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Transkript: Folge 47

KOFA auf dem Sofa: Personalarbeit in KMU

Jens: 
KOFA auf dem Sofa, der Podcast mit Sibylle Stippler und Jens Breuer. 

Sibylle: 
Hallo liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, wie schön, dass Sie wieder mit uns auf dem KOFA-Sofa Platz genommen haben. Uns alle beschäftigt die Situation in der Ukraine. Ich glaube, wir alle fühlen mit den Menschen vor Ort und zugleich geht das Arbeitsleben hier in Deutschland ein Stück weit weiter wie bisher. Manche Unternehmen haben aber auch direkte Verbindungen in die Ukraine und sind anders betroffen. 

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Zwischendurch habe ich gar nicht mehr den Kopf so für meinen Arbeitsalltag. Aber dann gibt es natürlich auch viel zu tun, nach wie vor. Melden Sie sich auch gerne mal bei uns, wenn Sie dazu noch mehr erfahren möchten oder sich wünschen, dass wir das Thema noch einmal ausführlicher hier besprechen. 

Weil der Arbeitsalltag aber eben auch weitergeht, haben wir uns für heute vorgenommen, mal ordentlich durchzufegen – passend zum Frühjahrsputz. Wir möchten nämlich mit Trends im Personalwesen aufräumen. Was ist für Personalerinnen und Personaler heute wirklich wichtig und worauf können sie vielleicht eher verzichten? 

Zu diesem Thema haben wir heute einen Gast eingeladen, der sich damit richtig gut auskennt. Denn kaum jemand kann uns diese Fragen besser beantworten als Cliff Lehnen. Er ist Chefredakteur bei der Personalwirtschaft. Herzlich willkommen bei uns, lieber Cliff. 

Cliff: 
Vielen Dank für die freundliche Einleitung, Sibylle. Ob es keiner besser kann, weiß ich nicht, aber ich werde mein Bestes geben. 

Jens: 
Auch von mir ein herzliches Willkommen. Hallo, lieber Cliff. Als treue Hörerinnen und Hörer unseres Podcasts wissen Sie, was jetzt kommt. Denn immer, wenn wir einen Gast bei uns auf dem KOFA-Sofa haben, steht eine Runde Fahrstuhlfahren an. 

Auch du, Cliff, bekommst jetzt 30 Sekunden Zeit, um dich kurz vorzustellen. Bist du bereit für deinen Elevator Pitch? 

Cliff: 
Ja, ich denke schon. 

Jens: 
Dann geht es jetzt los. 

Cliff: 
Hallo zusammen, ich bin Cliff. Wie meine Oma sagen würde, bin ich in meinem 40. Jahr. In diesem Jahr bin ich Chefredakteur der Personalwirtschaft und für die HR-Fachmedien im FAZ-Fachverlag inhaltlich verantwortlich. Ich beschäftige mich mit Themen rund um HR, Recruiting, Arbeitswelt, Organisationsentwicklung und Change – und das seit ungefähr zehn Jahren. Ich bin gespannt, ob mein Fachwissen für diese Runde reicht. 

Jens: 
So, Tür auf, Cliff raus, oben angekommen, da sind wir auch schon. 

Sibylle: 
Cliff, ich kenne dich ja schon eine Weile und wir haben dich bewusst für diese Folge ausgewählt. Was ich dich als Erstes fragen möchte: Ganz ehrlich, wie zufrieden bist du mit der Personalarbeit deutscher Unternehmen? 

Cliff: 
Ich würde sagen, unterm Strich bin ich zufrieden. Es ist ja immer leicht, aus dem warmen Büro des Redakteurs heraus zu kritisieren und zu sagen, wie schlecht alles läuft. 

Aber wenn man sich die letzten zwei Jahre anschaut, also die Corona-Krise, dann hat man gesehen, was HR leisten kann – und das ist tatsächlich eine ganze Menge. HR war als Krisenmanager sehr präsent und hat aus dieser Zeit auch einen gewissen Schwung mitgenommen. Das klingt vielleicht paradox, ist aber so. HR hat sogar an Standing gewonnen. 

