
Transkript: Folge 51
KOFA auf dem Sofa: Stellenanzeigen - Da geht noch was!
Jens:
Ja, einen wunderschönen guten Morgen. Herzlich willkommen zu KOFA auf dem Sofa. Sibylle ist auch da, irgendwie schwer beschäftigt.
Sibylle:
Ach so, ach hallo Jens, hallo liebe Zuhörer, guten Morgen auch an dich. Ich bin schon ganz vertieft in das Thema unserer heutigen Sendung und lese hier gerade in der Zeitung. Wir sprechen ja nämlich über Stellenanzeigen und da schaue ich mir gerade mal ein paar in der Zeitung an. Ich weiß nicht, denkst du auch immer noch an Zeitung, wenn du Stellenanzeigen hörst?
Jens:
Ja, das ist irgendwie witzig. Also wenn ich mich so daran erinnere, bei uns früher zu Hause, wenn die Wochenzeitungen kamen, da hat mein Vater immer direkt so die Stellenanzeigen durchgearbeitet und geguckt, was da so angeboten wird. Mittlerweile ist er in Rente und studiert noch, kann man gar nicht sagen, studiert noch die Todesanzeigen. Aber ähnlich akribisch. Das waren auch alle Eltern, oder?
Sibylle:
Meine Eltern auch, echt.
Jens:
Den Marktwert checken, ja genau. Aber nee, das gab es bei uns natürlich früher auch, vorzugsweise am Samstag, glaube ich, wenn die Wochenzeitung kam.
Sibylle:
Genau und ich glaube, daran sieht man schon, Stellenanzeigen sind so das richtige Urgestein im Recruiting. Die gibt es schon ewig und ich glaube, es wird sie auch noch lange geben. Also obwohl ja vieles digital läuft heute, sieht man ja immer noch, dass Unternehmen inserieren in der Wochenzeitung, in der Tageszeitung, in der Regionalzeitung. Und die Frage ist jetzt, ob die Form in Zukunft noch die gleiche bleiben wird wie bisher. Studien zeigen zumindest, das hat das Ifo zum Beispiel auch noch mal gerade veröffentlicht, dass externe Stellenanzeigen mit 84 Prozent, das ist ja echt schon mal eine Nummer, das meistgenutzte Instrument sind, wenn Unternehmen eine Stelle besetzen wollen.
Jens:
Ja, denken wir also noch mal an die Stellenanzeigen in der Zeitung und wie die so aufgebaut sind. Das sind und waren im Grunde genommen eigentlich immer so die gleichen und die gleiche Erscheinungsform. Bullet Points im Wesentlichen, also erstens, zweitens, drittens, wir sind, wir erwarten, wir bieten, so dieser Rahmen im Grunde. Wir haben mal Leute gefragt, an was sie denken, wenn sie sich solche klassischen Stellenanzeigen angucken.
Also bei Stellenanzeigen denke ich an Anforderungen, die ich alle nicht erfülle.
Denke ich an Stellenanzeigen, die immer gleich aussehen, so nach Schema F.
Was ich mir von Stellenanzeigen wünsche, ist, dass ich dort genau lesen kann, was mich auch erwartet.
Die eierlegende Wollmilchsau kann ich nicht bieten.
Also man hört schon, da ist jetzt nicht so viel Enthusiasmus. Oh, Stellenanzeigen finde ich spannend, weil da erfahre ich was über das Unternehmen oder da sehe ich Chancen, wo ich mich weiterentwickeln kann, sondern eher so, hei hei, lange Anforderungslisten. Finde ich mich nicht wieder. Vor allem die beiden Frauen jetzt hier haben das gesagt. Ja und eben das Schema F, was du eben schon angesprochen hast. Bullet Points über Bullet Points.
Sibylle:
Ja, also das war jetzt mal die Sicht von den möglichen Bewerbenden, wie die auf die Sache schauen. Das ist ja auch ganz wichtig. Die wollen wir ja schließlich am Ende auch erreichen, die wollen wir von uns überzeugen. Drehen wir das Ganze aber vielleicht mal um, wechseln die Perspektive und gucken uns das Ganze aus der Sicht der Unternehmen an. Wie geht man denn dort an das Thema Stellenanzeige ran?
