Sprache & Vielfalt

  • Wie können die Deutschkenntnisse von Geflüchteten eingeschätzt werden und welche Möglichkeiten zur Sprachförderung gibt es?
  • Wie kann ein Betrieb durch Vielfalt profitieren?
  • Was macht eine Willkommenskultur aus?  

Sprache

Kommunikation ist in jedem Unternehmen von entscheidender Bedeutung. Dabei geht es nicht nur um die gesprochene Sprache, sondern auch ums Lesen und Schreiben. Gleichzeitig ist das Erlernen der deutschen Sprache für viele Menschen mit Migrationshintergrund eine große Herausforderung. Doch es gibt eine Fülle an Möglichkeiten, um Deutschkenntnisse zu verbessern.

Sprachniveau einschätzen

Viele Geflüchtete legen bei ihrer Bewerbung Sprachzeugnisse vor, die sich bei der Einstufung der Deutschkenntnisse auf den Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GER) stützen. Dieser unterteilt Sprachkenntnisse in die drei Stufen A, B und C, welche zusätzlich in jeweils zwei Niveaus gegliedert werden. Welches Sprachniveau für eine Beschäftigung in Ihrem Unternehmen vorliegen sollte, hängt jedoch stark von der jeweiligen Tätigkeit ab. Um eine duale Ausbildung erfolgreich absolvieren zu können, empfiehlt sich mindestens Sprachniveau B.

Möglichkeiten zur Sprachförderung

Integrationskurse
Viele Geflüchtete besuchen die sogenannten Integrationskurse des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Maßgeblicher Teil dieser BAMF-Kurse ist neben dem Orientierungskurs, welcher die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die deutsche Lebenssituation informiert, der intensive Sprachkurs. Dieser umfasst in der Regel 600 Unterrichtseinheiten und schließt mit der Prüfung „Deutsch-Test für Zuwanderer“ ab. Im Sprachkurs sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer u.a. darauf vorbereitet werden, sich auf eine Arbeitsstelle zu bewerben und die deutsche Arbeitskultur zu verstehen. Das BAMF bietet je nach Zielgruppe unterschiedliche Integrationskurse an. So gibt es etwa spezielle Kurse für Jugendliche, Frauen oder Eltern.  

Das BAMF informiert auf seiner Homepage ausführlich über die Integrationskurse.

Berufsbezogene Deutschförderung
Der Bund hat das Regelinstrument „Berufsbezogene Deutschförderung“ ins Leben gerufen, um Geflüchtete mit guter Bleibeperspektive, EU-Bürger sowie deutsche Staatsangehörige mit Migrationshintergrund die Möglichkeit zur Teilnahme an einem Sprachkurs zu geben, der sie auf die sprachlichen Anforderungen im deutschen Berufsalltag vorbereitet.

Das Programm setzt sich aus Basismodulen und Spezialmodulen zusammen. Die Basismodule erlauben je nach Kenntnisstand der Teilnehmenden eine Verbesserung des Sprachniveaus von B1 auf B2-Niveau, B2 auf C1-Niveau und C1 auf C2-Niveau. Die Basismodule umfassen dabei in der Regel 300 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten und haben im Wesentlichen zum Ziel die allgemeinen Deutschkenntnisse zu verbessern. Jedes Modul endet mit einer Abschlussprüfung und einem Zertifikat. Dies gibt Ihnen als Arbeitgeber in Bewerbungsprozessen Auskunft darüber, wie weit die berufsbezogenen Deutschkenntnisse des Bewerbers beziehungsweise der Bewerberin fortgeschritten sind.

Personen, die bereits im Erwerbsleben stehen, können die Spezialmodule besuchen. In diesen Kursen wird berufsbezogenes Deutsch gelehrt, beispielsweise für Berufe im Handel, in Gewerbe und Technik, Lager und Logistik sowie in der Gastronomie. Der Unterrichtsumfang beträgt in der Regel zwischen 300 und 600 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten und kann in Voll- oder Teilzeit erfolgen. Selbst mit einem Vollzeitkurs, lässt sich in der Regel zumindest eine Teilzeitbeschäftigung vereinbaren. Angestrebt ist nicht mehr als 25 Unterrichtseinheiten pro Woche anzubieten, was einer Anwesenheitszeit von 18,75 Stunden je Woche bedeutet.