Ich glaube, vieles läuft gar nicht so schlecht, auch wenn oft gesagt wird, HR sei zu langsam oder zu bürokratisch. Das hören wir seit Jahren. Gleichzeitig gibt es viele gute Praxisbeispiele, die ein anderes Bild zeigen. 

Unterm Strich bin ich also nicht unzufrieden. Ich würde sagen: eine 2 minus mit Potenzial nach oben. 

Sibylle: 
Du sagst, in der Pandemie hat sich viel getan. Kann man das auch belegen, dass sich das Standing von HR verbessert hat? 

Cliff: 
Wir haben im letzten Jahr eine Befragung durchgeführt. Etwa die Hälfte der Personalerinnen und Personaler hat gesagt, dass sich ihr Standing verbessert hat – also die Art zu kommunizieren, Themen zu platzieren oder als Sparringspartner der Geschäftsführung aufzutreten. 

Allerdings hat die gleiche Studie auch gezeigt, dass dadurch mehr Themen auf die HR-Agenda gekommen sind. Der Schreibtisch ist voller geworden – bei gleichbleibenden Budgets und Personalressourcen. 

Das heißt: Ja, das Standing ist gestiegen, aber es hat sich nicht wirklich messbar niedergeschlagen. Das ist für viele eher ernüchternd. 

Jens: 
Nun ist es ja so, dass man sein Handwerk als Personaler irgendwann gelernt hat und das lange gut funktioniert hat. Gleichzeitig befinden wir uns in einer Welt im Umbruch. 

Auf welche früher bewährten HR-Maßnahmen würdest du heute eher verzichten? Oder anders gefragt: Womit würde man Bewerberinnen und Bewerber heute eher abschrecken? 

Cliff: 
Da hat Corona viel verändert. In unserer Befragung haben neun von zehn Unternehmen gesagt, dass flexible Arbeitszeiten und Arbeitsorte entscheidend sind, um attraktiv zu bleiben. 

Dieses Thema ist durch Remote Work und Homeoffice komplett durchgeschlagen. Es gibt Zielgruppen, die man ohne diese Flexibilität gar nicht mehr erreicht. 

Das Gleiche gilt für Führungskultur. Wie viel Vertrauen gebe ich? Wie viel Freiraum? Wie ermögliche ich Entfaltung und Mitgestaltung? 

Diese Entwicklungen gab es schon vorher, aber sie wurden durch Corona stark beschleunigt. 

Sibylle: 
Ich habe gerade noch einmal in meinen Unterlagen geschaut und eine Studie von Indeed gefunden. Demnach ist die Anzahl der HR-Stellenanzeigen im Vergleich zur Zeit vor der Krise um 15 Prozent gestiegen. 

Vielleicht bauen Unternehmen ihre HR-Abteilungen doch aus – sie finden nur nicht genug Fachkräfte? 

Cliff: 
Das ist tatsächlich so. HR entwickelt sich gerade zu einem Engpassberuf. Das zeigt auch der Hays-Fachkräfte-Index. HR-Funktionen sind stärker gefragt denn je. 

Sibylle: 
Wir sprechen viel über HR-Abteilungen, aber viele KMU haben diese Funktion gar nicht in dieser Form. 

Ich bekomme täglich viele Newsletter mit Tipps und Trends. Selbst für mich ist es manchmal schwer zu erkennen, was wirklich relevant ist. Kannst du da Orientierung geben? 

Cliff: 
Das ist ein bisschen wie in die Glaskugel schauen. Aber grundsätzlich sehe ich kritisch, wenn Menschen zu stark schematisiert werden. 

Zum Beispiel Persönlichkeitsanalysen ohne wissenschaftliche Grundlage oder starre Typisierungen – davon halte ich wenig. 

Auch Generationenlabels wie Generation Y oder Z sehe ich kritisch. Es gibt gesellschaftliche Entwicklungen, die alle betreffen, nicht nur einzelne Generationen. 

Dieses starre Einordnen von Menschen gefällt mir nicht. 

Jens: 
Gibt es einen Trend, bei dem du sagst: Da kommen Unternehmen dieses Jahr nicht drum herum? 

