
Frauen als Schlüssel zur Fachkräftesicherung
KOFA-Studie 01/2026Das Wichtigste in Kürze
- Immer mehr gut qualifizierte Frauen sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt.
- Viele Frauen arbeiten in Engpassberufen und lindern somit Fachkräfteengpässe.
- Dennoch bestehen weiterhin ungenutzte Potenziale unter arbeitslosen Frauen
- Nichtdeutsche Frauen bieten besonders großes zusätzliches Potenzial für die Zukunft.
- Allerdings sucht jede fünfte arbeitslose Frau in Deutschland nach einer Tätigkeit, für die sie formal überqualifiziert ist.
- Würde es gelingen, diese Potenziale zu heben, könnten die Fachkräftelücken in einigen Berufen geschlossen und in weiteren zumindest deutlich reduziert werden.
Immer mehr gut qualifizierte Frauen sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt
Zwischen 2014 und 2014 ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen in Deutschland um rund 2,5 Millionen auf insgesamt 15,6 Millionen gestiegen. Besonders stark wuchs die Beschäftigung bei hoch qualifizierten Frauen, die als Spezialistinnen mit Bachelor- bzw. Fortbildungsabschluss oder als akademisch qualifizierte Expertinnen tätig waren. Bei Männern hat die Beschäftigung in diesen höher qualifizierten Tätigkeiten weniger stark zugelegt. Am geringsten war der Beschäftigungszuwachs insgesamt bei beruflich qualifizierten Fachkräften. Er lag bei Frauen bei 5,6 Prozent und damit ähnlich niedrig wie bei Männern.
Nichtdeutsche Frauen tragen überproportional stark zum Beschäftigungswachstum bei
Bezogen auf das ganze Bundesgebiet geht fast die Hälfte des gesamten Beschäftigungszuwachses bei Frauen auf nichtdeutsche Frauen zurück. In Ostdeutschland stellen sie fast das gesamte Wachstum, da bei deutschen Frauen teilweise bereits ein Beschäftigungsrückgang zu beobachten ist. Dies liegt zum einen an der fortgeschritteneren Alterung der deutschen Bevölkerung in Ostdeutschland und zum anderen daran, dass in Ostdeutschland die Frauenerwerbsbeteiligung traditionell höher liegt als in Westdeutschland und hier somit weniger noch ungenutzte Potenziale erschlossen werden können.
Viele Frauen arbeiten in Berufen mit Fachkräfteengpass
2024 arbeiteten knapp 42 Prozent der Frauen in Engpassberufen. Das entspricht gut 6,5 Millionen Frauen. Besonders stark wuchs die Beschäftigung in frauentypischen Berufen mit Fachkräfteengpass wie beispielsweise der Sozialarbeit, der Kinderbetreuung, der Erziehung und der öffentlichen Verwaltung. Dabei weisen diese Berufe besonders große Fachkräftelücken auf.
Dennoch bestehen auch weiterhin ungenutzte Fachkräftepotenziale bei Frauen – insbesondere bei nichtdeutschen
Zwischen Juli 2024 und Juni 2025 gab es in Deutschland durchschnittlich knapp 1,3 Millionen arbeitslose Frauen. Etwa 40 Prozent von ihnen haben keine deutsche Staatsangehörigkeit. Das sind rund 520.000 Frauen. Sie sind im Schnitt jünger als deutsche Frauen und können deshalb helfen, die Folgen des demografischen Wandels abzufedern. Denn, es gibt in Deutschland immer weniger junge Menschen und zeitgleich gehen viele Ältere bald in den Ruhestand.

Um das Potenzial von Frauen noch besser zu erschließen, muss es zum einen gelingen die 531.000 nicht-deutschen, arbeitslosen Frauen in den Arbeitsmarkt zu integrieren und zum anderen qualifizierte Frauen auch in qualifizierte Jobs zu bringen. Mindestens jede Fünfte der gut 1,3 Millionen arbeitslosen Frauen sucht nach einer Beschäftigung, für die sie formal überqualifiziert ist. Dabei könnte eine qualifikationsadäquate Beschäftigung dieser Frauen in einigen Berufen die Fachkräftelücke schließen oder zumindest stark reduzieren.
Lydia MalinStudienautorinMindestens jede fünfte arbeitslose Frau sucht eine Stelle, für die sie formal überqualifiziert ist
Dies betrifft rund 250.000 Frauen. Bei Männern sind es deutlich weniger.
Einige Beispiele:
- 44,5 Prozent der arbeitslosen Frauen mit Berufsausbildung suchen eine Helfertätigkeit.
- 40,3 Prozent der Frauen mit akademischem Abschluss suchen eine Helfertätigkeit oder einen Job, für den man typischerweise eine abgeschlossene Berufsausbildung braucht.
Besonders stark ausgeprägt ist dieses Suchmuster bei nichtdeutschen Frauen. Beispielsweise suchen 59 Prozent der arbeitslosen, nichtdeutschen Akademikerinnen eine Tätigkeit, für die sie formal überqualifiziert sind.
Viele Frauen suchen Helfertätigkeiten – auch in Berufen, in denen auf Fachkraftniveau ein Mangel herrscht
Viele arbeitslose Frauen suchen nach einer Helfertätigkeit in Berufen, die auf Fachkraftniveau Engpässe haben und dass, obwohl sie eigentlich über einen berufsqualifizierenden Abschluss verfügen. Sie suchen beispielsweise eine Helfertätigkeit in den Bereichen:
- Reinigung
- Verkauf
- Küche
In reglementierten Pflege- und Erziehungsberufen könnten Fachkräftelücken stark reduziert werden, sofern die entsprechenden Abschlüsse vorhanden oder über gezielte Anpassungsqualifizierungen nachträglich erworben werden.
Was helfen kann: Flexible Arbeitsbedingungen und Qualifizierung
Frauen brauchen gute Rahmenbedingungen, die Beruf und Familie vereinbar machen. Dazu gehört eine ausreichende Kinderbetreuung sowie Betreuungsmöglichkeiten für pflegebedürftige Angehörige. Doch auch Unternehmen können zu optimalen Rahmenbedingungen beitragen. Beispiele dafür sind:
- flexible Arbeitszeiten
- flexible Arbeitsorte
- Teilzeitmodelle
- verlässliche Vertretungsregelungen
Auch Qualifizierungsangebote spielen eine wichtige Rolle. Sie helfen Frauen beim Einstieg oder Wiedereinstieg. Sie ermöglichen höherwertige Tätigkeiten und fördern berufliche Entwicklung. Bei zugewanderten Frauen ist zudem die Förderung des Spracherwerbs wichtig.