Rekrutierung von Arbeitslosen

  • Unternehmen, die Arbeitslose einstellen, können staatliche Förderungen erhalten.
  • Der Bewerber / Die Bewerberin bringt nicht sofort alle Qualifikationen mit? – Nutzen Sie Qualifizierungsangebote. Auch hier gibt es staatliche Förderungen.
  • Teilweise setzen größere Betriebe ältere Mitarbeiter z. B. durch Vorruhestandsregelungen systematisch frei. Bieten Sie Chancen: Rekrutieren Sie aktiv diese erfahrenen Kräfte.

Vorteile

Was bringt die Rekrutierung arbeitsloser Fachkräfte?

  • Ausweitung der Rekrutierungsbasis
    Indem Ihr Unternehmen auch arbeitslose Fachkräfte gezielt anspricht, können Sie Ihre Auswahloptionen für freie Stellen erheblich ausweiten und sich einen weiteren Pool an qualifizierten Fachkräften erschließen. Darüber hinaus haben Sie die Möglichkeit, auf schnell verfügbare Fachkräftereserven zurückzugreifen und innerhalb kurzer Zeit neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der jeweils nachgefragten Fachrichtung zu finden. 
  • Mitarbeiterbindung
    Indem Ihr Unternehmen gezielt Arbeitslose rekrutiert, eröffnen Sie erwerbslosen Personen eine neue berufliche Perspektive. Das damit entgegengebrachte Vertrauen wirkt motivations-, leistungs- und loyalitätsfördernd. Arbeitgeberwechsel sind bei zuvor arbeitslosen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern seltener. Sie können somit den Einsatz des Personals besser planen und haben eine größere Sicherheit z. B. hinsichtlich der Rentabilität der von Ihnen angebotenen Qualifizierungsmaßnahmen.
  • Kosteneinsparungen
    Bei der Einstellung von Arbeitslosen stehen Ihnen als Arbeitgeber unterschiedliche Arten an Unterstützungsleistungen seitens der Arbeitsverwaltung zur Verfügung.
  • Motivation und Arbeitsproduktivität
    Die mit der Rekrutierung zuvor arbeitsloser Personen zum Ausdruck gebrachte Wertschätzung dieser Zielgruppe gegenüber kann auch die Motivation und in der Folge die Produktivität der bereits in Ihrem Unternehmen beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verbessern. Die Einstellung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stärkt zugleich das Gefühl der Arbeitsplatzsicherheit bei den bereits Beschäftigten.
  • Stärkung des Arbeitgeber-Images
    Durch die Beschäftigung von zuvor arbeitslosen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zeigt Ihr Unternehmen gesellschaftliches Engagement. Ihr soziales Image wird gesteigert, wovon Ihr Ansehen als Arbeitgeber profitiert. 

Fördermöglichkeiten

Für die Rekrutierung und Beschäftigung von Arbeitslosen gibt es umfangreiche Fördermöglichkeiten der Bundesagentur für Arbeit. Informieren Sie sich, wann die Möglichkeit der Förderung besteht und welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen.
Wenn Sie sich für den Einsatz einer zuvor arbeitslosen Arbeitnehmerin oder eines Arbeitnehmers entschließen, sollte in Ihrem Unternehmen auf Vorgesetzten- wie auf Mitarbeiterebene eine positive Einstellung auch Kolleginnen und Kollegen gegenüber herrschen, die aus der Arbeitslosigkeit kommen. Darüber hinaus sollten Sie gewährleisten können, dass die neue Mitarbeiterin oder der neue Mitarbeiter im Bedarfsfall die Möglichkeit erhält, sich passgenau fortzubilden – gegebenenfalls unter Nutzung öffentlicher Förderangebote.

Personalbedarfsplanung

Nehmen Sie im ersten Schritt zunächst eine möglichst strategisch ausgerichtete Planung des Unternehmensbedarfs an Fachkräften vor.

  • Welche Aufgaben / Tätigkeiten fallen derzeit bereits in Ihrem Unternehmen an bzw. werden kurz- und mittelfristig anfallen?
  • Ab wann?
  • Für welchen Zeitraum?
  • In welchem Umfang?

