„Stark für Ausbildung“ gibt Ausbildern Tipps für eine gelungene Ausbildung

Bäcker, Metzger, Gastronomen – Industrie- und Handwerksbetriebe – sie alle klagen über Nachwuchssorgen. „KMU können enorm viel erreichen, wenn sie auch vermeintlich ‚schwierigeren‘ Jugendlichen eine Chance geben“, sagt Sabine Hebenstrick von „Stark für Ausbildung“. Die Initiative unterstützt KMU dabei, neue Zielgruppen als Auszubildende in den Blick zu nehmen. Hierbei kann es sich um Jugendliche handeln, die ihre eigenen Chancen und Talente bisher noch nicht entdeckt haben, die schlechte Schulnoten mitbringen oder aber erst kürzlich – zum Beispiel als Flüchtling – nach Deutschland gekommen sind.

Im Interview berichten Sabine Hebenstrick und ihr Kollege Stephan Langer, wie sich Ausbildung in den letzten Jahren gewandelt hat und wie gute Ausbildung gelingen kann:

KOFA: Frau Hebenstrick und Herr Langer: Hat sich die Rolle des Ausbilders in den letzten Jahren gewandelt?

Hebenstrick: Grundsätzlich war es schon immer so, dass gute Ausbildung zeitintensiv war. In unserem Projekt sensibilisieren wir Ausbilder in KMU dafür, dass auch vermeintlich „schwierige“ Jugendliche tolle Auszubildende werden können. Unternehmen müssen diese Zielgruppe allerdings sehr engmaschig betreuen und begleiten, damit die Jugendlichen ihre Potentiale entfalten können.

Was für viele Ausbilderinnen und Ausbilder wirklich neu ist, ist die aktive Akquise von Jugendlichen: Wenn mich keine Bewerbungen mehr erreichen, muss ich eben selbst auf die Jugendlichen zugehen, z.B. in Schulen, Jugendzentren oder über das Internet.

KOFA: Was raten Sie KMU, die keine Nachwuchskräfte finden?

Hebenstrick: Diese Unternehmen müssen sich überlegen, an welchen Orten und über welche Themen sie die Jugendlichen, die für sie interessant sind, aktiv erreichen können. Unter Migrantinnen und Migranten und Flüchtlingen beispielsweise ist das duale Bildungssystem oft unbekannt oder gilt im Vergleich zum akademischen Abschluss als weniger attraktiv. KMU können hier Aufklärung leisten und den potentiellen Kandidatinnen und Kandidaten erklären, dass eine Ausbildung in ihrem Unternehmen tolle Karrierechancen eröffnet – auch ohne Studium.

KOFA: Wie können KMU sich als gute Ausbilder präsentieren?

Langer: Wichtig ist, die Alleinstellungsmerkmale des Unternehmens hervorzuheben und zu kommunizieren. Die meisten Jugendlichen beziehen ihre Informationen heute aus dem Internet – eine gute Selbstdarstellung auf der eigenen Firmen-Homepage ist deshalb ganz zentral, um für das eigene Unternehmen zu werben.

Ebenso bedeutend ist die Vernetzung mit Schulen und Universitäten vor Ort. Dies bietet die Chance zum Beispiel mit Schul- und Studienabbrecherinnen und -abbrechern in Kontakt zu treten. In Zusammenarbeit mit Studienberatungsstellen können Betriebe so gezielt Praktika oder Ausbildungsmöglichkeiten anbieten und damit niedrigschwellige Zugänge für Bewerberinnen und Bewerber schaffen.

Ein effektiver und einfacher Weg ist auch die Mobilisierung eigener Auszubildender: Sie können als ‚Ausbildungswerber‘ Schulen besuchen und über ihre persönlichen Erfahrungen und Tätigkeiten berichten. Dadurch entsteht ein offener Austausch, der keinen großen Aufwand bedeutet.

KOFA: Was sollten KMU in der Kommunikation mit Auszubildenden beachten?

Hebenstrick: Wir machen die Erfahrung, dass es bei manchen Auszubildenden extrem viel bringt, an ihr Ehrgefühl zu appellieren. Wer das Gefühl hat, Teil eines Teams zu sein, lässt seine Mannschaft in der Regel nicht im Stich. Wir empfehlen deshalb auch teambildende Maßnahmen zu Beginn der Ausbildung. Eine schöne Idee ist zum Beispiel, den ersten Tag der Ausbildung als eine Art „Willkommensfest“ zu gestalten. Einheitliche T-Shirts und gemeinsame Aktionen verstärken das Gemeinschaftsgefühl.

Langer: In unseren Trainings empfehle ich den Ausbilderinnen und Ausbildern außerdem, möglichst häufig einen Perspektivwechsel vorzunehmen. Als Ausbilderin und Ausbilder sollte man sich immer wieder fragen: Sind meine Arbeitsanweisungen in den Augen des Jugendlichen sinnvoll? Versteht mein Gegenüber, was ich von ihm verlange? – Hilfreich ist auch, den Auszubildenden sprachlich nochmal wiederholen zu lassen, was gerade verabredet wurde. Häufig wird erst dann klar, dass Forderungen missverständlich formuliert waren oder der Auszubildende noch offene Fragen hat.

KOFA: Welche Entwicklungen sehen Sie seit Beginn Ihres Projektes?

Langer: Es gibt einen Bewusstseinswandel: Früher haben sich die Betriebe die besten Schülerinnen und Schüler rausgepickt. Häufig waren das Bewerberinnen und Bewerber mit Abitur, die das Unternehmen nach der Ausbildung für ein Studium wieder verlassen haben.

Inzwischen akquirieren KMU ganz bewusst Jugendliche, die der Betrieb intensiv fördern und betreuen kann – der dann aber auch länger im Betrieb bleibt und sein Potenzial entfaltet.
Es gibt hier zum Beispiel ein tolles Vorbild, das wir als Praxisbeispiel bei der Firma Ford auf unserer Webseite aufführen: Es handelt sich dabei um junge Mitarbeiter, die zuerst über eine Einstiegsqualifikation in den Betrieb gekommen sind, sich dann aber durch die Ausbildung richtig durchgekämpft haben und inzwischen die Meisterprüfung erfolgreich absolviert haben – das heißt, gute Ausbildung lohnt sich!

Vielen Dank für das Gespräch.

„Stark für Ausbildung“ ist ein BMWi-gefördertes Projekt. DIHK-Bildungs-GmbH und ZWH e. V. entwickeln gemeinsam erweiterte Qualifizierungen und Informationen für Ausbilder/-innen.

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