Wir haben Luisa Lüttich gefragt. Sie ist Steinmetzmeisterin und kommt aus Göppingen. Ich habe übrigens gerade eben kurz darüber nachgedacht, heißt das Steinmetzen oder Steinmetzgerin? Ich war mir nicht ganz sicher. Also Luisa, erzähl uns doch mal, wie wird das Ganze bei euch gehandhabt?
Luisa:
Wenn ich einen neuen Mitarbeiter suche, dann setze ich mich mit folgenden Themen auseinander. Was genau suche ich eigentlich? Wie will ich den Mitarbeiter einsetzen? Was bin ich bereit, für den Mitarbeiter zu zahlen? Wie kann ich meinen Betrieb so attraktiv wie möglich darstellen und wo möchte ich die Anzeige schalten? Das trage ich dann meistens in einem Brainstorming zusammen. Wenn die Anzeige dann steht, dann veröffentliche ich sie. Berufs und Meisterschulen eignen sich da eigentlich hervorragend, lokale Medien und natürlich Social Media.
Luisa Lüttich vom Steinmetzbetrieb Lüttich in Göttingen.
Sibylle:
Richtig super ist, wie viele Gedanken sie sich macht. Denn wenn man mal ehrlich ist, wie das in den meisten Unternehmen läuft, dann nimmt man doch so die Stellenanzeige, die man beim letzten Mal benutzt hat. Dann passt man so ein bisschen die Daten an. So passiert das eben oft im Eifer des Gefechts. Man hat ja auch viel zu tun. Und sie fragt ja sogar nicht nur wen suche ich, sondern auch was biete ich.
Sibylle:
Recht, wenn man sich mal viele Stellenanzeigen anguckt, dieser Bereich, was bieten wir Ihnen, das ist jetzt langsam im Entstehen, dass immer mehr Unternehmen auch merken, wir müssen uns schön machen, wir müssen uns als Arbeitgeber bewerben. Und das finde ich eine super Entwicklung. Da sollten die Unternehmen weitergehen.
Man hat natürlich auch schon mal viel erreicht, wenn überhaupt jemand, der eine Zeitung liest oder in einem Online Portal ist, die eigene Stellenanzeige wahrnimmt. Und wie man dazu kommt, da dürfen die Unternehmen ruhig auch mal kreativer werden.
Ja, bei einigen Titeln, die sich die Leute dann so ausdenken, da muss ich einerseits grinsen. Ich gucke jetzt hier noch mal gerade in meine Zeitung, da steht eben dann wirklich die eierlegende Wollmilchsau, die wir ja eben im Zitat auch schon gehört hatten. Und da ist wirklich die klare Empfehlung, das sollten Sie, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, in Ihren Stellenanzeigen lassen.
Ein einfacher Grund, Suchmaschinenoptimierung. Die meisten suchen ja heute im Internet, geben wahrscheinlich eher nicht ein, ich bin eine eierlegende Wollmilchsau und suche einen Job in Köln, sondern eher Vertriebsleiter oder Controllerin und so weiter.
Jens:
Das Problem ist, wenn du bei Google Eierlegende Wollmilchsau eingibst und dann erscheint dein Bild, dann weißt du, dass du richtig verknüpft bist.
Sibylle:
Super, genau, ich muss mal meine LinkedIn Beschreibung, glaube ich, anpassen, da steht noch irgendwas von Teamleiterin drin, das ist dann genau. Und klar, kreativ werden ist eine super Idee, aber noch mal hier so ein Beispiel. Das habe ich hier auch noch mal entdeckt, so lustige Anzeigen oder humorvolle Anzeigen. Ja, ist ja auch so ein Trend.
Hier ist jetzt zum Beispiel ein Fachbetrieb für Baumpflege, die suchen Maschinenführer und Forstwirte. Anstelle von klassischen Qualifikationen steht da so etwas wie, du bist nicht komplett verpeilt, du kannst die Uhr lesen, du musst nicht alle drei Minuten eine WhatsApp schreiben oder Facebook checken. So gut, wenn natürlich, sage ich mal, der Inhaber des Geschäfts so humorvoll ist und das so deren totale Kultur ist und der Arbeitsalltag, würde ich sagen, okay. Aber ich glaube, wenn man möglichst viele Bewerbungen bekommen möchte, ist das eher nicht so der richtige Weg, weil Humor schriftlich oft nicht so gut funktioniert wie gesprochen.
