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Transkript: Folge 36

KOFA auf dem Sofa: 4,5 von 5 Sternen

Jens: 
Hallo, herzlich willkommen zurück. Ich hoffe, Sie haben den Sommer ein bisschen genossen, haben sich ein bisschen entspannt. Hier sind wir wieder, Sibylle und ich. Wir sind auch frisch aus dem Urlaub zurückgekehrt. Sibylle, du wolltest raus in die Natur, dich ein bisschen an den See legen. Was ist denn da draus geworden? 

Sibylle: 
Ja, richtig viel ist da draus geworden. Also Jens, ich hab dich jedenfalls vermisst, eigentlich zu sehr, denn wir waren am Meer und da kann man ja einfach echt die Seele baumeln lassen. Wir waren in Kroatien mit niedriger Inzidenz und viel Pinienwäldern und Weintrinkern abends in Traumsommernächten. Es war sehr schön. 

Jens: 
Ja, also wir waren eine Woche in Schweden, haben uns ein bisschen, wir haben ein Schiff da, das war ganz toll. Man konnte jetzt wegen Corona nicht so sehr viel machen, konnte sich also nur in Gruppen bewegen und so, aber trotzdem toll. Also wir waren in Stockholm, durch die Schäreninseln sind wir reingefahren. Das musst du mal erlebt haben, die ganzen kleinen Inseln, an denen du fünf Stunden lang vorbeifährst. Überall so kleine ochsenblutfarbene Häuschen drauf mit weißen Dächern, ganz traumhaft. Also unbedingt mal machen, wenn es die Gelegenheit dazu gibt. 

Ansonsten waren wir in Österreich noch eine Woche. Wir waren Stand-up-Paddeln, hab ich mal ausprobiert, E-Biken waren wir auf dem Almsee und wir wären fast Paragliden gewesen, also auch nur fast, weil das Wetter umgesprungen ist. Dann saßen wir oben auf dem Berg und das war nichts mehr, mussten dann leider unverrichteter Dinge wieder runter. Aber wer kann schon von sich sagen, dass er fast mal Paragliden war? 

Sibylle: 
Genau, also Wahnsinn. Ich mein, das war ja das Thema des Sommers, der Regen und so. Ich hoffe, dass die Zuhörerinnen und Zuhörer irgendwo mal einen Sonnenstrahl erwischt haben. Das hat ja der Seele einfach gutgetan. 

Jens: 
Und wie war es ansonsten so? Wie wart ihr untergebracht am Meer oder in Kroatien halt in dem Fall? 

Sibylle: 
Wir hatten ein schönes Hotel vorher ausgesucht im Internet und da waren auch echt ganz tolle Fotos, lichtdurchflutete Räume und so. Na ja, es war dann so, sagen wir mal, von den Räumlichkeiten so mittel. Da hatte ich ein bisschen mehr erwartet. 

Jens: 
Okay, war schmutzig oder was? 

Sibylle: 
Ja, das nicht unbedingt, aber so ein bisschen in die Jahre gekommen. Also die Fotos waren, glaub ich, schon ein paar Jährchen alt und das kann man ja dann manchmal nicht so gut einschätzen. 

Jens: 
Also wir haben dieses Jahr Glück gehabt, tatsächlich, außer der Tatsache, dass es halt sehr viel geregnet hat, uns der Keller überflutet ist im Ferienhaus, aber da kann ja an sich keiner was dafür. Trotzdem, die Situation, dass man vielleicht mit dem Hotel, mit der Pension, wo auch immer man landet, nicht zufrieden ist so richtig oder es eben nicht dem entspricht, wie es im Internet aussah, das kennt jeder. Manchmal ist es eben einfach nur na ja oder auch na ja, einer von fünf Sternen sozusagen. 

Und das ist genau das Thema. Es gibt Bewertungen im Internet, so ziemlich für alles. Du kannst Restaurants bewerten, du kannst deine Autowerkstatt bewerten, wenn du das möchtest. Du kannst deinen Arzt bewerten, auch das ist mittlerweile möglich. Und du kannst natürlich auch deinen Arbeitgeber bewerten, bums. Und genau da liegt nämlich der Hase im Pfeffer. Denn wenn man im Internet schlecht bewertet wird und ist auf der Suche nach Fachkräften, dann kann das natürlich der Tod sein. 

