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Transkript: Folge 56

KOFA auf dem Sofa: Schmutzig und kalt – wer möchte diese Jobs noch machen?

Sibylle: 
Lieber Jens, zieh die Gummistiefel an, komm und vergiss die Handschuhe nicht. Heute packen wir so richtig an.

Jens: 
Ei, ei, ei. Also stellen Sie sich mich heute bitte mal so ein bisschen im Friesennerz vor, mit gelben Gummistiefeln, mit Handschuhen auch noch dazu. Passend eigentlich irgendwie zum Herbstwetter da draußen. Wobei wir ja die Montur nicht dafür brauchen, wenn ich das richtig sehe, sondern eben aus einem ganz anderen Grund, Sibylle.

Sibylle: 
Pass auf, heute beschäftigen wir uns mit Jobs, die nur noch wenige machen möchten. Um genau zu sein, weil es sich dabei um Jobs handelt, bei denen man sich auch mal schmutzig machen kann, bei denen es auch mal echt ungemütlich und kalt wird.

Jens: 
Ja, ja. Das sind diese Momente, in denen ich ganz ehrlicherweise froh bin, dass ich so ein schönes warmes Büro habe. Bei mir regnet es relativ selten, ich stehe nicht mit den Knien im Matsch. Trotzdem hat natürlich nicht jeder diese Möglichkeit, im warmen Büro zu bleiben, sondern wir müssen eigentlich auch verdammt froh sein, dass es Menschen gibt, die für uns rausgehen oder sich eben auch mal die Finger und die Füße schmutzig machen. Denn wenn es diese Menschen nicht geben würde, dann hätten wir schließlich hier in Deutschland auch ein großes Problem.

Sibylle: 
Auf jeden Fall. Also ich denke da mal, heute Morgen kam hier wieder die Müllabfuhr durch die Straße gerattert. Wenn die Abwasserwirtschaft nicht wäre, was wäre dann hier mit unserem sprudelnden Wasser aus dem Wasserhahn? Das wäre dann auch nicht mehr so schön. Ja, oder an welche Berufe denkst du noch? Was fällt dir noch ein?

Jens: 
Also ganz ehrlich, ich sage immer, ein Job, den ich nicht machen wollen würde, ist Müllabfuhr. Und zwar deshalb. Müllabfuhr, vielleicht Papiermüll und so würde ich dann machen. Gelber Sack wäre so grenzwertig. Biomüll, da wäre ich raus. Also Biomüll im Sommer ist die Höchststrafe.

Sibylle: 
Okay, also mit dem Geruch, das wäre für dich ein Problem.

Jens: 
Mit dem Geruch, ja. Oder wenn du es halt in der Biomülltonne schon arbeiten hörst im Sommer, wenn da diese weißen kleinen Maden drin unterwegs sind. Oder was ich auch ganz beeindruckend fand: Letzte Woche war es, glaube ich, im Fernsehen, bei Welt oder NTV oder so, habe ich es gesehen. Da war eine Dokumentation über Hochseefischer. Hochseefischer, die eine Woche oder teilweise sogar Monate rausfahren bei Wind und Wetter. Denen fliegt da die Gischt um die Ohren und der Wind und weiß der Fuchs, was noch alles. Und die sind halt ewig nicht zu Hause. Und auch wirklich so, dass du das Gefühl hast, die laufen den ganzen Tag in klamm gefrorener, nasser Kleidung rum. Da denke ich mir, boah, also nee, wenn es nicht sein muss, dann würde ich darauf verzichten wollen.

Sibylle: 
Ja, verstehe ich. Obwohl man ja auch irgendwie denken kann: Oh Mann, das ist ja auch irgendwie große Freiheit. Man hat nicht die ganze Zeit die Chefin da stehen, die sagt, jetzt mach hier noch mal die Papiere fertig oder so was. Also das kann man vielleicht auch aus verschiedenen Perspektiven angucken. Ich denke, bei mir wäre so ein Job, den ich auf gar keinen Fall machen wollen würde, wenn ich jetzt an die Rückfahrt aus dem Urlaub denke, Berufskraftfahrerin. Also den ganzen Tag da im Lkw sitzen, im Stau stehen. Selbst wenn ich mir da mein Kabinchen mit Orientteppichen und so ein paar Lichterketten einrichten könnte.

Jens: 
Da bist du aber ein bisschen nah am Klischee dran, findest du nicht?

