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Transkript: Folge 39

KOFA auf dem Sofa: Wer möchte mein Unternehmen? - Gast: Dina Reit

Sibylle: 
Ein herzliches Willkommen im November und zu einem neuen KOFA auf dem Sofa. 

Jens: 
Hallo und herzlich willkommen auch von mir. 

Sibylle: 
Heute wollen wir uns einem wichtigen Meilenstein, vielleicht sogar dem wichtigsten Meilenstein in Ihrem Leben als Unternehmerin oder Unternehmer widmen, nämlich der Frage: Was passiert eigentlich, wenn ich in den Ruhestand gehe? Und wer sorgt dafür, dass es weitergeht und sich nicht einfach so alles in Luft auflöst? Es geht um das Thema Unternehmensnachfolge. 

Jens: 
Da gibt es natürlich viele Fragen, steuerrechtlich und so weiter, die zu beachten sind. Aber wir schauen mal auf die Menschen, die das betrifft. 

Sibylle: 
Aus der Not heraus suchen sich ja viele am Ende einen externen Geschäftsführer für ihr Unternehmen, verkaufen an einen Wettbewerber oder geben vielleicht sogar ganz auf. Das war im Jahr 2018 immerhin bei jedem Siebten der Fall. Viel schöner ist es doch aber, wenn man die Chance hat, sein Lebenswerk an die nächste Generation weiterzugeben. 

Christoph Kolbach hatte diese Chance. Er kommt aus Wiesbaden und wird sein Unternehmen S. K. Laser in den nächsten Jahren Stück für Stück an seine Tochter Dina Reith übergeben. Aber klar war das auch nicht von Anfang an. 

Dina: 
Ich habe ja unter anderem auch Kunstgeschichte studiert und wollte damals ins Museum gehen. Ich war dann auch für ein längeres Praktikum dort und habe währenddessen gemerkt: Das ist überhaupt nicht mein Ding. Also vom Arbeitsumfeld und von den Aufgaben her war das gar nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe. Ich habe dann beschlossen, in die Selbstständigkeit zu gehen, so wie ich es auch aus meiner Familie kannte. Dann habe ich meinem Vater gesagt: „Papa, ich komme zu dir, ich übernehme die Firma.“ 

Jens: 
Da muss die Freude groß gewesen sein. Ich glaube, das ist so ziemlich der Wunsch eines jeden Vaters oder jeder Mutter, dass irgendwann die Kinder kommen und sagen: „Ich mache das.“ 

Sibylle: 
Auf jeden Fall. Studien zeigen auch, dass das immer der präferierte Nachfolgeweg ist – wenn ein Familienmitglied übernimmt und das Unternehmen weiterführt oder weiterentwickelt. Und es verändert sich ja auch immer etwas, wenn jemand Neues kommt. Dina Reith und ihr Vater sind da ein tolles Beispiel. Man kann ihnen auch auf LinkedIn folgen und sehen, wie sie gemeinsam ihren Weg gehen. Die beiden sind auch Finalisten beim Hessischen Gründerpreis. 

Jens: 
Unternehmensnachfolge ist ohnehin ein großes Thema. Wenn es bei Ihnen noch nicht so weit ist, können Sie sich glücklich schätzen. Wir stecken mitten im Wandel: Die Babyboomer gehen nach und nach in Rente. Eine Studie der DIHK zeigt, dass zwischen 2020 und 2022 insgesamt 7 % der KMU geplant haben oder planen, eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger zu finden. 

Sibylle: 
Gleichzeitig ist der Anteil älterer Unternehmensleitungen gestiegen. Während 2002 etwa 12 % über 60 Jahre alt waren, sind es heute schon 22 %. Das heißt, ein Fünftel der Führungskräfte in KMU ist über 60. Und nur ein Drittel der Unternehmen, bei denen in den nächsten drei Jahren eine Nachfolge ansteht, hat sich bereits damit beschäftigt. 

Jens: 
Deshalb sagt auch mein Chef Michael Hüther vom Institut der deutschen Wirtschaft, dass viele Unternehmen das Thema zu spät angehen und den Aufwand unterschätzen. Oft wird es aufgeschoben, weil im Tagesgeschäft angeblich keine Zeit dafür bleibt. 

Sibylle: 
Dabei ist es gar nicht so einfach, jemanden zu finden – vor allem innerhalb der Familie. Gerade in Handwerksbetrieben sehen viele junge Menschen ihre Zukunft nicht unbedingt im Betrieb der Eltern. 

Jens: 
Woran liegt das? 

Sibylle: 
Ich denke, das hat auch mit unserer Kultur zu tun. Früher war klar: Der Sohn tritt in die Fußstapfen des Vaters. Heute geht es stärker um Selbstverwirklichung. Es gibt unglaublich viele Studiengänge und Ausbildungsberufe. Da möchte man erst einmal seinen eigenen Weg finden. 