Teilnehmer, die sich bereits in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis befinden, müssen einen Kostenbeitrag pro Unterrichtseinheit von 2,07 Euro je Unterrichtseinheit leisten. Die Leistungen können auch von dem Arbeitgeber übernommen werden. Ausnahmen sind Auszubildende, Teilnehmer an einer Einstiegsqualifizierung und Beschäftigte, die zusätzlich noch Sozialleistungen erhalten. Sie müssen genauso wie Personen ohne Beschäftigung keine Gebühren bezahlen.

Weitere Informationen zum Programm stellt das BAMF zur Verfügung.

Weitere Programme und Kursangebote
Mit dem verstärkten Zuzug von geflüchteten Menschen in die Bundesrepublik sind zahlreiche Initiativen und Projekte ins Leben gerufen worden, welche die Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen fördern sollen. Einige dieser Programme sind so aufgebaut, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beispielsweise in Praktika vermittelt werden und gleichzeitig eine individuelle Förderung durch Bildungsträger in Hinblick auf Berufsorientierung, Qualifizierung und insbesondere auch Sprachförderung erhalten.

Hier können Sie als Arbeitgeber mitwirken, indem Sie Plätze für diese Praxisphasen zur Verfügung stellen. Ein solches Programm, welches sich konkret an Geflüchtete richtet, ist das Angebot „Perspektiven für junge Flüchtlinge (PerjuF)“. Ebenso haben Geflüchtete je nach Aufenthaltsstatus Zugang zu Fördermaßnahmen wie der Einstiegsqualifizierung oder den ausbildungsbegleitenden Hilfen, die ebenfalls Sprachkurse beinhalten. Die KOFA-Maßnahmenkette verschafft Ihnen einen Überblick darüber, welche Programme und Maßnahmen für Geflüchtete mit zusätzlichem Sprachförderbedarf zur Verfügung stehen. Des Weiteren lohnt sich ein Blick auf unsere Zusammenstellung von Initiativen, die im Bereich der Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten aktiv sind. 

Neben diesen Programmen existiert ein flächendeckendes Netz an Bildungsdienstleistern wie beispielsweise den Volkshochschulen, die ebenfalls Sprachkurse anbieten. Je nach Region gibt es unterschiedliche Ansprechpartner. Über die Homepage der Bundesagentur für Arbeit können Sie mit der Suchfunktion Angebote in Ihrer Nähe finden.

Online-Angebote
Nicht immer ist ein Kurs vor Ort die beste oder alleinige Möglichkeit, um eine Sprache zu lernen. Es gibt viele weitere - häufig kostenlose - Angebote, die ein Flüchtling oder ein Mensch mit Migrationshintergrund über das Internet oder über eine Handy-App nutzen kann. Besonders interessant sind diese Angebote:

Übersicht Online-Angebote:

Online-Plattform: vhs-Lernportal

Das kostenfreie Online-Lernportal des deutschen Volkshochschulverbands e. V. (DVV) ist ein digitales Lernangebot für Deutsch als Zweitsprache, Alphabetisierung und Grundbildung. Zielgruppe sind sowohl Deutsch-Muttersprachler, die ihre Schreib oder Rechenkenntnisse verbessern wollen, als auch Personen, die an Deutsch als Fremdsprache interessiert sind. Die angebotenen Kurse ergänzen die Präsenzangebote der Volkshochschulen oder können zur Vor- bzw. Nachbereitung der Präsenzveranstaltungen genutzt werden. Sprachlernende können sich anmelden und haben Zugriff auf verschiedene Lernmöglichkeiten. So bietet das Portal Deutschkurse auf den Niveaustufen A1 (Anfänger) bis B1 (Fortgeschrittene Sprachverwendung). Die Deutschkurse stehen derzeit in 18 Sprachen zur Verfügung. Zusätzlich wird ein B2-Deutschkurs Beruf angeboten, in welchem die Sprachverwendung bezogen auf berufliche Situationen eingeübt werden kann. Das Angebot ist für die Nutzung von Smartphones optimiert und kann mit einer App auch ohne ständigen Internetzugang genutzt werden. Die App ist je nach Betriebssystem über die üblichen Programmanwendungen wie AppStore oder GooglePlayStore des Handys verfügbar.