Sibylle: 
Genau so ist das. Und ich glaube, deshalb ist das Thema Arbeitgeberbewertung eins, was viele Unternehmen echt noch mit Samthandschuhen anfassen, wenn sie sich überhaupt daran wagen. Klar, man ist auf einmal auf so einer Bühne und öffentlich sagt einem einer, was er nicht gut findet. Und Feedback ist ja auch nicht immer ganz einfach anzunehmen. 

Jens: 
Man sagt ja auch, Feedback ist ein Geschenk, aber viele sehen das eben nicht unbedingt als Geschenk, vor allem, wenn ihnen das Feedback nicht passt. Nichtsdestotrotz ist es so, dass der Bitkom, also der Branchenverband der Digitalindustrie, natürlich regelmäßig Umfragen durchführt, unter anderem auch zum Thema Arbeitgeberbewertungen im Internet. Und die haben tatsächlich herausgefunden, dass fast die Hälfte von uns, also von den Arbeitenden sozusagen im Land, im Internet Bewertungen liest von Arbeitgebern. Erst recht natürlich, wenn sie auf der Suche sind, aber eben auch zumindest jeder Vierte von uns schon mal selbst eine Bewertung abgegeben hat. Und das kann für so ein Unternehmen Fluch und Segen zugleich sein, je nachdem, wie das Urteil halt ausfällt. 

Sibylle: 
Eins können wir aber gleich mal zu Beginn feststellen: Also die Augen davor verschließen kann man nicht, denn der Trend geht ganz klar nach oben. Das heißt, es sind immer mehr Menschen, die eben auch auf so Bewertungen vertrauen, die denen auch mehr Vertrauen schenken als den Informationen, die man als Unternehmen natürlich selber irgendwie über sich publiziert. Ist ja klar, sind ja so meinesgleichen, die da irgendwie schreiben, hat sich auch beworben, hat keine guten Erfahrungen gemacht, vielleicht ja. 

Es geht ja auch darum, dass es immer mehr Orte gibt, wo man Bewertungen auch lesen kann. Also einmal hat man ja diese Portale Kununu, Glassdoor, die beiden größten deutschen, aber auch bei Google finden sich ja inzwischen immer mehr Bewertungen. Und da kann man sich nicht vor verstecken. 

Jens: 
Aber ist es nicht am Ende so, dass diejenigen, die ein Unternehmen, einen Arbeitgeber bewerten, also in der Regel unzufriedene Mitarbeiter sind, die sich im Nachhinein noch mal so ein bisschen nachtreten wollen, weil sie irgendwie unschön aus dem Unternehmen rausgehen mussten oder so? Oder sind das wirklich auch Bewertungen, die man also auch objektiv ernst nehmen muss, weil vielleicht einfach doch die Bandbreite größer ist, als man vielleicht zunächst mal denkt? 

Sibylle: 
Ich glaube, das Letzte, was du gesagt hast, ist zutreffend. Das ist auf jeden Fall eine Bandbreite. Also ich höre viel von Unternehmen, die sich nicht damit beschäftigen wollen mit dem Thema, die sagen dann so pauschal: Ach, das sind ja immer nur die Unzufriedenen. Und klar, das kennt man vielleicht auch von sich selber, wenn man irgendwo eine schlechte Erfahrung gemacht hat, dann ist man eher mal bereit, das mal so rauszulassen. 

Wenn man sich aber die Bewertungen mal anguckt, die da online sind, findet man wirklich viel Licht und Schatten und auch viele Menschen, die sich echt Mühe machen und da dezidiertes Feedback reinschreiben zu verschiedenen Kategorien, die man ja beurteilen kann. Und das sind nicht immer nur die Unzufriedenen. 

Jens: 
Gerade so als kleines, mittleres Unternehmen weiß man natürlich, wer für einen gearbeitet hat, wer einen da möglicherweise bewertet haben kann. Ist es denn wirklich entscheidend, also ich meine, so als kleines Unternehmen direkt so in die Forschung zu gehen: Wer könnte es denn gewesen sein, welchem Mitarbeiter hat da was nicht gepasst? Oder ist es nicht am Ende so, also ich denke, es ist ja quasi ein Schaufenster im Prinzip. Also es ist ja ein Meinungsbild sozusagen, das sich über mein Unternehmen formt. Im besten Fall gibt es mehrere Kommentare, sodass sich ein Gesamtbild formt. 

