
Ausbildungskosten im Betrieb: Überblick und Einordnung
Wer als KMU selbst ausbilden möchte, sollte vorab wissen, welche Ausbildungskosten entstehen. Nur so lässt sich einschätzen, ob die Ausbildung für den eigenen Betrieb wirtschaftlich tragbar ist. Der folgende Überblick zeigt, wie hoch die Ausbildungskosten im Durchschnitt sind und wie sie sich zusammensetzen.
Das Wichtigste in Kürze
Die Ausbildungskosten betragen im Durchschnitt mehr als 26.000 Euro pro Auszubildendem und Jahr (Brutto).
Durch die produktive Mitarbeit der Auszubildenden entstehen Erträge von rund 18.000 Euro, sodass die tatsächlichen Nettokosten bei etwa 8.100 Euro liegen.
Trotz möglicher Nettokosten lohnt es sich für viele KMU, selbst auszubilden, unter anderem zur langfristigen Fachkräftesicherung.
Ausbildungskosten aus betrieblicher Sicht
Was kostet ein Azubi den Betrieb? Die Kosten für ein durchschnittliches Ausbildungsjahr belaufen sich auf mehr als 26.000 Euro pro Auszubildendem.
Grob können die Ausbildungskosten in vier Bereiche unterteilt werden. Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) befragt regelmäßig deutsche Ausbildungsbetriebe dazu, wie hoch diese vier Kostenbereiche (brutto pro Jahr) sind:
- Personalkosten für Auszubildende (ca. 15.100 Euro): Den größten Anteil machen die Personalkosten der Auszubildenden aus, also die Ausbildungsvergütung.
- Personalkosten für das Ausbildungspersonal (ca. 6.500 Euro): Dazu zählen haupt- und nebenberufliche Ausbilderinnen und Ausbilder.
- Anlage- und Sachkosten (ca. 1.150 Euro): Kosten für Werkzeuge und Geräteausstattung sowie Lehrwerkstätten.
- Sonstige Kosten (ca. 2.800 Euro): Beispielsweise Rekrutierungskosten, Kammergebühren, Kosten für Lernmaterialien.
Die Höhe der Kosten der Ausbildung unterscheidet sich je nach Betrieb, Ausbildungsberuf und Region: Große Betriebe haben tendenziell höhere Ausbildungskosten als kleinere. In Ostdeutschland liegen die Kosten im Durchschnitt etwas niedriger als in Westdeutschland, in der Industrie sind sie wiederum höher als im Handwerk.
Ausbildungskosten: Brutto-, Nettokosten und Erträge im Überblick
Azubis erwirtschaften auch Erträge – Nettokosten realistisch einordnen
Bei den genannten durchschnittlichen 26.000 Euro handelt es sich um die direkten Ausgaben eines Betriebs, also die sogenannten Bruttokosten.
Aber: Auszubildende arbeiten während ihrer Ausbildung produktiv mit und leisten mit jedem Ausbildungsjahr einen größeren Beitrag für den Betrieb. Dadurch entstehen Erträge von durchschnittlich etwas mehr als 18.000 Euro pro Jahr.
Zieht man diese Erträge von den Bruttokosten ab, ergeben sich die Nettokosten, also die Kosten, die der Betrieb tatsächlich in die Ausbildung investieren muss. Diese liegen in Deutschland im Durchschnitt pro Ausbildungsjahr bei knapp 8.100 Euro.
Die Höhe der Nettokosten variiert je nach Betrieb und Ausbildungsberuf. Bei etwa einem Drittel der Auszubildenden fallen keine Nettokosten an oder es werden sogar Nettoerträge erzielt. Doch auch wenn Nettokosten anfallen, bleibt die Ausbildung für viele Unternehmen eine wirtschaftlich sinnvolle Investition.
So berechnen Sie die Ausbildungskosten
Warum ausbilden? Gründe für eine betriebliche Ausbildung
Es gibt verschiedene Gründe, warum es sich für KMU lohnt, selbst Ausbildungsbetrieb zu werden:
- Ausbildung ist der beste Schutz vor Fachkräftemangel und daher eine Investition in die Zukunft. Gerade in Zeiten von Fachkräfteengpässen droht das Risiko, offene Stellen gar nicht oder längere Zeit nicht besetzen zu können.
- Die Rekrutierung einer bereits qualifizierten Fachkraft auf dem externen Arbeitsmarkt dauert lange und ist kostspielig. Insgesamt investiert ein Betrieb für die Rekrutierung im Durchschnitt über 13.700 Euro (siehe Abbildung oben). Auch diesen Betrag können Sie einsparen, wenn Sie selbst ausbilden.
- Durch die eigene Ausbildung gewinnen Sie langfristig eine loyale Fachkraft, die gut ins Team passt und genau auf die Bedürfnisse des Unternehmens hin ausgebildet ist.
- Sie leisten einen gesellschaftlichen Beitrag und geben jungen Menschen eine Chance für den Start in das Berufsleben. Außerdem positionieren Sie sich als attraktiver Ausbildungsbetrieb in der Region und steigern Ihr positives Image unter Kunden, Lieferanten und potenziellen Mitarbeitenden!

Über die KOFA-Expertin Anika Jansen
Dr. Anika Jansen
Anika Jansen ist Senior Economist für Fachkräftesicherung im KOFA. Einer ihrer Schwerpunkte liegt auf der gezielten Ansprache unterschiedlicher Zielgruppen – etwa Jugendlicher und junger Erwachsener, also Angehöriger der Generation Z, Frauen sowie internationaler Fachkräfte. Ziel ist es, Strategien zu entwickeln, wie Unternehmen diese Gruppen erfolgreich gewinnen und langfristig binden können.
Neben ihrer Forschungstätigkeit hält Anika Jansen als Expertin für die Themen Rekrutierung und Personalarbeit regelmäßig Vorträge, verfasst Studien und entwickelt konkrete Handlungsempfehlungen für Betriebe und politische Entscheidungsträger.
Quellennachweise
- 1. Wenzelmann et al. 2025 https://www.bibb.de/dienst/publikationen/de/20504







