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Fachkräftesicherung - Was wir in Zukunft anders machen werden!

Fachkräftesicherung - Was wir in Zukunft anders machen werden!


Zuletzt aktualisiert: 01. Dezember 2022

Personalarbeit der Zukunft: Welche Perspektiven und Umsetzungsmöglichkeiten gibt es?

Um kleine und mittelständische Unternehmen bei der Gestaltung ihrer Personalarbeit zu unterstützen, hat sich das KOFA mit seinen Netzwerkpartnern zum Austausch getroffen. Lesen Sie hier die Zusammenfassung aus Podiumsdiskussion und Workshops.

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Personalarbeit verändert sich und erfordert neue Herangehensweisen bei der Fachkräftesicherung. Um gemeinsam den Blick in die Praxis zu schärfen, Perspektiven zu entwickeln und Umsetzungsmöglichkeiten für relevante Zukunftsthemen zu gestalten, ist das KOFA mit Vertreterinnen und Vertretern der Industrie und Handelskammer (IHK), Handwerkskammer (HWK), Agentur für Arbeit, Wirtschaftsförderung und Verbänden in den Austausch getreten. Das Ziel: Kleine und mittelständige Unternehmen noch passgenauer bei der Gestaltung ihrer Personalarbeit zu unterstützen.   

Vom Arbeitgeber- zum Arbeitnehmermarkt

Die Arbeitswelt befindet sich im Wandel. Weniger Arbeitslose treffen auf mehr offene Stellen. Das hat Auswirkungen auf die Personalarbeit. Um den Blick für die Praxis zu schärfen, gehen wir in den Austausch mit einer Studienrätin und Koordinatorin für berufliche Orientierung, einer Auszubildenden und zwei Unternehmensverantwortlichen. Was brauchen (zukünftige) Mitarbeitende heute und wie können Sie für ein bestimmtes Unternehmen gewonnen werden?

Mitarbeitende wollen einbezogen werden

„Zuhören, zuhören, zuhören kann man als Chef nicht gut genug,“ davon ist Doris Breuer, Geschäftsinhaberin von Pflanzen Breuer, überzeugt. Jörg Baumeister, Inhaber der Tischlerei Baumeister-Inneneinrichtungen, bestätigt: „Es ist die Firma aller, die da beschäftigt sind. Nicht nur die des Inhabers“. Er ist mit seinem Unternehmen sogar noch einen Schritt weitergegangen: „Wir haben das Organigramm im Betrieb umgestellt: Nun steht der Kunde ganz oben“, und die Mitarbeitenden mit direktem Kundenkontakt noch vor dem Chef an Stelle zwei.

Aktiv mitgestalten, von Anfang an  

Katherin Marx, Auszubildende von Fliesen-Schmitz, liebt ihren Beruf: „Ich bin ins Handwerk gegangen, um Fertigkeiten zu erlernen, auf die ich stolz sein kann.“ Im Arbeitsalltag ist es ihr wichtig, direkt in die Umsetzung zu kommen und sich ausprobieren zu dürfen. Junge Menschen wollen mitgestalten. Sabrina Zieten, Studienrätin und Koordinatorin für berufliche Orientierung, bestätigt: „Schüler möchten im Praktikum Verantwortung übernehmen und viel machen.“ Daher können Unternehmen mit aktiv gestalteten Praktika viel gewinnen, denn „Empfehlungen sind das beste Headhunting,“ ergänzt sie.  

Die Stimmung ist das A und O  

Ein gutes Betriebsklima steht über allem: „Spaß und Freude sollten in der Firmenphilosophie stehen, aber man muss es nicht nur sagen, man muss es leben,“ davon ist Jörg Baumeister überzeugt. Auch Katherin Marx bestätigt: „Gutes Arbeitsklima und Sicherheit halten mich in der Firma.“ 

Unser Erfolgsfaktor: Das Team sucht selbst die neue Kollegin oder den neuen Kollegen aus und ist selbst verantwortlich.