Cliff: 
Ein großes Thema ist die Rückkehr ins Büro, also „Back to Office“. Gleichzeitig gibt es neue Erwartungen an Flexibilität. 

Das führt zu Spannungen. Unternehmen müssen entscheiden, ob sie zum Vor-Corona-Modell zurückkehren oder hybride Lösungen finden. 

Diese Neu-Ausrichtung der Arbeitswelt wird eine der zentralen Herausforderungen sein. 

Sibylle: 
Ich glaube auch, dass es selten Schwarz oder Weiß ist, sondern eher irgendwo dazwischen. 

Wir im KOFA schauen oft auf unsere Website-Zugriffe, um zu sehen, welche Themen besonders interessieren. Bevor ich das verrate, würde mich interessieren: Welche Themen bekommen bei euch besonders viel Aufmerksamkeit? 

Cliff: 
Ja, das kann ich dir ziemlich genau sagen. Aktuell ist bei uns mit Abstand das meistgeklickte Thema die Rückkehr zum Arbeitsplatz. Also konkret: Was passiert mit 3G am Arbeitsplatz? Das ist gerade unser absolutes Boomthema. 

Ein weiteres Thema, das sich seit Corona etabliert hat, ist Homeoffice im Ausland. Das ist ein riesiger Dauerbrenner bei uns – in verschiedensten Ausprägungen. Also Workation, den Laptop mitnehmen, von überall aus arbeiten. Viele fragen sich: Wie ist das arbeitsrechtlich? Wie ist das versicherungstechnisch geregelt? 

Sibylle: 
In der Coronazeit kam das Thema ja stark auf. Ich habe auch gehört, dass manche Menschen darüber nachgedacht haben, sogar von Kreuzfahrtschiffen aus zu arbeiten. Und ich muss gestehen, ich hatte auch Momente, in denen ich dachte, das klingt gar nicht so schlecht. 

Aber gibt es dazu eigentlich Zahlen? Ist das eher eine Spielerei oder tatsächlich eine neue Freiheit, die viele nutzen und die Unternehmen auch unterstützen? 

Cliff: 
Ich habe dazu keine konkrete Statistik, aber man kann es gut aus der eigenen Erfahrung heraus beobachten. Es ist ein bisschen wie damals bei Corona – irgendwann kannte jeder jemanden, der es hatte. Heute kennt jeder mehrere. 

Ähnlich ist es hier: Man hört immer öfter von Leuten, die von Gran Canaria aus arbeiten oder mit der Familie mehrere Monate in Portugal verbringen und von dort aus ihren Job machen. 

Diese Beispiele nehmen zu und erzeugen so einen Schneeballeffekt. Dadurch wird das Thema präsenter und andere machen es nach. 

Allerdings habe ich gestern mit Expertinnen und Experten für Auslandsentsendungen gesprochen. Und wenn man die fragt, wird schnell klar: So einfach ist das alles nicht. Die steuerlichen, versicherungstechnischen und arbeitsrechtlichen Fragen sind komplex. 

Es gibt sogar Fälle, in denen Unternehmen erst nach Monaten erfahren haben, dass Mitarbeitende schon lange aus dem Ausland arbeiten. Das kann dann durchaus problematisch werden. 

Jens: 
Auf der anderen Seite spricht es ja auch für das Arbeitsmodell, wenn es monatelang gar nicht auffällt. 

Cliff: 
Ja, solange es ohne A1-Bescheinigung läuft, ist das natürlich heikel. Ich glaube aber, dass hier noch Entwicklungspotenzial besteht. Gerade im internationalen Wettbewerb kann es ein Nachteil sein, wenn solche Modelle in Deutschland komplizierter sind als in anderen Ländern. 

Sibylle: 
Das bleibt spannend. Bei uns im KOFA sehen die meistgeklickten Themen etwas anders aus. Auf Platz eins steht aktuell das Thema Bewerbungsgespräche führen. 

Das zeigt auch, dass viele unserer Zielgruppen keine eigene Personalabteilung haben und sich dieses Wissen selbst aneignen müssen. 