Ist es denn ratsam, wirklich mit dem einzelnen Mitarbeiter, den man vermutet, der dahintersteht, ins Gespräch zu gehen oder vielleicht doch eben lieber das ein bisschen größer zu sehen, sag ich jetzt mal? 

Sibylle: 
Auf jeden Fall. Also da dann Nachforschungen anzustellen, wer hat hier was geschrieben, das ist genauso nicht erstrebenswert, wie Mitarbeiter dazu zu drängen, gute Bewertungen abzugeben. Na klar, kann man dazu motivieren, wenn Leute gerade sehr zufrieden sind. Also nach meiner Sicht kann man denen durchaus sagen: Guck mal, es gibt hier was, Arbeitgeberbewertungsportale. Ich finde es total schön, wenn du deine Erfahrungen da mitteilen willst. Denen aber nicht vorgeben, was sie da reinzuschreiben haben. So was fällt halt auch sofort auf. 

Jens: 
Ich hab ja mal einen Text für dich fertig gemacht. 

Sibylle: 
Absolut. Ja, oder Anreize setzen, ne. Wenn du jetzt so und so was schreibst. Tatsächlich gibt es Unternehmen, sagt man, die so was tun. Aber das Bild, was ich da vermittle, muss ich ja nachher auch leben. Denn was will ich mit guten Bewertungen? Ich möchte ja, dass sich Bewerberinnen und Bewerber für mich entscheiden und wenn die dann kommen, sollen die ja zu mir passen und nicht denken: Wo, das, was sie da bekommen bei uns, passt irgendwie nicht so richtig mit dem zusammen, was man vorher im Netz gelesen hat. 

Jens: 
Ganz interessant ist, was Siemens als großer Konzern da ja anstellt. Die haben das natürlich für sich erkannt und nutzen das auch ganz bewusst, das Thema Bewertungen im Internet. Wenn du dich dort bewirbst und zum Bewerbungsgespräch gehst, dann bekommst du eine Einladung, so wie ich das gehört habe, steht aber eben unten auch drunter: Bitte bewerten Sie doch Ihre Erfahrungen mit uns als Unternehmen in diesem Assessment-Center, in diesem Bewerbungsprozess sozusagen im Internet. 

Und zwar sagen die nicht: „Bewerten Sie uns bitte mit fünf Sternen“, sondern: Teilen Sie Ihre Meinung. Das finde ich sehr schön, weil man sich als potenzieller neuer Mitarbeiter natürlich auch ernst genommen fühlt. Ich bin so auf ein Podest gehoben, weil man sagt: Okay, egal ob die mich jetzt nehmen oder nicht, ich bin trotzdem dazu in der Lage, denen sozusagen auch bei ihrer Selbstreflexion zu helfen. 

Sibylle: 
Genau, die sind offen für Feedback. Das ist ja auch eine Kultur, die sehr ansprechend ist, ne, also eine Kultur, die eben auch bei den Mitarbeitern nachfragt, wissen will, was ist bei euch los. Find ich super, was Siemens da macht. 

Man kann das übrigens auch machen mit neuen Mitarbeitern, so nach den ersten 100 Tagen, so ein standardisierter Prozess, noch mal zu fragen, weil die ja oft auch einen sehr frischen Eindruck vom Unternehmen haben. Das sind unheimlich wertvolle Informationen, die man da sammeln kann, wenn man die dann auch weiterverwendet. 

Spannend fand ich auch, was Tobias Enders geschrieben hat bei LinkedIn. Der ist der CEO von GMS Global Media Services, die so Konferenzräume mit Mediatechnik ausstatten. Und zwar hat das Unternehmen gefeiert, weil sie eine 100 % Weiterempfehlungsrate hatten bei Kununu. 

Jens: 
Nicht schlecht. 