Jens: 
Dabei unterschätzt man vielleicht, dass eine Unternehmensübernahme viele Vorteile bietet: ein bestehender Kundenstamm, ein eingespieltes Team und eine etablierte Marktposition. 

Sibylle: 
Genau. Und manchmal muss diese Entscheidung auch erst reifen. 

Jens: 
Der große Vorteil im Fall von S. K. Laser ist ja, dass der Vater noch aktiv ist und Dina sich vieles abschauen kann. 

Dina: 
Mein Vater ist ein riesiges Vorbild für mich. Ich finde ihn sehr inspirierend, weil er agil ist und schnell Entscheidungen trifft und umsetzt. Wo wir uns unterscheiden, ist unser Führungsstil. Er ist etwas hierarchischer als ich. 

Sibylle: 
Heute ist es oft gefragt, Mitarbeitenden mehr Freiräume zu geben und sie stärker einzubeziehen. Das ist eine große Chance für Unternehmen. 

Jens: 
Wenn Unternehmen extern verkauft werden, gibt es oft einen Investitionsstau. Die Inhaber investieren weniger und haben gleichzeitig hohe Erwartungen an den Verkaufspreis – die sogenannte Herzblutrendite. 

Sibylle: 
Für die Belegschaft ist das eine schwierige Situation. Wenn die Nachfolge dagegen frühzeitig aufgebaut wird, wie bei Dina Reith, entsteht Vertrauen und Stabilität. 

Jens: 
Es gibt auch noch eine Alternative: die interne Nachfolge. Mitarbeitende, die schon lange im Unternehmen sind, können das Unternehmen übernehmen. 

Sibylle: 
Ein Beispiel ist das Unternehmen Waschbär, bei dem leitende Mitarbeitende übernommen haben – sehr erfolgreich. 

Jens: 
Auch Dina Reith hat schnell gemerkt, dass Nachfolge gut organisiert werden muss. 

Dina: 
Der Einstieg 2019 war gar nicht so einfach. Ich hatte viele falsche Erwartungen an mich selbst und dachte, ich müsste die 30 Jahre Berufserfahrung meines Vaters sofort wettmachen. Nach zwei Monaten war ich total frustriert. Dann mussten wir die Nachfolge strukturieren und organisieren. Es ist bis heute eine tägliche Herausforderung, weil es bedeutet, dass sich das Unternehmen verändert und mein Vater und ich daran arbeiten, dass er irgendwann überflüssig wird. 

Sibylle: 
Und genau dieses Loslassen fällt vielen schwer. 

Jens: 
Für die Nachfolgerin oder den Nachfolger heißt es: lernen und hineinwachsen. Für die Seniorgeneration bedeutet es, Verantwortung abzugeben und zu akzeptieren, dass sich Dinge verändern. 

Sibylle: 
Wichtig ist, frühzeitig eine Übergabestrategie festzulegen – am besten schriftlich. Darin sollte stehen, wann die Nachfolge beginnt, welche Rollen es gibt, wann der Altinhaber ausscheidet und wie die Übergabe konkret gestaltet wird. 

Jens: 
Auch Kommunikation, Verantwortlichkeiten und mögliche externe Unterstützung sollten klar geregelt werden. 

Sibylle: 
Und ganz wichtig: Nicht darauf vertrauen, dass es „schon irgendwie läuft“, sondern bewusst planen. Konflikte wird es geben – und das ist auch normal. 

Jens: 
Denn die nächste Generation soll ja Dinge verändern. 

Sibylle: 
Und das kann manchmal wehtun – ist aber notwendig, um das Unternehmen erfolgreich in die Zukunft zu führen. 

Sibylle: 
Ja, aber neue Akzente sind ja auch wiederum eine neue Chance und Produkte und Märkte verändern sich und insofern ist es ja durchaus auch eine gelungene Chance für den oder die Nachfolgerin, dort eben noch mal eigene Dinge reinzuspielen und dem Unternehmen vielleicht weitere Jahrzehnte auch erfolgreich am Markt zu ermöglichen. Woran liegt es denn aber eigentlich, dass sich die Menschen so eine Sorge machen, offensichtlich ihre Unternehmen, ihr, ich sag jetzt mal in Anführungszeichen, „Baby“, dass sie da über Jahre hinweg groß haben werden lassen, ihr Kind abzugeben? 

Jens: 
Das war ja der Lebensinhalt. Gerade Selbstständige und gerade in kleineren Unternehmen: Deine Leute sind wie deine Familie. Die Produkte hast du dir mal selber überlegt und weiterentwickelt. Wir Menschen bewahren ja auch ganz gerne das, was wir geschafft haben. Und wenn sich das dann so total verändert, wird uns das vielleicht selber irgendwann fremd. 

