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Transkript: Folge 55

KOFA auf dem Sofa: Green Recruiting – Geht das?

Jens: 
Ja, guten Morgen. Ich hoffe, Sie haben gut geschlafen. Sibylle hat gerade noch mal kurz das Fenster aufgemacht, um hier bei der Aufzeichnung ein bisschen frische Luft reinzulassen. Ganz schön was los da draußen heute. 

Sibylle: 
Hast du das gehört? Und riech mal, ist total schön. Es hat heute Nacht auch endlich mal wieder geregnet. 

Jens: 
Endlich, es wurde auch Zeit. Aber ich würde sagen, wir machen jetzt mal das Fenster zu, sonst versteht uns ja kein Mensch mehr. 

Sibylle: 
Ja, komm, ich geh mal. 

Jens: 
Das war gleich so ein richtiger Push für die gute Laune, würde ich sagen. Nicht immer nur im Büro sitzen, nicht immer nur auf die weiße Wand gucken. Es ist ja unglaublich beruhigend und wirklich schön, wenn die Natur einfach da ist. 

Sibylle: 
Das tut total gut. Schön, dass wir unsere Zuhörerinnen und Zuhörer daran ein bisschen teilhaben lassen konnten. Ich muss nur sagen, inzwischen habe ich manchmal gemischte Gefühle, wenn die Sonne ständig scheint. Ich bin schon dazu übergegangen, gar nicht mehr immer ein schönes sonniges Wochenende zu wünschen, sondern eher ein mäßig warmes mit ein bisschen Regen. Der Klimawandel ist echt angekommen. 

Jens: 
Ja, sowas wie „endlich wieder richtig Sommer“ ist schon lange vorbei. Ich würde auch behaupten, dass wir uns selten so intensiv mit dem Klimawandel auseinandergesetzt haben wie in diesem Jahr. Der dürreste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881, die Ernte viel zu klein ausgefallen, alles viel zu heiß. Und das nicht nur bei uns, sondern weltweit. 

Sibylle: 
Genau. Und ich glaube, wenn es bisher noch nicht im Bewusstsein angekommen war, dann spätestens jetzt. Letztes Jahr hatten wir schon die Unwetter, gerade im Ahrtal. Und man sieht es auch in den Zahlen: Das öffentliche Bewusstsein für Nachhaltigkeit ist gestiegen. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hat erhoben, dass mehr als ein Drittel aller Betriebe angeben, dass Kunden nach nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen fragen. Vor ein paar Jahren war das noch kein großes Thema. 

Jens: 
Das hat sich stark verändert. Und zwar nicht nur bei uns persönlich, sondern auch in Unternehmen, und das ganzheitlich. 

Sibylle: 
Genau, und das fängt schon ganz vorne an – beim ersten Kontakt mit dem Unternehmen. Man nennt das Green Recruiting. Darüber sprechen wir heute. Das bedeutet, dass nachhaltige Gedanken auch ins Personalmanagement integriert werden. 

Jens: 
Ich hatte mir dazu eine Formulierung überlegt: Du kannst mit Green Recruiting nicht nur nachhaltig Personal gewinnen, sondern mit Nachhaltigkeit Personal gewinnen. 

Sibylle: 
Das trifft es auf den Punkt. Nachhaltigkeit heißt ja, dass wir nicht auf Kosten zukünftiger Generationen leben wollen. Und wenn Nachhaltigkeit für Bewerberinnen und Bewerber immer wichtiger wird, dann sollte man das auch im eigenen Unternehmen und im Bewerbungsprozess sichtbar machen. 

Jens: 
Ist das nicht ein bisschen früh, direkt im ersten Schritt damit einzusteigen? 

Sibylle: 
Der Bewerbungsprozess ist der erste echte Kontakt mit dem Arbeitgeber. Da kann man sehr schnell zeigen, wofür man steht. Wenn ein Unternehmen behauptet, besonders nachhaltig zu sein, und dann sieht man im Gespräch das Gegenteil, entstehen sofort Zweifel. 

Jens: 
Nachdem man vielleicht noch durch die halbe Republik gereist ist für ein einstündiges Gespräch. 