Sibylle: 
Ich wollte fragen, ja, wo ist denn da genau die Pointe? Ist ja super. Das Schöne daran ist, das war bei denen nicht immer so, sondern die hatten vor Jahren echt wirklich miserable Kommentare, wo man, glaube ich, wirklich als Geschäftsführerin erst mal Gänsehaut kriegt und denkt: Um Gottes willen, was schreiben die denn da? Zum Beispiel hier: erst nur Praktikum, x Überstunden gemacht, aber quasi nie eine Pause, dann Vertrag ohne Grund in der Probezeit gekündigt. 

Und davon gab es viele Kommentare. Dieses Unternehmen hat sich das zu Herzen genommen und hat dann wirklich ernsthaft die eigenen Strukturen, die eigene Arbeitsweise überprüft und Hierarchien abgebaut, zum Beispiel mehr direkten Kontakt, direktes Feedback auch im Unternehmen eingeholt. Und siehe da, die Bewertungen entwickelten sich positiv und nach oben. 

Und gerade wenn Unternehmen eben schon länger dabei sind, auch so einen Verlauf zu sehen, zu sehen, da war es mal nicht so gut, jetzt entwickelt es sich aber positiv, das ist eigentlich das Beste, was man rausholen kann aus so einem Portal, meines Erachtens. 

Jens: 
Ja, die hat ja quasi schon eine 180-Grad-Wende hingelegt, so wie es klingt, oder fast eine 180-Grad-Wende, wenn jetzt offensichtlich alles super ist, so wie sich das zumindest nach außen darstellt. Ist ja ganz bemerkenswert. 

Also der Albtraum eines jeden Arbeitgebers ist natürlich, Dinge im Internet über sich zu lesen wie: schlechter Arbeitgeber, mangelnde Perspektiven und Führungskräfte, die nicht führen, die demotivieren stattdessen. Oder eben auch noch der Ratschlag von Menschen, die sagen: Machen Sie bloß einen großen Bogen um den Laden, gehen Sie dem bloß aus dem Weg, das taugt nichts. Das kann einem als Unternehmen, als Unternehmer natürlich richtig um die Ohren fliegen und da sollte man sich Sorgen machen, finde ich. 

Sibylle: 
Ja, das sind genau die Dinge, die du ansprichst, die dann dazu führen, dass Leute da eher einen Bogen drum machen, die Augen davor verschließen, gar nichts damit zu tun haben wollen. Oder eine absolute Anti-Empfehlung: Das bitte auf keinen Fall tun, dann eben so darauf reagieren, dass sie diese Kommentare löschen lassen wollen. 

Also dann Kununu anschreiben und so weiter: Hier steht irgendwas Unliebsames. Das geht, aber das geht im Grunde nur, wenn da wirklich Rufmord oder irgendwelche Sachen sind, die einfach bei uns rein rechtlich in Deutschland nicht erlaubt sind. Dann macht das Kununu aber eigentlich sogar von selbst. Oder man kann sich dann nachweisen lassen, dass derjenige zum Beispiel wirklich beim Unternehmen gearbeitet hat und so weiter. Das ist möglich, ist aber teuer, braucht man meistens einen Anwalt dafür. 

Viel souveräner ist es, einfach auch auf solche negativen Bewertungen individuell ehrlich zu antworten. In keinem Unternehmen läuft alles Sahne und eine Fünf-Sterne-Bewertung ist auch gar nicht das Erstrebenswerte bei Kununu. Das ist nämlich absolut unglaubwürdig. 

Ja, es geht eher dann darum, das einzuordnen, also auch Kritik anzunehmen, zu sagen, das tut uns leid, je nachdem, was da vorgefallen ist. Zum Beispiel jemand schreibt, er musste ewig auf eine Rückmeldung warten und im Bewerbungsgespräch war der Chef uninformiert und desinteressiert, dass man sagt: Das ist auch nicht die Haltung, die wir hier grundsätzlich haben. Aber natürlich hat auch jeder mal einen schlechten Tag. Tut uns leid, dass Sie das so erwischt hat, wir nehmen das auf, gehen da so und so mit um. 

Und dann vielleicht sogar noch einen persönlichen Kontakt anbietet, wo man eben nicht an irgendwie das HR-Team sich wenden kann, sondern an einen Menschen, mit dem man noch mal darüber sprechen kann. 