Sibylle: 
Ja, von vornherein vielleicht. Aber da kann man ja auch sagen, ach Mensch, die können ihren Gedanken vielleicht nachgehen. Gibt bestimmt auch Argumente dafür. Aber für mich wäre das überhaupt gar nichts.

Jens: 
Im Grunde genommen ist es aber nichts anderes als unser Job, wenn wir im Büro sitzen, nur dass die halt unterwegs sind. Allerdings muss man sagen: mit Termindruck natürlich auch. Das ist eine Sache. Die können halt zwischendrin nicht aufstehen, das geht auf den Rücken. Das ist auch nicht gesund auf Dauer, könnte ich mir so vorstellen. Was mir auch noch einfällt: Ich habe mal jemanden kennengelernt, der Ex-Freund meiner Schwester hat Windkraftanlagen montiert. Da stehst du dann irgendwie in 150 Metern Höhe oder so. Auch da pustet dir der Wind um die Ohren. Du bist nur durch so ein Drahtseil gesichert, offshore am liebsten noch. Oder Bohrinsel. Also Bohrinsel wäre mir auch nichts. Auch das stelle ich mir sehr, sehr schmutzig vor.

Sibylle: 
Also der Vater von einer Kindergartenfreundin meiner Tochter ist Industrietaucher. Und was man da sagen muss: Der hat natürlich diese Zeiten, wo er nicht zu Hause ist. Aber wenn er da ist, hat er auch frei, und zwar richtig lange am Stück. Und der ist auch körperlich total fit, einfach weil das für den Beruf so sein muss. Das hat eben auch so seine coolen Seiten. Aber tatsächlich so lange weg von der Familie und dann bei Wind und Wetter, wäre auch nichts für mich. Und liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, ich bin mir sicher, Sie haben auch so Ihre Jobs, bei denen Sie denken: auf gar keinen Fall.

Jens: 
Ja, also es ist natürlich klar, dass man, wenn man in diesen Bereichen Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter finden möchte, das schon irgendwie ein hartes Brot ist. Sagt ja schließlich niemand: Juchehe, auf in die Kläranlage. Also dass da Menschen zu finden, die sagen, das ist jetzt hier mein Traumjob, den möchte ich unbedingt machen, das ist, glaube ich, schon wirklich harte Arbeit.

Sibylle: 
Ja, und weißt du, woran das, glaube ich, liegt? All die Berufe, die wir hier aufzählen, die kennen wir ja nur total an der Oberfläche. Ich sehe den Berufskraftfahrer da im Auto sitzen, wir stellen uns irgendwie vor, wie ist das auf hoher See, wir fahren an der Baustelle vorbei und denken, boah, alle, die da arbeiten, haben es im Winter superkalt, im Sommer total heiß, es ist jeden Tag schmutzig, anstrengend, dreckig. Und ich glaube, das ist ein Teil des Problems. Dass wir Bilder im Kopf haben, die oft gar nicht so viel mit der Realität zu tun haben, die aber dazu führen, dass bestimmte Branchen ein echt schlechtes Image haben. Und das hat dann eben auch für die Arbeitgeber in diesen Branchen ganz reale Auswirkungen. Wenn man mal auf den DIHK-Fachkräftereport guckt, da sagen 66 Prozent der Unternehmen der Bauwirtschaft, dass sie Probleme haben, Stellen langfristig zu besetzen, Stand 2021. Das ist halt echt ein Thema.

Jens: 
Jetzt ist das natürlich ein Problem. Also ich meine, wir wollen in diesem Land gerne klimaneutral werden, lieber heute als morgen. Dafür brauchen wir logischerweise Windkraftanlagen. Einer dieser Jobs, die möglicherweise nicht ganz so beliebt sind: diese Anlagen irgendwo draußen in der Prärie zu montieren und hochzuklettern und vielleicht sogar sein Leben zu riskieren. So stellt man sich das zumindest vor. Das heißt also, wenn die keiner baut, dann haben wir auf der einen Seite ein Problem mit der Energiewende und natürlich auch noch eine zusätzliche Verstärkung des Fachkräftemangels.

