
Transkript: Folge 54
KOFA auf dem Sofa: Personal Branding für Personaler - Gast: Verena Bender
Jens:
Hallo, schön, dass Sie dabei sind. Das ist das erste KOFA auf dem Sofa nach unserer kleinen, aber feinen Sommerpause. Ich bin zurück aus dem Urlaub, Sibylle ist auch wieder da, aber scheinbar noch nicht so ganz, denn sie hat gerade noch sein Handy in der Hand. Was machst denn du da?
Sibylle:
Moment, kleinen Moment noch, Jens. Ich habe hier gerade so was ganz Spannendes in meinem Newsfeed entdeckt, aber ich lege es sofort weg.
Jens:
Du, sag einfach kurz Bescheid, wenn du fertig bist. Wir warten so lange auf dich, das wäre jetzt nicht das Problem.
Sibylle:
So, jetzt bin ich fertig. Okay, alles klar, bin da. Kennst du das auch, dass du manchmal so gepackt bist von dem, was dir da bei LinkedIn oder Instagram so reinpurzelt, dass du ein bisschen in diesen Sachen versinkst?
Jens:
Ja, bei einer Podcast-Aufzeichnung ist mir das noch nicht passiert, aber ansonsten passiert das schon ab und zu mal, muss ich zugeben. Natürlich, klar.
Sibylle:
Tut mir leid. Ich finde es halt besonders spannend, wenn nicht so Allgemeinplätze kommuniziert werden, sondern wenn ich echt was über die Menschen erfahre und über die Herausforderungen, die die in ihrem Alltag erleben, oder über Meilensteine im Job. Ich entdecke sowas auch immer mehr jetzt in den sozialen Medien. Das war früher nach meiner Wahrnehmung anders. Auch die Bilder zu sehen und manchmal auch ein Video, das gefällt mir sehr gut.
Jens:
Ja, es ist natürlich ganz toll, sich auch als Person sichtbar zu machen, ein paar Sachen von sich preiszugeben, um sich vielleicht auch von der Masse abzuheben. Auch das ist ja ein Thema, nicht nur einer von vielen zu sein, sondern für etwas zu stehen. Eine ganz, ganz spannende Sache, wenn wir da zum Beispiel an Großunternehmen denken. Deutsche Telekom, Tim Höttges zum Beispiel, der ist ja sozusagen der Meister des Personal Brandings. Oder Elon Musk, der wäre wahrscheinlich ohne Social Media auch nur halb so groß, und der Mann ist schon relativ groß, normalerweise. Aber wie sieht es denn eigentlich bei kleinen und mittleren Unternehmen aus? Denn das ist es ja, worum es hier bei uns geht, um KMU.
Sibylle:
Kann denen das auch helfen, da eine Marke aufzubauen? Jetzt mal nicht für die Produkte und Dienstleistungen, sondern auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder für die Chefinnen und Chefs? Dem wollen wir heute mal auf die Spur kommen.
Jens:
Ja, und da haben wir ein großes Glück, muss man wirklich sagen. Wir haben heute hier jemanden bei uns zu Gast, der uns da helfen kann, der mal ein bisschen sagen kann: Was ist Personal Branding eigentlich? Worauf sollte man achten? Welche Möglichkeiten gibt es, dass man für sich selbst herausfinden kann, was der persönliche Weg ist? Bei uns ist Personal-Branding-Expertin Verena Bender. Hallo, Verena.
Verena:
Hallo zusammen und vielen Dank für die Einladung.
Jens:
Ich würde sagen, wir machen es einfach wie immer. Wir machen mit dir eine kleine Fahrstuhlfahrt, eine Elevator Pitch. Die Tür steht quasi schon offen und wenn der Fahrstuhl gleich losfährt, dann hast du so ungefähr 30 Sekunden lang Zeit, dich mal kurz vorzustellen und zu erzählen, wer du bist und wofür du stehst. Ja, sollen wir das so machen?
Verena:
Alles klar, ich spüre den Druck, aber ich versuche es.
Jens:
Drei, zwei, eins, los geht’s.