Webseite des Goethe-Instituts

Auf der Webseite des Goethe-Instituts können Sprachinteressierte kostenlos Sprachangebote nutzen und so in Eigenregie ihre Deutschkenntnisse verbessern. Die Übungen sind für die Sprachniveaus A1 (Anfänger) bis C1 (Fachkundige Sprachkenntnisse) konzipiert. Das Angebot reicht von Selbstlernkursen über Sprechübungen bis hin zur Einbindung von Videos. Den Lernenden werden dabei auch kulturelle Gepflogenheiten, der Umgang mit Behörden sowie Hilfen für den Arbeitsalltag vermittelt. So stehen mehr als 100 Übungen zu unterschiedlichen Berufsfeldern, wie dem Handwerk oder Dienstleistungsberufen, zur Verfügung. Darüber hinaus bietet das Goethe-Institut auch die App „Deutsch-Vokabeltrainer“ an, mit der Ihre Mitarbeiter mobil und kostenfrei ihren Wortschatz erweitern können. Übersetzungen gibt es derzeit in 16 Sprachen, unter anderem in Arabisch, Albanisch, Französisch und Englisch.

Webseite der Deutschen Welle

Eine weitere Alternative Deutsch zu lernen finden Sie auf der Webseite der Deutschen Welle. Auch hier gibt es kostenlose Deutschkurse auf den Niveaustufen A1 bis C. Vor den Kursen kann sich der oder die Lernende über Tests dem richtigen Niveau zuordnen. Weitere Besonderheiten dieses Angebotes liegen in der Möglichkeit der Lernenden, sich mit der Redaktion der Deutschen Welle in Verbindung zu setzen und Fragen zum Wortschatz oder der Grammatik zu stellen. Zusätzlich bietet die Internetseite die Möglichkeit einfache Nachrichtentexte auf Deutsch zu aktuellen Themen zu lesen. Das Angebot steht für insgesamt 30 Sprachen, wie Arabisch, Englisch oder Französisch zur Verfügung.

Was können Betriebe konkret tun?

Das IQ Netzwerk fördert bundesweit verschiedene Initiativen zur Integration von Menschen mit Migrationshintergrund auf dem Arbeitsmarkt. Ein zentrales Angebot ist die Webseite deutsch-am-arbeitsplatz.de. Es handelt sich um ein Online-Portal, das Sie als Arbeitgeber darüber informiert, wie Sie ihre Beschäftigten beim Deutschlernen unterstützen können, indem Sie beispielsweise eigene Kurse anbieten oder Sprachtandems unter den Kolleginnen und Kollegen fördern. Auf der Homepage finden Sie unter anderem kostenfreie Broschüren und Praxisbeispiele sowie regionale Ansprechpartner der IQ-Fachstelle Berufsbezogenes Deutsch, die Sie tiefergehend über die Möglichkeiten berufsbezogener Deutschförderung informieren.

Auf LanguageGuide.org wichtige Begriffe der deutschen Sprache anhand von Bildern lernen

Auf der Seite www.languageguide.org/german/vocabulary können sich Sprachlernende anhand von Bildern und Audiobeispielen über die wichtigsten deutschen Begriffe aus den Kategorien Grüße, Schrift, Zahlen, Körper, Kleidung, Nahrung, Tiere, Natur, Haus, Transportmittel und Geographie informieren.

Angebot des Landesverbands UnternehmerFrauen im Handwerk Niedersachen und Bayern e. V.

Der Landesverband „UnternehmerFrauen im Handwerk“ bietet online die Broschüre „Willkommen im Handwerk“ an. Hier finden sich auf das Handwerk bezogene und bebilderte Vokabeln in den Sprachen Englisch, Französisch, Polnisch, Arabisch sowie Farsi. Gegliedert sind die Begriffe in die Bereiche Bau, Elektro, Lebensmittel, Friseurwesen, Werkzeugen und Maschine. Das Angebot ist kostenlos und ohne Registrierung abrufbar. Die Broschüre finden Sie unter: https://www.ufh-niedersachsen.de/fileadmin/downloads/A5-Broschuere_-_Handwerkliche_Vokabeln_-_web.pdf

Vokabeltraining mit meine-berufserfahrung.de

Auf der Homepage meine-berufserfahrung.de, erhalten Sprachlernende eine Übersicht über beruflich relevante Vokabeln und Ausdrücke in den Sprachen Englisch, Türkisch, Russisch, Arabisch und Farsi. Sprachniveau des Angebots ist A1 und A2. Die Dateien stehen Lernenden ohne Registrierung oder Login zu Verfügung.

