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Transkript: Folge 41

KOFA auf dem Sofa: Vom Quereinstieg und neuen Wegen - Gast: Magdalena Rogl

Sibylle: 
KOFA auf dem Sofa, der Podcast mit Sibylle Stippler und Jens Breuer.

Herzlich willkommen, liebe KOFA auf dem Sofa Zuhörerinnen und Zuhörer. Hallo Jens.

Jens: 
Hallo Sibylle, ich grüße dich.

Sibylle: 
Ich muss ganz ehrlich sagen, für mich fühlt sich das heute fast ein bisschen wie Weihnachten an.

Wir haben nämlich einen ganz besonderen Gast bei uns auf dem Sofa.

Sie ist ein echtes Role Model, wenn es um den Quereinstieg geht. Ich finde ihren Werdegang unglaublich inspirierend, motivierend und mutmachend.

Herzlich willkommen bei uns, Magdalena Rogl.

Magdalena: 
Vielen Dank euch beiden. Ich freue mich sehr und fühle mich sehr geehrt von diesen Worten.

Passend dazu habe ich heute sogar meinen Weihnachtspullover an.

Jens: 
Heute ist der 1. Dezember, herzlich willkommen.

Noch 23 Tage bis Heiligabend.

Hinter unserem ersten Türchen steckt heute Magdalena Rogl.

Unser Thema ist der Quereinstieg, also neue Wege in den Job und alternative Karrierepfade.

Und du bist dafür ein sehr gutes Beispiel.

Wir starten wie immer mit unserem Elevator Pitch. Stell dich doch kurz vor.

Magdalena: 
Ich bin Magdalena, lebe in München in einer Patchwork Familie und habe ein ziemlich turbulentes Leben.

Ursprünglich bin ich gelernte Kinderpflegerin, das war immer mein Traum.

Über verschiedene Umwege und auch persönliche Krisen bin ich dann in die Medienbranche gekommen, später in die Kommunikation und schließlich zu Microsoft.

Dort war ich mehrere Jahre in der Unternehmenskommunikation tätig und arbeite inzwischen im Personalbereich.

Jens: 
Wir sind oben angekommen.

Von der Kinderpflegerin zur Diversity und Inklusionsverantwortlichen bei Microsoft. Das ist ein ungewöhnlicher Weg.

Haben dich Krisen auf diesen Weg gebracht?

Magdalena: 
Ja, auf jeden Fall.

Ich glaube, viele Menschen haben schon Krisen erlebt. Rückblickend sieht man oft, dass sie einen Sinn hatten.

Bei mir hat eine persönliche Krise dazu geführt, dass ich mich neu orientiert habe.

Das war wichtig für meine persönliche Entwicklung.

Sibylle: 
Gab es einen konkreten Moment, in dem du dich entschieden hast, etwas zu verändern?

Magdalena: 
Nein, es war kein einzelner Moment.

Ich bin Schritt für Schritt gegangen, ohne genau zu wissen, wohin der Weg führt.

Viele glauben, man braucht einen klaren Plan, aber das war bei mir nicht so.

Ich war Mitte 20, alleinerziehend mit zwei kleinen Kindern und musste finanziell unabhängig werden.

Ich hatte damals einen kleinen Nebenjob bei einer Redaktion und habe gefragt, ob ich mehr arbeiten kann.

So bin ich langsam eingestiegen und habe schließlich mehr Verantwortung übernommen.

Das war der Moment, in dem ich gemerkt habe, dass mir diese Arbeit wirklich liegt.

Jens: 
Das ist ein spannender Punkt.

In Deutschland spielen Abschlüsse oft eine große Rolle.

Dein Beispiel zeigt, dass man auch ohne klassischen Weg erfolgreich sein kann.

Sibylle: 
Ja, und gerade dieser schrittweise Weg ist ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Viele Menschen wechseln im Laufe ihres Lebens den Beruf.

Da zeigt sich, wie wichtig es ist, offen für neue Wege zu sein.

Jens: 
Ich finde die Zahl, die du gerade genannt hast, sehr spannend.

Gerade mit Blick in die Zukunft wird das Thema Quereinstieg immer wichtiger.

Die Arbeitswelt verändert sich so schnell und es entstehen ständig neue Berufsbilder.

Diese Flexibilität wird künftig noch stärker gefragt sein.

Jens: 
Gab es bei dir auf deinem Weg auch Zweifel?

Oder hattest du immer Menschen, die dich bestärkt haben?

Magdalena: 
Zweifel gibt es bei mir bis heute, jeden Tag.

