
Transkript: Folge 45
KOFA auf dem Sofa: Motivation und Bindung – Gehalt ist nicht alles!
Sibylle:
KOFA auf dem Sofa, der Podcast mit Sibylle Stippler und Jens Breuer.
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von KOFA auf dem Sofa. Bei uns gibt es Personalwissen für den Mittelstand, wissenschaftlich fundiert, aber für die Praxis.
Ich weiß ja nicht, wie es dir so geht, Jens, aber ich freue mich schon die ganze Woche auf die heutige Folge. Denn heute wird es richtig tierisch bei uns.
Wir sprechen über kreative Maßnahmen, um Mitarbeitende zu motivieren und ans Unternehmen zu binden. Und da darf es am Arbeitsplatz auch schon mal summen, bellen oder sogar mähen.
Jens:
Oh, oh, oh, das klingt sehr vielversprechend. Also es ist ja ganz klar, Gehalt ist sicherlich immer ein Thema. Aber die Zeiten, in denen Angestellte nur aufs Geld geguckt haben, sind bekanntermaßen lange vorbei.
Jetzt hast du gesagt, dass es tierisch wird. Erzähl mal ein bisschen. Also mähen, summen und brummen – unter Bellen kann ich mir ja etwas vorstellen. Aber was ist denn mit Summen und Mähen gemeint?
Sibylle:
Ja, also Bienen stehen hoch im Kurs in ganz vielen Unternehmen, und zwar vor allem bei Azubi-Projekten.
Für die Generation Z ist es ja wichtig, dass Themen wie Nachhaltigkeit und Sinnhaftigkeit eine Rolle spielen. Und mit einem Bienenstock kann man auch Verantwortungsübernahme üben.
Zum Beispiel haben das Unternehmen BW Bildung und Wissen und auch die A. Berger GmbH gemacht. Die haben Bienenvölker gemietet. Es gibt nämlich Unternehmen, die sich darauf spezialisiert haben, Bienenvölker zu vermieten, wie Future zum Beispiel.
Dann produzieren sie auf dem Werksgelände Honig, der verkauft wird und dessen Erlös für sinnvolle Projekte eingesetzt wird.
Die Azubis sind davon ganz begeistert. Vanessa Götzfried von A. Berger in Ottobeuren sagt, dass das Projekt nicht nur interessant ist, sondern die Auszubildenden sich aktiv für Nachhaltigkeit engagieren und Verantwortung übernehmen.
Das verbindet natürlich auch, wenn man sich gemeinsam für so eine Sache einsetzt. Das ist also das Thema Summen.
Jens:
Ich habe auch schon von Unternehmen gehört, die sich tatsächlich Schafe oder Ziegen angeschafft haben.
Das wird dann so ein Gemeinschaftsprojekt neben der Arbeit. Da sind nicht nur die Mitarbeitenden beteiligt, sondern auch die Familien kommen am Wochenende dazu. Dann werden die Tiere gefüttert, die Ställe sauber gemacht und so weiter.
Das klingt beim ersten Hören vielleicht ein bisschen verrückt. Aber es zeigt, dass es über die eigentliche Arbeit hinausgeht und sich die Menschen stärker mit dem Unternehmen identifizieren. Sie sind dann auch bereit, ihre Freizeit einzubringen.
Sibylle:
Genau. Man kann sich das ja gut vorstellen. Wenn auf dem Werksgelände eine Fläche ist, auf der Schafe und Ziegen leben, und dann kommen vielleicht auch die Kinder vorbei, um jemanden von der Arbeit abzuholen und streicheln die Tiere, dann entsteht eine ganz andere Bindung.
Ich finde das total naheliegend.
Ronny Klemm von der Bero Holzhandelsgesellschaft, den habe ich letztes Jahr bei der Wirtschaftsförderung Meißen kennengelernt, strahlt das auch total aus. Dieses Verständnis, dass Mitarbeitende nicht nur Arbeitskräfte sind, sondern eher wie eine kleine Familie.
Auf seinem Werksgelände im Zentrallager Ost leben tatsächlich vier Schafe und zwei Ziegen. Die Mitarbeitenden kümmern sich freiwillig um die Tiere, bauen gemeinsam Zäune, und die Kinder sind regelmäßig zu Besuch, streicheln die Tiere und beobachten, wie sie wachsen.
Jens:
Aber das machen die nicht nur während der Arbeitszeit, sondern auch nach Feierabend und am Wochenende?