Jens: 
Das macht ja schon allein deshalb Sinn, egal ob derjenige das nachher nutzt oder nicht nutzt, aber es zeigt natürlich nach außen, dass das Unternehmen offen und gesprächsbereit ist und auch kritikfähig und konstruktiv mit solchen Dingen umgeht und gibt auch allen anderen ein gutes Gefühl, das ist ja ganz klar. 

Wenn wir jetzt mal auf die kleinen Unternehmen vor allem weiter gucken, wir haben ja nicht, es sind ja nicht nur Konzerne draußen, so wie Siemens oder so, die natürlich eine riesige Human-Resources-Abteilung dann möglicherweise auch haben, sondern eben das kleine mittlere Unternehmen, die Tischlerei, irgendein anderer Handwerksbetrieb, ist ja im Grunde genommen egal. Und es geht darum, das Thema Bewertung: Ist das etwas, was so wichtig ist, wo du sagen würdest, das kann auch ruhig mal zur Chefsache gemacht werden? 

Sibylle: 
Sollte es genau, ja, so ist das. Also, es sollte sich auf jeden Fall jeder Chef regelmäßig diese Bewertungen angucken, die da sind über das eigene Unternehmen. Wenn man da gar keine hat, durchaus auch mal sensibilisieren im Unternehmen, dass es sowas gibt, dass das dem Unternehmen helfen kann, gerade wenn offene Stellen da sind, die nicht besetzt werden können, weil einfach das ein ganz zentraler Weg ist, den Leute nutzen, bevor sie sich irgendwo bewerben. 

Und dann eben auch dafür sorgen, dass sowohl bei positiven Kommentaren, dass man sich da bedankt, dass man da seine Freude auch äußert, genauso wie man eben bei negativen Kommentaren, so wie wir es eben besprochen haben, durchaus Stellung bezieht. Bitte auch nicht dann irgendwie rechtfertigen, Gegendarstellung, bitte nicht schreiben, das stimmt alles nicht. 

Jens: 
Ist doch gar nicht so, ne, auf welchem Planeten waren Sie denn unterwegs? 

Sibylle: 
Sondern auf Augenhöhe den Menschen begegnen, auch wertschätzen, dass die sich die Zeit genommen haben, einem Feedback zu geben. 

Jens: 
Ich glaube, ganz wichtig ist, wenn durch so einen Kommentar Änderungen erforderlich sind in einem Unternehmen, dass man umdenkt, also nach außen signalisiert, okay, wir haben das Problem erkannt, wir nehmen uns der Sache an, das am Ende dann aber auch wirklich zu tun. 

Also ich mein, so was ist natürlich schnell rausgehauen. Das kann man in Hinsicht auf strategische Kommunikation mit potenziellen Arbeitnehmern, die da kommen können, natürlich einfach machen und dann passiert intern nichts. Aber was man, glaub ich, nicht vergessen sollte, ist, es gibt ja auch Mitarbeiter, die sich für das eigene Unternehmen interessieren und mal gucken, wie werden wir denn so bewertet und der Kollege so und so ist doch gerade gegangen, vielleicht gibt es ja schon eine neue Bewertung, auch das hab ich schon erlebt. 

Und ich glaube, das ist wichtig, wahrhaftig zu sein und auch tatsächlich Dinge, die man ankündigt, umzusetzen und ernst zu nehmen, dann auch nachhaltig ernst zu nehmen. 

Sibylle: 
Ganz genau, das fällt einem auf die Füße, wenn man da nicht ehrlich ist. Und da auch noch mal die Chance zu sehen, dass man durch so eine Arbeitgeberbewertung, die dann differenziert ist, auch die passenden Bewerber anspricht, die nämlich das Werteset mitbringen, was wir vielleicht haben. 

Sagen wir mal Kununu, da kann man inzwischen auch Gehalt angeben und auch das Gehalt bewerten und das schreckt ja auch viele Betriebe. Andererseits, wenn ich jetzt ein Unternehmen bin, wo vielleicht eben nicht so viel verdient werden kann, dafür habe ich aber andere positive Seiten, dann bewerben sich bei mir auch gar nicht Leute, die eben nur nach dem großen Geld streben, sondern vielleicht welche, denen die Arbeitsatmosphäre oder die Familienfreundlichkeit besonders wichtig ist. Und das spart mir echt Geld, weil ich eben nicht viele Gespräche führe mit Leuten, die gar nicht passen. 

