Integration geflüchteter Frauen in den Arbeitsmarkt

Status quo

Aktuell stammt knapp jeder vierte Asylantrag von einer Frau. Dieser Anteil hat sich seit 2017 leicht erhöht, insbesondere durch die Möglichkeit des Familiennachzugs für anerkannte Flüchtlinge. Geflüchtete Frauen sind dabei in der Regel jünger als geflüchtete Männer: Jede zweite Asylantragstellerin ist jünger als 16 Jahre. 

Die Integration weiblicher Geflüchteter stellt Unternehmen und Gesellschaft vor besondere Herausforderungen. Denn weibliche Flüchtlinge sind im Durchschnitt nicht nur jünger als männliche Flüchtlinge, sie finden auch schwerer Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt. Fast die Hälfte aller geflüchteten Frauen ist aktuell nicht erwerbstätig oder auf Arbeitssuche, bei den Männern sind es hingegen nur sieben Prozent. Dies liegt sicherlich auch daran, dass nur ein Drittel der weiblichen Geflüchteten, vor ihrem Zuzug nach Deutschland berufstätig war. Auch finden geflüchtete Frauen (noch) nicht den gleichen Zugang zu Integrationskursen wie Männer.

Das hat viele Gründe. Eine mögliche Ursache kann die Familienstruktur der geflüchteten Frauen sein. Anders als bei männlichen Flüchtlingen ist ein Großteil der Frauen im Familienverbund nach Deutschland gekommen. Hierdurch stehen oftmals Pflichten wie die Versorgung minderjähriger Kinder im Vordergrund. Zudem sind die Herkunftsländer häufig von traditionellen Frauen- und Familienbildern geprägt.

Weibliche Geflüchtete verfügen darüber hinaus in vielen Fällen über geringere formale Bildungsqualifikationen als Männer. Mehr als jede fünfte Frau konnte in ihrem Herkunftsland keine Schule besuchen. Zum Vergleich: Bei den männlichen Geflüchteten waren dies nur 14 Prozent. Doch nur, weil kein Zeugnis vorliegt, heißt das nicht, dass die Bewerberinnen über keinerlei Berufserfahrungen verfügen. Genau wie männliche Geflüchtete stammen weibliche Geflüchtete aus Herkunftsländern, deren Schul- und Bildungssysteme sich stark von dem in Deutschland unterscheiden. Formelle Zertifikate über Arbeitsleistungen sind eher unüblich. Ein duales Ausbildungssystem, wie wir es kennen, gibt es nicht. Eine Berufsausbildung folgt vielmehr dem Prinzip „learning by doing“. Ausländische Berufsqualifikationen lassen sich daher nur schwer mit deutschen Abschlüssen vergleichen. Trotzdem haben viele geflüchtete Frauen bereits Berufserfahrung erworben, z. B. als Fabrikarbeiterinnen oder im Haushalt.

Der Wunsch vieler Frauen ist es, auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Weibliche Geflüchtete zeichnen sich, genauso wie männliche Migranten, durch eine hohe Motivation und einen hohen Lerneifer aus. Schaffen Frauen erst einmal den Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt, beispielsweise durch eine berufliche Qualifizierungsmaßnahme, erreichen sie gute Lernerfolge. Als besonders erfolgversprechend hat es sich erwiesen, geflüchtete Frauen bereits in einer frühen Phase der Ausbildungs- und Jobsuche zu unterstützen. Viele geflüchtete Frauen sind sich der Bandbreite an (zukunftsträchtigen) Berufen und damit verbundenen Entwicklungsmöglichkeiten nicht bewusst. Hier sollten (junge)geflüchtete Frauen früh abgeholt werden. Durch eine zielgruppengerechte Ansprache und eine individuelle Betreuung kann geflüchteten Frauen geholfen werden.  

Wie können Sie geflüchtete Frauen unterstützen? 

Schaffen Sie möglichst niedrigschwellige Angebote, um den Berufseinstieg zu erleichtern. Im Bewerbungsgespräch ist es beispielsweise wichtig, dass Sie eine Atmosphäre von Vertrauen und Sicherheit schaffen. Eine Möglichkeit hierfür ist es, eine Person aus der Familie der geflüchteten Frau ebenfalls zu einem ersten Kennenlernen einzuladen. 

Teilzeitangebote

Geflüchtete Frauen stehen vor besonderen Herausforderungen, da sie oftmals den Spagat zwischen Beruf und Familie bewerkstelligen müssen. Demnach stellt eine 40-Stunden-Woche geflüchtete Frauen oftmals vor Hindernisse. Mit Teilzeitangeboten und flexiblen Arbeitszeiten können Sie die Beschäftigungsmöglichkeiten von geflüchteten Frauen erhöhen. Als Einstiegsmöglichkeiten bieten sich hier die Teilzeitausbildung und die Teilqualifizierung an. 

Erfahren Sie in unserem Webinar-Mitschnitt, was eine Teilzeitqualifizierung ist, welche Herausforderungen es gibt und was Sie beachten müssen. 

Kinderbetreuung

Geflüchtete Frauen haben oftmals minderjährige Kinder zu betreuen. Für einen gelingenden Eintritt in den Arbeitsmarkt helfen Angebote für Kinderbetreuung. Das bedeutet nicht, dass Sie als Unternehmen selbst eine Kinderbetreuung anbieten müssen. Vielleicht haben Sie oder Ihre Belegschaft aber gute Kontakte zur lokalen Kita und können hier vermitteln. Auch das Angebot oder die Vermittlung von Frauen- und Eltern-Kind-Kursen können den Berufseinstieg wesentlich erleichtern. 