Deutsch lernen mit kostenlosen Lernmodulen und Apps von www.DaFür.de

Das eLearning-Portal www.DaFür.de vermittelt Geflüchteten und integrationswilligen Menschen grundlegende Sprachkenntnisse zur Bewältigung von Alltagssituationen. Die online bzw. über Smartphone Apps abrufbaren Lernmodule können kostenlos genutzt werden. Auf dem Sprachniveau der Stufe A1+ werden verschiedene Module zu den Themen Behördenbesuch, Gesundheit, Einkauf, Wohnen, Termine, Arbeit und Beruf, Leben in Deutschland sowie Notrufe angeboten.

Deutschtraining für den Beruf

Im Online-Angebot „Deutsch für den Beruf“ funktioniert das Sprachlernen nach dem Mindmap-Prinzip. Mithilfe von unterschiedlichen „Lessons“ z. B. zur „Arbeitssuche“ oder dem „Arbeitsumfeld“ und „Bezahlung“ gibt es unterschiedliche Übungen zur Verbesserung des Wortschatzes und der Grammatik. Für diese Funktionen muss man sich nicht anmelden. Zusätzlich bietet die Seite online Deutschkurse nach den unterschiedlichen Sprachniveaus an. Auch diese Kurse sind kostenlos, eine Anmeldung ist aber notwendig. Die Online-Kurse eigenen sich für alle Sprachstufen. 

Projekt „Meet the Need“ - Materialien für den berufsbezogenen Sprachunterricht

Das Projekt „Meet the Need“ bietet gemeinsam mit Fachexperten und Sprachlehrer/-innen entwickelte Materialien für einen berufsbezogenen Sprachunterricht an. Die Unterrichtsmaterialien und Handreichungen beziehen sich auf die Berufsfelder Pflege, Einzelhandel, Gastronomie, Bürokommunikation und Baugewerbe. Sie können kostenlos als PDF unter folgender Adresse heruntergeladen werden: https://www.meet-the-need-project.eu/deutsch/

IQ-Netzwerk Hessen

Das IQ-Netzwerk Hessen hat eine Übersicht über kostenlose Online-Sprachlernangebote erstellt. Die Übersicht enthält darüber hinaus auch Informationen und Links zu Video-Blogs auf YouTube, die inhaltlich Alphabetisierungs- oder Deutschsprachtrainings anbieten. Außerdem werden Smartphoneapps vorgestellt, die beim Deutschlernen unterstützen. Die Übersicht finden Sie unter folgender Adresse: https://www.hessen.netzwerk-iq.de/fileadmin/user_upload/iqn/Bilder_fuer_den_Seiteninhalt/Angebote/Projekte_IKE/2019/Lernen_Sie_Deutsch_mit_Handy_und_Internet_1911.pdf


Vielfalt

Flüchtlinge bringen mit ihrem kulturellen Hintergrund und ihren eigenen (beruflichen) Erfahrungen Vielfalt in Ihr Unternehmen. Als Arbeitgeber ist dies für Sie Herausforderung und Chance zugleich. Indem Sie Flüchtlinge erfolgreich als neue Kolleginnen und Kollegen in Ihre Belegschaft integrieren, gewinnen Sie loyale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und können gleichzeitig den Teamzusammenhalt stärken. Zugleich bringen neue Perspektiven auch neue Ideen in Ihr Unternehmen. Dies macht Sie als Arbeitgeber auf dem Arbeitsmarkt interessant: Denn jede und jeder möchte an seinem Arbeitsplatz so akzeptiert werden, wie er oder sie ist. Ein vielfältiges Betriebsklima steigert daher Ihre Attraktivität als Arbeitgeber.
In der Handlungsempfehlung Diversity Management begleiten wir Sie Schritt-für-Schritt zu einem erfolgreichem Diversity Management.

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Willkommenskultur

Sie können allen Mitarbeitern – ob mit oder ohne Flüchtlingshintergrund – mit einer gelebten Willkommenskultur einen guten Einstieg in Ihr Team garantieren. Konkrete Unterstützung von Anfang an hilft beiden Seiten: Ihre Mitarbeiter beziehungsweise Ihre Mitarbeiterinnen werden sich schneller einleben und sicherer fühlen, wenn sie wissen, dass Sie hinter ihnen stehen. Dadurch profitieren auch Sie durch eine Verringerung der Einarbeitungszeit und der Anfangsfehler. Aus der oder dem Neuen wird so schnell ein Teammitglied.

Die Handlungsempfehlung Willkommenskultur zeigt Ihnen, was gelebte Willkommenskultur bedeutet und wie sie diese mit einfachen Maßnahmen umsetzen können.

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