Sibylle: 
Genauso ist es. Und tatsächlich können wir beobachten, dass die Fachkräftelücken in den Bereichen, die wir für den Klimawandel oder eigentlich für Klimaneutralität unbedingt brauchen, besonders groß sind. Sagen wir mal Sanitär, Heizung, Klimatechnik, das sind zum Beispiel die, die Wärmepumpen einbauen. Da sind im Moment 14.000 Stellen deutschlandweit offen, für die es keine passend qualifizierten Arbeitslosen gibt. Also selbst wenn die Arbeitslosen, die es da gibt, bereit wären, von Buxtehude nach Garmisch-Partenkirchen zu ziehen. Es gibt nicht genug Menschen hier im Land, die diese Jobs machen können. Auch im Rohrleitungsbau sind 1.000 Stellen offen, die nicht besetzt werden können. In der Wasserversorgung, Abwassertechnik, Forstwirtschaft und Landwirtschaft sieht es ähnlich dramatisch aus.

Jens: 
Also mal ein ganz konkretes Beispiel. Klar, Wärmepumpe ist jetzt ein ganz großes Thema, auch Photovoltaik und all diese Sachen, die so zur Klimaneutralität beitragen sollen. Aber meine Freundin zum Beispiel, da ist vor zwei Monaten der Siphon am Waschbecken durchgerostet. Das ist jetzt wirklich ein Pillepallebeispiel, aber die Hausverwaltung hat es bisher nicht geschafft, mal einen Handwerker vorbeizuschicken. Nicht, weil sie nicht gewollt hätten, sondern weil die alle beschäftigt sind. Da kommt niemand vorbei und tauscht mal eben so einen Siphon aus. Was aber dazu führt, dass man das Waschbecken im Bad jetzt seit zwei Monaten nicht mehr benutzen kann.

Sibylle: 
Ich glaube, solche Beispiele kennen wir inzwischen alle. Der Fachkräftemangel ist auch bei uns im Alltag angekommen. Und es gibt so ein bisschen Hoffnung. Meine Kolleginnen haben gerade eine Studie rausgebracht, die heißt Wider den Trend. Und da kann man sehen, dass gerade in Berufen, in denen wir jetzt schon länger Fachkräftemangel haben, und eben auch in Berufen, die für unsere Klimawende so wichtig sind, immer mehr junge Menschen sich für Ausbildungsplätze interessieren. Nehmen wir mal hier den Bereich Tiefbau. Da hat die Ausbildungsplatznachfrage von 2016 bis 2021 um 42 Prozent zugenommen. Und auch bei Sanitär-Heizungsbauern besteht Hoffnung für deine Freundin, wenn sie noch ein paar Jahre wartet. Da sind nämlich 20 Prozent mehr junge Menschen, die sich für Ausbildungsplätze interessieren. Und wenn die erst mal fertig sind mit der Ausbildung, dann kann man sich auch die Hände waschen.

Jens: 
Ich verstehe. Was mir auch aufgefallen ist: Also zum Beispiel der Metzger, mein Fleischer, der hat gefühlt auch immer größere Sorgenfalten auf der Stirn. Da scheint es auch schwierig zu sein in dem Bereich.

Sibylle: 
Ja, warte mal. Ich glaube auch so gefühlsmäßig, dass du da richtig liegst. Aber ich gucke mal gerade auf die virtuelle Karte, die wir im Netz bei kofa.de haben. Fleischverarbeitung wäre das dann, glaube ich, als Beruf. Ja, und da sieht man hier, oh ja, die Karte färbt sich. Und zwar bleibt sie nicht grau, das würde bedeuten, es gibt keine Lücke, sondern die ist ganz schön bunt gemustert. Ich sehe, in fast allen Arbeitsagenturbezirken gibt es hier ein Problem. Da sind nicht genug Fachkräfte, die die Stellen ausfüllen können. Aber hier sehe ich eine Ausnahme im Westen: Kreis Mettmann, da gibt es kein Problem. Herzlichen Glückwunsch, Mettmann. Schön. Mettmann Fleischerei, euch geht die Wurst nicht aus. Aber da können Sie mal vorbeigucken, wenn Sie sich für die Berufe interessieren. Ist ganz interessant.

Jens: 
Jetzt lässt sich doch aber an der Art der Arbeit nicht wirklich viel ändern. Also schmutzig bleibt halt schmutzig, nass und kalt bleibt nass und kalt. Ich kann ja jetzt keine Straße drinnen bauen oder so was. Das lässt sich halt nicht vermeiden. Was können dann aber diese Unternehmen trotzdem tun, um dieses Schmutzig-und-kalt-Image wegzubekommen?