Doris BreuerGeschäftsinhaberin von Pflanzen Breuer
Katherin Marx, Auszubildende von Fliesen-Schmitz

Azubis müssen die Chance bekommen, sich im Betrieb auszuprobieren und auch Verantwortung übernehmen dürfen. Wichtig dabei: Der Chef sollte sich ausreichend Zeit für Feedback nehmen, denn nur so kann man sich weiterentwickeln. 

Katherin MarxAuszubildende von Fliesen-Schmitz
Sabrina Zieten, Studienrätin und Koordinatorin für berufliche Orientierung an der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule Dormagen

Wir fangen an der Schule mit einer Stärkenanalyse an, finden Interessen heraus und knüpfen die Berufspraktika daran. Praktika sind sehr wichtig, denn darüber gewinnen Unternehmen ihre späteren Auszubildenden. 

Sabrina ZietenStudienrätin und Koordinatorin für berufliche Orientierung an der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule Dormagen
örg Baumeister, Inhaber der Tischlerei Baumeister-Inneneinrichtungen

Wenn man angehenden Azubis erzählt, warum man morgens aufsteht und warum man seinen Job mit Leidenschaft macht, dann ist das authentisch. Nur so kann man junge Menschen begeistern.

Jörg BaumeisterInhaber der Tischlerei Baumeister-Inneneinrichtungen

Ein Flug in die Zukunft der Personalarbeit  

Mit unseren Teilnehmenden blicken wir in die Zukunft und sammeln ein Meinungsbild ein. Was sind die Trends in der Personalarbeit? Wie lassen sich Themen gruppieren? Welche Gestaltungsmöglichkeiten haben Arbeitgeber? Hierzu tauschen wir uns in verschiedenen Workshoprunden intensiv aus und entwickeln Perspektiven. 

Internationale Fachkräfte 

Ein wertschätzendes und organisiertes (soziales) Onboarding ist für eine gelungene Integration entscheidend. Wer kümmert sich um Wohnung, Kita und die Kontoeröffnung? Ist der Familiennachzug geplant? Wer unterstützt das neue Teammitglied bei Alltagsproblemen? Welche zeitlichen Ressourcen werden hierfür benötigt? Und wie kann der Spracherwerb weiter unterstützt werden?

Wichtig ist, dass nicht nur der Chef bzw. die Chefin, sondern auch die Mitarbeitenden offen für internationale Fachkräfte und sensibel für kulturelle Unterschiede sind. Ein Unternehmenscheck in Form einer Befragung kann hilfreich sein, um die Offenheit der Mitarbeitenden einzuschätzen und Potenziale und Handlungsfelder aufzudecken. Zudem kann das Unternehmen testen, ob es ausreichend über Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten informiert ist. Auch Verbandstreffen und Stammtische können wichtige Netzwerke sein und beim Aufbau einer Willkommenskultur helfen.  

Eine lösungsorientierte Perspektive könnte eine professionelle Wegbegleiterin oder ein professioneller Wegbegleiter sein, die oder der hauptberuflich kostenfrei von Unternehmen für die Integration beauftragt werden kann. Diese Person sollte vollumfänglich begleiten und nicht nur beratend tätig sein. Gleichzeitig müssen bürokratische Prozess für Fachkräfte und Unternehmen schlanker und transparenter organisiert werden (One-stop-shop-Lösung).

Vereinbarkeit 

Vereinbarkeit umfasst weit mehr als die Betreuung und Pflege von Angehörigen, vielmehr geht es um die Vereinbarkeit von Beruf und anderen Lebenszielen. Zu den Lebenszielen kann Familie zählen, aber auch Reisen, (Weiter-)Bildung, Haustiere und vieles mehr. Daher ist eine gute Vereinbarkeitspolitik in den Unternehmen lebensphasenorientiert. Hierarchien und starre Strukturen bremsen ein innovatives Herangehen an eine bessere Vereinbarkeit. Wie können die Unternehmen die individuellen Bedürfnisse an Vereinbarkeit erfüllen? 