Ich glaube, das ist völlig normal.

Und ich würde mir wünschen, dass wir viel offener darüber sprechen.

Diese Zweifel können sogar hilfreich sein, weil sie uns dazu bringen, uns selbst zu reflektieren.

Ich habe gelernt, sie als eine Art Kompass zu nutzen und zu hinterfragen, woher sie kommen.

Oft steckt dahinter ein bestimmtes Projekt, eine schwierige Situation oder auch private Belastung.

Sibylle: 
Ich kann mich darin sehr wiederfinden.

Und ich glaube auch, dass das nichts mit dem perfekten Lebenslauf zu tun hat.

Selbst mit der passenden Ausbildung stellt man sich oft die Frage, ob man den Anforderungen wirklich gerecht wird.

Gerade in Führungsrollen gibt es viele Situationen, auf die man sich gar nicht vorbereiten kann.

Neue Berufsbilder entstehen ständig und dafür gibt es oft keine klassische Ausbildung.

Sibylle: 
Gab es auf deinem Weg Menschen, die dich besonders geprägt haben?

Magdalena: 
Ja, definitiv.

Es gab immer Menschen, die an mich geglaubt haben, oft sogar mehr als ich selbst.

Das waren Freundinnen und Freunde, denen ich vertraut habe.

Sie haben mir Mut gemacht, neue Schritte zu gehen.

Ich glaube, wir begegnen im Leben vielen Menschen, die uns unterstützen wollen.

Wichtig ist, diese Unterstützung auch anzunehmen.

Magdalena: 
Gleichzeitig ist es mir wichtig, nicht nur im Außen nach Orientierung zu suchen.

Wir sollten auch lernen, uns selbst zu vertrauen und uns selbst gut zu beraten.

Oft sind wir für andere sehr wohlwollend, aber mit uns selbst viel strenger.

Ich habe mir vorgenommen, auch mir selbst gegenüber diese unterstützende Haltung einzunehmen.

Jens: 
Das ist ein spannender Punkt.

Man hat oft eine ganz andere Perspektive auf sich selbst als auf andere.

Jens: 
Du hast gesagt, du erfindest dich immer wieder neu.

Ist das etwas, das dich als Mensch ausmacht?

Magdalena: 
Ja, ich finde es unglaublich spannend, mich weiterzuentwickeln.

Ich genieße es sogar, älter zu werden und dazuzulernen.

Für mich ist es weniger ein „Neuerfinden“, sondern eher ein besseres Kennenlernen meiner selbst.

Es geht darum, die eigenen Werte zu verstehen und zu erkennen, was einen wirklich antreibt.

Magdalena: 
Ich habe gemerkt, dass mir sinnvolle und soziale Arbeit sehr wichtig ist.

In meinem ursprünglichen Beruf als Kinderpflegerin war dieser Sinn direkt spürbar.

In anderen Jobs ist er oft weniger unmittelbar sichtbar.

Das bedeutet nicht, dass die Arbeit weniger sinnvoll ist, aber der Effekt zeigt sich oft erst später.

Magdalena: 
Genau, die Erfüllung ist oft nicht direkt in dem Moment spürbar.

Deshalb habe ich gemerkt, wie wichtig es mir ist, wieder mehr soziales Engagement in mein Leben zu integrieren.

Ich engagiere mich ehrenamtlich, zum Beispiel als Wertebotschafterin bei German Dream und beim Deutschen Kinderverein.

Außerdem arbeite ich am Wochenende in einem Pflegeheim und unterstütze dort ganz praktisch.

Dort bekomme ich direktes Feedback und erlebe den Sinn meiner Arbeit unmittelbar. Das ist für mich ein wichtiger Ausgleich.

Sibylle: 
Ich finde deinen Weg unglaublich beeindruckend.

Lass uns einmal die Perspektive wechseln.

Deine Arbeitgeber haben dich ja nicht eingestellt, um dir einen Gefallen zu tun, sondern weil sie einen Mehrwert gesehen haben.

Quereinsteiger bringen neue Perspektiven, andere Denkweisen und mehr Vielfalt ins Unternehmen.

Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels wird das immer wichtiger.

Magdalena: 
Absolut.

Und ich kann das heute auch aus der HR Perspektive bestätigen, weil ich inzwischen selbst im Personalbereich arbeite.

Ich wünsche mir übrigens, dass wir HR stärker als „Human Relations“ verstehen und den Fokus auf das menschliche Miteinander legen.

Quereinsteiger bringen unterschiedliche Perspektiven mit und genau diese Vielfalt ist wertvoll.