Das merkt man ja auch, wenn man sich manchmal schon Nachrichten schickt. Dann meint man, was witzig und der andere sagt, hä, bist du mit dem linken Fuß aufgestanden. Und deshalb möchte ich gerne sagen, Kreativität ist schön, aber eben nicht alles. Achten Sie lieber darauf, dass Sie die Stellenanzeige wirklich so aufbauen, mit einem guten Einstiegssatz, das Wichtigste zuerst und dann auch den Wunsch bei den Bewerberinnen und Bewerbern wecken, bei Ihnen mit dazugehören zu können, in Ihrem Betrieb mitarbeiten zu können und viele Fragen beantworten. Das ist wichtiger, als noch eine besonders humoristische Note reinzupacken.
Jens:
Ja, klingt sehr, sehr spannend. Ich hätte mich ansonsten auch wahrscheinlich einfach nur beworben, um mal rauszufinden, ob die in dem Unternehmen wirklich so gut drauf sind. Aber darum geht es ja am Ende auch nicht, also die, die um Spaß haben, sondern man sucht ja eben auch Leute, die geeignet sind, in Zeiten des Fachkräftemangels und nicht irgendjemand.
Sibylle:
Ja, und in der Stellenanzeige war ja noch, ich weiß nicht, ob du es gehört hast, ich habe es jetzt auch nicht genau beschrieben, aber die suchten eben einen Maschinenführer oder einen Forstwirt.
Jens:
Ja, ja, da können wir mal einen kleinen Exkurs machen ins sogenannte AGG, das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Das besagt ja nämlich, dass niemand wegen der Herkunft, wegen des Geschlechts, wegen der Religionen, wegen der sexuellen Orientierung, wegen des Alters oder auch sonst aus irgendeinem Grund schlechter gestellt werden darf als andere. Deshalb gibt es mittlerweile eine gendergerechte Sprache, natürlich, die wir alle nutzen und pflegen sollten und im Grunde auch müssen. Die soll ja alle Menschen erreichen und ansprechen.
Anna Lena Müller ist Kommunikatorin bei Siemens. Neue KOFA auf dem Sofa Hörerinnen und Hörer, die erinnern sich noch an Annalenas Besuch hier bei uns und sie ist eben Expertin für genau dieses Thema, nämlich für Diversität.
Anna Lena:
Gendern in Stellenausschreibungen ist zweifelsohne wichtig und richtig und wie ihr eben gesagt habt, ja auch gesetzlich vorgeschrieben. Wenn Vielfalt jedoch im Unternehmen nicht gelebt wird, ist MWD, männlich, weiblich, divers, in einer Stellenausschreibung für mich nicht mehr als eine Mogelpackung. Wichtig ist für mich, dass auch im weiteren Prozess und dem Unternehmensalltag Inklusion und Vielfalt gelebt werden.
Sibylle:
Genau, was du sagst, würde ich voll unterschreiben und da gibt es auch sehr schöne Beispiele von Unternehmen, die eben nicht nur hinschreiben, wir suchen einen Anlagemechaniker, sondern hier das Unternehmen comspace aus Bielefeld, wo ich auch den Geschäftsführer, den Andreas Kemmer, sehr mag und schätze und dem das auch voll abnehme. Die haben sich dafür entschieden, hinter jedem Jobtitel immer in Klammern zu schreiben, alle Geschlechter willkommen und haben dann sogar eine eigene Landingpage gegründet, die heißt, ist das Inklusion oder kann das weg, wo sie erklären, wie eben bei ihnen Diversität im Unternehmen gelebt wird. Und das ist dann eben glaubwürdiger, als wenn man einfach nur sozusagen dem AGG gerecht wird durch dieses MWD, männlich, weiblich, divers, und ansonsten überhaupt nicht zu spüren ist, dass das Unternehmen auch offen ist für Vielfalt.
Jens:
Du hast noch einen Kreativtipp für uns, hast du vorher gesagt. Jetzt bin ich mal gespannt, was du da noch aus dem Ärmel schüttelst, dies machen.