Ich habe jetzt, fällt mir noch dabei ein, ich habe vor zwei Tagen die Katharina Klumpp kennengelernt. Die hat mit ihrem Bruder zusammen das Landhotel Vosshövel übernommen. Und die haben es wirklich geschafft, mit ihren Eltern an Bord auch noch mal dem Ganzen ein völlig neues Wertekonstrukt zu unterlegen. Also das ist einfach, ich bin da total begeistert und angetan, wie die auch Employer Branding betreiben als kleines, mittleres Unternehmen. Und das geht wirklich da ganz stark Hand in Hand, partnerschaftlich mit den Altinhabern. 

Die haben es im Grunde auch geschafft, glaube ich, ihre Eltern dann zu überzeugen und mitzunehmen. Und wenn dann Eltern, auch wie der Vater von Dina Reith, offen dafür sind, gemeinsam so einen neuen Weg zu gehen, vielleicht merken dann auch die, die loslassen müssen, jetzt ist es auch an der Zeit und es ist gut, dass die Nachfolgegeneration übernimmt. 

Sibylle: 
Und schließlich gibt es so viele tolle Dinge, die man auch in Rente machen kann, auf die man sich jahrelang vielleicht sogar gefreut hat und endlich mal den Kopf und auch die Zeit dafür hat. Es ist also sehr konsequent, dann auch Stück für Stück geordnet abzugeben und zu gucken, dass es eben alles schön weitergeht, aber selbst vielleicht einfach andere Prioritäten setzt. 

Jens: 
KOFA to go – Wissen zum Mitnehmen. 

Sibylle: 
Ja, das kommt diesmal von Dina Reith. Sie hat drei Tipps für Sie, wie Sie das mit der Unternehmensnachfolge perfekt geregelt bekommen. 

Dina: 
Mein erster Tipp ist, dass beide Generationen an Bord sein sollten. Also Nachfolge passiert nicht einfach so, da muss man hart für arbeiten und da müssen eben beide Generationen hart für arbeiten, sowohl der Senior als auch der Junior. 

Mein zweiter Tipp ist, dass man sich Zeit lässt. Ich würde jetzt mal so sagen, die Standardnachfolge, wenn es die dann gibt, dauert nicht ein halbes Jahr. Da muss man sich schon ein paar Jährchen für Zeit nehmen, denke ich. 

Der dritte Tipp ist, dass man sich externe Hilfe holt. Also wir haben beispielsweise eine Beraterin, die einmal im Monat sich mit uns zusammensetzt. Mit der haben wir einen Meilensteinplan erarbeitet zur Nachfolge. Und ich finde es total super, mit einer externen Partei noch mal am Tisch zu sitzen und über die Dinge zu reden. 

Jens: 
KOFA to go – Wissen zum Mitnehmen. 

Sibylle: 
Danke an Dina Reith und ganz liebe Grüße nach Wiesbaden. Toll, bei euch mal ein bisschen reingeguckt zu haben, reingehört zu haben, wie ihr das mit der Unternehmensnachfolge regelt bei S. K. Laser. 

Und wenn Sie selber sich um die Unternehmensnachfolge kümmern oder kümmern wollen, dann lohnt es sich, mit Dina Reith auch bei LinkedIn zu vernetzen. Sie postet da ganz viel rund um das Thema Nachfolge, natürlich auch Lasertechnik. Also das macht auch Spaß, wirklich da zu gucken, wie Vater und Tochter das geregelt bekommen. 

Und wenn Sie noch mehr über das Thema Unternehmensnachfolge wissen möchten, dann empfehlen wir Ihnen gerne zur Abwechslung auch mal einen anderen Podcast. Der kann man auch mal machen, der heißt „Hermann und ich“. Moderiert wird er von Lena Schaumann. Auch sie hat ein Unternehmen innerhalb der Familie übernommen, nämlich Möbel Schaumann aus Kassel. Und Lena Schaumann hat ganz viele tolle Gäste bei sich im Podcast, auch wirklich bekannte Menschen, Wolfgang und Bonita Grupp von Trigema zum Beispiel oder Verena Bahlsen, die hat ja gleich ein ganzes Keksimperium übernommen. Hören Sie da auch gerne mal rein, „Hermann und ich“ heißt der Podcast, wie gesagt. 

Jens: 
Ja, hören Sie da unbedingt mal rein. 

Sibylle: 
Und auch wir bekommen im nächsten KOFA auf dem Sofa wieder Besuch. Dann wird Sascha Klein bei uns sein und wir beschäftigen uns mit der Frage: Social Media und KMU – passt das denn überhaupt? Sascha ist ein absoluter Social-Media-Profi und Gründer und Chef bei Hypr, einer frischen und innovativen PR-Agentur aus Berlin. Von ihm kann man richtig viel lernen, da bin ich mir sicher, und das werden wir auch – und zwar am 17. November, dann wird Sascha bei uns sein. 

Jens: 
Wir freuen uns auf ihn und wir freuen uns besonders auch auf Sie und auf Ihre Ohren. Machen Sie es gut bis dahin. Tschüss. 

Sibylle: 
Alles Gute bis dahin. 

Jens: 
Fachleute für Fachkräfte. KOFA auf dem Sofa, der Podcast.