Ein fester Katalog an Maßnahmen sollte dabei nicht unbedingt vorgehalten werden. Vielmehr könnten in Mitarbeitergesprächen die Bedürfnisse erfragt und individuelle Lösungen entwickelt werden. Die Verantwortung wird gemeinsam getragen. Wenn alle Mitarbeitenden ihre eigenen Benefits bekommen, die für sie eine große individuelle Bedeutung haben, dürfte eine Neiddebatte nicht entstehen. Eine Unternehmenskultur des gegenseitigen Respekts ist dafür eine der elementaren Grundvoraussetzungen.  

Durch die Mitarbeiterbeteiligung werden zudem die Stärken des Mitarbeitenden sichtbar. Diese können so weiter gestärkt gefestigt und für das Unternehmen nutzbar gemacht werden. 

Ausbildung 

Ausbildung ist in Deutschland einzigartig! Das Image der Berufsausbildung wird jedoch von jungen Menschen im Vergleich zum Studium häufig als unattraktiv(er) wahrgenommen. Viele Berufe und Karrierewege sind zudem unbekannt. Wie kann der häufig fehlende Bezug zur Ausbildung hergestellt werden?  

Hier braucht es Erfolgsgeschichten, die die berufliche Ausbildung erlebbar machen. Ob vom Azubi zur Geschäftsführerin oder Quereinsteiger zum Fachexperten, Unternehmen können mit eindrucksvollen Lebensläufen und Karrierewegen werben. Auch Elternansprache darf anders gedacht werden. Mit Ausbildungsmessen für Eltern und einer Förderung der Berufswahlkompetenz sollten Eltern als eine wichtige Zielgruppe für Unternehmen mitgedacht werden. Denn Eltern haben einen positiven Einfluss auf die Berufswahl ihrer Kinder.  

„Lehrjahre sind keine Herrenjahre“, zeigt eine veraltete Ansicht. Auch einige Betriebe müssen attraktiver und sichtbarer werden und intern an ihrer Haltung zur Ausbildung arbeiten. Durch eine wertschätzende und engagierte Personalführung von jungen Menschen, können Ausbildungsabbrüche verhindert und die Arbeitgeberattraktivität gestärkt werden.  

Arbeitgeberattraktivität  

Ein Arbeitgeber sollte attraktiv sein, damit sich neue Mitarbeitende auf offene Stellen bewerben und auch dauerhaft im Unternehmen bleiben. Was genau hält Unternehmen trotz eklatanter Fachkräfteengpässe dennoch manchmal noch davon ab, sich strategisch mit dem Thema Arbeitgeberattraktivität/Employer Branding zu beschäftigen?  

Viele kleine und mittlere Unternehmen machen schon sehr vieles richtig. Nur das Bewusstsein über eigene, bereits vorhandene Stärken (Selbst-/Fremdeinschätzung) ist nicht immer deutlich genug und muss klarer herausgearbeitet werden. Die Basis für jedes Unternehmen sollte die Kenntnis der eigenen Stärken und Schwächen sein. Diese lassen sich besonders gut über diejenigen herausfinden, die bereits im Unternehmen arbeiten. Über anonyme Mitarbeiterbefragungen – oder bei vertrauensvoller Unternehmenskultur auch über Mitarbeitergespräche – werden Potenziale sichtbar, die zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität genutzt werden können.   

Wie Unternehmen ihre Potenziale nutzen, kann dabei sehr unterschiedlich sein. Für den einen Unternehmer ist es wichtig, ein Siegel vorzuweisen, das eine gute Arbeitgeberattraktivität bestätigt. Die nächste Unternehmerin setzt vielleicht eher auf eine starke Beteiligung der Mitarbeitenden. Für wieder andere Unternehmen sollten altbewährte Prozesse die Grundlage sein, auf denen Schritt für Schritt aufgebaut wird, um neue Wege zu gehen und die Arbeitgeberattraktivität nachhaltig zu verbessern.  


Durch offenen Austausch und intensive Workshops konnten wir gemeinsam zahlreiche Potenziale der Personalarbeit aufdecken und freuen uns auf die zukünftigen Kooperationen zur Unterstützung von kleinen und mittleren Unternehmen bei ihrer Personalarbeit.  

Herzlichen Dank an alle Teilnehmenden des Multiplikatorentreffens. Wir haben uns über die Zusammenarbeit sehr gefreut.