Ausbildung 4.0

Was bedeutet Digitalisierung für die betriebliche Ausbildung in Ihrem Unternehmen?

Der Begriff Digitalisierung ist aktuell gefühlt allgegenwärtig. Die Digitalisierung ist nicht nur ein technischer, sondern auch ein kultureller Wandelprozess, der durch eine gute Personalarbeit begleitet und unterstützt werden muss. Die betriebliche Ausbildung spielt dabei eine ganz zentrale Rolle, da sie junge Menschen in Ihrem Unternehmen inhaltlich und methodisch auf die Arbeit in einem immer digitaleren Umfeld vorbereitet. Repräsentative Umfragen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigen allerdings, dass sich viele Unternehmen noch nicht strategisch mit der Digitalisierung der Berufsausbildung auseinandergesetzt haben: So setzen zwar neun von zehn Unternehmen mindestens eine digitale Technologie ein. Doch mit den Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung in der Ausbildung haben sich bislang nur gut zwei Drittel aller Betriebe in Deutschland  beschäftigt, ein Drittel der Unternehmen hingegen noch gar nicht. Vor allem in vielen kleinen Unternehmen ist die Rolle der Digitalisierung in der dualen Berufsausbildung noch kein strategisches Thema, obwohl heutzutage Auszubildende häufig eine hohe Affinität für digitale Technologien mitbringen.

In diesem Online-Text erfahren Sie, was sich hinter dem Schlagwort Digitalisierung in der Ausbildung verbirgt und wie Sie erste Schritte in eine erfolgreiche, digitalisierte Berufsausbildung in Ihrem Unternehmen gehen können. Weiterführende Informationen zum Themenbereich der beruflichen Ausbildung, zum Beispiel zum Nutzen der dualen Berufsausbildung, finden auch hier

Digitalisierung der Ausbildung: Was steckt dahinter?

Die Kompetenzanforderungen verändern sich: Es gilt, insbesondere jene Kompetenzen zu fördern, die in Zukunft und zur Bewältigung des digitalen Wandels wichtig sind. Das können sowohl digitale Fachkompetenzen, wie Programmierkenntnisse, aber auch soziale Kompetenzen, wie vernetztes Denken oder Kommunikationsfähigkeit sein. Zudem wird vermehrt die Art und Weise hinterfragt, mit welchen Lernmedien und -methoden das betriebliche Lernen in einer digitalisierten Arbeitswelt gelingt. Traditionelle Ausbildungsmethoden und -medien, wie Arbeitsblätter beispielsweise, müssen dabei nicht komplett an Bedeutung verlieren, werden aber durch neue Möglichkeiten ergänzt. Der Lernort Betrieb kann durch neue Methoden, wie den Einsatz von Lernvideos, noch lebendiger werden. Das hilft nicht zuletzt bei der Umsetzung neuer Ausbildungsinhalte, die in einigen Berufen, wie zum Beispiel dem Mechatroniker, bereits vorhanden sind. Die Qualifizierung des eigenen Ausbildungspersonals ist demzufolge ein wichtiges Element auf dem Weg zur Ausbildung 4.0. So kann auch der langjährige Meister in der Ausbildung noch einmal neue Mittel und Wege kennenlernen, sein wertvolles Erfahrungswissen weiterzuvermitteln. Zudem bieten sich neue Möglichkeiten, die berufliche Ausbildung organisatorisch zu erleichtern, etwa durch den Einsatz eines Online-Berichtsheftes.

Was Sie tun können, um Ihre Ausbildung digitaler zu machen

1. Ausbilderinnen und Ausbilder qualifizieren

Ihr Ausbildungspersonal steht im Mittelpunkt der praktischen Ausbildung, folglich sollten Sie hier als Erstes ansetzen:

Für die praktische Umsetzung einer Ausbildung 4.0 benötigen Ihre Ausbildenden einerseits fachspezifisches Wissen über aktuelle Digitalisierungstrends der jeweiligen Branche, d.h. zum Beispiel, wie sich einzelne Maschinen verändert haben oder ob es spezifische neue Anwendungsprogramme gibt. Darüber hinaus benötigen sie methodisches Know-how, diese Informationen auch in einer digitalisierten Arbeitswelt passgenau zu vermitteln. Dieses Know-How wird nicht systematisch in der Ausbildereignungsqualifizierung vermittelt, so dass für viele Ausbilderinnen und Ausbilder eine Weiterbildung hilfreich ist.

Das Weiterbildungsangebot rund um die Digitalisierung und eine große Zahl weiterer relevanter Themen wird kontinuierlich ausgebaut. Informationen zu passenden Weiterbildungsangeboten finden Sie beispielsweise auf den Webseiten der Bildungswerke der Wirtschaft, der Handwerkskammern und der IHK-Organisation sowie im Informationsangebot der Bundesagentur für Arbeit.

