Rekrutierung von Frauen

Mit Stellenanzeigen gezielt weibliche Fachkräfte gewinnen

Immer mehr Unternehmen haben große Schwierigkeiten, passende Bewerber und Bewerberinnen zu finden. Der Arbeitnehmermarkt hat sich zu einem Arbeitgebermarkt entwickelt. Daher wird es für Unternehmen zunehmend wichtiger, sich als attraktive Arbeitgeber zu positionieren und möglichst viele potenzielle Bewerberinnen und Bewerber anzusprechen. Dabei gilt es, kreative Lösungen zu finden und neue Zielgruppen zu erschließen.

Download Handlungsempfehlung

Download Checkliste

Frauen als Zielgruppe

Gerade das Potenzial weiblicher Fachkräfte ist noch nicht in vollem Umfang ausgeschöpft. Und das, obwohl sich aktuell eine Generation von Frauen auf dem deutschen Arbeitsmarkt befindet, die so viele Kompetenzen mitbringt wie keine andere vor ihr.

Neben ihrer fachlichen Qualifikation bieten weibliche Fachkräfte für Ihr Unternehmen viele weitere Vorteile. Sie helfen Ihnen etwa durch ein besseres Verständnis weiblicher Kundinnen dabei, „weibliche Märkte“ zu erschließen. Außerdem fördern Sie die Vielfalt in Ihrem Unternehmen – und damit Innovationskraft, neue Sichtweisen und Kreativität.

So gewinnen Sie Frauen als Bewerberinnen

Um Frauen für Ihr Unternehmen zu gewinnen, müssen Sie sie gezielt ansprechen! Und das geschieht noch viel zu wenig. Denn viele Stellenanzeigen sind so gestaltet, dass sich Frauen nicht angesprochen fühlen. Allein eine männlich formulierte Jobbezeichnung und die Betonung typisch männlicher Eigenschaften lässt viele Frauen von einer Bewerbung absehen. Männer hingegen lassen sich, wie verschiedene Studien gezeigt haben, im gegenteiligen Fall nicht abschrecken. Unternehmen können also nur gewinnen und nicht verlieren, indem sie Frauen ganz gezielt ansprechen.

Wie das geht, haben das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA), das Kompetenzzentrum Frau und Beruf Region Köln, das Kompetenzzentrum Frau und Beruf Region Bonn/Rhein-Sieg und die FOM Hochschule in dieser gemeinsamen Handlungsempfehlung zusammengefasst.

Der erste Eindruck zählt

Beim Lesen Ihrer Stellenanzeige kommen die meisten Bewerberinnen und Bewerber das erste Mal mit Ihrem Unternehmen in Kontakt. Daher sollten Sie hier auch Frauen ganz gezielt ansprechen und Signale senden, die für weibliche Fachkräfte besonders relevant sind.

Natürlich kann eine Stellenausschreibung nicht losgelöst von gewissen Regeln gestaltet werden – in jedem Fall sollten Sie das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) beachten. Vor allem aber können Sie in Ihrer Stellenausschreibung Besonderheiten betonen, die Frauen ermutigen, sich zu bewerben. Außerdem sollten Sie mit entsprechenden Formulierungen darauf achten, Frauen nicht ungewollt auszuschließen.

Das fängt schon bei der Jobbezeichnung an. Hier zählt der „erste Eindruck“ – sprechen Sie daher beide Geschlechter gleichermaßen an. Dafür bieten sich Ihnen drei Möglichkeiten:

  • Verwenden Sie die weibliche oder männliche Form und hängen „(m/w)“ an. Beispiel: Ingenieur (m/w); Sekretärinnen (w/m) Hier wird jedoch noch immer eine geschlechtliche Vorstellung vermittelt!
  • Verwenden Sie beide Geschlechter. Beispiel: Ingenieur/Ingenieurin; Sekretärin/Sekretär

Je nach Länge der Berufsbezeichnung kann das jedoch unelegant wirken. Und auch hier steht eine Form immer an erster Stelle.

  • Verwenden Sie eine neutrale Formulierung. Beispiel: Assistenz anstatt Assistent/Sekretärin; Fachkraft anstatt Fachmann

Dies ist die eleganteste Lösung. Solche neutralen Formulierungen finden sich auch für viele Personengruppen, die in anderen Teilen der Stellenanzeige genannt werden. Beispielsweise „Kundschaft“ statt „Kunden“.

