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Transkript: Folge 46

KOFA auf dem Sofa: Vom Start-Up zum Unternehmen - Gast: Magdalena Muttenthaler

KOFA auf dem Sofa 

Der Podcast mit Sibylle und Jens 

Jens: 
KOFA auf dem Sofa, der Podcast mit Sibylle und Jens. Ein herzliches Willkommen zu KOFA auf dem Sofa am 9. März. Schön, dass Sie reinhören. 

Sibylle: 
Schön, dass Sie dabei sind. 

Jens: 
Eine Gründung war schon immer etwas ganz besonders Aufregendes. Seit ein paar Jahren liegt Gründen aber erst so richtig im Trend. Das haben wir Sendungen wie zum Beispiel „Die Höhle der Löwen“ zu verdanken. Dort bekommen Menschen mit innovativen Ideen die Chance, bekannte Investoren wie Dagmar Wöhrl, Judith Williams oder Nico Rosberg von sich und ihrem Produkt zu begeistern. 

Sibylle: 
Ich kenne diese Sendung und ich weiß, die ist auch total motivierend für viele Menschen, sich doch noch mal Gedanken über eine Geschäftsidee zu machen. Für mich wird es eigentlich immer erst spannend, wenn die Sendung zu Ende ist. Ich bin so ein Typ für Follow-ups, also so: Was danach geschah. 

Jens: 
Und ob danach noch was geschah. 

Sibylle: 
Genau, ob danach noch was geschah. Denn man kann sich das ja vorstellen: Eigentlich geht nach der Show die Arbeit erst so richtig los. Der Weg zu einem erfolgreichen Start-up-Unternehmen ist ja kein Walk über eine glatt gebügelte Straße. Da liegen durchaus die ein oder anderen Steinbrocken herum. Gerade dann, wenn man es nicht alleine macht, sondern sich vielleicht noch ein oder zwei Leute zur Seite holt, also ein Team bildet, ein Team aufbaut und dann zur Arbeitgeberin oder zum Arbeitgeber wird. Und genau darüber wollen wir heute sprechen. 

Jens: 
Ja, ich glaube, viele unterschätzen das ein bisschen. Eine Idee für ein tolles Produkt oder eine tolle Dienstleistung ist am Ende noch nicht das Unternehmen. Nur weil jemand eine gute Idee hat oder ein innovativer Kopf ist, heißt das noch lange nicht, dass er auch 15 oder 20 Mitarbeitende managen kann, geschweige denn eine Geschäftsstrategie, die langfristig angelegt ist. Deswegen brauchen viele Unterstützung. In der Tat, es ist eine große Herausforderung, ein Unternehmen zu gründen. 

Bei mir war das ja so: Ich bin mittlerweile im zehnten Jahr selbstständig. 2013 haben wir gegründet. Man lernt über die Jahre vieles dazu und es ist längst nicht mehr alles so wie am Anfang. Trotzdem hatten wir Glück, muss man sagen. Wir haben direkt im ersten Jahr schwarze Zahlen geschrieben und sogar ein bisschen darüber hinaus. Da kann man nur zufrieden sein. Trotzdem weiß ich natürlich, wie aufregend das ist, sich am Markt auszuprobieren. Bei vielen sieht man aber auch, dass es unterschätzt wird und viele Geschäftsideen relativ schnell wieder verschwinden. Ein paar haben Glück. 

Hast du eigentlich Zahlen dazu, wie sich Start-ups entwickeln? Wer hält durch und wer ist schon nach der ersten Kurve nicht mehr dabei? 

Sibylle: 
Ja, es ist schon so, dass die Zahl der Existenzgründungen in der Corona-Zeit etwas zurückgegangen ist. Das war ein Rückgang von etwa 11 Prozent von 2020 auf 2021. Die KfW hat dazu Zahlen. 

Ein gewisser Prozentsatz schafft es nicht. Spannender finde ich aber: Von denen, die es schaffen, werden später rund ein Viertel Arbeitgeberinnen oder Arbeitgeber. Drei Viertel bleiben One-Woman- oder One-Man-Shows, aber die anderen wachsen und stellen Mitarbeitende ein. 

Wie war das bei dir? Kannst du dich an deine erste Einstellung erinnern? 

Jens: 
Ja, die erste Einstellung war ein Mann, ein Redakteur. Wir sind zu zweit gestartet als gleichberechtigte Geschäftspartner, dann kam ein Redakteur dazu, danach ein Sendermanager, weil wir im Radiobereich arbeiten. Wir waren relativ schnell 45 Leute. 

Da muss man sehen, wie man das organisiert. Man darf sich nicht alles selbst auf den Tisch ziehen. Das ist eine wichtige Lehre: Man kann irgendwann nicht mehr alles selbst machen. 