Anschließend lassen sich daraus abgeleitet Ihr Fachkräftebedarf im Unternehmen sowie konkrete Einsatzmöglichkeiten klären. 

Bedarf an erfahrenen oder jungen Fachkräften

  • Wie viele Fachkräfte welcher Fachrichtung werden benötigt?
  • Welche Berufserfahrung wird vorausgesetzt?
  • Welche Fach- und Sozialkompetenzen müssen/sollen die einzustellenden Fachkräfte mitbringen?

Einsatzmöglichkeiten

  • Wie kurzfristig müssen die gesuchten Fachkräfte zur Verfügung stehen?
  • Handelt es sich eher um eine zeitlich begrenzte Projektarbeit oder eher um Aufgaben, die über einen längeren Zeitraum hinweg zu bearbeiten sind?
  • Handelt es sich um Aufgaben, die (von erfahrenen Kräften) ohne Weiteres übernommen werden können, oder handelt es sich um so spezielle Tätigkeiten, dass eine Weiterbildung unumgänglich sein wird?
  • Könnten Sie gegebenenfalls eine etwaig benötigte Weiterbildung selbst anbieten oder organisieren?

Die Beantwortung dieser Fragen kann Ihnen einen Hinweis darauf geben, inwiefern es für Sie von Nutzen sein kann, explizit nach arbeitslosen Fachkräften zu suchen. 

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Ausschreibung

Wenn Sie nach Abwägung der für Sie relevanten Gesichtspunkte Ihre Entscheidung getroffen haben, mit welchen bislang arbeitslosen Fachkräften Sie die Umsetzung Ihrer konkreten Ziele am besten verwirklichen würden, können Sie Ihr Angebot entsprechend formulieren und über geeignete Medien veröffentlichen.

Bei der Formulierung einer Ausschreibung empfiehlt es sich, dass Sie auf etwaige Einarbeitungsmöglichkeiten hinweisen, die Sie gegebenenfalls anbieten – möglicherweise mit Unterstützung der Bundesagentur für Arbeit. So können Sie auch Fachkräfte ansprechen, die eventuell befürchten, Ihre Anforderungen nicht sofort zu 100% erfüllen zu können.

Eine Stellenausschreibung, die auch Arbeitslosen signalisiert, ihre Arbeitskraft sei gefragt, sollte folgende Gesichtspunkte berücksichtigen:

  • Bestandteile einer Ausschreibung, die auch arbeitslose Fachkräfte anspricht
  • Kurze Präsentation Ihres Unternehmens, in der Sie verdeutlichen, was Sie positiv von anderen Unternehmen abhebt
  • Beschreibung der Aufgaben bzw. des Aufgabenspektrums
  • Geplanter zeitlicher Umfang (Bewerbungsfrist, Einstellungstermin, wöchentliche Arbeitszeit, Dauer der Tätigkeit)
  • Realistische Differenzierung nach Muss- und Sollanforderungen der erwarteten Kompetenzen (z. B. Hinweise auf Erfahrungen, Führungskompetenzen etc.)
  • Ggf. Hinweise auf Einarbeitungsangebote durch Ihr Unternehmen 
  • Geforderte Unterlagen, Ansprechpartner/innen im Unternehmen für Rückfragen 

Für die Veröffentlichung Ihrer Stellenausschreibung sollten Sie auch Jobbörsen nutzen, die speziell arbeitslose Fachkräfte im Fokus haben.

Bewerberauswahl

Reagieren Sie auf jede eingehende Bewerbung zeitnah. Damit können Sie Ihre Professionalität und Wertschätzung gegenüber arbeitslosen Bewerberinnen und Bewerbern signalisieren.