Sibylle:
Ja, freiwillig und gerne.
Jens:
Der Klassiker unter den Bürotieren ist ja der Bürohund. Wer das schon einmal erlebt hat, kennt die Vorteile.
So ein Hund liegt in der Ecke, lässt sich nicht stressen und freut sich, wenn jemand mit ihm rausgeht oder ihm ein Leckerli gibt. Das sorgt für eine ganz andere Stimmung im Büro.
Gerade in stressigen Phasen bringt ein Hund oft Ruhe rein.
Wir bekommen übrigens auch einen. In zwei Wochen bekommen wir einen kleinen Havaneser. Der ist noch ganz klein, etwa acht Wochen alt, wenn wir ihn bekommen.
Der wird auch mit ins Büro kommen. Er bekommt hier ein Körbchen und einen Wassernapf. Ich bin mir sicher, das wird eine schöne Geschichte.
Und er ist allergikerfreundlich, das ist für viele Unternehmen ja auch ein Thema.
Sibylle:
Das ist tatsächlich auch im Kontext nach der Corona-Pandemie ein spannendes Thema. Viele Menschen haben sich in dieser Zeit Haustiere angeschafft.
Jetzt kommen sie wieder zurück ins Büro und sind emotional an ihre Tiere gebunden. Den Hund den ganzen Tag allein zu Hause zu lassen, fällt vielen schwer.
Wenn Unternehmen dann sagen, alle müssen wieder ins Büro kommen, ohne flexible Lösungen anzubieten, kann das schwierig werden.
Es gibt sogar einen Bundesverband Bürohunde.
Jens:
Ja, das ist wirklich ein Trendthema. Dass es dafür sogar einen Verband gibt, zeigt, wie relevant das Thema geworden ist.
Diese Organisation setzt sich dafür ein, dass Hunde mit ins Büro gebracht werden können, weil die positiven Effekte überwiegen.
Viele Unternehmen haben das bereits etabliert, auch große wie die Funke Mediengruppe, Xing oder Google.
Aber gerade für kleine und mittlere Unternehmen ist das doch eigentlich besonders interessant, oder?
Sibylle:
Auf jeden Fall. In vielen kleinen und mittleren Unternehmen wird das wahrscheinlich schon gelebt, ohne dass groß darüber gesprochen wird.
Gerade die kleineren Unternehmen kommunizieren solche Dinge oft nicht aktiv nach außen. Dabei kann das ein echter Vorteil im Recruiting sein.
Wenn bei Ihnen Bürohunde unterwegs sind, kann man das ruhig zeigen, zum Beispiel mit einem Foto auf der Karriereseite.
Sibylle:
Genau. Ich glaube, das ist auch ein Punkt, den man nicht immer sofort auf dem Schirm hat.
Hier geht es um Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitenden. Man zeigt damit, du bist mir wichtig und ich interessiere mich auch für dein Privatleben.
Und das ist immer eine gute Idee, das sowohl nach innen als auch nach außen zu kommunizieren.
Jens:
Ja, und wenn ich so darüber nachdenke, haben es kleine Unternehmen vielleicht sogar leichter.
Wenn ein großes Unternehmen mit so einer Idee kommt, wie Haustiere mit zur Arbeit zu bringen, dann ist das oft erst einmal ein längerer Abstimmungsprozess.
In kleinen Unternehmen ist das deutlich unkomplizierter umzusetzen.
Sibylle:
Richtig. Aber man muss natürlich auch überlegen, was passiert, wenn plötzlich alle ihre Tiere mitbringen.
Der eine kommt mit dem Hund, der nächste mit dem Kanarienvogel und der dritte vielleicht mit dem Zwergpony. Dann wird es irgendwann schwierig.
Jens:
Wenn wir jetzt mal auf uns schauen, Sibylle, oder vielleicht ganz konkret auf dich: Du bist ja schon seit fast 18 Jahren beim Institut der deutschen Wirtschaft.
Offensichtlich hat dein Arbeitgeber einiges richtig gemacht, dass du so lange geblieben bist.
Was waren für dich die entscheidenden Gründe, nicht zu wechseln?
Sibylle:
Ganz klar, drei Daumen nach oben für die Arbeitsbedingungen im Institut der deutschen Wirtschaft.
Nicht umsonst wurden wir als einer der besten Arbeitgeber Deutschlands ausgezeichnet.