So ähnlich ging es auch Magdalena. Sie hat das Online-Nachhaltigkeitsmagazin Freeminded Folks gegründet und uns erzählt, was für sie die größte Herausforderung war. 

Magdalena: 
Ich fand und finde es nach wie vor eine große Herausforderung, eine wirklich gute Arbeitgeberin zu sein. Denn zu gründen und zu führen sind zwei sehr unterschiedliche Dinge. Eine gute Unternehmenskultur und ein guter Umgang sind essenziell. Ebenso regelmäßige Gespräche mit Mitarbeitenden, um sich von der Gründerin zur Führungskraft zu entwickeln, die in der Lage ist, das Team so zu führen, dass alle ihr Potenzial ausschöpfen können. Denn das entscheidet letztlich darüber, wie schnell ein Unternehmen wächst. 

Sibylle: 
Ja, genau das sollte auch das Ziel sein: klein starten und sich dann weiterentwickeln. 

Ich glaube, diesen Respekt vor der Führungsaufgabe haben viele Gründerinnen und Gründer. Manche starten direkt nach der Uni und haben das noch nie erlebt. Andere denken, sie machen alles anders als ihre bisherigen Chefs und merken dann, dass es doch nicht so einfach ist. 

Ich habe ein Interview mit Daniel Stammler gelesen, Gründer von Kolibri Games. Er sagt, Führung entscheidet über den Unternehmenserfolg. Es liegt in der Verantwortung der Führungskraft, dafür zu sorgen, dass Mitarbeitende glücklich und gleichzeitig erfolgreich sind. 

Jens: 
Das würde Magdalena wahrscheinlich auch sagen. Wir haben sie auch gefragt, was ihre größte Sorge war. 

Magdalena: 
Die größte Sorge war, dass ich gar nicht richtig weiß, was es bedeutet, Arbeitgeberin zu sein. Ich habe sehr jung gegründet und einige meiner ersten Mitarbeitenden waren älter als ich. Letztlich war es aber ein Vorteil, ohne feste Vorstellungen zu starten. So hatte ich die Möglichkeit, meine Rolle neu zu definieren. Viele Dinge mache ich anders als klassische Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber und das wird von meinen Mitarbeitenden sehr geschätzt. 

Sibylle: 
Das ist genau die Faszination von Start-ups. Man geht unvoreingenommen an die Dinge heran, ohne festgefahrene Strukturen. Man sieht schnell, was funktioniert und was nicht. 

Jens: 
Und manchmal sieht man Probleme auch gar nicht, die andere schon sehen. 

Sibylle: 
Genau. Und wenn man jemanden einstellt, bekommt man nochmal eine neue Perspektive. Manche sagen, man sollte am Anfang eher Generalisten einstellen statt Spezialisten. 

Ein wichtiger Moment ist der Punkt, an dem man merkt: Ich kann das nicht mehr alleine schaffen. Dann muss man überlegen, welche Aufgaben man delegieren kann und welche Kompetenzen man im Team braucht. 

Jens: 
Und sich Hilfe holen. Es gibt Fördermittel vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Man kann mit Steuerberaterinnen und Steuerberatern sprechen und sollte Arbeitsverträge rechtlich prüfen lassen. Wichtig ist: den Schritt bewusst gehen und Unterstützung annehmen. 
 
Die richtigen Leute zu finden, ist sicherlich eine ganz große Herausforderung. Ich stelle bei mir immer wieder fest: Ich bin gewillt, Aufgaben zu delegieren, aber ich bin auch perfektionistisch und bekomme oft nicht das Ergebnis zurück, wie ich es mir vorstelle. Das mag sehr subjektiv sein. 

In einem Unternehmen, das etwas produziert, ist das vielleicht noch mal anders als in einer redaktionellen, inhaltlichen Arbeit wie bei uns. Da ist viel Geschmackssache dabei, viel Subjektives. In produzierenden Betrieben kann man da andere Maßstäbe ansetzen, aber mir fällt das persönlich schwer. 

Magdalena hat sich dazu auch Gedanken gemacht und von ihren Erfahrungen zur Personalauswahl berichtet. Das fand ich sehr spannend. 

Magdalena: 
Drei Tipps, die ich im Rahmen des Hirings beachten würde, wären: Erstens, die eigenen Unternehmenswerte zu definieren und nur Mitarbeitende einzustellen, deren Werte dazu passen. Zweitens, in Stellenausschreibungen immer auch Aufgaben zu stellen. Und drittens, einen guten Onboarding-Prozess bereitzustellen, um einen erfolgreichen Start sicherzustellen. 

Sibylle: 
Ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Punkt. Wenn du zwar die richtigen Leute findest, sie aber nicht von Anfang an an die Hand nimmst und ihnen die Möglichkeit gibst, anzukommen und sich zu entfalten, dann hast du direkt ein Problem und verschenkst viel Potenzial. 

