässen ist zwar gestiegen, dennoch muss stärker um Nachwuchs und neue Zielgruppen geworben werden.

Fachkräfteengpässe verschärfen sich weiter - KMU sind besonders betroffen

Die Fachkräfteengpässe haben im vergangenen Jahr weiter zugenommen. Von allen offenen Stellen entfallen 72 Prozent auf Engpassberufe. Die Hälfte dieser Stellen ist schon seit mindestens fünf Jahren schwer zu besetzen, somit betrifft der Fachkräftemangel immer mehr Bereiche und Regionen. Eines der Kernergebnisse der Studie ist: Während in Berufen, die typischerweise in Großunternehmen benötigt werden, schon seit längerem Engpässe bestehen, sind in den letzten Jahren auch immer mehr typische KMU-Berufe dazugekommen. Während 2012 nur vier von zehn der KMU-typischen Berufe als Engpassberufe galten, waren es fünf Jahre später sieben von zehn. Aufgrund ihrer begrenzten personellen und finanziellen Mittel haben KMU es allerdings auch im Wettbewerb mit Großunternehmen immer schwerer ihre Stellen zu besetzen. 

Fachkräfte mit Berufsausbildung im Fokus

Zwei Drittel aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiten in KMU. Doch nicht alle Qualifikationen werden hier gleichermaßen benötigt: In KMU sind vor allem Personen mit Berufsausbildung beschäftigt. 70 Prozent aller Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung arbeiten in Betrieben mit weniger als 250 Mitarbeitern. Auf der anderen Seite sind nur 56 Prozent aller Akademiker in KMU tätig. Ein Grund hierfür ist, dass Tätigkeiten für Akademiker eher in großen Unternehmen benötigt werden, während insbesondere handwerkliche Berufe in KMU ausgeübt werden. Gerade in handwerklichen Ausbildungsberufen sind jedoch die Engpässe besonders groß. Insgesamt rückt der Mangel an Fachkräften mit Berufsausbildung zunehmend in den Fokus. Daher verdeutlicht die neue KOFA-Studie noch einmal die Relevanz der betrieblichen Ausbildung für die Fachkräftesicherung in KMU.

In Engpassberufen entwickelt sich das Ausbildungsangebot gegen den Trend

Mit 48.900 unbesetzten Ausbildungsplätzen gab es im Ausbildungsjahr 2016/2017 einen neuen Negativrekord. Gleichzeitig erhielten 27.300 Bewerber keinen Ausbildungsplatz. Das Matching zwischen Ausbildungsinteressierten und Ausbildungsplätzen sollte demnach verbessert werden. Gleichzeitig gilt es, wieder mehr Schülerinnen und Schüler für die duale Ausbildung zu gewinnen. Gerade angesichts der steigenden Engpässe bei beruflich Qualifizierten sind allerdings auch die Unternehmen in der Pflicht, sich in der Ausbildung von Nachwuchskräften noch stärker zu engagieren. Denn in den letzten 10 Jahren hat sich die Zahl der ausbildenden Kleinstbetriebe mit weniger als zehn Beschäftigten um 80.000 verringert. Insgesamt ist das Angebot an Ausbildungsstellen in Berufen ohne Fachkräfteengpässe seit 2012 um 9,3 Prozent gesunken. In Engpassberufen reagieren die Unternehmen auf Engpässe: In Berufen mit starken Fachkräfteengpässen ist das Angebot an Ausbildungsstellen seit 2012 um 13,4 Prozent gestiegen. Außerdem bleiben hier weniger Ausbildungsbewerber ohne Ausbildungsplatz.

Beschäftigung in KMU und duale Ausbildung müssen attraktiver werden

Die niedrigen Ausbildungszahlen lassen sich durch die immer weniger werdenden Schulabgänger und deren gestiegener Studierneigung erklären. Um als Ausbildungsbetrieb dennoch auf sich aufmerksam zu machen, können KMU in den Auf- und Ausbau ihrer Arbeitgebermarke investieren. Politische Akteure können KMU außerdem unterstützen, indem in Schulen die Berufsberatung intensiviert wird, wo über Ausbildung und Studium als gleichwertige Bildungsalternativen informiert wird. Zudem müssen neue Zielgruppen wie zum Beispiel Geflüchtete und Menschen mit Lernschwierigkeiten angesprochen werden.

Tipp: Researcher Paula Risius fasst im Video-Interview die wichtigsten Ergebnisse der Studie zusammen.

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