Sibylle:
Wie wäre es denn eigentlich mal, wenn man Stellenanzeigen eben nicht nur in Text, nicht nur in Bulletpoint Wüsten formulieren würde, sondern ich fände es mal toll, wenn Unternehmen ihre Stellengesuche auch mündlich präsentieren würden und dann Videos in Social Media Kanälen posten oder auf YouTube auch. Da kann man ja dann sozusagen auch die Kandidatinnen und Kandidaten mit auf so eine virtuelle Reise durchs Unternehmen nehmen, denen mal zeigen, wo sie später arbeiten werden und wer die Kolleginnen und Kollegen sein werden. Wir haben ja vor zwei Wochen über die Glaserei Sterz gesprochen und da hat ja auch der Geschäftsführer sich hingestellt und mal ganz offen einfach erzählt, was sind seine offenen Stellen, was kriegt man da geboten. Und gerade in sozialen Medien ist es ja ganz wichtig, nicht nur eben in Texten zu denken, sondern auch in Bildern.
Jens:
Soziale Medien ist das Stichwort. Ich habe noch was Schönes bei Instagram gefunden und zwar von Heinje Baumschulen, die mal ganz anders nach Personal gesucht haben und zwar sehr nett und kreativ, wie ich finde. Die haben ihre Stellenanzeige sozusagen in drei Bildern aufgebaut. In Nummer eins ist ein zartes Pflänzchen zu sehen, sagen wir mal, darunter der Text, pflanz dich zu uns, dann wird das Pflänzchen im nächsten schon zu einer Pflanze und die Firma Heinje verrät, welche Chancen und Möglichkeiten man als Mitarbeitender zum Wachsen in diesem Unternehmen hat. Und dann kommt Bild Nummer drei mit einem Aufruf, sei verwurzelt, bewirb dich.
Sibylle:
Och, das finde ich aber schön. Genau, richtig schöne Metapher. Also das ist ja dann doch wieder das Kreative, das haben wir ja auch eben schon gesagt, das ist gut, aber eben auch nicht alles. Denn als Bewerber interessieren mich natürlich auch so harte Fakten. Wo ist da der Standort, wie ist mein Verantwortungsbereich, mit wem arbeite ich zusammen und Achtung, Trendthema, was verdiene ich denn da so. Und da sind wir in Deutschland ja echt sehr bedeckt damit. Also da verraten wir nicht viel. Wenn ich jetzt hier meine Zeitung nicht hier in Deutschland in Köln lesen würde, sondern in einem Wiener Kaffeehaus und ein Einspänner dazu trinken und da würde ich nämlich in den Stellenanzeigen sehr, sehr viele Gehaltsangaben finden. In Österreich ist das bereits Pflicht, also reinzuschreiben, was so der Gehaltsrahmen sein kann.
Jens:
Ganz ehrlich, das finde ich übrigens auch bei Vorstellungsgesprächen immer das Unangenehmste, dass man so gucken oder auch schon bei der Bewerbung selbst, dass du reinschreiben sollst, wie deine Gehaltsvorstellung ist. Und da denkst du, na ja, kann jetzt ein Treffer werden, kann auch kein Treffer werden, vielleicht lohnt es sich auch gar nicht, sich dort zu bewerben, weil am Ende wollen die nur die Hälfte von dem zahlen, was ich mir eigentlich so vorgestellt habe oder sie auch brauche. Und dann sitzt du im Vorstellungsgespräch und dann wird noch mal über die Gehaltsvorstellung gesprochen und dann sind beide Seiten so ein bisschen am Rumdrucksen. Deswegen finde ich es gut, einfach mal die Sache auf den Tisch zu bringen und zu sagen, also Folgendes, wir zahlen für die Stelle je nach Qualifikation zwischen von und bis, und dann gucken Sie auch mal, wo wir Sie da mit eingruppieren können, sozusagen. Und dann ist das fair und dann ist das für jeden transparent und man weiß, was einen erwartet.
Sibylle:
Genau und dass das so total unangenehm für Bewerberinnen und Bewerber ist, haben auch die größten Jobportale schon entdeckt. Stepstone hat vor, ich glaube, zwei Jahren Gehalt.de übernommen und seitdem kann man, wenn man bei Stepstone eingeloggt ist oder registriert ist als Kundin, immer Gehaltsrahmen angezeigt bekommen, wenn man nach Stellen sucht. Ich glaube, viele Unternehmen wissen das noch gar nicht. Da sollte man vielleicht mal gucken, wenn man eine Stelle ausschreibt. Und dann weiß man eben auch, mit welchem Bild, also welcher Vorstellung von dem Gehalt, die Leute in die Gespräche reinkommen. Klar, Stepstone neben Indeed, Monster und so ist einfach noch eins der großen Portale, über die Leute aufmerksam werden.
