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Transkript: Folge 107

KOFA auf dem Sofa Kurzfolge: Führung neu denken: Warum wir mehr Menschen dafür gewinnen müssen (mit Dr. Regina Flake)

Einleitung: 
KOFA auf dem Sofa. Letizia fragt nach, wenn kurze Fragen auf kluge Köpfe treffen. 

Letizia: 
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Kurzfolge von KOFA auf dem Sofa. Mein Name ist Letizia Celentano und heute sprechen wir über das Thema Führung. Ein Thema, das viele bewegt, aber auch abschreckt. Warum das so ist und was Unternehmen tun können, um mehr Lust auf Führung zu machen, bespreche ich heute mit meiner Kollegin Dr. Regina Flake. 
Um direkt mit dem Thema einzusteigen, einmal die Frage, Regina: Warum ist es denn heute wichtiger denn je, Menschen aktiv für Führung zu motivieren? Was geht überhaupt verloren, wenn wir das nicht tun? 

Regina: 
Ja, Letizia, ich freue mich, dass wir heute über dieses wichtige Thema sprechen, denn es ist so unglaublich wichtig, Menschen aktiv für Führung zu motivieren, da nicht Strategien über den Erfolg von Unternehmen entscheiden, sondern eben Menschen. Und Führungskräfte nehmen gerade in KMU eine absolute Schlüsselrolle ein, denn sie treffen genau diese strategischen Entscheidungen, sie führen, entwickeln, motivieren Mitarbeiter und sie managen den Unternehmensalltag, was gerade jetzt auch in der Rezession, in diesen herausfordernden Zeiten, eben eine ganz zentrale Aufgabe ist. 
Das heißt, wenn auf diesen Schlüsselpositionen qualifizierte und motivierte Führungskräfte fehlen, ist das ein ganz großes Risiko für Unternehmen. Da gibt es einen Spruch, der heißt sinngemäß: „Mitarbeiter kündigen nicht den Job, sondern ihre Führungskraft.“ Das heißt, fehlende oder auch nicht passende Führungskräfte gefährden die Fachkräftesicherung in den jeweiligen Unternehmen. 

Letizia: 
Ja, und obwohl Führungskräfte ja irgendwie so wichtig sind, wissen wir aber auch, dass sich immer weniger Menschen bewusst für Führung entscheiden. Woran liegt das deiner Meinung nach? 

Regina: 
Meiner Meinung nach ist das Thema Karriere nach wie vor für viele Beschäftigte sehr, sehr wichtig. Aber es muss eben nicht mehr die klassische Führungskarriere sein. Alternativ streben viele eher eine Fachkarriere an oder so etwas wie Job Enrichment. Das heißt, sie möchten zwar anspruchsvollere Aufgaben, aber nicht unbedingt Führungsaufgaben. 
Also in meiner Wahrnehmung ist es so, dass eine Beförderung nicht mehr automatisch als Belohnung wahrgenommen wird. Früher wurde Führung noch viel mehr mit einem gewissen Status, einem hohen Gehalt und auch mit Autorität positiv assoziiert. Heute denken viele erst einmal an mehr Verantwortung, was auch eine hohe Belastung bedeuten kann, und sie sehen darin eine Herausforderung für das Thema Vereinbarkeit. Genau diese Abwägung kann dazu führen, dass sich viele bewusst gegen Führung entscheiden. 

Letizia: 
Und was sind so typische Verhaltensweisen oder Aussagen, bei denen du denkst: Okay, da steckt schon Führungspotenzial drin? Also wie kann eine Führungskraft das bemerken? 

Regina: 
Das ist natürlich etwas sehr Individuelles, was sich je nach Branche, Unternehmen und auch Wirtschaftslage stark unterscheiden kann – denn so unterschiedlich sind auch die Anforderungen an Führungskräfte. 
Aber ich persönlich denke, dass Führungskräfte, die für dieses Thema sensibel sind, erkennen, ob Mitarbeiter beispielsweise in der Lage und auch willens sind, über den eigenen Tellerrand hinaus strategisch zu denken, ob sie bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, Ideen zu entwickeln und deren Umsetzung im Blick zu behalten. Und ganz, ganz wichtig: ob diese Mitarbeiter auch ein gutes Gespür für Menschen haben. 