Verena:
Alles klar. Also, du hast schon gesagt, ich bin Verena Bender. Ich bin gelernte Journalistin, PR-Managerin und arbeite jetzt als Personal Branding Coach. Ich möchte Menschen dabei unterstützen, mit ihrer Leidenschaft in die Sichtbarkeit zu kommen. Also so, dass andere merken, dass er oder sie wirklich eine Expertin oder ein Experte auf seinem oder ihrem Gebiet ist und auch die Aufmerksamkeit bekommt, die das Ganze verdient hat.
Jens:
Da sind wir, super. Um vielleicht mal die wichtigste Frage gleich vorweg zu klären: Wie wichtig ist denn Sichtbarkeit in der heutigen Zeit aus deiner Sicht? Geht das überhaupt noch, ohne dass man irgendwie sagt: Okay, also ich mache hier meinen Job, ich bin irgendwie da, aber von draußen kriegt man jetzt nicht ganz so viel davon mit, ich mache einfach meinen Job?
Verena:
Natürlich geht das noch. Also ich bin davon überzeugt, dass das noch geht. Aber sichtbar zu sein hat schon gewisse Vorteile, gerade wenn man vielleicht noch mal aufsteigen möchte im Job oder den Job irgendwie wechseln möchte. Aber natürlich geht es auch ohne. Und ich finde, Sichtbarkeit kann man auch niemandem aufzwingen oder aufdrängen. Genauso wie ich niemanden, der gerne Fleisch isst, davon überzeugen möchte, Veganer oder Vegetarier zu werden. Also das muss jeder selber wissen. Ich bin Freund von Personal Branding, aber ich möchte niemanden überreden.
Sibylle:
Manchmal, wenn ich mit kleinen und mittleren Unternehmen spreche, haben die ein bisschen so ein zwiespältiges Verhältnis zum Thema Personal Branding oder Sichtbarkeit ihrer Mitarbeiter, weil natürlich in einem Arbeitnehmermarkt, wo Arbeitskräfte hart umkämpft sind, das als ein Risiko wahrgenommen wird. Wenn meine guten Leute da auf einmal auf allen Plattformen unterwegs sind, dann werden die nachher abgeworben. Was würdest du denn einem Geschäftsführer oder einer Geschäftsführerin antworten, die diese Sorge an dich heranträgt?
Verena:
Ich bin davon überzeugt, dass die richtig guten Leute, wenn die Lust haben, ein bisschen sichtbarer zu werden und es nicht werden dürfen, sich ein Unternehmen suchen, in dem sie das dürfen und in dem sie auch die Möglichkeit haben, diese Seite auszuleben. Also kurz gesagt: Ich glaube, das ist eine Illusion, dass die Menschen dann bleiben, wenn man sie klein hält oder zurückhält.
Sibylle:
Das gefällt mir gut, diese Antwort, da kann ich viel mit anfangen. Und ich glaube auch, einfach ein guter Arbeitgeber zu sein und ihnen auch Anlass zu geben, positiv über das Unternehmen zu sprechen, das bindet ja auch.
Jens:
Jetzt hat Sibylle gerade eben nach den Geschäftsführern gefragt. Ist denn Personal Branding tatsächlich nur was für die oberste Hierarchieebene oder ist das tatsächlich etwas, was im Grunde für jeden Mitarbeiter auch ein Thema sein kann?
Verena:
Du hast in der Anmoderation oder gerade in dem Gespräch kurz vorher ein ganz schönes Beispiel gebracht. Du hast nämlich die Deutsche Telekom erwähnt, ich weiß, das ist jetzt ein sehr großes Unternehmen. Da hast du die Deutsche Telekom erwähnt und Tim Höttges, der ist natürlich der Mann ganz oben. Aber gerade die Telekom fördert wirklich, dass ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sichtbar werden, auch mit ihren Leidenschaften und mit dem, was sie können. Da gibt es auch viele andere Mitarbeiterinnen. Steffi Tönnies zum Beispiel gehört zur Telekom oder der Karim gehört zur Telekom. Und ich kenne auch diverse Leute, die jetzt nicht ganz oben sind. Für die ist es auch toll, sichtbar zu sein. Deshalb: nee, überhaupt nicht. Ich finde es wichtig, dass nicht nur die obere Ebene sichtbar ist, sondern auch die Menschen, mit denen man sich vielleicht viel mehr identifizieren kann.