Jens:
Und ob das Budget, was man sich da vorstellt, für den Kollegen oder die Kollegin auszugeben, überhaupt realistisch ist. Gerade in Zeiten, wo wir so einen stark belebten Fachkräftemarkt haben und man tritt dann mit einer Gehaltsvorstellung an, die völlig unrealistisch ist, ist natürlich klar, das kann man eigentlich auch bleiben lassen. Also da muss einem das die Leistung auch schon wert sein.
Sibylle:
Also da gerne mal von alten Zöpfen lösen, dass das immer ein Tabuthema sein muss und ein bisschen Orientierung bieten. Und wenn es nur ist, wir orientieren uns am Tarifvertrag oder zahlen übertariflich oder sonst etwas.
Sibylle:
Ein anderer Punkt, der ja auch sehr entscheidend sein kann dafür, ob ich eine Stelle antrete oder nicht, ist, wie flexibel kann ich denn da arbeiten, ja, und zwar von Ort und Zeit. Hier finde ich sehr interessant, dass erst mal einfach Leute, die in Teilzeit arbeiten wollen, ein riesiges Fachkräftepotenzial noch sind. Na ja, riesig ist ja immer noch so ein bisschen relativ auf dem deutschen Arbeitsmarkt, aber wir haben einfach nicht mehr viele Potenziale, die wir noch ausschöpfen können. Aber die deutschen Frauen, die fast genauso häufig erwerbstätig sind wie Männer, sind zur Hälfte in Teilzeit beschäftigt. Dieses Potenzial sprechen viele Unternehmen gar nicht an, weil sie überhaupt in ihre Stellenanzeigen Teilzeit gar nicht als Option reinschreiben.
Jens:
Genau und deswegen wollen wir jetzt mal ganz genau wissen, ob sich was in diesem Bereich getan hat. Wie viele Stellen werden denn zum Beispiel bei Indeed inzwischen in Teilzeit ausgeschrieben, liebe Annina Hering?
Annina:
Im Mai 2022 werden rund 18 Prozent aller Stellenanzeigen auf Indeed in Teilzeit angeboten. Dieser Anteil hat sich innerhalb der letzten drei Jahre fast verdoppelt. Es gibt vor allem drei Gründe, die erklären können, warum Teilzeitstellen auf Indeed stark ansteigen. Der erste Grund ist das Thema Fachkräftemangel. Betriebe werden quasi dazu gezwungen, in ihrer Stundenanzahl flexibler zu werden. Der zweite Grund ist das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Hier ist es einfach so, dass das viel stärker auf der Agenda von den Unternehmen steht. Und der dritte Grund ist der demografische Wandel. Das heißt, hier werden immer kreativere Lösungen gefordert, damit ältere Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen auch in den Unternehmen bleiben beziehungsweise neu angeworben werden können.
Jens:
Da stellt sich natürlich die Frage, Sibylle, wie genau kann man die weibliche Zielgruppe als Unternehmen denn noch besser erreichen, als man es vielleicht bislang getan hat?
Sibylle:
Erst mal möchte ich noch einmal betonen, jetzt hat Annina ja das lobend hervorgehoben, dass 18 Prozent aller Stellenanzeigen schon mit Teilzeit ausgeschrieben werden. Das heißt aber immer noch 82 Prozent werden es nicht und Teilzeit heißt ja nicht nur halbe Stelle. Ja, das heißt, wenn man reinschreibt in Vollzeit oder vollzeitnaher Teilzeit oder Teilzeit möglich, dann erreicht man Leute, die nämlich inzwischen bei diesem Kästchen, wo man sein Jobgesuch reintun kann, da drunter das Häkchen anklicken, nur Teilzeitstellenanzeigen. Das sind auch heute nicht nur Frauen, das wollte ich gerne noch ergänzen.
Genau, wie kann man Frauen gezielt ansprechen? Also erst mal, wenn man Teilzeit anbietet, ganz oben reinschreiben. Dann ganz genau auch gucken, was ist ein Muss bei Stellenantritt von den Anforderungen und was kann man vielleicht auch noch in der Zusammenarbeit entwickeln. Denn wir sehen, das ist so ein bisschen stereotyp, aber viele Frauen sehen von der Bewerbung ab, wenn sie auch nur eine einzige Anforderung nicht zu ihrer Zufriedenheit erfüllen.