Jens: 
Ich glaube, ein wichtiger Tipp ist auch für einen als Unternehmerin oder als Unternehmer, sich ab und zu einfach mal selbst zu fragen: Würde ich denn, wenn ich jetzt ein potenzieller Arbeitnehmer wäre, gerne für mich als Unternehmen arbeiten oder nicht? Und wenn man dann schon so ein bisschen das Gefühl hat, na ja, weiß ich jetzt auch nicht so richtig, dann ist es, glaube ich, der Punkt, wo man noch mal nachdenken sollte, ob das im Moment alles richtig läuft. 

Denn auch dadurch kann man ja durchaus erkennen, ob das in die richtige Richtung läuft, auch was potenzielle Bewertung angeht oder eben nicht. 

Sibylle: 
Und gerade jetzt, wo es immer schwieriger wird, wirklich auch die passenden Fachkräfte zu finden, ist ja mein Rat, dass man sich als Geschäftsführerin, Geschäftsführer, als Unternehmen klarmachen sollte, wofür wollen wir denn eigentlich stehen als Arbeitgeber. 

Und auch da können einem diese Bewertungen total helfen, weil sie geben einem ja schon einen Eindruck, was die Mitarbeiter, die man hat, denken. Da gibt es ja bei Kununu die Wohlfühlfaktoren und die Karrierefaktoren und das sind richtig viele. Das hilft einem auch vielleicht so ein bisschen mal einzuschätzen, wollen wir hier mehr auf Weiterbildung setzen oder auf ein anderes Thema und das dann eben auch noch mal in der ganzen anderen Arbeitgeberkommunikation nach außen zu tragen. 

Denn man muss schon feststellen, viele Arbeitgeber werben heute so mit ähnlichen Attributen. Vor einer Weile war das immer, alle wollten innovativ sein. Dann kam mal diese große Randa, erinnerst du dich vielleicht auch, da haben alle immer alles mit Liebe gemacht. 

Jens: 
McDonald’s hat geliebt. 

Sibylle: 
Und Edeka liebt Lebensmittel und so. Und jetzt hab ich gerade eine Studie gelesen, im letzten Jahr war sozusagen das Attribut, mit dem die meisten Arbeitgeber geworben haben, Leidenschaft. Und wenn ich damit werben will, sollte das auch in diesen Bewertungen rauskommen und sonst such ich mir doch lieber auch eine andere Lücke, würde ich sehr empfehlen, was einen einfach ein bisschen mehr abhebt als Arbeitgeber von den anderen. 

Jens: 
Mhm, du hattest am Anfang schon die Plattformen genannt, die man da im Blick haben sollte. Kannst du mal kurz sagen, welche da so die wichtigsten sind, dass wir das noch einmal haben? 

Sibylle: 
Also Kununu ist von zwei Wiener Brüdern ursprünglich gegründet worden, das heißt „unbeschriebenes Blatt“ auf Suaheli. 

Jens: 
Das ist die größte, genau. 

Sibylle: 
Jetzt heute sind da eben keine unbeschriebenen Blätter mehr, sondern da hat eigentlich schon fast jeder wirklich irgendwo mal eine Bewertung. Das ist die größte im deutschsprachigen Raum, da sind knapp 1.000.000 Unternehmen heute schon bewertet und da kommen auch sehr rege neue Einträge hinzu. 

Vielleicht wichtiger Hinweis: Nur 7,5 Prozent aller Unternehmen, die da bewertet wurden, kommentieren die Beiträge auch. Also wenn Sie da heute mit anfangen, können Sie sich positiv abheben, indem Sie das tun. Also bitte das nicht zum Anlass nehmen, na ja, die anderen machen das ja auch nicht, sondern das kann genau ein Alleinstellungsmerkmal sein. 