Sibylle: 
Ich glaube, in erster Linie geht es darum, mal aufzuklären darüber, wie die Berufe wirklich sind. Und das geht natürlich am besten mit echten Einblicken in die Praxis. Da habe ich heute ein Beispiel mitgebracht vom Rohrleitungsbauverband. Die haben sich nämlich den YouTuber Tomatolix geschnappt, sage ich mal. Der hat extrem viele Follower, ist supergut vernetzt und kommt bei jungen Menschen an. Bevor ich jetzt viel weitererzähle, hören wir doch mal, was Mario Jahn vom Rohrleitungsbauverband RBV dazu sagt.

Mario: 
Als einen Teil dessen, was wir als wichtigen Punkt identifizieren, indem wir nämlich verstanden haben, dass wir schlichtweg in großer Konkurrenz mit anderen Branchen stehen. Wir und die Unternehmen müssen sich und unsere Branche sichtbarer machen, die Bedeutung und die Vielseitigkeit aufzeigen und auch die Chancen, die spannenden Technikthemen zeigen und das möglichst wieder mit authentischen Sprachrohren verbinden.

Jens: 
Ja, also wie eben zum Beispiel den von dir zitierten YouTuber Tomatolix mit mehr als 750.000 Abonnenten, die er hat. Da erreicht man auf jeden Fall sehr gut und sehr zielgerichtet die Zielgruppe, würde ich mal sagen.

Sibylle: 
Ganz genau. Und Mario Jahn hat uns außerdem noch verraten, was der RBV tun möchte, um das Berufsbild Rohrleitungsbauer in Zukunft noch besser auf die Agenda von Absolventen zu bringen.

Mario: 
Wir werden noch verstärkt auf den betreffenden Social-Media-Kanälen darüber berichten, was die Leitungsbauer tatsächlich tun, und damit breiter in die Öffentlichkeit bringen, und zwar möglichst authentisch. Der YouTuber Tomatolix bringt das in seiner Reportage Einen Tag lang Rohrleitungsbauer klasse rüber und hat großes Interesse geweckt, wie sich auch in den Kommentaren ablesen lässt. Zudem stellt er darin selber fest, wie wichtig die Arbeit ist und förmlich bis in unsere Wohnungen hineinreicht, nämlich über Licht, Wärme, Baden, Duschen und natürlich auch WLAN beziehungsweise die Internetverbindung.

Jens: 
Und ich glaube, das ist jetzt wirklich der entscheidende Punkt. Wenn ich an meinen dreizehnjährigen Sohn denke und mir vorstelle, der ist eine halbe Stunde ohne Internet, dann kannst du da zugucken, wie die Laune schlechter wird. Und vielleicht überlegt auch der sich dann eher, Rohrleitungsbauer zu werden, bevor das Internet in irgendeiner Form in Gefahr kommt.

Sibylle: 
Genau. Es sind hochrelevante Berufe, die für das Funktionieren unserer Gesellschaft total wichtig sind oder eben für das Funktionieren der eigenen Freizeitbetätigung. Also wenn ich mir vorstelle, ein paar Tage ohne warmes Wasser, puh, wäre nicht machbar. Aber das ist vielen eben nicht bewusst. Und das herauszustellen, also auf den Sinn der Berufe zu setzen, das ist, glaube ich, ein guter Tipp, den wir hier an der Stelle mal weitergeben wollen.

Jens: 
Das ist ja, glaube ich, diese Generation Z, die da ganz andere Befindlichkeiten hat als wir vorher. Wir hatten ganz andere Themen. Aber wir brauchen all diese Berufe natürlich ganz unbedingt, gerade jetzt, wo es darum geht, ganz viele Krisen zu managen. Wir stehen hier ganz akut in der Energiekrise, wir haben einen Klimawandel, der ja nicht aufhört, wir haben den Anbau von Lebensmitteln, der in den letzten Jahren und auch dieses Jahr, das hat sich ja ganz deutlich gezeigt, nicht gerade leichter geworden ist. Und wir haben auch eine Mobilitätswende irgendwie zu meistern. Es gibt also sehr, sehr viel zu tun. Und dafür braucht es diese zukünftigen Fachkräfte.

Sibylle: 
Das haben auch meine Kolleginnen in dieser Studie Wider den Trend, die ich eben schon erwähnt habe, noch mal untersucht. Sie haben sich gefragt, woran es denn liegt, dass in bestimmten Ausbildungsberufen die Nachfrage steigt. Und sie finden mehrere Antworten.