Jens:
Warum unterstützt die Telekom denn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Sichtbarwerden? Was ist da so der Gedanke dahinter, dass die sagen: Finden wir gut, wenn ihr sichtbar seid?
Verena:
Also ich glaube, wenn du eine wirklich ganz explizite Antwort darauf möchtest, solltest du die Telekom fragen. Die haben da bestimmt noch ein paar andere Hintergedanken. Aber die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sichtbar werden, spielen das Ganze natürlich über ihre Kanäle. Und ich glaube, ich würde mich nicht so an die Telekom gebunden fühlen, wenn ich nicht über Social Media oder über Netzwerktreffen wie Global Digital Women Steffi Tönnies kennengelernt hätte und ihr folgen würde. Dadurch ist für mich die Telekom viel nahbarer, als wenn ich irgendwas lese oder ein Video sehe, wo ich Tim Höttges mitbekomme.
Jens:
Aber jetzt vielleicht noch mal zurück zu den KMU. Wir reden ja auch viel über Storytelling. Also wir berichten ja aus unserem Alltag, wir lassen die Menschen ein bisschen an dem teilhaben, was wir so tun, wofür das Unternehmen steht, warum wir auch gerne in diesem Unternehmen arbeiten. Vielleicht kannst du mal so ein paar Beispielthemen geben für zum Beispiel ein Handwerksunternehmen oder ein Handelsunternehmen, wo Menschen tätig sind jeden Tag und sich vielleicht fragen: Okay, über mein Unternehmen gibt es doch eigentlich gar nicht so viel zu erzählen. Oder vielleicht doch?
Verena:
Genau, oder vielleicht doch. Es geht ja darum, einen ungeschönten Einblick hinter die Kulissen zu bekommen. Also: Was passiert denn überhaupt in dem Unternehmen? Heute Mittag war ich nebenan in so einem Bowl-Laden, so einem Smoothie-Bowl-Laden mit frischen Früchten und so weiter. Da war ich und da war so eine Dame, die hinter der Theke noch mal verdeckt diese ganzen Sachen vorbereitet hat. Da habe ich mich auch interessiert: Hey, was macht die, wie sieht es da aus und so weiter. Und das würde mich schon interessieren, gerade wenn ich da öfter hingehe. Und wenn ich dann merke, hey, das sieht toll aus oder die Frau macht das mit Leidenschaft, vielleicht ernährt sie sich sogar persönlich sehr gesund. Wenn ich sowas alles mitkriege, dann kann ich mich viel besser damit identifizieren und ich glaube, ich würde sogar noch öfter hingehen.
Jens:
Und vielleicht würden wir uns auch die Frage stellen: Warum hat die Frau diesen Bowl-Laden überhaupt eröffnet? Kann ja sein, dass sie eine persönliche Geschichte hat, die sie dazu geführt hat. Bei uns in Leipzig gibt es zum Beispiel einen hawaiianischen Bowl-Laden, also mit hawaiianischen Bowls und Sorten. Da würde ich mal unterstellen, weil Surfbretter an der Tür stehen und so weiter, dass es da eine Vorgeschichte geben könnte. Dass mal jemand da war und gesagt hat: Boah, das passt jetzt aber auch richtig gut nach Leipzig.
Verena:
Ja, würde mich auch interessieren. Und so ist es halt bei kleinen und mittleren Unternehmen auch. Ich mache ja ganz viele Trainings auch für Selbstständige und da höre ich diese Frage immer wieder: Wen interessiert denn, was ich zu sagen habe? Und da dann mal reinzugehen: Hey, was hast du denn überhaupt zu sagen, warum machst du das, was du machst, für wen machst du das, wie sieht dein Arbeitstag aus, was ist vielleicht so ein bisschen auch persönlich von dir, was du mit reinbringen kannst? Und wenn sich Menschen mal hinsetzen und so eine kleine Sammlung machen, dann können wir ganz viel entdecken, was wir auch mit anderen teilen können, ohne dass es zu privat wird.
