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Transkript: Folge 115

KOFA auf dem Sofa: KOFA-Jahresrückblick 2025 - Fachkräftemangel trotz steigender Arbeitslosigkeit?

Einleitung:

KOFA auf dem Sofa kompakt – Letizia fragt nach, wenn kurze Fragen auf kluge Köpfe treffen.

Letizia
Hallo und herzlich willkommen zu „KOFA auf dem Sofa“. Mein Name ist Letizia und heute werfen wir einen Blick auf den KOFA-Jahresrückblick 2025. Wie hat sich die Fachkräftesituation im vergangenen Jahr entwickelt? Welche Berufe waren besonders betroffen und was unterscheidet 2025 vielleicht von den Jahren davor? Darüber spreche ich heute mit KOFA-Experte Jurek Tiedemann.

So, erstmal zum Starten: Jahresbericht 2025 – was ist das und was kam überhaupt dabei raus?

Jurek
Ja, der KOFA-Jahresrückblick ist im Grunde unser Blick auf den Arbeitsmarkt und auf die aktuellste Entwicklung der Fachkräftelücke. Also: Wir schauen uns das ganze Jahr 2025 einmal an und gucken, was zuletzt passiert ist.

Wir schauen uns zum Beispiel an, wie viele offene Stellen es gab, wie viele Arbeitslose nach einer Beschäftigung gesucht haben und in welchen Berufen es für Unternehmen besonders schwierig war, Personal zu finden.

Was wir herausgefunden haben, ist erstmal, dass die Fachkräftelücke im Jahr 2025 deutlich kleiner geworden ist. Im Jahresdurchschnitt konnten 370.000 offene Stellen für qualifizierte Arbeitskräfte rechnerisch nicht besetzt werden. Das heißt: Das sind Stellen, für die uns im Jahr 2025 einfach die passenden Köpfe gefehlt haben. Gegenüber dem Vorjahr 2024 ist die Fachkräftelücke um 24 Prozent zurückgegangen.

Das klingt natürlich zunächst mal positiv. Wenn die Fachkräftelücke sinkt, ist das jedoch in dem Fall nicht so, denn die Lücke ist gesunken, da Unternehmen aufgrund der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung weniger neue Stellen ausgeschrieben haben und die Arbeitslosigkeit gleichzeitig angestiegen ist. Wenn man beide Dynamiken zusammennimmt, führt das zu einem deutlichen Rückgang der Fachkräftelücke.

Dennoch ist es so, dass weiterhin viele Stellen rechnerisch unbesetzt bleiben und der Fachkräftemangel weiterhin ein großes Thema ist. Rechnerisch kann für jede dritte ausgeschriebene Stelle keine passende Fachkraft gefunden werden.

Das heißt unterm Strich: Im Jahresbericht hat sich gezeigt, dass die schwache Konjunktur den Arbeitsmarkt spürbar abgekühlt hat – es gab weniger offene Stellen, mehr Arbeitslose, aber das Grundproblem des Fachkräftemangels bleibt weiterhin bestehen.

Letizia
Ja, danke für die Erklärung, weil ich hätte jetzt auch gedacht: Okay, die Lücke ist gesunken, dann muss es ja eigentlich heißen, dass es besser wird. Aber das ist ja tatsächlich dann nicht so.

Wenn ich den Bericht gelesen habe, fällt mir auch immer wieder das Wort „Engpassberuf“ auf. Was bedeutet das ganz konkret? Kannst du mir das mal in deinen Worten erklären?

Jurek
Ja, also ein Engpassberuf ist ein Beruf, in dem Unternehmen mehr Arbeitskräfte suchen, als Arbeitskräfte am Markt verfügbar sind. Also: Die Nachfrage ist größer als das Angebot.

Ganz konkret heißt das: Es gibt offene Stellen, aber nicht genug Arbeitslose mit genau der passenden Qualifikation, um diese Stellen zu besetzen. Das ist wichtig, weil Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel kein Widerspruch sein müssen.

Es kann beispielsweise Arbeitslose im kaufmännischen Bereich geben, während gleichzeitig Elektriker, Pflegekräfte oder Physiotherapeuten fehlen. Entscheidend ist immer die berufliche und qualifikatorische Passung.

Letizia
Was ich mich jetzt aber einfach frage: Wir reden ja jetzt von 2025, aber was war denn da wirklich anders? Also im Gegensatz zu den Jahren davor – gibt es da konkrete Unterschiede oder was konntet ihr feststellen?

Jurek
Ja, 2025 ist aus meiner Sicht besonders, weil wir eine Art doppeltes Bild sehen. Auf der einen Seite ist die Fachkräftelücke deutlich zurückgegangen. Es gab weniger offene Stellen und gleichzeitig mehr qualifizierte Arbeitslose.

Zum ersten Mal seit der Corona-Pandemie gab es im Jahresdurchschnitt wieder mehr qualifizierte Arbeitslose als offene Stellen. Das zeigt eben, wie stark sich die schwache wirtschaftliche Entwicklung mittlerweile am Arbeitsmarkt bemerkbar gemacht hat.

Auf der anderen Seite heißt das aber nicht, dass der Fachkräftemangel komplett verschwunden ist. Er zeigt sich weiterhin in sehr vielen Berufen und Bereichen, wie etwa in der Pflege, der Kinderbetreuung sowie in vielen Handwerksberufen.