Dasselbe gilt für die Beschreibung der Stelle und des Anforderungsprofils. Frauen sehen oft von Bewerbungen ab, wenn die Anzeige zu viele männlich assoziierte Begriffe enthält. Männer hingegen zeigen sich vom gegenteiligen Fall unbeeindruckt. Suchen Sie also nach weiblichen Formulierungen, wie etwa „Wortgewandtheit“ anstatt „Verhandlungsgeschick“. Oder „Blick für das Wesentliche“ anstatt „Analytisches Denken“.
Eine weitere Möglichkeit ist es, die Eigenschaften in Verhaltensweisen umzuformulieren. Auch hiervon fühlen sich Frauen eher angesprochen. Nutzen Sie beispielsweise lieber die Formulierung „eigenständig arbeiten“ als die Eigenschaft „autonom“.

Weitere Beispiele und Tipps zu Formulierungen finden Sie in unserer Handlungsempfehlung Rekrutierung von Frauen.

Fünf Dinge, die Sie beachten sollten

Wer auf Arbeitssuche ist, ist vor allem auf der Suche nach einem: Informationen über die Stelle. Indem Sie auf folgende fünf Dinge achten, machen Sie es potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern einfacher herauszufinden, ob sie die Fachkraft sein könnten, die Sie suchen.

1. Geben Sie einen Überblick über die Rahmenbedingungen
Hierzu zählen beispielsweise die Arbeitszeiten, der Arbeitsort und weitere relevante Informationen zu Ihrem Unternehmen und der Arbeit. Schaffen Sie Klarheit über so viele Details zur Stelle wie möglich. Dazu gehört auch eine Angabe zum Gehalt, die zumindest eine Einschätzung ermöglicht.

 2. Stellen Sie klar, was Sie zwingend für die Stelle erwarten – und was darüber hinaus wünschenswert wäre
Wenn Sie die „eierlegende Wollmilchsau“ suchen, laufen Sie Gefahr, gerade Frauen von einer Bewerbung abzuschrecken. Denn weibliche Interessierte bewerben sich häufig nur dann, wenn sie ausnahmslos alle Anforderungen erfüllen. Kennzeichnen Sie daher deutlich, welche Anforderungen nicht zwingend erfüllt sein müssen.

3. Formulieren Sie Ihre Wünsche an die Qualifikation so breit wie möglich
Sie können womöglich mehr Interessierte zu einer Bewerbung bewegen, wenn Sie die erforderliche Qualifikation breiter formulieren. Gerade, wenn Sie dringend Personal suchen, kann dies hilfreich sein. Werden Sie an dieser Stelle nicht konkreter als nötig, formulieren Sie Alternativen oder geben Sie Hinweise darauf, dass auch verwandte Qualifikationen erwünscht sind. Beispiel: „Wir freuen uns auf ein Kennenlernen, wenn Sie Anlagenmechaniker / Anlagenmechanikerin für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sind oder eine vergleichbare Ausbildung haben.“

4. Geben Sie Frauen die Möglichkeit, sich von Ihren Fähigkeiten ausgehend weiterzuentwickeln
Erläutern Sie, welche Spezialfertigkeiten nicht zwingend bereits vorhanden sein müssen, sondern noch erlernt werden können. Dadurch signalisieren Sie Ihr Interesse daran, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Weiterbildungsmöglichkeiten anzubieten – und können direkt als attraktiver Arbeitgeber punkten.

5. Flexible Arbeitszeiten, Teilzeit, Kitaplätze?
Zeigen Sie, wie Vereinbarkeit bei Ihnen gelebt wird! Ob Frau oder Mann – wer Kinder erzieht oder Angehörige pflegt muss wissen, ob die neue Stelle mit privaten Pflichten vereinbar ist. Nutzen Sie die Stellenanzeige auch dazu, um diese Frage direkt zu beantworten: Mit welchen Maßnahmen tragen Sie zur besseren Vereinbarkeit bei?  Ob flexiblen Arbeitszeitmodellen oder Teilzeitbeschäftigung: Wichtig ist, dass Sie dabei nur Angebote aufführen, die Sie auch tatsächlich anbieten – ist dies nicht der Fall, kann sich das herumsprechen und langfristig ein schlechtes Licht auf Sie als Arbeitgeber werfen.

Bilderwahl

Bilder sagen mehr als tausend Worte – und wenn die Wortwahl schon entscheidend ist, so ist es die Bilderwahl erst recht. Über Bilder können Sie einen lebhaften Eindruck von Ihrem Unternehmen vermitteln. Daher sollten Sie genau darauf achten, was das Bild zeigt: Sind nur Männer zu sehen oder zeichnet sich eine geschlechterspezifische Hierarchie ab, so wirkt die ansonsten frauenfreundliche Stellenbeschreibung schnell unglaubwürdig. Achten Sie darauf, Ihre Zielgruppen abzubilden und bleiben Sie möglichst nah am Berufsalltag in Ihrem Unternehmen. Denn auch hier gilt: Authentizität und Ehrlichkeit wiegen mehr als falsche Versprechungen!