Sibylle:
Das ist halt auch so die Balance, oder? Weil manchmal hat man ja in sozialen Netzwerken, also mir geht es jetzt so, sowohl Businesskontakte als auch Kontakte zu Freundinnen und Freunden, die vielleicht auch noch andere Projekte haben als ich. Ganz konkret mal: Ich bin relativ neu auf Instagram und eine sehr gute Freundin von mir schreibt gerade ein Buch über die Liebe. Jetzt bin ich immer so im Zwiespalt: Die Sibylle, Economist am Institut der deutschen Wirtschaft, liked dann da Beiträge, wo es um ein Buch über die Liebe geht. Ist das okay oder muss ich das irgendwie stärker trennen? Was würdest du mir raten?
Verena:
Ich würde dir raten, das auf jeden Fall weiter zu liken, weil da ist ja überhaupt nichts Verwerfliches dran. Und gerade bei Instagram finde ich, ist es auch noch mal was anderes. Bei LinkedIn ist es ja so, wenn du da etwas likest oder kommentierst, dann wird es ja noch mal in einen Teil deines Feeds reingespült, möglicherweise. Und bei Instagram ist es ja jetzt auch gar nicht so, also da kriegen jetzt auch nicht deine ganzen anderen Follower die Nachricht, dass du diesen einen Post geliked hast. Das auch noch mal dazu. Und selbst wenn sie die Info bekommen, das ist ja jetzt nichts Schlimmes. Also du likest das ja aus Überzeugung.
Jens:
Ich habe noch so einen Gedanken. Und zwar ist es ja interessant als Unternehmen, wenn meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich zeigen, weil das Image des Unternehmens dadurch noch mal mehr Facetten bekommt. Da liegt es ja nahe, eben auch meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu nutzen, um im Recruiting erfolgreicher zu sein, oder? Also, dass ich natürlich, wenn ich mehr Einblicke bekomme, was für Menschen arbeiten da, denke: Oh, die Sibylle sieht ja so ähnlich aus wie ich, macht ja so Sachen, die ich auch ganz cool finde. Dass die sich dann melden. Man sucht ja so Identifikationsfiguren, wenn man in ein Unternehmen kommen will. Jetzt ist es so, dass viele Personalerinnen und Personaler vielleicht da noch gar nicht so die Ahnung von haben. Aber berätst du auch sozusagen Personalerinnen und Personaler und gibst denen mal so Tipps, was sie machen können, damit sie auf einem wirklich hart umkämpften Arbeitsmarkt ihre Chancen verbessern?
Verena:
Wenn eine oder einer auf mich zukommen würde, würde ich das mit Sicherheit machen. Habe ich bisher noch nicht gemacht, aber das ist für die ja genauso wichtig oder vielleicht sogar noch wichtiger als für normale Arbeitnehmer oder Arbeitnehmerinnen. Würde ich auf jeden Fall machen. Und dann würde ich erstmal mit dieser Person sprechen: Was ist überhaupt der Job einer Personalerin, eines Personalers? Wie sieht der Alltag überhaupt aus? Welche Menschen suchen die? Und so weiter. Und vielleicht könnte ich als Personalerin oder Personaler auch mal Tipps geben für Bewerberinnen und Bewerber, egal jetzt ob für mein Unternehmen oder ganz allgemein. Einfach mich so ein bisschen sichtbar machen mit meinem Expertenwissen. Manchmal ergeben sich spannende Zufälle, dass dieser Content dann an Menschen gespielt wird, die vielleicht gar nicht suchen. Aber die Menschen, die das dann lesen, haben vielleicht in ihrem Bekanntenkreis wieder jemanden, der gerade einen Job sucht. Und so entsteht ja so ein Netzwerk. Wenn Menschen nicht mit ihrem Wissen rausgehen und mit ihrer Position und mit dem, was sie können, dann wird nie jemand von dieser Personalerin oder dem Personaler erfahren. Deshalb finde ich es ganz wichtig, wenn man das möchte, auch sichtbar zu werden.