Neu ist außerdem, dass 2025 erstmals die Besetzung von Stellen für Spezialisten am herausforderndsten war. Also für Beschäftigte, die in der Regel einen Fortbildungsabschluss wie Meister, Techniker oder Fachwirt haben oder einen Bachelorabschluss besitzen.

Knapp vier von zehn offenen Stellen auf diesem Anforderungsniveau konnten rechnerisch nicht besetzt werden. In den Vorjahren war es eigentlich durchgehend so, dass die Stellenbesetzung für Expertinnen und Experten – also Menschen mit Master- oder Diplomabschluss – am angespanntesten war. Das hat sich im Jahr 2025 erstmalig geändert.

Letizia
Ja, das hört man auch echt immer wieder, dass gerade Absolventinnen und Absolventen von der Uni aktuell keine Jobs finden. Das ist wirklich etwas, das sich verändert hat.

Was ich aber auch in deinem Jahresbericht gelesen habe, ist, dass ausgerechnet an der Fleischtheke gerade das Personal am meisten fehlt. Müssen wir uns jetzt daran gewöhnen, dass es da bald niemanden mehr gibt? Was ist gerade da das Problem?

Jurek
Ganz so dramatisch würde ich es nicht formulieren, aber der Befund ist auf jeden Fall auffällig. Im Verkauf von Fleischwaren ist die Fachkräftelücke 2025 nämlich besonders stark angestiegen – um gut 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das ist damit der stärkste Anstieg unter den Berufen, die wir uns im Jahresrückblick angeschaut haben.

Ein wichtiger Grund für diese Entwicklung dürfte unter anderem der hohe Anteil älterer Beschäftigter in diesem Beruf sein. Mehr als ein Drittel der Beschäftigten ist älter als 55 Jahre und wird den Arbeitsmarkt in den kommenden zehn Jahren altersbedingt verlassen beziehungsweise in Rente gehen.

Gleichzeitig bleiben viele Ausbildungsplätze unbesetzt, wodurch die bedarfsgerechte Nachwuchsqualifizierung gefährdet ist. Es verlassen also mehr ältere Beschäftigte den Beruf, als jüngere, frisch ausgebildete Fachkräfte nachrücken.

Das heißt aber nicht automatisch, dass es bald keine Fleischtheken mehr geben wird. Aber es kann für Unternehmen schwieriger werden, passend qualifiziertes Personal zu finden. Betriebe müssen möglicherweise stärker priorisieren: Welche Öffnungszeiten können wir verlässlich abdecken? Wie breit kann unser Sortiment sein? Welche Leistungen können wir täglich anbieten und wo müssen wir vielleicht reduzieren oder uns anders organisieren?

Für Kundinnen und Kunden kann das konkret bedeuten, dass sich Angebote verändern – vielleicht kürzere Öffnungszeiten, ein kleineres Frischesortiment oder stärker vorbereitete Produkte.

Für Unternehmen heißt das gleichzeitig: Wer solche Stellen besetzen will, muss stärker daran arbeiten, diese Tätigkeiten attraktiv zu machen – also bei Arbeitszeiten, Ausbildung, Entwicklungsmöglichkeiten und in der Ansprache neuer Zielgruppen aktiver werden.

Letizia
Ja, auch über das Thema Ältere haben wir beide ja schon mal in einer Podcastfolge gesprochen. Da kann ich an der Stelle auf jeden Fall empfehlen reinzuhören, weil ich mir echt vorstellen kann, dass das auch ein Problem ist – dass das vielleicht nicht mehr so ein Beruf ist, den junge Leute wählen.

Wenn du Unternehmen jetzt drei Dinge mitgeben müsstest, die sie sofort angehen sollten: Was würdest du konkret sagen? Was kannst du Unternehmen an die Hand geben?

Jurek
Ja, also der erste Punkt, den ich mitgeben würde, ist: nicht abwarten. Auch wenn die Fachkräftelücke 2025 deutlich kleiner geworden ist, bleibt die Stellenbesetzung in vielen Berufen und Bereichen weiterhin sehr angespannt. Unternehmen sollten deshalb jetzt prüfen, wo in den nächsten Jahren Personal gebraucht wird – und nicht erst dann reagieren, wenn Stellen unbesetzt bleiben.

Zweitens: offener rekrutieren. Es gibt nicht immer die perfekt ausgebildete Fachkraft am Markt. Deshalb lohnt es sich, stärker auf andere Gruppen wie beispielsweise Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger zu schauen.

Und der dritte Punkt ist: Employer Branding ernst nehmen. Gerade viele kleinere Unternehmen machen oft vieles richtig, zeigen es aber zu wenig. Bewerberinnen und Bewerber wollen wissen: Wie ist das Team? Wie läuft der Alltag? Was macht den Betrieb besonders?

Wer darauf ehrliche und konkrete Antworten hat – beispielsweise in Stellenanzeigen, online auf der Internetseite oder auch im persönlichen Gespräch – erreicht oft die passende Zielgruppe und die passenden Bewerberinnen und Bewerber.

Letizia
Ja, danke Jurek für die ganzen tollen Tipps und deine Einschätzungen. Ich kann auf jeden Fall empfehlen, sich den KOFA-Jahresrückblick noch einmal durchzulesen. Den findet man auf unserer KOFA-Webseite.

Dann danke ich natürlich euch fürs Einschalten. In der nächsten Folge übernimmt wieder Sibylle gemeinsam mit Johanna Bath zum Thema hybride Führung.

Ausleitung
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