Für einen Überblick darüber, wie sich das betriebliche Lernen durch die Nutzung digitaler Lernmedien anreichern lässt, empfehlen wir Ihnen die KOFA-Handlungsempfehlung „E-Learning – Lernen mit digitalen Medien im Betrieb“. Sowie die KOFA-Studie 3/2019 zum Thema E-Learning in KMU.

2. Die Berufsausbildung inhaltlich anpassen

Seit 1. August 2018 ist es möglich, den neuen Beruf „Kaufmann / Kauffrau im E-Commerce“ auszubilden. Die Schaffung neuer Ausbildungsberufe ist allerdings nicht der Regelfall. Aufgrund der gestaltungsoffenen Formulierung der Ausbildungsordnungen haben Sie schon heute die Möglichkeit,  betriebsspezifische digitale Akzente in der eigenen Ausbildung umzusetzen. Knüpfen Sie an Ihre Unternehmensstrategie an und richten Sie gemeinsam mit allen Beteiligten Ihre Ausbildung zukunftsgerecht aus, damit Sie langfristig die benötigen Kompetenzen aufbauen können. Einen Einstieg hierzu finden Sie in unseren 5 Schritten zur Digitalisierung. Beziehen Sie hierbei auch Ihre Auszubildenden aktiv mit ein, indem Sie sich zum Beispiel über bereits vorhandene Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien oder Social Media austauschen. Junge Menschen bringen oftmals bereits zu Ausbildungsbeginn wichtige Kompetenzen in das Unternehmen ein, von denen alle Beteiligten profitieren können. 

Ein großer Teil der Unternehmen sieht im Zusammenhang mit der Digitalisierung größeren Bedarf an der Modernisierung vorhandener Berufe und der Schaffung von Zusatzqualifikationen. Dies spiegelt sich auch in aktuellen Entwicklungen der Berufsbildung wider, wie bei der Anpassung der Ausbildungsordnungen der industriellen Metall- und Elektroberufe samt der Entwicklung optionaler Zusatzqualifikationen, z.B. zum Thema IT-Sicherheit oder 3-D-Druck. Diese beiden Änderungen ermöglichen ab dem 1. August 2018 ausbildungsaktiven Unternehmen, Ihre Ausbildung noch stärker auf die Anforderungen der Digitalisierung hin auszurichten. Gleiches gilt auch für die chemische Industrie und die Ausbildung des Chemikanten bzw. der Chemikantin in Form einer Wahlqualifikation „Digitalisierung und vernetzte Produktion“. Wahlqualifikationen bieten die Möglichkeit einzelne Ausbildungsabschnitte spezifisch einem optionalen Inhalt -in diesem Fall Digitalisierung- zu widmen.

3. Neue Lehr- und Lernmethoden einführen

Durch die Digitalisierung und die weite Verbreitung von Laptops, Tablets oder IT-gesteuerten Maschinen, rückt das Lernen näher an den Arbeitsprozess heran, wenn die (digitalen) Arbeitsmittel zugleich als Lernmedien genutzt werden. Oftmals sind mobile, internetfähige Endgeräte jederzeit verfügbar und werden auch zum selbstgesteuerten Lernen genutzt, um Fragen zu klären, die sich in der täglichen Arbeit ergeben. Hierdurch erhält auch das Thema „E-Learning“ neuen Schwung.
Auch die Weiterbildungserhebung des IW, welche Rolle digitale Medien schon heute etwa für den Bereich der betrieblichen Weiterbildung spielen.
Auch Ansätze wie altersgemischte Teams haben sich in der Praxis als erfolgreich erwiesen, um das digitale Know-how junger Menschen mit dem betrieblichen Erfahrungswissen langjähriger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu vermischen.

Weitergehende Informationen hierzu finden Sie in unserem Dossier zur Digitalen Bildung.

4. Kooperationen und Netzwerke nutzen

Mit Ihren Fragen zum Thema Ausbildung 4.0 und möglichen Herausforderungen in diesem Bereich stehen Sie nicht allein da. Nutzen Sie Ihre Netzwerke, wie beispielsweise Ausbilderkreise oder Netzwerkveranstaltungen von Kammern und Verbänden, um sich zu Themen der digitalen Ausbildung zu informieren und Lösungen auszutauschen. Auch eine vertiefte Lernortkooperation mit der Berufsschule und ggf. überbetrieblichen Ausbildungsstätten kann hilfreich sein, um Ihrer Ausbildung neue Impulse zu geben.

Wie sieht Digitalisierung der Ausbildung in der Praxis aus?

Lassen Sie sich von unseren KOFA-Praxisbeispielen inspirieren, in denen wir von vielversprechenden Ansätzen aus Unternehmen berichten, die bereits erste Schritte in Richtung Digitalisierung der dualen Ausbildung gegangen sind:

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