Während viele Kolleginnen und Kollegen sehr strukturiert und prozessorientiert denken, bringe ich oft Intuition und Empathie ein.

Diese Kombination macht Teams stärker.

Jens: 
Warum tun sich Unternehmen deiner Meinung nach trotzdem noch schwer damit, Quereinsteiger einzustellen?

Magdalena: 
Ich glaube, ein großer Teil liegt auch bei den Bewerbenden selbst.

Viele trauen sich nicht, sich auf Stellen zu bewerben, wenn sie nicht alle Anforderungen erfüllen.

Es gibt Studien, die zeigen, dass Frauen sich oft schon bei einer nicht erfüllten Anforderung zurückziehen, während Männer sich bereits bei wenigen passenden Kriterien bewerben.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Netzwerk.

Ich selbst hätte mich nie aktiv bei Microsoft beworben.

Erst durch persönliche Kontakte und Gespräche habe ich gemerkt, dass ich gut in diese Rolle passen könnte.

Deshalb ist es so wichtig, offen über Wünsche und Interessen zu sprechen und Netzwerke zu nutzen.

Magdalena: 
Auch im Recruiting sollte sich etwas verändern.

Ich habe in meinem Team Stellen anders ausgeschrieben, indem ich mich auf wenige zentrale Eigenschaften konzentriert habe.

Zum Beispiel Kreativität, Interesse an Daten und Teamfähigkeit.

Ohne konkrete Jobtitel oder klassische Anforderungen.

Damit erreicht man Menschen, die sich sonst vielleicht nicht beworben hätten.

Und ich habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht.

Jens: 
Zum Abschluss hast du noch die Möglichkeit, einen Appell an kleine und mittlere Unternehmen zu richten.

Was möchtest du ihnen mitgeben, wenn es um das Thema Quereinstieg geht?

Magdalena: 
Ich glaube, gerade kleine und mittelständische Unternehmen stehen vor der großen Herausforderung, gute Talente zu gewinnen.

Wir sprechen oft vom Fachkräftemangel, aber Fachkräfte sind nicht nur diejenigen mit klassischen Abschlüssen.

Viel wichtiger ist es, auf Potenziale zu schauen.

Ich würde Unternehmen empfehlen, ihre Netzwerke aktiv zu nutzen und auch ihre Mitarbeitenden einzubinden.

Wenn Menschen im Umfeld passende Kandidatinnen oder Kandidaten kennen, sollten sie diese weiterempfehlen.

Dieser Netzwerkeffekt ist enorm wertvoll.

Der Fokus sollte stärker auf dem Menschen und seinem Potenzial liegen und weniger auf formalen Abschlüssen.

Jens: 
Wir gehen davon aus, dass diese Botschaft angekommen ist.

Magdalena, vielen Dank, dass du heute bei uns warst.

Magdalena: 
Vielen Dank für die Einladung.

Jens: 
KOFA to go, Wissen zum Mitnehmen.

Ein Quereinstieg ist nicht nur eine Möglichkeit, sondern kann für viele Unternehmen eine echte Lösung sein.

Hier sind drei Tipps für Sie.

Sibylle: 
Erstens: Seien Sie offen für unterschiedliche Qualifikationen.

Lebensläufe müssen nicht linear verlaufen.

Machen Sie in Ihren Stellenausschreibungen deutlich, dass Quereinsteigende willkommen sind und bieten Sie Weiterbildungen an.

Zweitens: Unsere Arbeitswelt verändert sich rasant.

Viele von uns sind im Laufe ihres Lebens Quereinsteigende.

Neue Aufgaben entstehen ständig und erfordern kontinuierliches Lernen.

Drittens: Setzen Sie auf Vielfalt im Team.

Unterschiedliche Perspektiven fördern Innovation.

Rekrutieren Sie nicht nur Personen, die Ihnen ähnlich sind.

Jens: 
Das war das vorletzte KOFA auf dem Sofa in diesem Jahr.

Die letzte Folge erscheint am 15. Dezember und wird eine besondere Ausgabe.

Sibylle: 
Wir feiern zehn Jahre KOFA und blicken gemeinsam zurück und nach vorne.

Jens: 
Mit dabei ist Dirk Werner, der Leiter des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung.

Sibylle: 
Ich freue mich schon sehr darauf.

Jens: 
Bis dahin wünschen wir Ihnen eine schöne Vorweihnachtszeit.

Sibylle: 
Machen Sie es gut und bis bald.

Jens: 
Tschüss. Fachleute für Fachkräfte.

KOFA auf dem Sofa, der Podcast.