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KOFA Kompakt 4/2021: Weiterbildung boomt in kleinen Unternehmen

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Der KOFA Kompakt 4/2021 beschreibt die Weiterbildungsaktivität und -intensität der Unternehmen und stellt die Potentiale digitaler Weiterbildungsformate dar. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) tätigen höhere Ausgaben und investieren mehr Zeit in betriebliche Weiterbildung als Großunternehmen. Da KMU in den vergangenen Jahren zunehmend auf digitale Weiterbildungsformate gesetzt haben, konnten sie die Phasen der Corona-bedingten Kurzarbeit ähnlich intensiv für Weiterbildung nutzen wie größere Unternehmen.

Weiterbildung während der Corona-Krise

Laut der KOFA-Auswertung der IW-Weiterbildungserhebung aus dem Frühsommer 2020 hat knapp jedes fünfte Unternehmen die Corona-bedingte Kurzarbeit genutzt, um seine Belegschaft weiterzubilden. Kleine Unternehmen schickten mit 47,1 Prozent ihre Mitarbeitenden genauso häufig wie große Unternehmen in Kurzarbeit. Die Tatsache, dass kleine Unternehmen die Kurzarbeit in ähnlichem Maße zur Weiterbildung nutzten wie große Unternehmen, ist überraschend, denn in Zeiten ohne Krise unterscheidet sich die Weiterbildungsbeteiligung sehr stark nach Unternehmensgröße. Während nahezu alle großen (99,5 Prozent) und mittelgroßen (96,3 Prozent) Unternehmen ihrer Belegschaft Weiterbildung ermöglichen, sind es „nur“ 87,4 Prozent der kleinen Unternehmen.

Hohe Weiterbildungsinvestitionen bei kleinen Unternehmen bereits vor der Corona-Krise

Besonders kleine Unternehmen investieren viel Zeit und Geld in Weiterbildung – auch um Fachkräfteengpässe zu kompensieren. Mit 1.384 Euro je Mitarbeitendem und Jahr wendeten kleine Unternehmen 2019 deutlich mehr für betriebliche Weiterbildung auf als große Unternehmen (1.142 Euro) und mittelgroße Unternehmen (1.209 Euro). Beschäftigte in kleinen Unternehmen konnten sich auch deutlich länger weiterbilden: Sie haben sich durchschnittlich mit 22,4 Stunden pro Jahr qualifiziert und damit etwa sechs Stunden mehr als Beschäftigte in mittleren und großen Unternehmen.

Es fehlt grundsätzlich eher an Zeit als an Geld

Trotz höherer Weiterbildungsintensität beklagen vor allem kleine Unternehmen, dass sie keine Zeit für Weiterbildung haben und die Mitarbeitenden nicht noch länger im Tagesgeschäft entbehren können. Für 23,0 Prozent der kleinen Unternehmen ist das der entscheidende Hinderungsgrund, während es bei mittleren und großen Unternehmen nur 16,6 bzw. 14,6 Prozent sind. Auch klagen kleine Unternehmen häufiger darüber, dass ihnen die Kapazitäten für die Planung und Organisation fehlen. Hier spielt sicherlich auch eine Rolle, dass KMU seltener eine eigene Personalabteilung oder hauptamtliche Personalexperten haben, die sich um die Weiterbildung der Belegschaft kümmern, und daher die Planung und Organisation von Weiterbildung häufiger nebenherlaufen muss.

Kleine Unternehmen nutzen zunehmend digitale Lernmedien

Aufgrund ihrer räumlichen wie zeitlichen Flexibilität bieten digitale Lernangebote Unternehmen die Möglichkeit, die knappe Ressource Zeit besser auszuschöpfen. So lassen sich Lerneinheiten unterbrechen und zu einem späteren Zeitraum fortsetzen und sind damit gut geeignet, um zeitlichen Spielraum, der sich beispielsweis durch eine schwankende Auftragslage ergibt, für die Aneignung neuen Wissens zu nutzen. Die Kurzarbeit konnte vor allem die Unternehmen für die Qualifizierung ihrer Belegschaft nutzen, die bereits vor der Corona-Krise digitale Lernmedien verwendet haben.

Digitale Lernmedien haben bereits vor der Krise einen Aufschwung erlebt: Über 90 Prozent der weiterbildungsaktiven Unternehmen setzten im Jahr 2019 mindestens ein digitales Lernmedium ein, im Jahr 2016 waren es erst knapp 84 Prozent. Vor allem kleine Unternehmen setzen verstärkt auf digitale Weiterbildungsformate und konnten ihren Abstand zu größeren Unternehmen bei fast allen digitalen Lernmedien reduzieren. Interaktive Lernformate wie beispielsweise Webinare wurden von 70,8 Prozent der kleinen Unternehmen im Jahr 2019 genutzt. Drei Jahre zuvor waren es lediglich 49,2 Prozent. Auch Lernvideos, Podcasts und Audiomodule nutzen kleine Unternehmen mit 67,4 Prozent deutlich intensiver als vor drei Jahren.

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