Das eine ist, dass diese Berufe durch den langen Fachkräftemangel, den es dort schon gibt, sehr sicher sind und deshalb attraktiv. Weil man einfach weiß: Da werde ich gesucht, da werde ich gebraucht, da komme ich gut unter.

Aber eben auch dieses Argument der Bewältigung der aktuellen Herausforderungen, vor denen wir stehen. Das spricht zum Beispiel dafür, dass wir mehr Dachdeckerinnen und Dachdecker in diesen Ausbildungsberufen finden, weil die eben Solarpaneele anbringen müssen. Oder bei den Sanitär- und Heizungsbauern, das Thema Wärmepumpen hatten wir schon.

Auch wenn man auf die Gehaltsstruktur in den Berufen guckt, die attraktiver werden und die wir für den Klimawandel brauchen, sieht man, dass man da oft ein Median-Gehalt hat, das mindestens so hoch ist wie in anderen Berufen. Und das ist natürlich auch ganz relevant für die Berufswahl am Ende.

Jens: 
Das heißt also, dass am Ende dieses Thema schmutzig und kalt gar nicht so ganz im Vordergrund steht, sondern eigentlich eher, man könnte sagen, die gefühlte Beliebtheit eines Jobs. Dass man das Gefühl hat, man macht etwas Sinnvolles, man macht etwas, was irgendwie nützt. Und natürlich auch das Gehalt irgendwo. Und wenn du sagst, das fällt jetzt nicht mehr so stark ab, wie man vielleicht unterstellen würde, dass man da so schlecht verdient, dann ist der Imagewandel zumindest in manchen Branchen gerade voll im Gange.

Sibylle: 
Richtig. Da gibt es auch eine ganz interessante Befragung vom Institut für Demoskopie Allensbach. Die ist aktuell vom April dieses Jahres und auch repräsentativ für die deutsche Bevölkerung. Die haben noch mal geguckt, wie sich das Image der Bauindustrie gewandelt hat. Und sie sagen, das wandelt sich, und zwar zum Guten. In keiner anderen Industrie oder Branche verzeichneten sich in den vergangenen Jahren so klare Imagezuwächse, sagen da die Studienautoren.

Ich denke, das liegt auf jeden Fall zum großen Teil daran, dass uns einfach bewusst geworden ist, wie wichtig das ist. Wir brauchen Wohnungen, wir brauchen veränderte Bausubstanz im Grunde genommen, durch Aufrüstung gegen den Klimawandel und so weiter. Damit sind natürlich auch diese Berufe stärker in die mediale Präsenz gerückt. In der Tagesschau wird berichtet, dass da Bedarf besteht und so. Also: Was beeinflusst uns bei der Berufswahl?

Jens: 
Klar. Also wir sind jetzt hier so was wie der Podcast zum Anpacken. Wir sind ja hier die Macher, wir geben Ihnen ganz persönliche Tipps mit an die Hand, mit denen Sie dann hoffentlich auch was anfangen können. Deswegen vielleicht mal ganz konkret: Was können Unternehmen oder Unternehmer tun, um von diesem schmutzig-und-kalt-Image wegzukommen und damit natürlich auch mehr Erfolg bei der Fachkräftesuche zu haben?

Sibylle: 
Also erst mal auf den Sinn setzen. Darüber aufklären, wie die Berufe wirklich sind, was für einen Beitrag sie für die Gesellschaft leisten und wie krisensicher sie damit auch sind. Also das einfach noch mal ganz transparent machen.

Dann, so wie in dem TomatoLix-Video vom Rohrleitungsbauverband, wirklich mal zeigen: Wie sieht der Arbeitsalltag aus? Wo mache ich mich wirklich schmutzig? Und vielleicht da auch mal mit Klischees aufräumen.

Und das Dritte wäre dann zu zeigen, dass sich Berufsbilder auch verändert haben. Dass eben das, was vielleicht wir noch so im Kopf haben, wenn wir an Baustellenarbeit denken, heute durch die Digitalisierung gar nicht mehr so anstrengend, kräftezehrend und so weiter ist. Dazu habe ich in der Hessenschau ein interessantes Interview mit Noah Bursky gesehen. Der ist Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Der sagt da, dass viele Leute bei Baustellen immer noch an Dreck und Schweiß denken, dass es im Sommer zu heiß und im Winter zu kalt ist. Und er sagt ganz klar: Wir arbeiten inzwischen modern, man muss sich nicht mehr großartig quälen.