Lohnt sich der Aufwand?

Wenn Sie darauf achten, Männer und Frauen gleichermaßen anzusprechen, steigern Sie nicht nur die Wahrscheinlichkeit, weibliche Fachkräfte für sich zu gewinnen. Sie sprechen generell eine breitere Bewerbergruppe an und können so passgenauere Fachkräfte für sich gewinnen. Denn je mehr Personen sich von Ihren Stellenanzeigen angesprochen fühlen, desto mehr Zuschriften erhalten Sie.

Darüber hinaus signalisieren Sie mit neutralen Formulierungen, dass Sie Wert auf Gleichberechtigung und Chancengleichheit legen. Ein solches frauen- und familienfreundliches Image steigert nicht nur die Arbeitgeberattraktivität, sondern trägt auch zu einem positiven Unternehmensimage im Allgemeinen bei.

Wenn Sie Ihre Stellenanzeige darauf überprüfen möchten, ob sie frauenfreundlich ist, können Sie mit der KOFA-Checkliste „Frauen mit Stellenanzeigen ansprechen“ arbeiten.

Mehr zu diesem Thema auf KOFA.de:

Karrierepotenziale von Frauen

Gut qualifiziert, hoch motiviert: Frauen sind eine wichtige Zielgruppe. Schließen Sie Ihre Fachkräftelücken mit qualifizierten Frauen. mehr

Umfeldanalyse

Bei der Umfeldanalyse werden Daten aus der Unternehmensumwelt ausgewertet, die für die Fachkräftesicherung von Bedeutung sind. mehr

Praxisbeispiel: Karrieren von Frauen fördern – KOFA

Gespräche und Veränderungen bei Karriere-Angeboten führten bei der Holter Regelarmaturen GmbH & Co. KG zu einer chancengleichen Kultur in einer männderdominierten Belegschaft. mehr

Praxisbeispiel: Frauen fördern im Handwerk – KOFA

Tischlerinnen sind noch immer selten. Schade, findet Tischlerei Julius Möbel. Über die Förderung von Frauenkarrieren gewinnt sie hochqualifizierte und zielstrebige Fachkräfte. mehr

Praxisbeispiel: Online-Bewerbermanagement – KOFA

Online-Rekrutierung senkt Kosten und erhöht den Erfolg. Die in-tech GmbH setzt auf Jobbörsen, Social Media und einen Karrierebereich auf der Website. mehr

Fachkräfteengpässe in Unternehmen 2/2015

KOFA-Studie Fachkräfteengpässe in Unternehmen 2/2015: Geschlechterunterschiede in Engpassberufen. Männer- und frauentypische Berufe sind von Fachkräfteengpässen betroffen. mehr

Qualifizierung für die digitale Zukunft

Bereits ein Drittel aller Unternehmen beschäftigt sich hierzulande intensiv mit dem Thema Digitalisierung und ist sich der großen Bedeutung des Internets für ihre Geschäftsaktivitäten bewusst. mehr

Preisträger ICUnet.AG

ICUnet.AG wurde mit dem Unternehmenspreis für mehr Willkommenskultur ausgezeichnet. mehr

Preisträger InnoGames GmbH

InnoGames GmbH setzt auf Mitarbeiter aus der ganzen Welt und wurde dafür mit dem Unternehmenspreis für seine Willkommenskultur ausgezeichnet. mehr

Preisträger KS ATAG TRIMET Guss GmbH

Die KS ATAG TRIMET Guss GmbH wurde mit dem Unternehmenspreis für Willkommenskultur des BMWi ausgezeichnet und stellt sich in einem kurzen Video vor. mehr

März 2018: Rekrutierung von Frauen

Mysterium Stellenanzeige: Richtig ausschreiben und mehr (weibliche) Fach- und Führungskräfte gewinnen mehr

Geschlechterunterschiede in Engpassberufen

Männer- und frauentypische Berufe sind von Fachkräfteengpässen betroffen. Erfahren Sie mehr dazu. mehr

Tipps für Stellenanzeigen für Frauen

Konkrete Tipps für Ihre Personalarbeit! – Das ist das Ziel des KOFA. Erfahren Sie im Werkstattbericht wie unsere Wissenschaftler die Kreativ-Methode des Design-Thinking nutzen, um „die perfekte Stellenanzeige“ zur Rekrutierung von Frauen zu entwerfen. mehr

Feedback geben