Das hat für mich ganz viele Facetten. Ein wichtiger Punkt sind meine Kolleginnen und Kollegen. Es sind viele interessante und kompetente Menschen, mit denen ich sehr gerne zusammenarbeite.
Dann sind es oft auch die kleinen Dinge. Wenn zum Beispiel während der Corona-Zeit keine Weihnachtsfeier stattfinden konnte, haben alle Mitarbeitenden ein Paket nach Hause bekommen.
Das wurde dann gemeinsam in einer digitalen Runde mit unserem Direktor Michael Hüther ausgepackt. Wir konnten zusammen anstoßen und feiern, auch wenn wir uns nicht persönlich sehen konnten.
Für mich als Mutter ist außerdem die Vertrauensarbeitszeit sehr wichtig. Und auch die Haltung der Führungskräfte. Vereinbarkeit wird nicht nur erlaubt, sondern aktiv gelebt.
Wir haben zum Beispiel ein Eltern Kind Büro, in das ich meine Kinder gerne mitbringen konnte.
Das sind viele kleine und große Dinge, die dazu beitragen, dass ich mich hier wohlfühle.
Jens:
Habt ihr eigentlich auch Zwergponys oder Hunde?
Sibylle:
Zwergponys haben wir noch nicht, kann ich aber ja mal vorschlagen. Uns fehlen allerdings die Grünflächen und gerade in Köln ist Platz natürlich immer ein Thema.
Deshalb haben wir auch keine Betriebskita. Das war zwar schon mal in der Überlegung, aber die Anforderungen sind einfach sehr hoch.
Dabei ist das Thema Kinderbetreuung ein ganz wichtiger Faktor, wenn es um Motivation geht. Für viele Frauen und Männer ist das ein entscheidender Punkt.
Ein Beispiel ist die Privatkäserei Bergader. Dort gibt es eine eigene Betriebskita, die sogenannten Käsemäuse.
Die hat sehr flexible Öffnungszeiten von fünf Uhr morgens bis halb elf abends. So können ganz unterschiedliche Arbeitszeiten ermöglicht werden. Und es können auch externe Kinder aufgenommen werden.
Das kann sogar dazu führen, dass Eltern den Arbeitgeber wechseln, weil sie sehen, wie gut die Betreuung dort ist. Das ist eine wunderbare Möglichkeit, Mitarbeitende zu motivieren und zu binden.
Jens:
Sehr schön. Bei mir ist es so, ich bin ja auch schon einige Jahre selbstständig.
Für mich ist vor allem der Gestaltungsspielraum entscheidend. Also die Möglichkeit, mich einzubringen, schnell zu sehen, was funktioniert und was nicht, und Dinge direkt umzusetzen, ohne lange Abstimmungsprozesse oder Hierarchien.
Ein Zwergpony brauche ich nicht unbedingt, eine Kita auch nicht. Der Hund kommt jetzt bald, und ansonsten passt das für mich gut.
Es gibt aber auch Unternehmen, vor allem größere, die noch weiter gehen. Die haben zum Beispiel sogenannte Feel Good Manager.
Das sind Personen, deren Aufgabe es ist, für gute Stimmung im Unternehmen zu sorgen. Sie kümmern sich um Betriebsfeste, Kantinenangebote oder gemeinsame Aktivitäten.
Das finde ich eine spannende Idee, wirkt aber eher wie etwas für größere Unternehmen.
Sibylle:
Das denkt man oft, aber auch in kleinen und mittleren Unternehmen gibt es häufig jemanden, der diese Rolle übernimmt.
Das ist die Person, die weiß, wer Geburtstag hat, die sich um kleine Dinge kümmert und dafür sorgt, dass sich alle wohlfühlen.
Diese Rolle sollte man als Führungskraft wertschätzen. Das ist nicht nur ein netter Zusatz, sondern hat eine wichtige Bedeutung für das Team.
Wenn man diesen Personen etwas mehr Zeit oder ein kleines Budget gibt, kann das schon in Richtung Feel Good Management gehen.
Ein Beispiel aus der Praxis ist Talentry. Dort sagt Geschäftsführer Karl Hoffmann:
Karl Hoffmann:
Was die Feel Good Managerin bei uns macht, ist zum einen, den Arbeitsplatz bestmöglich zu gestalten und an die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeitenden anzupassen.
Darüber hinaus entwickelt sie Angebote, die zu einer besseren Work Life Balance und zu mehr Wohlbefinden beitragen.