Jens: 
Und das ist, glaube ich, auch ganz, ganz wichtig, dass man früh anfängt, auf sich aufmerksam zu machen, diese Sichtbarkeit für sein Handwerk auch zu erhöhen. Je früher, desto besser. Andere Branche vielleicht mal: das Stuckateursgewerbe zum Beispiel. Da ist es jetzt nicht unbedingt richtig nass und kalt. Die Handwerker, die da unterwegs sind, arbeiten natürlich drinnen, machen Decken, Stuck oder wie auch immer das dann heißt. Aber auch Außenfassade ist klar. Also auf jeden Fall, es ist nicht nur schmutzig, wie man sich das vorstellen könnte, trotzdem aber ganz bestimmt auch nicht so rein und sauber wie eine Büroarbeit. Wir haben dazu ein Statement von Michael Christmann bekommen, vom Stuckateursfachbetrieb Beltz. Und auch da hören wir mal kurz rein.

Michael: 
Ich weiß nicht, warum mich das so berührt. Aber es ist einfach so: Es gibt keinen Zeitpunkt im Leben, wo man die besser erreichen kann. Also alle Kinder lieben es, mit den Händen zu arbeiten. Und genau das ist einer der Punkte, wo wir angreifen. Wir versuchen, Kinder aller Altersklassen davon zu überzeugen, dass Stuckateur ein Traumjob ist. Das machen wir in unterschiedlichsten Bereichen. Wir laden Kindergärten ein und lassen die hier, ich sage jetzt mal, mit Gips matschen. Dann laden wir Grundschulen ein und zeigen denen das Gleiche wie der Kindergartengruppe, nur auf einem anderen Level.

Jens: 
Also man merkt wirklich, der Mann ist mit Leidenschaft am Werk.

Sibylle: 
Ich wünschte, der würde auch mal Podcaster einladen, um mit Gips zu matschen. Ich würde da sofort hinfahren.

Jens: 
Das wäre was für uns, oder? Ja, eine richtig schöne Runde rummatschen. Also es geht eben neben der Imagearbeit auch ganz klar um Berufsorientierung. Vor allem auch darum, den Job irgendwie erlebbar zu machen oder das, was diesen Job ausmacht. Auch dass da was Kreatives dabei ist, sicherlich.

Sibylle: 
Bei dem Thema Berufsorientierung finde ich noch einen Punkt ganz wichtig. Gerade wenn wir jetzt an kalt und schmutzig denken, dann denken wir vor allem auch wieder daran, dass vielleicht Frauen nicht so viel Lust haben, solche Jobs zu machen, weil man vielleicht auch denkt, das ist körperlich sehr anstrengend und fordernd.

Und da möchte ich mal einladen, sich bei der Hagedorn Unternehmensgruppe umzuschauen. Ich bin auf die aufmerksam geworden durch Faktor A. Das ist ein Newsletter von der Bundesagentur für Arbeit, den ich abonniert habe und ganz toll finde. Und da war eine Überschrift mit Frauenpower gegen den Fachkräftemangel. Barbara Hagedorn, die da Geschäftsführerin ist, sagt, dass sie ganz gezielt Frauen ansprechen. Und zwar auch über folgenden Weg: Sie laden Eltern zu sich ein, damit die mal das Umfeld auf der Baustelle kennenlernen, in dem die Tochter arbeiten wird. Denn viele Eltern sind dann erstaunt und beruhigt, dass es ganz anders ist als in ihrer Vorstellung.

Die bilden zum Beispiel Frauen zu Baggerfahrerinnen aus. Und das ist ja nun wirklich ein Job auf der Baustelle, der überhaupt nichts mit körperlicher Anstrengung und schmutzig und so zu tun hat. Da geht es hauptsächlich wirklich um Konzentrationsfähigkeit, auch um Fingerspitzengefühl, um so eine riesige Maschine.

Jens: 
Da ist das Denken so ein bisschen bestimmt, ne?