Die zweite im deutschsprachigen Raum ist Glassdoor, das ist auch eine große. Na ja, und dann eben auch Google, ganz klassisch, da gibt es Bewertungen. Aber auch bei Stepstone und Indeed ist es möglich, Unternehmen als Arbeitgeber zu bewerten und da wird das dann auch direkt neben den Stellenanzeigen angezeigt. Muss man auch wissen. 

Stepstone ist ja so, wenn man Unternehmen fragt, was ist euer größter Dienstleister im HR-Bereich, sagen fast alle Stepstone, weil das eben immer noch der klassische Weg zur Personalfindung ist. Und da auch mal reingucken, wie man da bewertet ist, das zahlt sich aus. 

Jens: 
Stepstone hat mich heute gerade angerufen, um mich mal darauf aufmerksam zu machen, dass ich auch bei denen mal eine Anzeige schalten könnte. Ja, liebe Grüße an Stepstone übrigens an dieser Stelle. 

Na, hör mal, KOFA to go – Wissen zum Mitnehmen. Schlechte Wertung im Internet kassiert, was tun? Hier kommen drei Tipps aus unserem Erste-Hilfe-Koffer. Tipp Nummer eins: 

Sibylle: 
Reagieren Sie auf Bewertungen, kommentieren Sie positive wie negative Beiträge und zeigen Sie so Wertschätzung auch für kritisches Feedback. Antworten Sie ehrlich und individuell, verzichten Sie auf Rechtfertigung. Signalisieren Sie, dass Sie offen für ein Gespräch sind und bieten Sie eine Möglichkeit zur persönlichen Kontaktaufnahme an. 

Jens: 
Der zweite Tipp: Beziehen Sie Ihre Mitarbeitenden ein. Bitten Sie Ihre Mitarbeitenden, Sie als Arbeitgeber ehrlich zu bewerten. Schreiben Sie auf keinen Fall selbst Fake-Bewertungen. Das fällt auf. 

Und Tipp Nummer drei? 

Sibylle: 
Greifen Sie das Feedback auf. Nehmen Sie das Lob, aber auch die Kritik an. Arbeiten Sie gemeinsam daran, Ihren Betrieb noch besser zu machen. Über Ihre Erfolge werden Sie bald in den Bewertungsportalen lesen. 

Jens: 
KOFA to go – Wissen zum Mitnehmen. Alle Tipps aus dem KOFA to go finden Sie wie immer auch online und zwar zum Herunterladen auf kofa.de und hier in den Shownotes. 

In der letzten Folge vor der Sommerpause war Employer-Branding-Experte Gero Hesse hier bei uns und er hat uns verraten, was er aus der Corona-Krise mitgenommen hat, wo sich sein Denken als Unternehmer verändert hat. Mein Learning aus der Krise. 

Gero Hesse: 
Ich hab ein Learning, was zwei Schattierungen hat. Und zwar erst mal individuell für mich selbst: Das Learning, ich muss nicht jeden Termin wie früher persönlich vor Ort wahrnehmen. Es geht auch alles super gut remote. Nicht alles, aber ganz, ganz vieles. Das hat für mich persönlich zu ganz viel Zeitersparnis geführt. 

Was im beruflichen Kontext ganz easy war, die Umstellung in unserem Unternehmen auf Remote-Arbeit, das habe ich bei meinen Kindern in der Schule leider ganz anders erlebt. Und das Learning ist: Deutschland muss dringend digital die Bildungssituation für Schülerinnen verbessern und zwar möglichst schnell. 

Jens: 
Nächstes Mal sprechen wir über die Herausforderungen, die mit dem hybriden Arbeiten verbunden sind. Also wenn man sowohl von zu Hause aus als auch aus dem Büro arbeitet, seit anderthalb Jahren ist das ja für uns nun wirklich keine Ausnahme mehr. Und wir verraten Ihnen, wie Sie die Situation für Ihre Mitarbeiter und für sich ganz optimal gelöst bekommen. Am 17. September hören wir uns wieder. 

Sibylle: 
Ich freue mich total drauf und es war richtig schön, heute endlich wieder mit dir auf dem Sofa zu sitzen. Jens, tschüss. 

Jens: 
Fachleute für Fachkräfte. KOFA auf dem Sofa, der Podcast.