Berücksichtigung informeller Qualifikationen

Die Bildungssysteme in den Herkunftsländern der geflüchteten Frauen sind anders strukturiert als unser deutsches System. Oftmals kommen formal erworbenen Qualifikationen weniger Bedeutung zu. Auch wenn eine geflüchtete Frau über keine durch Zeugnisse nachweisbaren Qualifikationen verfügt, heißt dies nicht, dass sie keine relevanten Kenntnisse hat. Berücksichtigen Sie auch informell erworbene Qualifikationen und testen Sie im Rahmen von Praktika oder Berufsorientierungsmaßnahmen die tatsächlichen Kompetenzen der Frauen. Angebote der Bundesagentur für Arbeit, wie das extra für geflüchtete Frauen geschaffene Programm Perspektiven für weibliche Flüchtlinge (PerF-W), können Sie bei der Kompetenzfeststellung der Frauen unterstützen (weitere Informationen hierzu finden Sie unten).

Unterstützung beim Spracherwerb

Weibliche Geflüchtete verfügen oftmals über geringere Sprachkenntnisse als Männer, was einerseits an ihrer geringeren Schulbildung im Heimatland, aber auch an einem Mangel an sozialen Kontakten in Deutschland liegt. Sie können weibliche Geflüchtete durch gezielte (Sprach-)Nachhilfe und das Bilden von Sprachtandems unterstützen. Außerdem kann das gezielte Einbeziehen in soziale Aktivitäten den Spracherwerb nachhaltig unterstützen. Wichtig ist allerdings, dass Sie auf die Vereinbarkeit mit familiären Pflichten, zum Beispiel durch das Anbieten von Kinderbetreuungsangebote, achten. Onlineangebote und Apps ermöglichen ebenfalls den Spracherwerb zeit- und ortsunabhängig. Weitere Informationen zur Sprachförderung erhalten Sie hier.

Mentoring

Arbeitsprozesse und -strukturen unterscheiden sich erheblich von denen im Herkunftsland. Im Rahmen eines betrieblichen Mentoringprogramms können Sie Vertrauenspersonen an die Seite stellen, die dabei helfen, einen Einblick in die Arbeitsprozesse und -inhalte zu bekommen und die Strukturen und Regeln der deutschen Arbeitswelt besser kennenzulernen. Dies erleichtert den Einstieg in den Arbeitsmarkt und hilft dabei, anfängliche Unsicherheiten erfolgreich zu überwinden. Hier empfiehlt sich nach Möglichkeit eine weibliche Mentorin, da diese in der Regel besser ein Vertrauensverhältnis aufbauen kann und die geflüchtete Frau sich leichter öffnet.

Berufsorientierung und Schnuppertage

Gerade da die Bildungssysteme in den Herkunftsländern anders aufgebaut sind, bieten Schnuppertage und Berufsorientierungsangebote eine gute Gelegenheit, geflüchteten Frauen einen Einblick in die deutsche Arbeitswelt zu geben sowie ihre Interessen zu testen und auszubauen. Gleichzeitig erhalten Sie als Arbeitgeber die Möglichkeit, die vorhandenen Kompetenzen der Frauen zu prüfen. Eine weitere Möglichkeit ist, im Rahmen von Angeboten der Jobcenter und Arbeitsagenturen, Betriebsbesichtigungen und Unternehmenspraktika anzubieten. Auf diese Weise können Sie viele geflüchtete Frauen kennenlernen und geeignete Kandidatinnen auswählen, die Sie in Ihrem Betrieb beschäftigen möchten. Ihre lokale Arbeitsagentur gibt Ihnen hierzu gerne weitere Informationen. Außerdem ist es möglich, mit den folgenden Projekten zu kooperieren: 

  1. Perspektive für weibliche Flüchtlinge (PerF-W) 
    In dieser Maßnahme der Bundesagentur für Arbeit werden Frauen und Mütter innerhalb von 16 Wochen in Teilzeit (20 Stunden) an den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt herangeführt. Wesentliche Inhalte sind die Kompetenzstärkung und der berufsbezogene Spracherwerb. Während der Maßnahme werden die Frauen durch regionale Verbände bei der Organisation der Kinderbetreuung unterstützt. Gesucht werden Unternehmen, die einen Praktikums- oder Ausbildungsplatz anbieten können. 
      

  1. „Stark im Beruf“ 
    In diesem Projekt, das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) sowie dem Europäischer Sozialfonds (ESF) gefördert wird, werden Informationen zu arbeitsmarktrelevanten Fragen bereitgestellt und Kompetenzerfassung, Coaching sowie berufliche Orientierung angeboten. Zielgruppe sind vor allem geflüchtete erwerbsfähige Mütter, die zum Beispiel auf Kinderbetreuung angewiesen sind. Sie sollen nachhaltig in existenzsichernde Beschäftigung gebracht werden. Das Angebot für geflüchtete Mütter stellt eine Erweiterung des Projekts für Mütter mit Migrationshintergrund dar. An 35 Kontaktstellen bundesweit wird die Starthilfe in den Berufseinstieg für geflüchtete Mütter angeboten. 

Weitere Initiativen und Projekte, die sich der Arbeitsmarktintegration von geflüchteten Frauen widmen, finden Sie auf unserer Initiativenseite. Darüber hinaus finden Sie weitere Informationen zum Thema in der Broschüre "Perspektiven bieten - So gelingt der Berufseinstieg geflüchteter Frauen in Ihr Unternehmen" des DIHK (Deutscher Industrie- und Handelskammertag) und BMFSFJ (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend). Allgemeine Informationen zur Integration von geflüchteten Frauen und Männern hält das interaktive Video So integrieren Sie Flüchtlinge bereit. 

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