Ich glaube, der erste Arbeitstag ist entscheidend, aber auch die gesamte Startphase. Das ist natürlich zusätzliche Arbeit neben dem Tagesgeschäft. Gerade wenn man die erste Mitarbeiterin oder den ersten Mitarbeiter einstellt, hat man noch kein Team, an das man etwas delegieren kann. Da sollte man sich bewusst Zeit und Raum einplanen. 

Super Tipps von Magdalena. Ich würde gerne noch etwas ergänzen: einen Buchtipp von Michael Asshauer. Das Buch heißt „Der Mitarbeitermagnet“ und ist im Haufe Verlag erschienen. Darin gibt er sehr persönliche Einblicke in seine Gründungsgeschichte. 

Er erzählt in der Einleitung eine Art Heldenreise mit Stolpersteinen, Erfolgen und schwierigen Phasen. Zum Beispiel berichtet er von einem cholerischen Chef während seiner Zeit als Zivildienstleistender in einer Jugendherberge, der die Atmosphäre stark geprägt hat. Das war für ihn sehr eindrücklich und er wollte es später anders machen. 

Er hat in seiner Gründungszeit erkannt: Ich bin ein guter Innovator, aber ich habe keine Personalarbeit gelernt. Deshalb hat er überall, wo er war und was er gelesen hat, Ideen gesammelt und aufgeschrieben. Diese hat er später im Buch veröffentlicht. 

Zum Beispiel empfiehlt er die „33 gute Gründe“-Liste. Man soll sich hinsetzen und 33 Gründe aufschreiben, warum jemand im eigenen Unternehmen arbeiten sollte. Also: Warum sollte jemand mit Motivation, Lust und Freude bei mir anfangen? 

Jens: 
Ich habe auch neulich etwas gelesen, im Handelsblatt, ein Interview mit Jan Bartels von Zalando. Ein klassisches Start-up. Er hat gesagt, dass die Führungskultur einen ganz wichtigen Teil des Unternehmenserfolgs ausmacht. 

Er nennt drei Punkte: Erstens Klarheit, also definierte Ziele, die regelmäßig überprüft werden. Zweitens Vertrauen in die Mitarbeitenden, also sie auch mal machen lassen. Und drittens Förderung, also Potenziale erkennen und gezielt weiterentwickeln. 

Sibylle: 
Ein anderes Beispiel ist ein Start-up von Christine und Kathi. Sie machen Periodenunterwäsche und Still-BHs. Auch sie greifen das Thema Werte auf. 

Wenn man sich die eigenen Werte bewusst macht und diese nach außen kommuniziert, schafft das Transparenz und Vertrauen. Im Idealfall zieht man damit Menschen an, die gut zum Unternehmen passen. 

Die beiden haben ihre Kernwerte definiert: Empowerment von Frauen, Vertrauen, Diversität und Umweltschutz. So wissen Bewerberinnen und Bewerber direkt, wofür das Unternehmen steht. 
 
KOFA to go – Wissen zum Mitnehmen 

Vom Start-up zum erfolgreichen Unternehmen: Der Weg ist manchmal steinig, manchmal geht es schnell voran. Sicher ist aber: Ohne Führungskultur geht es nicht. 

Tipp 1: 
Welche Aufgaben können Sie abgeben? 
Überlegen Sie vor der Einstellung, welche Aufgaben delegiert werden können und welche Kompetenzen neue Mitarbeitende mitbringen sollten. 

Tipp 2: 
Welche Werte sind Ihnen wichtig? 
Definieren Sie Werte, die Sie als Führungskraft vorleben. Sprechen Sie regelmäßig mit Ihrem Team darüber. 

Tipp 3: 
Welche Ressourcen stehen Ihnen zur Verfügung? 
Nutzen Sie Netzwerke, den Arbeitgeberservice und Förderprogramme des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz. 

Jens: 
Das war es auch schon wieder. Das nächste Mal hören wir uns am 23. März wieder. Dann geht es um Themen rund um die Personalarbeit in kleinen und mittleren Unternehmen. Wir sprechen mit Cliff Lehnen, Chefredakteur des Magazins Personalwirtschaft. 

Sibylle: 
Ich freue mich sehr auf ihn. Er ist ein sehr kluger und sympathischer Gesprächspartner. Ich schüttele hier schon mal die Sofakissen auf. 

Jens: 
Freuen Sie sich mit uns auf Cliff Lehnen am 23. März bei KOFA auf dem Sofa. Bis dahin sagen wir Tschüss und passen Sie auf sich auf. 

Sibylle: 
Machen Sie es gut. Tschüss. 

Beide: 
KOFA auf dem Sofa. Der Podcast. Fachleute für Fachkräfte.