Eine Bewerbung arbeitsloser Fachkräfte sollte folgende Fragen beantworten:

  • Aus welcher Motivation heraus ist die Bewerbung erfolgt?
  • Wurde auf die Ausschreibung Bezug genommen?
  • Wurde ein Zusammenhang zum Unternehmen hergestellt?
  • Wurde das konkrete Interesse, gerade in Ihrem Unternehmen zu arbeiten, formuliert?
  • Wurden die erforderlichen Kompetenzen / Erfahrungen nachgewiesen und erläutert?
  • Kann die Bewerberin bzw. der Bewerber ggf. Spezialkenntnisse oder Zusatzqualifikationen nachweisen, die für Ihr Unternehmen von Interesse sein könnten?
  • Kann die Bewerberin / der Bewerber den Unterlagen zufolge im zeitlichen Umfang und ggf. von den körperlichen Voraussetzungen her in dem für Ihr Unternehmen erforderlichen Ausmaß zur Verfügung stehen?

Können Sie bereits aufgrund der Bewerbung erkennen, dass die Kandidatin bzw. der Kandidat Ihren Anforderungen nicht entspricht, empfiehlt es sich, sie oder ihn so schnell wie möglich mittels einer schriftlichen Absage darüber zu informieren. Jedes Schreiben sagt etwas über Sie als Arbeitgeber aus. Auch eine Absage können Sie durchaus als eine Möglichkeit betrachten, ein positives Arbeitgeberbild von sich zu zeichnen. Die Auswirkungen der entsprechenden Wortwahl bzw. der Aufmachung einer solchen Absage sollte man nicht unterschätzen.

Haben Sie sich entschlossen, mit arbeitslosen Bewerberinnen oder Bewerbern ein Vorstellungsgespräch zu führen, sollten Sie diese Personen zeitnah telefonisch oder/und schriftlich in Ihr Unternehmen einladen. Die Art und Weise des Auswahlverfahrens sollte eine Wertschätzung des Erfahrungsschatzes der Bewerberin/des Bewerbers widerspiegeln. Die Bewerberin bzw. der Bewerber sollten das Gefühl vermittelt bekommen, auf Augenhöhe mit Ihnen zu kommunizieren. 

Zentral bei einem Gespräch mit arbeitslosen Bewerberinnen und Bewerbern ist die vertiefte Erörterung derjenigen Aspekte, die möglichst in der Bewerbung bereits angerissen wurden – insbesondere die Motivation, aus der heraus die Bewerbung erfolgt ist, der Abgleich vorhandener und benötigter Erfahrungen, das Vorhandensein von Spezialkenntnissen und sonstigen Kompetenzen. In diesem Zusammenhang sollten Sie – vor allem, wenn die Bewerberin/der Bewerber zuvor längere Zeit arbeitslos oder aber viele Jahre auf demselben Arbeitsplatz tätig war – prüfen, inwiefern sie oder er sich dennoch kontinuierlich (selbst) weitergebildet hat und damit auf dem „neusten Stand der Technik“ befindet.

Sobald Sie Ihre Entscheidung getroffen haben, welche/n Bewerber/in Sie zukünftig bei sich arbeiten lassen wollen, sollten Sie dies die entsprechende Wunschkandidatin bzw. den entsprechenden Wunschkandidaten so schnell wie möglich wissen lassen. Gute Fachkräfte, die arbeitslos sind, bewerben sich in der Regel auf mehrere Stellen gleichzeitig. Daher kann die Gefahr bestehen, dass die von Ihnen ausgewählte Person auch Ihrer Konkurrenz geeignet erscheint und sich für das gegebenenfalls schneller ausgesprochene Arbeitsangebot Ihrer Wettbewerber entscheidet. 

Nach Unterzeichnung des Arbeitsvertrags sollten Sie dann rechtzeitig vor Arbeitsaufnahme sowohl mit Ihrer neuen Fachkraft als auch mit Ihrem von der Einstellung betroffenem Personal genauer das weitere Procedere abstimmen.

Unterstützung

Bundesagentur für Arbeit
Im Rahmen Ihres Rekrutierungsprozesses haben Sie die Möglichkeit, sich von der Bundesagentur für Arbeit (BA) unterstützen zu lassen. Von Vorteil ist hierbei, dass das Leistungsangebot der BA von Ihnen kostenlos und bundesweit in Anspruch genommen werden kann. Das Leistungsspektrum umfasst neben der Vermittlung von Arbeitskräften die Vermittlung von Arbeitslosen durch so genannte Personal-Service-Agenturen (PSA) sowie Qualifizierungs- und Fördermaßnahmen.

