Ausbildende stärken: gemeinsames Vorgehen und externe Qualifizierung
Damit Ausbilderinnen und Ausbilder in Belastungssituationen sicher handeln können, braucht es nicht unbedingt ein aufwändiges Fortbildungskonzept. Ein paar effektive Stunden Trainingszeit können schon große Wirkung haben: Alle, die die Azubis begleiten, kennen dieselben Warnsignale, denselben Gesprächseinstieg und dieselben Grenzen und haben das einmal praktisch geübt.
So könnte das aussehen:
- Basis-Input (intern, ca. 2 Std.): Warnsignale, Gesprächsstart, rote Grenzen.
- Praxis-Training (extern, 1 Tag/2 Halbtage): Rollenspiele, Fallarbeit, Weiterleitung.
- Quartals-Austausch (30 Min): „Was hat geholfen, was nicht?“
Mini-Tool: Wöchentlich eine 3-Zeilen-Beobachtungsnotiz
Was sehe ich? Seit wann? In welchen Situationen? Was ist der nächste Schritt?
Das schafft Klarheit und senkt Hemmschwellen im Team.
Externe Angebote
Wenn Ihr ausbildendes Personal sich intensiver mit dem Thema „psychische Belastungen bei Azubis“ auseinandersetzen möchte, gibt es externe Angebote. Zum Beispiel:
MHFA (Mental Health First Aid) Youth – „Erste Hilfe für psychische Gesundheit“
Das Programm qualifiziert Mitarbeitende, psychische Krisen bei Jugendlichen früh zu erkennen, sicher anzusprechen und zu passenden Hilfen zu begleiten. Der Kurs „Erwachsene helfen Jugendlichen“ umfasst typischerweise ca. 14 Stunden und ist explizit auch für Unternehmen buchbar.
IHK-Seminare zu psychischen Krisen in der Ausbildung
Mehrere IHKs bieten spezielle Seminare für Ausbilderinnen und Ausbilder an – z. B. zu „psychischen Krisensituationen in der Ausbildung“ oder „psychischer Gesundheit bei Auszubildenden“. Inhalte sind Frühwarnzeichen, sensible Ansprache, Maßnahmen im Betrieb und Weiterleitung an externe Stellen.
Spezialisierte Bildungsanbieter mit Fokus „psychisch auffällige Azubis“
Es gibt Weiterbildungen, die sehr konkret an Ausbildungsfällen arbeiten (Umgang mit Angst, Depression, Sucht, Mobbing im Azubi-Kontext, Gesprächsführung, Beurteilung der Ausbildungsfähigkeit, Weiterleitung).
Angebote aus Arbeitsschutz/Betrieblicher Gesundheitsförderung
Berufsgenossenschaften und weitere Träger bieten Seminare zu Stress, psychischer Gesundheit, gesundheitsfördernder Führung und Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen an.
Externe Trainings für Azubis
Kopfsachen e. V. – Workshops zur mentalen Gesundheitskompetenz
Kopfsachen entwickelt Programme für Jugendliche/junge Erwachsene, um mentale Gesundheit, Selbstfürsorge und den Umgang mit psychischen Krisen zu vermitteln. Es gibt Workshops und Materialien, die genau auf die Lebenswelt junger Menschen zugeschnitten sind – u. a. Präventionsprogramme in (Berufs-)Schulen wie „MegA – Mental gesund durch die Ausbildung“.
EducAid e. V. – „Mentale Gesundheit für Azubis“
Bietet Workshops speziell für Auszubildende, u. a. zu mentaler Stärke, Stressbewältigung und Resilienz in der Ausbildung.
Krankenkassen-Angebote für Azubis
Viele Krankenkassen haben eigene Programme, die Azubis beim Umgang mit Stress und psychischen Belastungen unterstützen. Für Betriebe lohnt sich der direkte Kontakt zur regionalen Kasse, weil sich viele Formate kostenfrei oder bezuschusst in Betrieb oder Berufsschule durchführen lassen.
Beispiele:
- AOK: Azubi-Programme wie „Gesunde Talente“ oder regionale Resilienz-/Stresskompetenz-Workshops, teils als Reihe über die Ausbildungszeit.
- IKK classic / regionale IKKs: Formate wie #missionmacher (Gesundheit & Ausbildungsstress) sowie Azubi-Gesundheitstage/Workshops zu Stressbewältigung.
- BARMER: Schul-/Berufsschulprogramme zur psychischen Gesundheit (z. B. MindMatters) in Kooperation mit Berufsschulen.