Sibylle:
Jetzt muss man natürlich gucken, welche Themen man für sich besetzt oder welche Themenbereiche vielmehr. Im Fall des Personalers oder der Personalerin ist es, glaube ich, relativ klar. Trotzdem ist man ja nicht die einzige HR-Mitarbeiterin, die da draußen unterwegs ist. Und die Frage ist vielleicht so ein bisschen: Wenn es noch andere gibt, die auch schon Personenmarken aufbauen, wer genau bin denn eigentlich ich? Also wie finde ich denn den Kern meiner persönlichen Marke?
Verena:
Ja, indem sich die Person erst mal in Ruhe hinsetzt und einfach mal guckt: Hey, was macht mich aus, was sind meine Stärken, was sind meine Schwächen, wie sieht mein Job überhaupt aus, warum habe ich diesen Job gewählt? Auch mal so ein bisschen im Bekanntenkreis rumfragen. Oder: Wie bin ich überhaupt dahin gekommen zu dem, was ich jetzt mache? Die einen werden vielleicht schon in der Grundschule gesagt haben, na vielleicht auch nicht, ich möchte Personalerin oder Personaler werden. Und andere hatten vielleicht ganz viele unterschiedliche Jobs, so einen verqueren Lebensweg, und sind jetzt genau da, wo sie sind. Also jeder hat ja eine Geschichte zu erzählen. Ich nehme mal gerne das Beispiel von den Fernsehköchen. Es gibt ja unterschiedliche. Und hätte jetzt, weiß ich nicht, Tim Mälzer gesagt: Och nee, es gibt schon Horst Lichter, ich möchte nicht mehr Fernsehkoch werden, das wäre doch total blöd. Es gibt die beiden und es gibt noch ganz viele andere, und wir würden die niemals miteinander verwechseln, weil jeder so seine eigene Geschichte hat. Beim Personal Branding ist es ja so: Wenn wir wirklich reingehen und gucken, ist es ja wie mit dem Daumenabdruck. Jeder ist anders und individuell und darum geht es, das rauszuarbeiten.
Jens:
Ich finde das gerade ganz spannend, was du sagtest, mit: Da saß man in der Grundschule schon und sagte, ich möchte irgendwann mal Personalerin werden. Da gibt es wahrscheinlich relativ wenige Leute, bei denen das so ist. Aber gerade das könnte natürlich möglicherweise auch ein Thema sein, wenn man sagt: Wir sind heute ein Unternehmen, wir suchen Mitarbeiterinnen, die vielleicht auch nicht auf direktem Wege zu uns kommen, weil sie diese Ausbildung gelernt haben, sondern es sind eben Quereinsteiger. Wenn ich jetzt zum Beispiel als Quereinsteiger oder Quereinsteigerin in den Human-Resources-Bereich gekommen bin, könnte das ja auch ein Thema sein. Das macht mich ja umso glaubwürdiger, das Unternehmen umso glaubwürdiger, wenn ich sage: Auch ich bin ein Quereinsteiger, und wenn ich das kann, kannst du das auch.
Verena:
Eben, ganz genau. Und deshalb finde ich es total spannend, so etwas sichtbar zu machen, weil oft Menschen, die so einen bewegten Lebensweg haben, ja noch ein bisschen interessanter sind.
Sibylle:
Oder auch man könnte ja über die Herausforderungen sprechen, denen Recruiter heute ausgesetzt sind. Ich habe jetzt im Februar im Handelsblatt einen großen Beitrag gesehen, dass wir einen Recruitermangel haben. Da gab es eine Studie von Hays und Indeed, dass im Grunde im letzten Quartal 2021 die Stellenanzeigen für Personaler um 93 Prozent gestiegen sind. Und alleine auch das mal zu nehmen oder sich da auch mal auszutauschen mit anderen, auch Interesse zu haben: Sag mal, ich habe die Expertise, was weißt du denn über das Thema? Denn ich glaube, Personal Branding, manchmal hat man ja so eine Scheu, weil man denkt: Oh, das ist so egozentrisch, ich will ja nicht so selbstbezogen immer nur sagen: Tolle Sibylle, was habe ich da alles gemacht. Sondern es geht ja auch gerade darum, dass andere sich zeigen und ich dadurch die Möglichkeit habe, da in Kontakt zu treten. Und das ja nicht nur im digitalen Raum. Also Personal Branding funktioniert wahrscheinlich ja auch woanders, oder was sagst du dazu?
