Personalführung mit Wertschätzung

Ein Interview mit Bodo Janssen, Geschäftsführer der Hotelgruppe Upstalsboom

Bodo Janssen ist Geschäftsführer der Hotelgruppe Upstalsboom. 2010 ließ er eine Befragung zur Mitarbeiterzurfriedenheit durchführen - die Ergebnisse waren verherrend. Seitdem beschäftigt sich Bodo Jansssen mit dem Thema Mitarbeiterführung und er hat sein eigenes Führungsverhalten verändert. Er ist sich sicher: Für ihn und sein Unternehmen hat sich dieser Weg ausgezahlt: Im Interview mit dem Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) verrät der Geschäftsführer, wie man die Führungskultur eines Unternehmen wandelt.

Was macht gute Personalführung für Sie persönlich aus?

Janssen: Gute Führung fokussiert sich auf den Menschen. Es geht darum, ihn zu entwickeln, zu stärken und dabei zu unterstützen, Antworten auf die Fragen zu finden: Wofür stehe ich jeden Tag auf? Was ist mein Talent? Was ist mir wichtig? Hat ein Mitarbeiter das erkannt, gilt es, ihn entsprechend seiner Fähigkeiten im Unternehmen zu fördern.

Wie sind Sie selber zu der Führungskraft geworden, die Sie heute sind?

Janssen: Ich war früher eine Führungskraft, die sehr klassisch unterwegs war mit Fokus auf Gewinnmaximierung und Anerkennung. Nach einer persönlichen Krise war ich jedoch längere Zeit im Kloster und habe darüber reflektiert, was mich glücklich und zufrieden macht. Das hat in mir einen Wandel in Gang gesetzt und ich habe erkannt, dass es sinnvoller ist, die Wirtschaft für die Menschen zu nutzen statt umgekehrt. Seitdem sehe ich Unternehmen und Wirtschaftlichkeit als Mittel zum Zweck für den menschlichen Erfolg. Das heißt: Menschen haben die Freiheit im Unternehmen das zu leben, was ihnen auch selbst wichtig ist und wozu sie fähig sind.

Inwieweit haben Sie diese Führungskultur in Ihrem Unternehmen etabliert?

Janssen: Wir haben Curricula eingeführt, in denen sich die Mitarbeiter über ein Jahr lang mit Fragen zu sich selbst, ihrer Motivation und ihrer Rolle im Unternehmen auseinandersetzen – und dadurch ein persönliches Leitbild erarbeiten. Dafür bieten wir interaktive Schulungsmöglichkeiten und Gruppencoachings zu unterschiedlichen Themen wie Selbstführung oder Bewusstsein für Körper und Sprache an. Außerdem kommen bei uns 120 Mitarbeiter zweimal jährlich in sogenannten Entwicklungswerkstätten zusammen und erarbeiten dort gemeinsam Antworten auf Zukunftsfragen. Den Austausch zu spezifischen Themen gibt es jeden Monat auch in Kleingruppen mit 12 bis 18 Mitarbeiter. Jeder kann bei uns mitentscheiden, sofern er den Rat der anderen einholt – das gilt auch für das Gehalt.

Wer kann Ihr Weiterbildungsprogramm nutzen?

Janssen: Ob Praktikant oder Führungskraft – das spielt erstmal keine Rolle. Wir machen uns dabei frei von Funktion und Position, denn wir stellen die Begegnung in den Vordergrund. Hier ist unser Motto ganz klar: Es geht nicht um Sollen, sondern um Wollen. Das ist die Voraussetzung, dass alle Mitarbeiter auch dafür bereit sind. Neben unseren Mitarbeitern laden wir auch ihre Familienmitglieder und Gäste aus Politik und Wirtschaft dazu ein, unsere Weiterbildungsmöglichkeiten zu nutzen. Wettbewerb hat einen negativen Einfluss auf Potenzial, deshalb zeigen wir auch anderen Unternehmen offen, was wir machen.

Sie erarbeiten in Ihren Workshops auch das Thema Selbstführung, was verstehen Sie persönlich darunter?

Janssen: Selbstführung hat das Ziel Antworten auf Fragen wie „Wer bin ich und was kann ich, was sind meine Talente?“ zu finden. Selbstführung bedeutet aber auch Selbstzufriedenheit und innere Ruhe zu finden. Dafür muss ich mir immer wieder die Fragen stellen: „Wie kann ich diesen Zustand erreichen und was führt mich dahin?“ Wie heißt es so schön: Nur wer sich selbst führen kann, kann auch andere führen – doch häufig wird nicht vorausgesetzt, dass Führung selbst auch eine Fachkompetenz ist. Dafür bekommen bei uns auch die Führungskräfte intensives Coaching. Selbstführung hat bei uns einen maximalen Stellenwert, denn sie macht die Menschen stärker. Stärke bedeutet vor allem, sich seiner Kompetenzen bewusst zu sein und diese auch bestmöglich einsetzen zu können. Das Unternehmen schafft die Rahmenbedingungen dafür, deshalb gibt es bei uns auch kein klassisches Controlling mehr.

Was kostet dieser Führungsstil das Unternehmen?

Janssen: Gute Führung kostet gar nichts. Wir haben die Strukturen losgelassen, die Geld kosten. Unsere Personalkostenquote liegt deutlich unter dem der Branche, obwohl bereits ein Teil der Mitarbeiter ihr Gehalt selbst bestimmen, weil die Motivation eine andere ist. Wir geben nur 64 Prozent der Gelder fürs Marketing aus wie ein normales Unternehmen der Branche, aber erreichen unverhältnismäßig viele Menschen.

Was würden Sie anderen Führungskräften empfehlen?

Janssen: Ich finde es wichtig, sich als Führungskraft selbst Fragen zur eigenen Rolle im Unternehmen zu stellen und dazu auch die Mitarbeiter zu ermutigen. Man sollte mit den Mitarbeitern ein Leitbild erarbeiten, ihre Ideen wertschätzen und auch Fehler als Chance für neue Entwicklungen zulassen. Das alles sind Führungskompetenzen. Hier gilt für Führungskräfte: Reflektion ist wesentlich produktiver als Aktion.

Wir danken Bodo Janssen für das Gespräch

Unternehmenswebseite: https://www.upstalsboom.de/der-upstalsboom-weg.html

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