Sibylle: 
Genau. Und wenn man sich die Bedürfnisse von Absolventinnen und Absolventen anschaut, wird klar, dass Nachhaltigkeit schon im Recruiting wichtig ist. 87 % der Studierenden bewerten Klimaschutz als wichtig. Und auch die Generation Z sieht Nachhaltigkeit als zentrales Thema. 

Jens: 
Das klingt, als wäre das vor allem ein Thema für die junge Generation. Wie sieht es mit den Älteren aus? 

Sibylle: 
Auch da ist die Sorge gestiegen. Das zeigt das sozioökonomische Panel. Zwischen 2009 und 2019 ist die Sorge um das Klima in allen Altersgruppen gewachsen. 

Jens: 
Was bedeutet das konkret für die Arbeitgeberwahl? Geht es nicht am Ende doch vor allem um Gehalt und Sicherheit? 

Sibylle: 
Die Studienlage ist gemischt. Klassische Faktoren wie Jobsicherheit, Gehalt oder Vereinbarkeit sind weiterhin wichtig. Aber es gibt auch Studien, die zeigen, dass Nachhaltigkeit die Arbeitgeberattraktivität erhöht. Drei von vier Befragten sagen, dass ihnen Nachhaltigkeit wichtig ist, und viele würden sich eher bei einem nachhaltigen Unternehmen bewerben. 

Jens: 
Wir haben dazu auch eine Sprachnachricht bekommen. Von wem kommt die? 

Sibylle: 
Von Lunia Hara. Sie ist Expertin für empathische Führung und im Beirat der Initiative Green Recruiting aktiv. Hören wir mal rein. 

(Einspieler sinngemäß integriert) 

Jens: 
Unterm Strich kann man sagen: Mitarbeitende werden umweltbewusster und legen mehr Wert auf nachhaltige Arbeitgeber. 

Sibylle: 
Genau. Und Unternehmen, die das ernst nehmen, verbessern ihre Chancen auf Fachkräfte deutlich. Wir haben einen Arbeitnehmermarkt, und die Menschen können wählen. 

Jens: 
Wie können kleine und mittelständische Unternehmen konkret nachhaltiger werden und das im Recruiting nutzen? 

Sibylle: 
Es gibt einfache Maßnahmen: Ökostrom, Fairtrade-Kaffee, Fahrradleasing oder Zuschüsse zum Nahverkehr. Auch ein papierloses Büro ist ein wichtiger Schritt. Entscheidend ist, dass Führungskräfte das vorleben. 

Jens: 
Und im Recruiting selbst? 

Sibylle: 
Digitale Bewerbungen, Online-Gespräche und nachhaltiges Onboarding. Viele Dinge lassen sich hinterfragen: Muss das wirklich so gemacht werden wie früher? 

Jens: 
Es geht also nicht um Greenwashing, sondern um echte Haltung. 

Sibylle: 
Genau. Ein gutes Beispiel ist die Agentur Dotfly. Dort werden Werte konsequent gelebt, sogar bis hin zur Ablehnung von Kunden, die nicht zu den eigenen Prinzipien passen. 

Jens: 
Das ist konsequent. Und wahrscheinlich auch die Zukunft. 

Sibylle: 
Ja. Arbeitgeber sollten Profil zeigen. Das zieht die richtigen Menschen an. 

 

KOFA to go – Wissen zum Mitnehmen 

Sibylle: 
Tipp 1: Setzen Sie auf papierlose Bewerbungen und vermeiden Sie unnötige Anfahrtswege. 

Jens: 
Tipp 2: Betrachten Sie Nachhaltigkeit ganzheitlich und kommunizieren Sie diese glaubhaft. 

Sibylle: 
Tipp 3: Erstellen Sie eine CO₂-Bilanz, um Einsparpotenziale zu erkennen. 

Jens: 
Nach dieser Folge gehe ich jetzt erst mal raus an die frische Luft. 

Sibylle: 
Gute Idee. Ich liebe das, wenn der Wald so duftet und die Kastanien herumliegen. 

Jens: 
In der nächsten Folge geht es um schmutzige Jobs – Jobs, die keiner machen will. 

Sibylle: 
Ich ziehe schon mal die Gummistiefel an. Tschüss und machen Sie es gut. 

Jens: 
Tschüss und bis bald. 

Abmoderation: 
Fachleute für Fachkräfte – KOFA auf dem Sofa, der Podcast.