Verena:
Auf jeden Fall. Also Personal Branding ist ein Zusammenspiel mittlerweile aus digital und persönlich. Durch die ganze Coronazeit ist das Digitale natürlich noch relevanter geworden. Ein Punkt, den du gerade gesagt hast, ist mir ganz wichtig: Beim Personal Branding geht es ja gar nicht darum, sich selbst zu zeigen. Also es wird immer so als Selbstdarstellung definiert, aber das ist es für mich gar nicht. Sondern es sollte im Mittelpunkt stehen: Was kann ich, was weiß ich und wie kann ich mit meinem Wissen anderen helfen, andere stärker machen, anderen Wissen vermitteln, andere unterstützen, Netzwerke knüpfen und so weiter. Also Personal Branding ist für mich erstmal ganz viel geben. Und irgendwann wird es automatisch so sein, dass die Dinge zurückkommen.
Jens:
Ich glaube auch, man kann da so ein bisschen die Perspektive wechseln oder größer fassen. Man muss ja nicht nur immer denken: Was zeichnet mich aus und was mache ich hier jeden Tag und so weiter und so fort. Man könnte ja auch einfach denken: Was passiert denn hier bei uns im Unternehmen? Ich zeige mal, wie ich zusammen mit den Mitarbeitern oder Mitarbeiterinnen verschiedene Dinge anstoße. Wir machen diese und jene besonderen Aktionen. Das gibt es nur bei uns. Also man muss ja nicht immer nur die Kamera sozusagen auf sich richten, sondern das interessiert ja auch nachher nicht unbedingt die Leute. Sondern die Leute interessiert: Was ist denn jetzt für mich der Mehrwert an diesem Unternehmen? Warum ist das ein toller Arbeitgeber vielleicht auch? Und da glaube ich, da muss man sich nicht den Stress machen, immer nur bei sich selbst zu suchen und zu sagen: Boah, wie werde ich jetzt hier, wie rücke ich mich ins Rampenlicht, sozusagen?
Verena:
Stimmt. Und es gibt so viele Formate, die man machen kann. Wenn du es sagst, dann kommen mir so ganz viele Ideen. Also wenn es nicht um einen selber geht, kannst du als Personaler ja auch dir so eine Rubrik überlegen. Auch wenn du nicht so viele Mitarbeiter hast, aber einmal die Woche so einen Talk mit einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter, dass mal das Berufsfeld vorgestellt wird. Vielleicht sprechen sie sogar darüber, wie diese Person ins Unternehmen gekommen ist. Also da kann man so viel machen. Da gibt es so viele Themen, das stelle ich mir total spannend vor. Und ich habe vor unserem Talk auch mal gegoogelt, ich gebe zu, ich habe jetzt nicht so eine intensive Recherche gemacht, aber ich habe mal geguckt: bekannte Personaler oder so. Ich wusste nicht, was ich googeln sollte, weil ich habe „bekannte Personaler“ gegoogelt und irgendwie, zumindest zu dem Begriff, ist mir jetzt keiner direkt entgegengesprungen. Ich weiß nicht, habt ihr jemanden aus kleinen und mittelständischen Unternehmen, ihr seid da ja viel näher dran, der euch sofort einfällt, wo ihr sagt: Hey, der oder die, die machen das richtig gut?