Letizia: 
Ja, da muss man auch als Führungskraft total aufmerksam sein. Aber grundsätzlich: Was sind denn Dinge, die Unternehmen tun können, um Menschen mehr Lust auf Führung zu machen? 

Regina: 
Heutzutage hat das Thema Vereinbarkeit von Beruflichem und Privatem eine ganz große Bedeutung in der Arbeitswelt. Das heißt, Unternehmen müssen aufzeigen – oder im besten Fall auch vorleben –, dass Führung und Vereinbarkeit keine Widersprüche sind. Das setzt voraus, dass Arbeitsbereiche entsprechend zugeschnitten sind und dass Unternehmen auch gerade für Führungskräfte Flexibilität ermöglichen. 
Das kann zum Beispiel bedeuten, dass Führung in Teilzeit möglich ist oder dass es Jobsharing-Modelle gibt, etwa als Führungstandem. Zudem zeigen unsere Befragungen, dass Beschäftigte, die grundsätzlich offen für Führung sind, sich wünschen, gestalten zu können und einen eigenen Führungsstil zu entwickeln. Viele wünschen sich außerdem als Einstieg eine stellvertretende Führungsposition, um den sprichwörtlichen Sprung ins kalte Wasser zu vermeiden. 
Auch Weiterbildungs- oder Coaching-Angebote werden sehr häufig als wichtig erachtet. Und nicht zuletzt müssen wir natürlich über das Gehalt sprechen: Ein höheres Gehalt ist ein Anreiz, mehr Verantwortung zu übernehmen – aber eben nur, wenn die Rahmenbedingungen dazu passen. 

Letizia: 
Und es gibt doch bestimmt auch Menschen, die sagen: Okay, ich habe grundsätzlich Lust auf Führung, aber die Rahmenbedingungen, die meine Organisation bietet, passen für mich nicht. Was müssen Organisationen oder Führungskräfte da tun, um grundsätzlich offen zu sein für unterschiedliche Bedürfnisse? Und wie können sie bemerken, dass jemand vielleicht einfach andere Rahmenbedingungen braucht? 

Regina: 
Ja, wie so oft im Leben gilt auch hier: Reden hilft. Ich denke, vor allem in regelmäßigen Mitarbeitergesprächen können Führungskräfte ein wirklich gutes Gespür dafür entwickeln, was die jeweiligen Mitarbeiter motivieren würde, Führung zu übernehmen – aber auch, welche Hemmnisse wahrgenommen werden. 
Das können tatsächliche Hemmnisse sein oder solche, die sich mit passenden Lösungen oder durch eine gezielte Gestaltung der Rahmenbedingungen überwinden lassen. 

Letizia: 
Ja, ich glaube, da muss die Führungskraft auch einfach den Raum schaffen, offen darüber sprechen zu können. Dann machen Mitarbeitende das mit Sicherheit auch. 
Und jetzt noch einmal zum Abschluss: Wenn du an das große Thema Führung denkst – was ist aus deiner Sicht der größte Denkfehler von Unternehmen, wenn es um Führungspotenzial geht? 

Regina: 
Ich denke, der größte Denkfehler ist, dass Unternehmen glauben, das Thema Fachkräftesicherung höre auf der Führungsebene auf und viele Mitarbeitende würden einfach nur auf ein Führungsangebot warten. Denn auch – und gerade – bei der Besetzung von Führungspositionen müssen Unternehmen durch eine strategische Personalarbeit und gutes Employer Branding die passendsten Kandidatinnen und Kandidaten aktiv für sich gewinnen. 

Letizia: 
Ja, absolut. Das ist ein richtig wichtiger Gedanke und auch etwas, worüber Unternehmen viel häufiger sprechen sollten. Vielen Dank, Regina, für das Gespräch. 
Das war KOFA auf dem Sofa. In der nächsten Folge ist wieder Sybille für euch da und spricht mit einem spannenden Gast über das Thema mentale Gesundheit von Auszubildenden. 

Abbinder: 
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