Sibylle: 
Das fand ich super interessant. Und auch hier wieder: Es geht darum, eine Maschine zu bedienen. Es geht eben ganz viel heute auch darum, digital irgendwelche Geräte bedienen zu können. Da gibt es ja auch praktische Unterstützung. Wenn Sie jetzt sagen: Mensch, wir wollen ein bisschen digitaler werden. Das Mittelstand-Digitalzentrum Handwerk zum Beispiel hat da ganz praxisnahe Tipps. Und wenn man das einfach auch noch mal in den Vordergrund stellen kann. Berufe heute sehen bei uns so aus. Mit diesen Technologien arbeiten wir, diese Arbeitsschutzkleidung benutzen wir. Ich glaube, das überzeugt auch noch mal viele junge Menschen und auch viele Eltern von Berufen, die man vorher nicht so auf dem Zettel hatte.

Jens: 
Und was hat Hubertus Heil neulich gesagt? Der größte Hebel im Fachkräftemangel, um den zu beheben, ist erst mal, die Frauen mit ins Boot zu holen. Denn da ist aktuell das größte Potenzial, das größte ungenutzte Potenzial.

Sibylle: 
Das sehe ich genauso und da bin ich auch voll hinterher. Also wer dazu noch mal eine Frage hat, kann mich gerne direkt anrufen. Dann kann ich im Schlaf loslegen.

Jens: 
Ja, dann müssten wir nur noch schnell deine Nummer sagen.

Sibylle: 
Findet man eh überall. Einfach mal googeln.

Jens: 
KOFA to go, Wissen zum Mitnehmen. Schmutzig und kalt, viele Jobs haben das Image, nicht besonders attraktiv zu sein. Aber an diesem Image können Sie arbeiten und damit Ihre Chancen am Fachkräftemarkt verbessern. Und wie, das sagt Ihnen Sibylle jetzt.

Sibylle: 
Dein erster Tipp: Imagewandel. Machen Sie in der Öffentlichkeit die Relevanz und die gesellschaftliche Bedeutung des Berufsbilds deutlich. Nutzen Sie dazu Ihre Website, Ihren Verband oder soziale Medien.

Schulkooperationen. Suchen Sie als Unternehmen frühzeitig Kontakt zu Jugendlichen und zu deren Eltern. Bieten Sie ihnen die Möglichkeit, Ihre Ausbildungsberufe und Ihr Unternehmen kennenzulernen.

Und hier kommt dann noch der dritte Tipp von uns: Bleiben Sie als Arbeitgeber attraktiv. Digitalisierung kann den Arbeitsalltag Ihrer Beschäftigten erleichtern. Einfach mal machen und nicht vergessen, darüber zu sprechen.

Jens: 
KOFA to go, Wissen zum Mitnehmen. Ja, wir hatten Ihnen eine schmutzige Podcastfolge versprochen. Ich denke, wir haben unser Versprechen gehalten.

Sibylle: 
Du sollst aber die Gummistiefel immer wieder ausziehen und da hinten an den Haken hängen, ne?

Jens: 
Genau. Ja, beim nächsten Mal freuen wir uns wieder auf Besuch hier auf dem KOFA-Sofa. Wir verraten mal noch nicht, wer es sein wird. Sagen wir so: Es wird ein Autor sein. Es wird um arbeitende Väter gehen, um Working Dads. Also nicht um Walking Deads, sondern um Working Dads. Oh Gott. Also um Menschen wie mich im Grunde genommen wird das gehen.

Sibylle: 
Oh ja, da kannst du auch viel beitragen. Ich freue mich total auf unseren Gast. Aber gut, dass wir diesmal noch für uns behalten, wer das sein wird. Wir machen ja erst mal ein bisschen Herbstferien, Jens, oder?

Jens: 
Ja, wir setzen mal eine Folge aus, sozusagen, und melden uns Ende Oktober wieder. Denn die nächste Folge von KOFA auf dem Sofa wird es am 26. Oktober geben. Sie müssen also ein bisschen tapfer sein, das ist in einem knappen Monat.

Sibylle: 
Und ich auch. Mir macht das so viel Spaß. Aber gut, dann machen wir mal einen Monat Pause, ist ja auch mal fein.

Jens: 
So bleibt die Liebe frisch, Sibylle.

Sibylle: 
Ja, wunderbar.

Jens: 
Also, wir freuen uns sehr auf Sie. Am 26.10. hören wir uns wieder, dann mit unserem noch ungenannten Gast und den Working Dads sozusagen.

Sibylle: 
Ja, also ich freue mich drauf.

Jens: 
Bis dahin, machen Sie es gut. Tschüss.

Beide: 
Fachleute für Fachkräfte. KOFA auf dem Sofa, der Podcast.