Während der Pandemie ging es zum Beispiel darum, auch im Homeoffice gute Bedingungen zu schaffen, etwa durch ergonomische Ausstattung wie geeignete Bürostühle.
Es geht darum, das Thema ganzheitlich zu denken und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden in den Mittelpunkt zu stellen.
Sibylle:
Talentry hat dafür sogar eine eigene Stelle geschaffen.
In kleineren Unternehmen können das auch Führungskräfte übernehmen, indem sie nah an der Belegschaft sind und wahrnehmen, was die Mitarbeitenden brauchen.
Und ganz ehrlich, das, was mich hier hält, ist deutlich mehr als das Gehalt. Wenn jemand nur mit Geld winkt, überzeugt mich das nicht. Mein Arbeitsumfeld ist entscheidend für meine Motivation.
Jens:
Das ist ein wichtiger Punkt. Irgendwann merkt man, dass mehr Geld allein nicht automatisch glücklicher macht.
Dann gewinnen andere Faktoren an Bedeutung, wie ein gutes Arbeitsumfeld, Zeit für Familie oder die Möglichkeit, sich selbst einzubringen.
Sibylle:
Genau. Das Gehalt muss stimmen, sonst entsteht Unzufriedenheit. Das sind die sogenannten Hygienefaktoren nach Herzberg.
Aber eine Gehaltserhöhung allein sorgt nicht langfristig für Motivation.
Wichtiger sind Dinge wie Handlungsspielraum, Wirkungsmöglichkeiten, ein gutes Teamgefühl und vor allem die Beziehung zur direkten Führungskraft.
Es gibt ja den bekannten Satz: Mitarbeitende kommen wegen der Aufgabe und gehen wegen der Führungskraft.
Auch Studien zeigen, dass genau hier oft der Grund für einen Wechsel liegt, auch wenn das selten offen angesprochen wird.
Jens:
Das erinnert mich an unser Beispiel mit dem Schreiner Heiner, der genau dieses Problem hatte.
Wenn Sie möchten, hören Sie gerne noch einmal in die entsprechende Folge rein.
Was würdest du kleinen und mittleren Unternehmen konkret raten?
Sibylle:
Ich würde auf jeden Fall empfehlen, mit den Mitarbeitenden zu sprechen.
Was beschäftigt sie? Wo gibt es Unzufriedenheit? Was kann verbessert werden?
Außerdem ist es wichtig, in Weiterbildung und Kompetenzentwicklung zu investieren, damit Mitarbeitende merken, dass sie sich weiterentwickeln können.
Ebenso sollte klar kommuniziert werden, welchen Beitrag jede einzelne Person zum Unternehmenserfolg leistet.
Und natürlich spielt auch das Arbeitsumfeld eine Rolle, also moderne Arbeitsmittel und eine gute Ausstattung.
Nicht zuletzt ist das Thema Gesundheit wichtig. Es geht darum zu zeigen, dass einem das Wohlbefinden der Mitarbeitenden wirklich am Herzen liegt.
Jens:
KOFA to go, Wissen zum Mitnehmen.
Motivation und Bindung, Gehalt ist nicht alles, ist das Thema dieser Folge. Hier kommen drei Tipps von Sibylle.
Sibylle:
Erstens: Kleinigkeiten können viel bewirken. Gerade kleine und mittlere Unternehmen können mit überschaubaren Maßnahmen eine große Wirkung erzielen.
Zweitens: Fragen Sie Ihre Mitarbeitenden. Nutzen Sie Gespräche oder Befragungen, um herauszufinden, was wirklich gebraucht wird.
Drittens: Reden Sie darüber. Kommunizieren Sie nach außen, was Sie Ihren Mitarbeitenden bieten, zum Beispiel auf Ihrer Karriereseite oder bei Veranstaltungen.
Jens:
Das war es für heute. Aber es gibt schon Grund zur Vorfreude.
Am 9. März sind wir wieder zurück, mit einem neuen Thema.
Sibylle, worum geht es dann?
Sibylle:
Dann sprechen wir darüber, wie man vom Start up zum Arbeitgeber wird und worauf es bei Führungskultur ankommt.
Jens:
Sehr spannend. Wir hören uns am 9. März wieder. Bis dahin alles Gute.
Sibylle:
Tschüss, machen Sie es gut. Fachleute für Fachkräfte.
KOFA auf dem Sofa, der Podcast.