Jens:
Also scheinbar gibt es da ja jetzt wirklich noch große Chancen. Da können wir direkt mal unseren Zuhörerinnen und Zuhörern zurufen: Ihr könnt da noch ein Feld besetzen. Ich denke immer an den Alfons Weiß vom Bayerwaldhof, der auch seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter während der Pandemie sehr stark in den Vordergrund gerückt hat. Wirklich ein mittelständischer Unternehmer. Na ja, und dann Kawa Yunusi natürlich bei SAP, aber das ist jetzt nicht ganz so ein kleines Unternehmen. Das wäre so ein Personaler, der mir einfällt. Schöne Ideen. Also ich glaube, da kann man echt noch viel weiterdenken und vor allem sich einfach mal umgucken und inspirieren lassen. Muss ja nicht immer alles selber erfinden, denke ich.
Verena:
Absolut. Und ganz wichtig: dranbleiben. Nicht einmal anfangen und keine Reaktionen bekommen, das ist vollkommen normal, sondern wirklich dranbleiben. Du hast gesagt, ich habe das natürlich gelernt, wie ich schreibe oder wie ich einen Radiobeitrag mache. So was habe ich irgendwann vor tausend Jahren mal gelernt. Aber auch für mich war das eine Durststrecke, ganz, ganz lange. Was ist mein richtiges Thema und wie fange ich an und so weiter. Das ist ganz, ganz, ganz viel ausprobieren. Und ich habe auch tausendmal gedacht: Ich höre auf, interessiert doch eh keinen. Habe ich jetzt manchmal noch. Und dann denke ich: Ach komm, mach es einfach, vielleicht zahlt es sich dann wieder aus. Das wird auch nie aufhören und es wird immer ein ewiges Ausprobieren und Dranbleiben sein. Aber das macht Spaß.
Jens:
KOFA to go, Wissen zum Mitnehmen. Verena Bender ist unser Gast heute und deshalb kommt auch das KOFA to go diesmal von ihr, nämlich drei Tipps, wie Sie Ihre Personal Brand aufbauen und pflegen können. Liebe Verena, dein erster Tipp.
Verena:
Mein erster Tipp ist: einfach mal gucken, wo stehe ich, was sind meine Themen, worin kenne ich mich aus, wie kann ich anderen Menschen weiterhelfen? Vielleicht gibt es ja so Fragen, die sowieso an mich herangetragen werden. Und wie kann ich daraus Content machen?
Jens:
Mhm, zweiter Tipp?
Verena:
Schaut mal, welche digitalen Kanäle es überhaupt gibt. Und nicht auf jedem anfangen und vertreten sein, sondern so ein bisschen ausprobieren und am Ende einen, höchstens zwei rauspicken und dann da sichtbar werden.
Jens:
Dafür dann da eben richtig. Genau. Und der dritte Tipp von dir?
Verena:
Nicht nur raushauen, sondern interagieren. Nicht nur senden, sondern es ist ja Social Media und es geht darum, mit Menschen zu kommunizieren, auf Fragen zu antworten, zu gucken: Gibt es Fragen aus meinem Bereich? Einfach mal vielleicht unter einem Hashtag schauen und so mit Leuten ins Gespräch kommen und auch Content von anderen wertschätzen. Denn nur so baut man sich ein Netzwerk auf und so funktioniert Personal Branding.
Jens:
KOFA to go, Wissen zum Mitnehmen. Ja, der Grundstein ist gelegt. Ab jetzt sind Sie am Zug. Wie Sie Ihre eigene Personal Brand aufbauen, das wissen Sie jetzt. Wir sagen ganz lieben Dank für die vielen Infos und dass du heute hier bei uns warst, liebe Verena.
Verena:
Ich danke, das war ganz toll.
Sibylle:
Also ich habe ganz viel für mich auch persönlich noch mal mitgenommen. Und ich freue mich, liebe Zuhörerinnen, wenn Sie loslegen, dann checken Sie uns doch mal als KOFA. Wir antworten bestimmt.
Jens:
Ja, Sibylle, wir hören uns am 14. September wieder. Dann gibt es die nächste Folge von KOFA auf dem Sofa. Ich freue mich jetzt schon drauf und sage Tschüss und bis in zwei Wochen wieder.
Sibylle:
Bis dann, machen Sie es gut.
Abmoderation:
Fachleute für Fachkräfte. KOFA auf dem Sofa, der Podcast.