Neben der Einschaltung der BA kann es auch sinnvoll sein, auf andere Wege der Rekrutierung zu setzen. Suchen Sie eine Fach- oder Führungskraft für das obere oder oberste Management, besteht die Option, auf die darauf spezialisierte Managementvermittlung der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) zurückzugreifen. In besonderen Bedarfsfällen lassen sich durch die ZAV auch Führungskräfte auf Zeit (Interim-Management) vermitteln.

Als Arbeitgeber haben Sie die Möglichkeit, ein Stellenangebot direkt Ihrer zuständigen Arbeitsagentur zu melden, um auf diesem Weg Vermittlungsvorschläge zu erhalten. In diesem Zusammenhang können Sie auch das Angebot nutzen, durch die/den zuständige/n Agenturberater/in eine Vorauswahl geeigneter Kandidatinnen und Kandidaten vornehmen zu lassen, um nur zu Ihrem Stellenprofil passende Bewerbungen zu erhalten. Für diesen Fall ist es ratsam, dass Sie als Kontaktadresse für die Bewerberinnen und Bewerber nicht Ihre eigenen Daten angeben, sondern die der Arbeitsagentur.

Gleichzeitig können Sie, auch ohne Einschaltung einer Arbeitsvermittlerin/eines Arbeitsvermittlers, direkt selbst nach geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern suchen. Hierzu stellt Ihnen die Arbeitsagentur einen Leitfaden zur Verfügung, der Ihnen u. a. die Funktionsweise der Jobbörse näher erläutert.

Auch für den Bereich der Qualifizierung bietet die Bundesagentur für Arbeit zahlreiche Unterstützungsmöglichkeiten an. Die angebotenen Anpassungsqualifizierungen an die von Ihnen ausgeschriebene Stelle reichen von einer Qualifizierung vorhandener Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für andere Positionen (zum Schutz vor Arbeitslosigkeit) bis hin zur Qualifizierung arbeitsuchender Bewerberinnen und Bewerber, denen entweder eine bestimmte Qualifikation oder aber auch die praktische Erfahrung fehlt. Hierfür können Sie Zuschüsse bei der Arbeitsagentur beantragen oder nach einer Kostenübernahme für bestimmte Qualifizierungsmaßnahmen (z. B. Erwerb eines Staplerscheines oder einer spezifischen EDV-Schulung) von Arbeitssuchenden fragen.

Des Weiteren bietet die Arbeitsagentur Ihnen als Arbeitgeber auch finanzielle Hilfen bei der Eingliederung arbeitsloser Bewerber/innen an, die Sie bei Bedarf beantragen können – wie Eingliederungs- oder Beschäftigungszuschüsse. Die Höhe und Dauer dieser Förderungen ist abhängig vom jeweiligen Einzelfall.

Stellen Sie arbeitslose Fachkräfte ein, die das 55. Lebensjahr vollendet haben, sind Sie von der Zahlung Ihres Arbeitgeberanteils zur Arbeitslosenversicherung befreit.

Weiterführende Informationen

Onlinequellen mit Informationen zu den Fördermöglichkeiten

  • Umfassende Informationen zu jeglichen finanziellen Hilfen gibt die Arbeitsagentur (zur Webseite)
  • Regelmäßige Veröffentlichung neuer Förderungsmöglichkeiten und Gesetzesentwürfe stellt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales zur Verfügung (zur Webseite)
  • Datenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zu Förderprogrammen und Finanzierungshilfen der Länder, des Bundes und der EU (zur Webseite)

Onlinestellenbörse

  • Das Portal der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit orientiert mit Angeboten zur Unterstützung in personalwirtschaftlichen Fragen und zur Vermittlung ausländischer Fachkräfte. Für weitere Recherchen bietet sich eine Online-Suche nach "Metasuchmaschinen" und "Stellenangebote"  oder "Jobs" an (zur Webseite)

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