Ein weiteres Thema ist die SWOT-Analyse in der Personalarbeit. Also Fragen wie: Welche Stärken und Schwächen haben wir? Wie sieht unsere Altersstruktur aus? Wie planen wir unseren Personalbedarf? 

Und seit der Pandemie ist auch die Wiedereingliederung nach Krankheit stark nachgefragt. 

Cliff: 
Das sind sehr operative Themen, aber absolut wichtig. Gerade eine SWOT-Analyse sollte man regelmäßig machen, um die eigene Personalarbeit strategisch zu reflektieren. Das ist sehr sinnvoll. 

Jens: 
Zum Schluss hätten wir noch eine Frage an dich, Cliff. Warum ist strategische Personalarbeit heute wichtiger denn je – gerade für kleine und mittlere Unternehmen? 

Cliff: 
Wir sprechen seit über 20 Jahren über Fachkräftemangel und Employer Branding. Aber durch Corona hat sich vieles noch einmal beschleunigt. 

In vielen Branchen gibt es inzwischen deutliche Engpässe – in der Pflege, im ärztlichen Bereich, in der Gastronomie oder im Einzelhandel. 

Strategische Personalarbeit bedeutet, das Thema ganzheitlich zu denken: Wie möchte ich als Arbeitgeber auftreten? Welche Menschen brauche ich? Wie gewinne ich sie? Und wie halte ich sie langfristig? 

Dazu gehören eine gute Führungskultur, ein positives Arbeitsumfeld und die Fähigkeit, auf Veränderungen zu reagieren. 

Wenn man sich den demografischen Wandel, die Digitalisierung und die Veränderungen am Arbeitsmarkt anschaut, wird klar: Es ist wichtiger denn je, die richtigen Menschen zu gewinnen und zu halten – unabhängig davon, ob man ein Großunternehmen oder ein kleiner Betrieb ist. 

Jens: 
KOFA to go – Wissen zum Mitnehmen. Heute mit unserem Gast Cliff Lehnen und drei Tipps für erfolgreiche Personalarbeit in KMU. 

Cliff, dein erster Tipp? 

Cliff: 
Gute Führung. Man sagt ja: Menschen kommen zum Unternehmen und gehen wegen der Führungskraft. Deshalb ist es wichtig, authentisch zu führen, die Mitarbeitenden ernst zu nehmen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. 

Sibylle: 
Und Tipp Nummer zwei? 

Cliff: 
Recruiting digitalisieren. Es gibt viele einfache Möglichkeiten, den Bewerbungsprozess zu vereinfachen. Wichtig ist, die Zielgruppen zu verstehen. Wenn schriftliche Bewerbungen nicht entscheidend sind, kann man zum Beispiel auf ein Anschreiben verzichten und den Zugang erleichtern. 

Sibylle: 
Und dein dritter Tipp? 

Cliff: 
HR als Vermittler verstehen. In einer Zeit mit vielen Spannungen kann HR eine verbindende Rolle im Unternehmen einnehmen. Also als Kulturvermittler und als Instanz, die unterschiedliche Perspektiven zusammenbringt. 

Jens: 
KOFA to go – Wissen zum Mitnehmen. Vielen Dank, lieber Cliff Lehnen, Chefredakteur der Personalwirtschaft, dass du heute bei uns warst. 

Cliff: 
Vielen Dank für die Einladung. Hat Spaß gemacht. 

Sibylle: 
Uns auch. 

Jens: 
Am 6. April gibt es die nächste Folge von KOFA auf dem Sofa. Dann geht es um den Erfolgsfaktor Standort. 

Sibylle: 
Genau. Also: Wie gewinnen Unternehmen Fachkräfte, wenn sie nicht in einer Metropolregion sitzen? Wenn man eher ländlich gelegen ist? 

Jens: 
Oder lohnt es sich vielleicht, näher an die Zielgruppe heranzurücken? 

Sibylle: 
Das klären wir in der nächsten Folge. Wir freuen uns auf Sie und sagen bis dahin: Tschüss und danke fürs Zuhören. 

Jens: 
Tschüss, machen Sie es gut. 

Jens & Sibylle: 
Fachleute für Fachkräfte – KOFA auf dem Sofa, der Podcast.