Jens:
Da sind Männer anders, da sind Männer anders.
Sibylle:
Ja, man denkt ja immer, man muss nur einer Sache zustimmen und ich bewerbe mich dann da. Die denken so, na ja gut, den Social Media Kanal habe ich jetzt schon mal privat ein bisschen mitgemacht, das kriege ich drauf, das lerne ich schon noch. Dann sich mal in die Rolle der Bewerberin zu versetzen und einfach so viele Fragen wie nur möglich zu beantworten. Was möchte die wissen, wo ist der Standort, wie komme ich da gut hin, bieten wir Kinderbetreuung und so weiter.
Das sind gute Ideen, um Frauen zu gewinnen und ein weiterer Punkt ist noch die Wortwahl. Also Frauen reagieren auf Sprache anders als Männer und auf bestimmte Wörter. Und da habe ich ein schönes Beispiel von Daniela Burkhardt, sie ist Head of Human Resource Management bei der BDAG Informatik AG, das ist ein Schweizer Unternehmen. Und die sagt, wir verzichten bewusst auf Machowörter wie dynamisch, erfolgshungrig, durchsetzungsstark. Die haben auch tatsächlich so eine Sprachschiene, wo sie die potenziellen zukünftigen Mitarbeiterinnen auf eine Art mit durch das Unternehmen nehmen und beschreiben, wie es dort aussieht und wie der Arbeitsalltag ist. Also weniger auf Schlagworte, die auf Eigenschaften hindeuten, sondern mehr Verhaltensweisen beschreiben, Zusammenarbeit beschreiben. So kann man Frauen gut erreichen.
Jens:
KOFA to go Wissen zum Mitnehmen.
In vielen Stellenanzeigen ist noch Luft nach oben. Wir verraten Ihnen heute, wie Sie sich von der Masse abheben können und Ihre potenziellen Bewerberinnen und Bewerber noch besser erreichen. Sibylle hat drei Tipps für Sie und hier kommt auch schon der erste.
Sibylle:
Heben Sie sich von anderen ab, egal ob Bildsprache, Gehaltsangaben oder die besondere Betonung darauf, dass die Stelle auch in Teilzeit ausgeübt werden kann. Stellen Sie Dinge in den Vordergrund, die Ihren Betrieb von anderen unterscheiden und Sie als Arbeitgeber attraktiv machen.
Noch ein zweiter Tipp. Weniger ist manchmal auch mehr. Überladen Sie Ihre Stellenanzeigen nicht mit zu viel Text. Eine zu lange Anforderungsliste an Aufgaben und Qualifikationen kann abschrecken. Legen Sie lieber den Fokus darauf, was künftige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Ihnen erwarten können.
Und Tipp drei für Sie. Investieren Sie in Sichtbarkeit. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Stellenanzeige möglichst viele Menschen erreicht. Dies gelingt mit der Wahl geeigneter Stellenbörsen, einer eigenen Karriereseite und mit Suchmaschinenoptimierung.
Jens:
KOFA to go Wissen zum Mitnehmen.
Schön, das war KOFA auf dem Sofa, diesmal mit dem Turbo für Ihre Stellenanzeigen. Beim nächsten Mal wird es nicht darum gehen, wie Sie neue Fachkräfte gewinnen, sondern darum, wie man damit umgeht, wenn einen die, die man schon hat, verlassen, zum Beispiel, weil sie unzufrieden sind. Unser Thema, Sibylle, lautet dann nämlich:
Sibylle:
Wenn Mitarbeitende zurückkommen, der Wert einer guten Trennung. Also wir sprechen darüber, wie man Mitarbeitenden vielleicht auch noch mal eine Tür aufhält, wenn die dann merken, bei Nachbars Garten war das Gras von Ferne grüner als dann in Wirklichkeit.
Jens:
Ja, freuen wir uns drauf, wird sicherlich auch wieder spannend werden. Wir trennen uns erst mal nur bis zum 1. Juli, dann gibt es nämlich das nächste KOFA auf dem Sofa. Wir freuen uns jetzt schon drauf und sagen tschüss für heute.
Sibylle:
Tschüss, machen Sie es gut.
Abmoderation:
Fachleute für Fachkräfte KOFA auf dem Sofa der Podcast