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KOFA-Kompakt: Fachkräftereport für September 2020 – Corona-Spezial

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Der Fachkräftereport September 2020 analysiert kurzfristige Arbeitsmarkttrends auf der Ebene von Berufsbereichen und Berufen. So können Handlungsfelder identifiziert werden, die durch die Corona-Krise im Bereich der Fachkräftesicherung für Unternehmen entstehen.

Immer noch weniger Arbeitslose und mehr gemeldete Stellen als im September 2010

Im September 2020 waren bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) deutlich mehr Arbeitslose und weniger Stellen registriert als im September 2019. Dennoch ist die Lücke zwischen Arbeitslosen und gemeldeten offenen Stellen immer noch deutlich kleiner als zu Beginn des Beobachtungszeitraumes im September 2010. Insbesondere die Zahl der gemeldeten offenen Stellen liegt mit 590.727 noch deutlich über dem Wert aus dem September 2010 (397.973).

Die Nachfrage steigt erneut in Sozial- und Gesundheitsberufen sowie in der Landwirtschaft und am Bau; in der Produktion und Fertigung sowie im Verkehr nimmt sie weiter ab

Auch im September zeigt sich, dass die Corona-Krise die verschiedenen Berufsbereiche unterschiedlich stark betrifft. Den stärksten Zuwachs der gemeldeten Stellen verzeichnen erneut die Sozial- und Gesundheitsberufe, sowie die Landwirtschaft und der Gartenbau. Unterschiede zum Vormonat finden sich in den Berufsbereichen Unternehmensorganisation und Naturwissenschaft, wo im letzten Monat noch Zuwächse zu beobachten waren, die nun aber einen leichten Rückgang der Arbeitskräftenachfrage verzeichnen. Der Nachfragerückgang in der Produktion und Fertigung sowie im Verkehr hält an, allerdings schwächer als noch im Vormonat. Das Schlusslicht bildet erneut die Berufe der Sprach- und Geisteswissenschaften sowie Medien, Kunst und Kultur, mit einem noch deutlicheren Rückgang der gemeldeten Stellen als zuletzt im August. In diesem Bereich ist auch der Corona-bedingte Rückgang der Arbeitskräftenachfrage seit März 2020 am stärksten.

Die Arbeitskräftenachfrage steigt auch in Berufen, die nicht von Engpässen betroffen sind

Unter den Berufen, in denen die Arbeitskräftenachfrage wieder bzw. weiter steigt, sind im September deutlich weniger Engpassberufe sowie Berufe die zu den sogenannten versorgungsrelevanten Berufen (vgl. KOFA-Studie 1/2020) zählen als noch im Vormonat. Zu den Berufen, die weder Engpass- noch versorgungsrelevante Berufe sind, aber ein Wachstum der gemeldeten Stellen verzeichnen, zählen zum Beispiel Berufe der Textiltechnik, oder Schuherstellung, welche seit März 2020 starke bis moderate Stellenzuwächse und weniger stark von der Corona-Krise betroffen zu sein scheinen. Am stärksten ist der Stellenzuwachs aber für Berufe der Überwachung und Steuerung des Eisenbahnverkehrsbetriebs, welche bereits seit längerem Engpässe aufweisen. Berufe gelten dann als eng, wenn bundesweit weniger als 200 Arbeitslose auf 100 gemeldete offene Stellen kommen, da im Schnitt nur etwa jede zweite Stelle bei der BA gemeldet wird.

Sinkende Arbeitskräftenachfrage in der Verwaltung sowie im Lebensmittelverkauf, häufig sind Engpassberufe betroffen

Neben Berufen mit steigender Nachfrage, gibt es auch Berufe, in denen die Nachfrage weiter sinkt. Dabei ist zu unterscheiden zwischen Berufen, die erst seit dem Beginn der Corona-Krise eine sinkende Arbeitskräftenachfrage verzeichnen und solchen, in denen bereits vor der Krise die Zahl der gemeldeten Stellen rückläufig war. Am stärksten sinkt die Nachfrage nach Fachkräften der Sozialverwaltung. Diese Berufsgruppe verzeichnete allerdings vor und auch seit Beginn der Krise große Nachfragezuwächse. Diese Entwicklung scheint sich nun umzukehren. Die Nachfrage nach Fachkräften der technischen Produktionsplanung war hingegen bereits vor der Corona-Krise gesunken. Berufe wie Schauspieler verzeichnen Nachfragerückgänge primär aufgrund der Krise, hier waren vor März 2020 noch Nachfragezuwächse verzeichnet worden. Bei der Mehrheit der Berufe mit den stärksten Stellenrückgängen handelt es sich, anders als noch im August, um Engpassberufe. Deren Engpassrelation hat sich allerdings im Vergleich zum letzten Jahr mehrheitlich verbessert.

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